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Das Empowerment- Coaching CGS (eBook)

Lehrbuch und Praxismanual zum Empowerment- Coaching von Personen mit chronischen Gesundheitsstörungen CGS

(Autor)

eBook Download: EPUB
2023 | 1. Auflage
212 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-384-03481-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Das Empowerment- Coaching CGS -  Gerd Nagel
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Die Bewältigung einer Krankheit hängt nicht nur von der Medizin, sondern auch vom Patienten selbst ab. Daher fragen Patienten: 'Was kann ich SELBST für mich tun?'. Empowerment ist die Befähigung des Patienten selbst zu einem normalen Leben mit und trotz einer chronischen Erkrankung beizutragen. In diesem Buch wird beschrieben, wie Patienten und Patientinnen diese Befähigung mit Unterstützung eines Empowerment - Coachs erwerben können. Das Buch behandelt ausführlich die Methoden und Tools des Empowerment-Coachings, auf Basis der positiven Psychologie wie z. B. Zielorientierung, Selbstwirksamkeitserwartung, Refraiming, Stärkenbewusstsein und vieles mehr.

Gerd Nagel ist einer der Pioniere des Patienten-Empowerments. Als Professor für Innere Medizin und Onkologie war er zuletzt wissenschaftlicher Direktor der Klinik für Tumorbiologie an der Universität Freiburg. Nach seiner Pensionierung gründete er die Stiftungen Patientenkompetenz Schweiz und Deutschland sowie die My Empowerment GmbH mit dem Ziel, die Potenziale von Menschen mit chronischen Erkrankungen besser zu erforschen und zu fördern. Im Rahmen von Lehrgängen, Vorträgen und Medienauftritten setzt er sich dafür ein, die Ressourcen von Patienten zur Bewältigung von Krankheiten aktiv zu nutzen und zu stärken. ?

Gerd Nagel ist einer der Pioniere des Patienten-Empowerments. Als Professor für Innere Medizin und Onkologie war er zuletzt wissenschaftlicher Direktor der Klinik für Tumorbiologie an der Universität Freiburg. Nach seiner Pensionierung gründete er die Stiftungen Patientenkompetenz Schweiz und Deutschland sowie die My Empowerment GmbH mit dem Ziel, die Potenziale von Menschen mit chronischen Erkrankungen besser zu erforschen und zu fördern. Im Rahmen von Lehrgängen, Vorträgen und Medienauftritten setzt er sich dafür ein, die Ressourcen von Patienten zur Bewältigung von Krankheiten aktiv zu nutzen und zu stärken. ​

2.0

Die Welt der Betroffenen mit CGS

2.1 Was kann ich selbst für mich tun?

Zusammenfassung: Die Worte ICH SELBST treffen den zentralen Punkt, um den es beim Empowerment-Gespräch geht: das selbstbestimmte, zielorientierte Handeln der Betroffenen bezüglich ihrer eigenen Angelegenheiten und zu ihren Gunsten. «Selbst entdecken, selbst schaffen» – von frühester Kindheit an entsteht der Wille nach Selbstentfaltung, der letztlich zu folgender Erfolgsformel wurde: «Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.»

«Ich-Selbst»: Ein Begriff sowohl aus der Umgangssprache als auch aus den Wissenschaften

Was meint «Ich-Selbst»? Zunächst ist es einmal ein Begriff unserer Umgangssprache. Die Betonung liegt auf dem Ich. Es geht um die subjektive Wahrnehmung und das persönliche Handeln in Bezug auf ureigene Angelegenheiten des Individuums. Zudem stehen die Worte «ICH SELBST» in engem Zusammenhang mit der Persönlichkeitsentwicklung des Menschen. Von frühester Kindheit an, wenn sich die Kleinen mit den Worten «selber, selber, selber» erstmals an Neues heranwagen – und sich dabei teilweise auch selbst überschätzen und «auf die Nase fallen» oder «die Finger verbrennen» – steht dieses Ich-Selbst in engem Zusammenhang mit der Erfahrung der Welt, Weitung des eigenen Horizonts, Entfaltung von Gefühlen der Autonomie, der Emanzipation und des Selbstvertrauens.

Ich-Selbst ist schliesslich auch ein Begriff der Neurobiologie. Mit der Verortung des Selbst im ZNS* wurde dessen wesentliche Funktion bei der Regulation molekularbiologischer Prozesse zum Schutz bzw. zur Wiederherstellung der menschlichen Identität und Integrität erkannt.

Ich-Selbst: Die Essenz des Betroffenen-Empowerments

Die Frage, «Was kann ich als Betroffene:r selbst für mich tun», stellt sich in jedem Empowerment-Gespräch. Manchmal ist sie der Ausgangspunkt des Gesprächs. Manchmal markiert sie dessen gelungenes Ende. Bleibt sie unbeantwortet, ist kaum denkbar, dass sich die oder der Betroffene wirkungsvoll, selbstverantwortlich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen lernt, von der Überzeugung geleitet, dass kaum etwas unser Leben so nachhaltig prägt, wie die Erkenntnisse, die wir selbst gewonnen, die Konsequenzen aus unserem Tun, die wir selbst gezogen, unser Verhalten, das wir selbst geändert und die Sehnsucht, die wir selbst genährt haben.

Abb. 02: Der bzw. die Betroffene an der Schnittstelle von Medizin- und Betroffenen-Welt.

Ich-Selbst: So fragt nur der Mensch

Was den Menschen und nur ihn ausmacht, ist das Wissen, Verantwortung für sich selbst zu haben und dafür Rechenschaft ablegen zu müssen. Sich in Krisensituationen selbst gegen die Attacken des Schicksals zu wehren, ist ein uraltes, tief eingeprägtes Verhaltensmuster. Entsprechend heisst es: Behalte das Heft des Handelns in deiner eigenen Hand. Oder, wie der Volksmund sagt: «Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.» Um dieses «Betroffenen-Ich-Selbst» dreht sich das ganze Empowerment-Coaching.

Fallbericht

Der Empowerment-Coach erzählt:

«SE kommt nun schon seit über 10 Jahren zu mir ins Empowerment-Coaching. Im Schnitt zweimal pro Jahr. Jedes Jahr sagt sie: ‹Ich brauche wieder einen Schluck Empowerment.› Es ist schon gar nicht mehr klar, wer hier eigentlich wen coacht. Auch ich gehe nach jeder neuen Begegnung mit ihr abends nach der Sprechstunde weniger gebeugt als sonst nach Hause. Als ältere Semester bevorzugen wir es, uns gegenseitig mit "Sie" anzusprechen. SE hat das Selbst-Empowerment schon in ihren Initialen. Und sie hatte es auch für sich selbst entdeckt, lange bevor jemand hierzulande dieses Wort kannte. ‹Das ist doch 2000-jähriges Wissensgut›, meinte sie. Ich konnte ihr nur beipflichten.

SE: ‹Wie will man im Leben wirklich vorankommen, wenn man es nicht selbst will? Das weiss doch jeder.›

Coach: ‹Jeder?›

SE: ‹Jeder! Aber nicht jeder weiss, dass er es weiss. Dann braucht es ein Coaching. Ich war über 40 Jahre lang Primarlehrerin. Die einen brauchten kein Empowerment-Coaching, die meisten wohl. Das war eines meiner Hauptanliegen, die jungen Menschen dabei zu unterstützen, selbstständig zu werden. Einmal fragte mich eine Schülerin: ‹Lehrerin, wo ist Celebes?› Ich entgegnete: ‹Warum willst du das wissen?› Die Schülerin antwortete: ‹Einer hat den Witz vom Elefanten aus Celebes erzählt.›

‹Ich habe ihr dann gesagt: ‹Du hast fünf Minuten Zeit. Besorge dir einen Atlas und finde selber raus, ob es Celebes überhaupt gibt und wo es liegt.› Die Klasse lachte. Sie rannten alle in die Schulbibliothek und kamen mit ein paar Atlanten zurück. Celebes war schnell gefunden. Dann tönte es: ‹Wer findet zuerst Borneo?› Denn in dem Witz hiess es auch: Der Elefant aus Borneo, der hat den Rüssel vorneo. Und so haben sie es selber gelernt und deswegen auch nie mehr vergessen.›

SE war wirklich der beste Beweis, dass Selbst-Empowerment ein Teil jener Kraft ist, die Berge versetzen kann. Vor über dreissig Jahren bekam sie Brustkrebs, wenige Jahre später Ableger desselben in Knochen und Leber. Sie erhielt die üblichen Krebsmedikamente. Es ging immer auf und ab. Sie verlor das Gefühl in den Fingerspitzen und die Füsse wurden fast taub. Dann kam Rheuma dazu und sie musste das Klavierspielen aufgeben. Es kam zu Knochenbrüchen, aber auch wieder zu deren Abheilung.

Coach: ‹Ich habe noch nie jemanden wie Sie gesehen. Was hält Sie am Leben?›

SE: ‹Nicht am Leben, im Leben.›

Coach: ‹Was hält Sie im Leben?›

SE: ‹Wissen Sie, mein Mann ist ein paar Jahre älter und im Rollstuhl. Ihn kann und will ich nicht allein lassen.›

Coach, ein paar Jahre später, als sie vom Tode ihres Mannes berichtete: ‹Wie geht es jetzt für Sie weiter? Sie haben ihr Ziel erreicht und Ihren Mann bis zuletzt begleitet.›

SE: ‹Ja, für ihn habe ich gelebt. Nicht vor ihm sterben, das war ein Ziel.›

Coach: ‹Gibt es noch ein zweites?›

SE: ‹Ja, selbstverständlich. Jetzt will ich endlich auch für mich leben.›»

2.2 Metaphern* in der Sprache und subjektive Ätiologievorstellungen* von Betroffenen mit CGS

Zusammenfassung: Besonders in der Krise versucht sich der Mensch zu erklären, wie er in seine neue Lage hineingeraten ist. Bieten sich ihm keine plausiblen Erklärungen an, legt er sich diese als subjektive Vorstellungen selbst zurecht. Betreffen diese das Zustandekommen von Ereignissen, redet man von subjektiven Ätiologievorstellungen. Manche solcher Vorstellungen sind eher ausgefallen, andere jedoch recht verbreitet. Manche sind real zu verstehen, manche als Metaphern. Metaphern können verschlüsselte Botschaften enthalten. Diese richtig zu deuten, ist eine besonders spannende Herausforderung des Empowerment-Coachings.

Es gibt nicht nur allgemeine Wahrheiten und kollektive Überzeugungen, sondern auch subjektive. Jeder Mensch hat solche. Denn jede:r muss nicht nur mit der Allgemeinheit, sondern auch mit sich selbst zurechtkommen. Wenn wir nach subjektiven Erklärungen suchen, wo es keine objektiven gibt, hat das nicht immer mit Willkür zu tun. Die subjektive Interpretation unserer Welt ist menschliches Grundrecht. Sie ist auch Notwendigkeit, sogar Überlebensstrategie und normaler Bestandteil der salutogenetischen* Trias Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit.

Besonders in persönlichen Krisenzeiten, wenn kollektive Wahrnehmungen nicht weiterhelfen, erfordert individuelles Leid geradezu individuelle Ausdeutungen.

Fallbericht

Eine Betroffene wurde gefragt, warum sie ausser dem schmerz- und entzündungshemmenden Mittel gegen ihre CGS, von der sie sich bedroht fühlte, auch noch regelmässig Heilerde einnehme.

Sie meinte: «Das ist so: Das Mittel der Schulmedizin wirkt. Bei der Heilerde des Heilpraktikers bin ich mir zwar nicht so sicher, ob sie wirkt, aber sie hilft.» Der Coach – den Unterschied zwischen Wirken und Helfen sehr wohl würdigend – sah keine Notwendigkeit, weiter darüber zu diskutieren. Eine Gefahr stellte die Heilerde nicht dar und der Betroffenen schien sie gutzutun.

Neue Normalität

Wir stufen vieles als nicht normal ein und bedenken zu wenig, dass nicht nur Vollkommenheit und Wohlbefinden zum normalen Leben gehören, sondern auch das Gegenteil.

Betroffene mit CGS erleben solch ein Gegenteil. Sie stehen vor der Herausforderung, ihren neuen Zustand als neue Normalität zu akzeptieren. Das fällt oft schwer. Auflehnung entlastet. Das aufgeschürfte Knie des kleinen Kindes gehört zur...

Erscheint lt. Verlag 1.6.2023
Mitarbeit Cover Design: Tonicmoon GmbH
Sonstige Mitarbeit: Tonicmoon GmbH, Matthias Feldbaum
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Gesundheit / Leben / Psychologie Lebenshilfe / Lebensführung
Sachbuch/Ratgeber Gesundheit / Leben / Psychologie Partnerschaft / Sexualität
Geisteswissenschaften Psychologie Allgemeines / Lexika
Geisteswissenschaften Sprach- / Literaturwissenschaft
Technik
Schlagworte Empowerment-Coaching • Patienten- Autonomie • Patienten Edukation • Patienten- Selbstmanagement • Selbstwirksamkeit
ISBN-10 3-384-03481-3 / 3384034813
ISBN-13 978-3-384-03481-6 / 9783384034816
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