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Meine Entdeckung von Brasil-Pindorama (eBook)

Leben und Reisen in Brasilien und Südamerika, die Indigenen Völker, Naturschutz und politische Ereignisse und das Zusammentreffen der Kulturen
eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
584 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-78207-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Meine Entdeckung von Brasil-Pindorama -  Christiane Schrodetzki Moreira
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Brasilianer sind nett, lustig und immer für Feste zu haben. Brasilien ist ein Land mit einer gleichermaßen überwältigenden Natur, wie einer Vielfalt von Kulturen, die seit über 12.000 Jahren den Kontinent besiedelt haben. Mehr als 20 Jahre lang habe ich mit meiner Familie Brasilien in alle Himmelsrichtungen bereist und seit 12 Jahren lebe ich in diesem wunderbaren Land. In dieser Zeit habe ich Brasilien und Südamerika Schritt für Schritt entdeckt und die wahre Geschichte dieses Kontinents kennengelernt, die so in keinem Reiseführer steht. Eingepackt in meine Erlebnisse habe ich die Geschichte der Völker, die seit tausenden von Jahren auf dem Kontinent im Einklang mit der Natur leben, in diesem Buch festgehalten, um sie an die jetzigen und die zukünftigen Generationen weiterzugeben. Ihr Kampf um den Erhalt der Natur und ihre Lebensweise sind eine Inspiration.

Geboren und aufgewachsen in der DDR zog die Autorin 1993 nach München, wo sie 1998 ihren brasilianischen Ehemann kennenlernte. Mit ihm reiste sie seit 1999 jedes Jahr nach Brasilien, wo sie mit den gemeinsamen Kindern seit 2011 leben. Durch ihre vielen Reisen quer durch Brasilien, nach Peru und Chile hat sie gleichzeitig Landeskenntnisse und Sprach- und Kulturkenntnisse erworben, die sie zu einer Vermittlerin zwischen den Kulturen machte. Ihr besonderes Interesse gilt dem Kampf der Indigenen Völker Südamerikas für die Mutter Erde, dem Schutz Amazoniens und der anderen Biome Brasiliens, den sie in ihrem Buch einfließen ließ.

Geboren und aufgewachsen in der DDR zog die Autorin 1993 nach München, wo sie 1998 ihren brasilianischen Ehemann kennenlernte. Mit ihm reiste sie seit 1999 jedes Jahr nach Brasilien, wo sie mit den gemeinsamen Kindern seit 2011 leben. Durch ihre vielen Reisen quer durch Brasilien, nach Peru und Chile hat sie gleichzeitig Landeskenntnisse und Sprach- und Kulturkenntnisse erworben, die sie zu einer Vermittlerin zwischen den Kulturen machte. Ihr besonderes Interesse gilt dem Kampf der Indigenen Völker Südamerikas für die Mutter Erde, dem Schutz Amazoniens und der anderen Biome Brasiliens, den sie in ihrem Buch einfließen ließ.

Kapitel 1

Mai 1999

Brasilia und der Nationalpark Chapada dos Veadeiros

Im Herbst 1998, genau 10 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer, mit dessen Ereignis die Welt wieder einmal eine neue Aufteilung erhielt, und dessen Begebenheiten mein Leben unbestreitbar so beeinflussten, dass es ist wie es ist, rief meine Tante in München mich an und lud mich zum Abendessen ein. Gerne kam ich immer in ihr Haus, denn sie konnte so fantastische Geschichten erzählten, dass ich stundenlang blieb, um zuzuhören. Ich hatte sie erst nach dem Mauerfall kennengelernt, als wir frei, wie wir nun waren, reisen konnten, wohin wir wollten. 40 Jahre lang hatten zwei Länder nebeneinander existiert, wohl mit der gleichen Sprache, aber mit unterschiedlichen Gesellschaftsformen und einer Politik, die sich diametral gegenüberstand. Allein die älteren Bewohner der beiden deutschen Staaten konnten sich zwar an ein Leben ohne Mauer, dafür aber an einen der brutalsten Kriege der Menschheitsgeschichte erinnern, in dem Millionen Menschen gestorben waren. Wir, die jüngere Generation, waren bereits mit einer Mauer und der Grenzteilung Deutschlands geboren, von der wir annahmen, dass es für den Weltfrieden auf jeden Fall sicherer sei, wenn es kein Großdeutschland mehr gäbe. Wir im Osten wuchsen mit Friedensgedanken und mangels Wirtschaftsleistung mit wenig Konsum auf, dafür aber mit einem Sozialstaat, in dem es uns an nichts fehlte. Es wurde für alles gesorgt, vor allem für Gesundheit und Bildung und jede Menge Freizeitgestaltung. Wir hatten ein Gefühl für das „wir“, für die Solidarität mit unterdrückten Völkern und der Hilfe für ältere Menschen. Was uns fehlte wurde 1989 gemeinsam vom Volk (dem „wir“) auf die Straße gebracht, nämlich eine parlamentarische Demokratie, Reisefreiheit und Meinungsfreiheit. Die Veränderungen, die wir anstrebten, waren begleitet von einer so positiven Begeisterung, dass wir mit Freunden und Verwandten und Bekannten in den Monaten September bis Dezember 1989 redeten und diskutierten über neue Möglichkeiten und neue Ideen für eine Modernisierung unseres Staates. Nie in meinem ganzen Leben habe ich mehr so eine demokratische, pluralistische und positive politische Zeit erlebt, wie diese vier Monate im Jahre 1989. Anfang 1990 endete aber die Möglichkeit für einen neuen modernen demokratischen Sozialismus schon, indem der Slogan „Wir sind das Volk“ umgewandelt wurde in „Wir sind ein Volk“ und in der Abstimmung von 1990 sich die überwiegende Mehrheit des DDR-Volkes für einen Anschluss an die Bundesrepublik Deutschland und die D-Mark, sprich den Konsum, entschied. Da die Geschichte stets von den Siegern geschrieben wird, wird heute der 3. Oktober als Wiedervereinigung gefeiert. Eine Wiedervereinigung habe ich persönlich nicht erlebt, ich fand mich von einem Tag auf den anderen in der Bundesrepublik Deutschland wieder, dessen gesellschaftliches System, deren Gesetze und Gewohnheiten ich mit meinen Landsleuten erst einmal entschlüsseln und neu erlernen musste. Was von unserer Kultur übrig blieb, war das Sandmännchen, unsere Kultfigur aus Kindertagen, die uns ins Bett gebracht hatte, meine Bücher von Liselotte Welskopf Henrich, über die ich lustigerweise später mit meiner Freundin, einer Ethnologin, die in Hessen aufwuchs, begeistert gesprochen habe und was ich gewann, war die Reisefreiheit, die ich in den nächsten Jahren unbegrenzt nutzte. Der Beginn meines Nomadenlebens.

Ohne den Mauerfall also hätte ich auch meinen Mann nicht kennengelernt, der im schneereichen November 1998 wie durch einen dieser magischen Zufälle, ein Zimmer im Haus meiner Tante in München gemietet hatte. Damals war er noch einer der wenigen Brasilianer, die nach Deutschland kamen, um während des Studiums ein Auslandspraktikum zu machen. Aus einem tropischen Land kommend, hatte er selbstverständlich noch nie Schnee gesehen und so stapfte er hingerissen zum ersten Mal durch die weiße Pracht. Schon bald nach Einbruch der Dunkelheit fand er den Weg kaum mehr zurück und tauchte erst nach zwei Stunden wieder im Haus meiner Tante auf, die sich schon reichlich Sorgen gemacht hatte. Durch seine höfliche brasilianische Art hatte ihn meine Tante sofort in ihr Herz geschlossen, die, inspiriert durch ihre Geschichten, eine fabelhafte Idee hatte. Sie lud mich und ihn zum Abendessen ein, denn ich müsste ihn unbedingt kennenlernen. Da stand er also am Abend in der Küchentür und begrüßte meine Tante und dann auch mich mit seiner zurückhaltenden höflichen Art, die einem Königshaus jede Ehre gemacht hätte und die meine Tante in weiteres Entzücken stürzte. Er setzte sich und streichelte eine der 6 Katzen meiner Tante, wobei er mir später erzählte, er mochte gar keine Katzen, da eine dieser Jäger in seiner Kindheit seinen geliebten Papagei gefressen hatte. Die brasilianische Höflichkeit verbat ihm natürlich, dies meiner Tante, die ihre Katzen sehr liebte, zu erzählen. Stattdessen behandelte er die Katzen ehrerbietig. Diese Höflichkeit in der brasilianischen Kultur begegnet einem überall im Alltag mit vielen freundlichen Begegnungen, Umarmungen und Aufmerksamkeiten und übt eine große Anziehungskraft auf uns Europäer aus. Es ist eine der bemerkenswertesten Fähigkeiten der brasilianischen Kultur, den Mitmenschen im täglichen Umgang mit dieser Freundlichkeit und Achtsamkeit zu begegnen. Schon von klein auf lernen die Kinder sich höflich zu begrüßen, zu entschuldigen, ihr Spielzeug zu teilen und wenn man etwas isst, dem anderen etwas anzubieten. Diese Höflichkeiten enden aber leider oft am tiefen Graben zwischen arm und reich. Die zwei unterschiedlichen Gesellschaften bleiben meistens unter sich und die Höflichkeiten bleiben deshalb nur auf die jeweilige Gesellschaftsschicht beschränkt. Eine solidarische Form des Zusammenlebens gibt es in Brasilien nicht, dies wird nur von Wenigen praktiziert.

Nach dem Abendessen – als meine Tante unter einer Entschuldigung die Küche verließ – formte also der brasilianische Prinz aus einem kleinen Stück Papier eine Papierrose in Origamitechnik und überreichte sie mir feierlich als Ersatz für Blumen, die es wohl im deutschen Winter nicht gab. Ich war hingerissen über diese Romantik, die dieser brasilianische Prinz an den Tag legte und lud ihn ein, mit mir am nächsten Tag gemeinsam München und seine Umgebung zu erkunden. Auf den gemeinsamen Spaziergängen stellte ich fest, dass ich rein gar nichts über Brasilien wusste, nicht einmal die offizielle Sprache. Ich war der Meinung, in ganz Südamerika spreche man Spanisch, woraufhin mich der brasilianische Prinz erstaunt ansah, denn in Brasilien wurde selbstverständlich Portugiesisch gesprochen. Diese Tatsache rührt aus der Teilung Südamerikas in eine portugiesische und spanische Kolonie im Jahre 1494 durch den damaligen Papst Alexander VI.. Die Ureinwohner der neuen Kontinente wurden dazu allerdings nicht befragt.

Auch stellte ich mir Brasilien mit unendlichem Urwald vor, denn ich hatte schließlich die Bücher des DDR-Völkerkundlers Erich Wustmann über die Ureinwohner am Rio Xingu gelesen. Schon seit meiner Kindheit interessierte ich mich sehr für die indigenen Völker Nord- und Südamerikas und las viele Bücher über ihre Kultur und Lebensweise, die mich schon immer fasziniert haben. Natürlich fragte ich meinen brasilianischen Prinzen sofort über Amazonien und die indigenen Völker aus, da ich annahm, dass er als Brasilianer dies alles kennen müsste, woraufhin er mir erklärte, er wäre noch nie nach Amazonien gereist und kenne auch keinen Ureinwohner. Enttäuscht über diesen kulturellen Notstand, beschloss ich, dass dieses auf jeden Fall eines unserer zukünftigen Reisen sein sollte. Dies ermutigte den brasilianischen Prinzen, mir doch zunächst einmal bei unserer ersten Reise, den Nationalpark „Chapada dos Veadeiros“ in der Nähe der Hauptstadt Brasilia zu zeigen, von dem ich nicht einmal die geringste Ahnung hatte, was ein richtiger „Dschungel“ ist.

Ende März 1999 war sein Praktikum in Deutschland beendet und er musste zurück an die Universität in Brasilien. Ich buchte ebenfalls sogleich einen Flug und am 7. Mai 1999 war es soweit, und ich landete zum ersten Mal in Brasilien, das mir zur zweiten Heimat werden sollte, dessen Landschaft unbeschreiblich schön und dessen Menschen so offen und fröhlich sind und die mit einer unglaublich humorvollen Art das Leben meistern. Wenn man nach Brasilien kommt, gleicht alles einem Abenteuer. Nichts, was man im organisierten und strukturierten Europa kennt, kann man in Brasilien anwenden, man muss sich stattdessen an die Menschen halten, die einen freundlich durch das Chaos geleiten.

Die meisten internationalen Flüge führen über die Megametropole São Paulo, eine dieser Betonwüsten, hässlich von oben und von unten, verteidigt für seine auch schönen Ecken, nur von den Paulistas, den Einwohnern São Paulos. Schöne Ecken habe ich in São Paulo nie kennengelernt, was aber nichts besagen will,...

Erscheint lt. Verlag 17.11.2022
Mitarbeit Cover Design: Michelle S. Moreira
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
Literatur Romane / Erzählungen
Sachbuch/Ratgeber Freizeit / Hobby Fotografieren / Filmen
Schlagworte Amazonien • Brasilien • Geschichte • Indigene Philosophie • Indigene Völker • Kolonisation • Kultur • Natur • Politik • Reisen • Sprachen • Südamerika • Umweltschutz
ISBN-10 3-347-78207-0 / 3347782070
ISBN-13 978-3-347-78207-5 / 9783347782075
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