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Boys Up! Das Eltern-Buch (eBook)

Wie Jungs ticken und was sie sich von ihren Eltern wünschen. Der Ratgeber für Väter und Mütter, die ihre Söhne unterstützend durch die Pubertät begleiten möchten

(Autor)

eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
240 Seiten
mvg Verlag
978-3-96121-839-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Boys Up! Das Eltern-Buch -  Anton Wieser
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Als Eltern kennen Sie die gängigen Vorurteile nur zu gut: Jungs sind schwierig, sitzen nur vor dem Computer, geraten häufig in Konflikte und haben ständig Ärger in der Schule. Klingt nach einem enormen Imageproblem, das Jungs haben. Der simple Grund ist, Jungs werden oft nicht gefragt: Was brauchen sie? Was bewegt sie? Was macht ihnen Freude? Häufig wird das einfach nicht erkannt, weil viel zu oft über die Jungs gesprochen wird statt mit ihnen. Der bekannte Jungen-Coach Anton Wieser dagegen lässt sie selbst zu Wort kommen. Statt zu fragen, was mit ihnen los ist, zeigt er, was in ihnen vorgeht. Anschaulich und unverblümt erklärt er, was Jungs wirklich brauchen. So schafft er Verständnis und Eltern erfahren, wie sie ihren Sohn bestmöglich ins Leben begleiten.

Anton Wieser gehört zu den gefragtesten Experten für Jungen-Coaching. Seit 10 Jahren erforscht er die Bedürfnisse von Jungen. Der diplomierte Mentaltrainer und Kinder-/Jungencoach begleitet mit seinem Reiseunternehmen Männers jährlich rund 500 Eltern und Söhne. Er ist der Entwickler des speziell auf Jungen abgestimmten BoysUp Coaching und lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Kitzbühel/Tirol.

Anton Wieser gehört zu den gefragtesten Experten für Jungen-Coaching. Seit 10 Jahren erforscht er die Bedürfnisse von Jungen. Der diplomierte Mentaltrainer und Kinder-/Jungencoach begleitet mit seinem Reiseunternehmen Männers jährlich rund 500 Eltern und Söhne. Er ist der Entwickler des speziell auf Jungen abgestimmten BoysUp Coaching und lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Kitzbühel/Tirol.

Sind Jungs heute schwieriger als früher?


Es ist 4 Uhr morgens – und ich wälze mich unruhig im Bett hin und her. Durch die halb geöffneten Jalousien scheint das fahle Licht des Mondes. Eigentlich möchte ich schlafen, aber in meinem Kopf kreisen die Gedanken. Ich denke an ein Gespräch, eine Sitzung, die ich gestern mit einem zwölf Jahre alten Jungen führte. Das, was ihm geschieht, macht mich wütend und traurig zugleich.

Ich hatte ein Coaching mit Tim. »Noch vor einem Jahr war er ein aufgeweckter, humorvoller und lebensfroher Heranwachsender!«, so seine Mutter. Davon war bei unserem ersten Treffen nicht mehr viel übrig. Schon als Tim in die Praxis kam, bemerkte ich: Dieser Junge war traurig, wirkte ängstlich und verunsichert. Mit hängenden Schultern und leerem Blick begrüßte er mich mit einem leisen »Hallo«. Sein Händedruck fühlte sich an, als ob ich eine tote Forelle in der Hand halten würde.

»Was ist los, Tim?«, fragte ich ihn. Nach einiger Zeit des gegenseitigen Anschweigens fing er mit zittriger Stimme an zu erzählen. Sein Dilemma begann vor rund acht Monaten – mit dem Wechsel in eine neue Schule. Seitdem wurde er regelmäßig von einer Lehrerin gemobbt, vor der ganzen Klasse bloßgestellt und verbal gedemütigt.

»Warum?«, mögen Sie sich fragen. Auch Tim fragte sich das traurig jeden Abend vor dem Einschlafen. Weil er mit seiner Art wohl dem typischen Klischee eines schwierigen Jungen entsprach. Folgendes hatte die Lehrerin Tim und seiner Mutter in einem Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräch unter sechs Augen erklärt: »Tim lässt sich leicht ablenken. Er ist laut, reagiert oft unangepasst, arbeitet nicht mit und vergisst dauernd irgendwas. Wenn das mit ihm so weitergeht, sehe ich schwarz für sein weiteres Leben.« Die Mutter war geschockt. »Was ist bloß aus meinem Jungen geworden?«, dachte sie.

Noch viel schlimmer war die Aussage der Lehrerin aber für Tim. Für ihn brach eine Welt zusammen. Zwar wusste er, dass er nicht mehr die schulische Leistung ablieferte, für die er als Kind auch von seiner Mutter immer wieder gelobt worden war. Dass es aber so schlecht aussah, war ihm nicht bewusst.

Seine Lehrerin reagierte auf sein »unangepasstes« Verhalten in der Schule (was auch immer das heißen mag), indem sie ihn vor der gesamten Klasse maßregelte und bloßstellte. Sie schickte ihn zum »Nachdenken« in den Flur vor den Klassenraum (als ich das hörte, wurde mir etwas übel) oder bestrafte ihn mit zusätzlichen Hausaufgaben. Tim sagte, dass sie ihn schon »Nichtsnutz« genannt und ihm – wie eine Hexe mit einer Kristallkugel – seine Zukunft vor der versammelten Klasse verlautbart hätte: »Tim, aus dir wird sicher nie was werden!«

Die Lehrerin hat ihr Ziel erreicht. Tim wurde still, zurückhaltend und »angepasst«! Er wagt es kaum, sich zu melden oder auf Fragen zu antworten. Dadurch verschlechtern sich seine Noten zusehends. Was die Lehrerin zusätzlich zu verantworten hat: Tim hat begonnen, ihre düsteren Prophezeiungen zu glauben. Sein Gehirn hat das, was sie ihm dauernd vorwirft, verinnerlicht. Jetzt gaukelt Tims Hirn ihm vor, dass er nicht mehr viel wert sei. Mehr noch: Sein Gehirn lässt ihn so handeln, dass die Vorhersagen seiner Lehrerin tatsächlich eintreffen. Tim ist nicht mehr der Junge, der er noch vor einem Jahr war. Er ist ein Junge, der von sich denkt, er sei weniger wert als seine Klassenkameraden und seine Freunde. Man, oder in dem Fall frau, hat ihm sein Selbstwertgefühl Stück für Stück geraubt.

Tim ist leider kein Einzelfall. Immer wieder habe ich mit Jungs zu tun, die von ihren Lehrerinnen und Lehrern oder sogar von ihren Eltern gemobbt werden. Oft sind es Jungs, die nicht der allgemeinen Norm entsprechen, die zu Mobbingopfern werden. Weshalb ist das so? Wie kann es sein, dass gerade Menschen, die mit Jungs zu tun haben, sich häufig fragen: »Warum sind diese Jungs so, wie sie sind: so laut, so unangepasst, so unruhig, so schwierig?«

Dieses Buch soll Ihnen dabei helfen, zu erkennen, warum Ihr Sohn das tut, was er tut, warum er so ist, wie er ist. Dabei geht es weniger darum, uns Erwachsenen Tipps zu geben, wie wir das Verhalten unserer Söhne verändern können, damit es uns und in der scheinbaren Folge auch unseren Jungs hilft. Nein, es geht darum, unsere Söhne zu verstehen, das »Warum« hinter ihrem Verhalten zu erkennen und so an den Kern des Kerns zu kommen. Dafür müssen wir uns aber erst mal die Mühe machen, genauer hinzusehen. Wir müssen einen Blick auf die allgemeine Situation von Jungs werfen. Und die ist – besonders im Hinblick auf die Schule – nicht gut. Schon seit längerer Zeit erzielen Jungs im Durchschnitt schlechtere Schulleistungen als Mädchen. Jungs werden im Schnitt später eingeschult und sie brauchen auch noch länger bis zum Abschluss. Dieser Umstand belastet viele Jungs: Sie sind in der Klasse die Älteren. Wenn sie dann noch »eine Ehrenrunde drehen«, sind sie teilweise zwei Jahre älter als viele der Mädchen oder der anderen Mitschüler. Das kratzt von außen am Image der Jungs und von innen an ihrem Selbstwertgefühl. Übrigens: Die Selbstmordrate ist bei Jungs und jungen Männern etwa dreimal so hoch wie bei Mädchen und jungen Frauen.1

Frauen studieren nicht nur häufiger an Universitäten, sondern sie sind dort auch erfolgreicher als Männer. Die Schule macht es unseren Jungs also nicht leicht. Meine fantastische Kollegin Heidemarie Brosche, selbst Lehrerin, Mutter von drei Söhnen und erfolgreiche Autorin, sagt im Interview dazu: »Als Lehrkraft neigt man schon dazu, Mädchen als angenehmer zu empfinden, weil sie in der Regel ruhiger, angepasster und leistungswilliger sind und auch feinmotorisch eher das liefern, was Schule will. Ich bin sehr froh, dass mir im Zusammenleben mit meinen Söhnen ganze Kronleuchter aufgingen und ich mein Verhalten überdenken konnte.«2 Vielleicht gibt es ja die eine oder andere Lehrperson, die sich an Frau Brosche ein Beispiel nehmen kann. Wir Eltern sollten es in jedem Fall tun. Ihr Sohn würde strahlen wie besagter Kronleuchter, wenn er so behandelt und dann bewertet werden würde, wie es seiner männlichen Natur entspricht. Es wäre nur fair, wenn die Anforderungen, die Jungs an ihre Lernumgebung haben, gesehen und berücksichtigt werden würden. Es wäre ein echter Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit, wenn Jungs nach ihrem tatsächlichen Können bewertet und nicht mit den gegebenen Fähigkeiten von Mädchen verglichen werden würden.

Auch die Jungs machen es sich nicht leicht. Gerade in der Schule stehen sie unter einem hohen »Männlichkeitsdruck«. Zu diesem Druck gehört auch, sich von den »Strebern«, von denjenigen, die hart und diszipliniert für ihre Erfolge arbeiten, bewusst abzugrenzen. Denn »Streber zu sein«, gilt oft als uncool und unmännlich.

Aber was ist männlich? Wie sind denn ganz normale Männer eigentlich – mit ihren Stärken und Schwächen und vielleicht sogar mit Gefühlen? Vielen Jungs fehlt das männliche Vorbild zur Identifikation. Väter sind nicht selten Trennungsväter, die der Sohn, wenn überhaupt, im 14-Tage-Rhythmus sieht. Andere Väter sind trotz körperlicher Anwesenheit so abwesend, dass der Junge viel Goodwill braucht, um nachahmenswerte Aspekte der Männlichkeit beim eigenen Vater zu entdecken. Denn diese Väter sind entweder mit ihrer Arbeit oder mit sich selbst beschäftigt. Na, ertappt? Vielleicht gehören Sie zu der Spezies, zu der Ihr Vater wahrscheinlich gehörte. Glauben Sie, dass die Mütter für die Kinder zuständig sind – für die Töchter und auch für die Söhne? Aber was ist, wenn Sie jetzt mal ganz weit zurückdenken, an die Zeit, als Sie so alt waren wie Ihr Sohn heute? Dann werden Sie erstaunt feststellen: »Oh, auch ich hatte damals so eine Sehnsucht nach meinem Vater!« Schon wieder ertappt, stimmt’s? Durchbrechen Sie diesen Teufelskreis. Ihr Sohn braucht Sie, so wie Sie damals Ihren Vater gebraucht hätten. Es gibt nicht viele Männer im Leben Ihres Sohnes, zu denen er aufschauen kann und von denen er lernen will.

Leider sind Erzieher immer noch die große Ausnahme. Der Anteil von männlichen Lehrkräften an der Grundschule pendelt irgendwo um die 12 Prozent.3 Realschulen sind fest in Frauenhand.4 Und auch am Gymnasium wird dieser Trend sich durchsetzen. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, prognostiziert einen Frauenanteil von 70 bis 75 Prozent.5 Da müssen unsere Söhne schon großes Glück haben, um eine männliche Lehrperson zu bekommen. Ganz zu schweigen davon, dass dieser Mann auch noch »pädagogisch wertvoll« für unsere Söhne ist und weiß, was Jungs brauchen.

Ist das Problem also eine Gestaltung der Lernumgebungen nach feministisch orientierten oder besonders auf...

Erscheint lt. Verlag 16.10.2022
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Gesundheit / Leben / Psychologie Familie / Erziehung
Schlagworte Beziehung • Entwicklung • Erwachsen werden • Erziehung • Geschlechterrollen • Geschlechtsreife • Hormone • Identität • Jugend • jungen erziehen • Kindheit • Körperliche Veränderungen • Lehrer • männliche Vorbilder • Männlichkeit • Mütter • Pädagogik • Peergroup • Perspektive • Pubertät • Schule • Selbstbild • Selbstwert • Sexualität • Sichtweise • Unsicherheit • Väter • Vaterrolle • Vertrauen • Vorbild
ISBN-10 3-96121-839-0 / 3961218390
ISBN-13 978-3-96121-839-4 / 9783961218394
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