Beziehung statt Erziehung (eBook)
192 Seiten
Neue Erde (Verlag)
978-3-89060-385-8 (ISBN)
Birgit Ertl ist ausgebildete Diakonin und Diplompädagogin und arbeitet seit vielen Jahren mit Kindern und Jugendlichen. Sie begleitet und berät beim Aufbau von Kitas und Krippen und führt Teamcoachings in Kitas sowie Elternbildungskurse und Fortbildungen für ErzieherInnen und Tagesmütter durch. Sie ist Mutter zweier Kinder und lebt in Stuttgart.
Birgit Ertl ist ausgebildete Diakonin und Diplompädagogin und arbeitet seit vielen Jahren mit Kindern und Jugendlichen. Sie begleitet und berät beim Aufbau von Kitas und Krippen und führt Teamcoachings in Kitas sowie Elternbildungskurse und Fortbildungen für ErzieherInnen und Tagesmütter durch. Sie ist Mutter zweier Kinder und lebt in Stuttgart.
Vorwort
Einleitung
Der andere Blick auf Kinder
Kinderwelt – Erwachsenenwelt – Menschenwelt
Grenzen überschreiten – neu denken
Das Leben meint es gut mit uns – und schickt uns Kinder
Was bringen Kinder in die Welt?
Liebe
Beziehung
Individualität
Wie können Kinder Erwachsene bereichern?
Wie können Erwachsene mit Kindern groß werden?
Erste Schritte: Raum für Freude und Beobachtung
Menschen, Bilder, Rollen oder: sich selbst und die Kinder ernst nehmen
Von der Vater- oder Mutterrolle zum lebendigen Ich
Kinder sind Subjekte und keine Objekte – Vorstellungen und Bewertungen
Eltern und Kinder als Subjekt – Erwachsene lernen sich selbst kennen – Selbsterkenntnis
Klarheit in den Werten – Was will ich? – Woran richte ich mein Leben aus? – Vom Müssen zum Wollen
Erwachsene als Handelnde, die Fehler machen – Schuld –Verantwortung
Wie können sich Kinder von Erwachsenen bereichern lassen?
Wie Kinder mit Erwachsenen groß werden
Liebe der Erwachsenen für ihre Kinder – Wahrnehmung
Liebe in Beziehung – Halt – Raum zum Lieben
Raum und Zeit in der Kinderwelt ermöglichen
Wie können Erwachsene und Kinder gemeinsam groß werden – Erwachsene und Kinder wachsen in Beziehungen
Konflikte – Chancen – Beziehung
Herzebene der Kinder
Kooperation
Schreien und Schlafen von Kindern
Schreien – Zumutung und Begleitung
Schlafen – Herausforderung und Chance
Coda
Impulse unserer Kinder aufnehmen und ein Leben in Liebe verwirklichen
Individuum und Gemeinschaft
Mut zur Entwicklung
Haltung – Grundvertrauen und Akzeptanz
Veränderungsprozess durch Dankbarkeit
Liebe leben – Mit Herzaugen sehen – Zugang zum Herzen finden
Danksagung
Über die Autorin
1
Das Leben meint es gut mit uns – und schickt uns Kinder Was bringen Kinder in die Welt?
Liebe
Wo Kinder sind, hebt sich die Stimmung; Menschen fangen an zu lächeln und sich zu entspannen. Auch wenn wir mit kleinen Kindern unterwegs sind, in den Bus einsteigen, wildfremden Menschen begegnen, zaubert die Begegnung mit einem Kind vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Die Stimmung verändert sich, wird freundlicher, spielerisch und liebevoll.
Die Menschen spüren, dass jedes Kind etwas Besonderes mitbringt. Oft kommen Erinnerungen an die eigenen Kinder oder an Kindheitserlebnisse. Es ist wie ein Stück »Himmel«, der plötzlich sichtbar wird. Auf einmal öffnen sich die mürrischsten Menschen und zeigen einen Teil von sich, der verborgen war und nun an die Oberfläche drängt.
Warum hebt sich die Stimmung und warum werden wir beschwingter und leichter, wenn wir kleinen Kindern begegnen?
Kinder begegnen uns offen, vorurteilsfrei und sehr interessiert. Sie haben noch keine Bilder, keine Vorstellungen, wie das Leben zu sein hat, sondern lassen sich ganz auf die Welt um sie herum ein. Kleine Kinder in den ersten Lebensjahren bewerten nichts, sondern freuen sich an allem, was ihnen begegnet. Für sie gibt es kein Gut oder Schlecht, kein Richtig und Falsch, sondern »es ist einfach, wie es ist«. Sie treten mit allem und jedem in Kontakt und haben keine Hemmungen, ihre Wahrnehmungen auszudrücken. (Nicht umsonst heißt es: »Kindermund tut Wahrheit kund.«) Kinder leben ganz im Augenblick und machen sich keine Gedanken darüber, was war oder kommen könnte. Ihre Haltung und Umgangsweise mit der Welt ist geprägt von Grundvertrauen, Freude, Leichtigkeit und Liebe und so in ihrer Absolutheit nur mit Heiligen oder Weisheitslehrern vergleichbar.
Woher kommt diese Hingabe an die Welt und diese »heilige« Haltung der Kinder? Was ist deren Ursprung oder Ausgangspunkt?
Viele Menschen wünschen sich irgendwann im Laufe ihres Lebens Kinder. Ihnen ist klar, dass ein Kind nicht zu kaufen ist und dass sie sich kein spezielles Kind, das ihren Vorstellungen entspricht, aussuchen können. Kinder sind ein Bedürfnis, das über unser materielles Denken hinausgeht, welches dem Grundsatz: »Ich wähle aus, wie etwas zu sein hat« folgt. Bei diesem Bedürfnis werden die Grenzen unseres »normalen« Denkens überschritten, das geprägt ist von Urteilen, Vorstellungen, Bewertungen und dem Bedürfnis nach Kontrolle. Kein Mensch weiß oder kann beeinflussen, welches einzigartige Kind da in das eigene Leben tritt. Und trotz dieses unvorstellbaren »Risikos« lassen sich viele Menschen darauf ein und wünschen es sich aus tiefstem Herzen. Warum?
Ich glaube, dass alle Menschen in irgendeiner Form wissen, dass ein Kind das eigene Leben unfassbar bereichert, und es die Menschen in seinem Umfeld liebt, wertschätzt und sie ganz so annimmt, wie sie sind. Das ist in der Regel in den ersten 14 Lebensjahren so, und auch in den Jahren danach sind die Eltern und ihre Einschätzungen immer noch sehr wichtig, auch wenn die Jugendlichen diese Wertschätzung oft nicht mehr sichtbar ausdrücken können.
Trotzdem wird über diese »Kinderliebe« (die Liebe der Kinder zu ihren Eltern) kaum gesprochen. Selbst Kinder, die misshandelt oder denen Gewalt angetan wurde, wollen in jungen Jahren oft unbedingt bei ihren Eltern bleiben und sie nicht verlassen. Die Liebe der Kinder zu ihren Eltern ist so umfassend, dass sie ihre ganze Kraft und Energie investieren, um zu lieben. Dazu steht die Liebe der Eltern für ihre Kinder in keinem Verhältnis, denn sie tritt im Laufe der Jahre, in denen das Kind älter wird, stetig in den Hintergrund. Stattdessen drängen sich oft Schwierigkeiten und Probleme in den Vordergrund.
Die Liebe der Kinder zu den Menschen in ihrem nächsten Umfeld ist so unverbrüchlich, dass diese als wunderbarer Keim des Menschseins bezeichnet werden darf.
Die allermeisten von uns sind entstanden aus einem Augenblick, in dem sich zwei Menschen einander vollkommen hingegeben haben, das ist der Ausgangspunkt jedes Menschseins. Zwei Menschen, die in Beziehung treten, lieben sich und daraus entsteht etwas Neues, etwas ganz Einzigartiges: ein neuer Mensch, der Teil seiner Eltern und doch ganz individuell ist.
Bei der Entwicklung des Fötus im Bauch der Mutter ist beim Ultraschall das Herz das erste, was man sehen kann. Daraus entwickelt sich alles andere, etwa die Hände oder der Kopf mit dem Gehirn. Das Herz ist der Ursprung. Es ist das Symbol für Gefühle, Liebe, Hin- und Zuwendung. Über das Herz kann jede und jeder den Zugang zu sich selbst und seinen Mitmenschen finden.
Alle Menschen kommen mit einem »offenen« Herzen auf die Welt, bereit, sich der Welt zu schenken und sich allem Unbekannten zuzuwenden. Wenn jemand mit offenem Herzen, und damit in Verbindung mit sich selbst und seinen Gefühlen, auf uns zukommt, kann sich auch bei uns etwas öffnen: Es entsteht Wärme, Zuwendung und Offenheit für alles, was kommt.
Das Ankommen eines Kindes ist spektakulär, kaum greifbar, ein unglaublich faszinierendes Wunder. Der Geburtsweg fordert von der Frau, ganz loszulassen, die Kontrolle über das, was sich entwickelt, abzugeben – und dem Lauf des Lebens zu vertrauen. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Übergang, eine Art Einweihung, bei dem die bisherigen Grenzen weit überschritten werden.
Und dann ist das Kind da. Am Anfang seines Lebens ist es ganz mit dem Ankommen in die Welt und seinem Körper beschäftigt. Es ist sehr stark auf seine Sinne, das Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Fühlen angewiesen. Dabei nimmt es alles auf, was von außen an es herantritt und unterscheidet nicht zwischen sich selbst und der Welt – alles ist für es Eins.
Kinder lassen sich »berühren« von den Menschen, gehen mit offenem Herzen in die Welt und sind Botschafter der Liebe, des Vertrauens, der Beziehung und der Entwicklung. Als wahre Fachleute der Hingabe, der Freude, der Leichtigkeit. leben sie die Liebe aus, die sie mitgebracht haben, und bringen sie hier auf der Erde ein. Erwachsene hingegen entwickeln sich meist zu Fachleuten der materiellen Welt, der Strukturen, der Aufgaben, der Kontrolle.
Am Ende des Lebens kommen viele Menschen an den Ausgangspunkt des Lebens zurück. Sterbende, die die Chance haben, nochmals auf ihr Leben zurückzublicken, bedauern oft, dass sie zu wenig geliebt, sich zu wenig Raum für befruchtende Beziehungen genommen, die Liebe zu wenig gelebt und zu wenig auf sich selbst und andere Menschen geachtet haben. Kaum jemand bedauert, zu wenig Geld verdient oder zu wenige Geschäftsreisen unternommen zu haben…
»Wenn ich immer tun würde, was man von mir erwartet, dann würde irgendwann auf meinem Grabstein stehen: Mein Leben hat allen gefallen, nur mir nicht!« (Verfasser unbekannt)
Kinder sind ein Segen für die Welt, weil sie die Hoffnung in sich tragen, dass sich Liebe und Menschlichkeit durchsetzt. Sie sind ein Segen, weil sie deutlich machen, auf was es ankommt, was wirklich zählt und was wir in unserem Erwachsenen-Alltag leider längst vergessen haben.
Kinder rufen uns auf, unsere Herzen weit zu öffnen, in Kontakt mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen zu treten und die Liebe fließen zu lassen.
Beziehung
Liebe entfaltet sich in einer Beziehung. Eine Beziehung entsteht aus einer lebendigen Begegnung zwischen Menschen, die bereit sind, sich mit neugierigem Interesse gegenseitig wahrzunehmen – und bewusst in Kauf nehmen, möglicherweise ganz verändert aus einer solchen Begegnung hervorzugehen.
Beziehungen sind der Ort, wo Liebe sichtbar und spürbar wird. Liebe, nur als rein theoretisches Bekenntnis oder bloß in Worten, wird weder spürbar noch erreicht sie unser Gegenüber. Die Beziehung und die Liebe können sich in diesem Fall nicht entfalten.
Kinder bringen Göttliches in die Welt, verbunden mit dem Angebot, sich in einer echten Ich-du-Beziehung – von Subjekt zu Subjekt – zu begegnen.
Sie sind von Anfang an darauf ausgerichtet in Beziehungen zu gehen und ihre Liebe spürbar zu entfalten. Für sie heißt Leben in Beziehung treten. Dabei gehen Kinder ausnahmslos davon aus, dass es die Erwachsenen genauso tun.
Beziehung heißt für Kinder, anderen auf Augenhöhe zu begegnen und dabei stets in Verbindung mit sich selbst zu sein. Das könnte bei einer Begegnung ohne Worte so lauten: »Ich schätze dich wie du bist und freue mich, dich kennenzulernen! Lass uns gemeinsam weitergehen und uns weiterentwickeln!« Ganz in der offenen Haltung eines Grundvertrauens in ihr Gegenüber: »Du meinst es gut mit mir!«
Kindern liegt es fern, irgendetwas an ihren Mitmenschen zu kritisieren oder gar ihre Worte nicht ernst zu nehmen. Sie übernehmen das, was wir zu ihnen sagen. Im Extremfall kann dies bedeuten, dass sie die Verbindung zu sich selbst durchtrennen, um festgefahrene Bilder der...
| Erscheint lt. Verlag | 23.9.2022 |
|---|---|
| Verlagsort | Saarbrücken |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Gesundheit / Leben / Psychologie ► Familie / Erziehung |
| Schlagworte | Bewertungen • Beziehung • Inspiration • Kinder als Spiegel • Kindererziehung • Lehren vom Kind • Lernen vom Kind • Persönlichkeit • Ratgeber • Rollen • Selbsterkenntnis • Sohn • Tochter |
| ISBN-10 | 3-89060-385-8 / 3890603858 |
| ISBN-13 | 978-3-89060-385-8 / 9783890603858 |
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