Spiritualität als Lebenskompass (eBook)
128 Seiten
Scorpio Verlag
978-3-95803-466-2 (ISBN)
Miryam Muhm arbeitet als freie Journalistin und hat sich auf medizinische und naturwissenschaftliche Themen spezialisiert. Sie schrieb für verschiedene Medien, unter anderem für die 'Süddeutsche Zeitung' und 'La Repubblica'. Die in München und in Italien lebende Autorin ist außerdem selbstständige Dokumentarfilmerin für das italienische Fernsehen 'RAI TV'.
Miryam Muhm arbeitet als freie Journalistin und hat sich auf medizinische und naturwissenschaftliche Themen spezialisiert. Sie schrieb für verschiedene Medien, unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung" und "La Repubblica". Die in München und in Italien lebende Autorin ist außerdem selbstständige Dokumentarfilmerin für das italienische Fernsehen "RAI TV".
TEIL 2:
DIE BESONDEREN PHÄNOMENE – BEWUSSTSEIN UND SPIRITUALITÄT
Warum diese Themen? Ganz einfach: Die besonderen Phänomene dürfen nicht unberücksichtigt gelassen und als »irrational« abgestempelt, wenn nicht sogar als »paranormale Phänomene« diskreditiert werden. Präkognition, Nahtoderfahrungen und terminale Geistesklarheit sind besondere Phänomene, die es zu erforschen gilt (wie es einige mutige Wissenschaftler an wichtigen Universitäten bereits tun), denn sie öffnen ein Fenster in eine unbekannte Dimension. Die Erforschung des Unerklärlichen könnte dazu führen, das menschliche Bewusstsein endlich besser zu verstehen, denn bislang fehlt der Beweis, ob es sich in einem Gehirnareal befindet oder aufgrund von Quanteneffekten dem neuronalen Netzwerk entspringt.
Wie fundamental bedeutsam solche Phänomene sind, ergibt sich auch aus der Tatsache, dass einige Experten die Nahtoderfahrung als »das vielleicht wichtigste psychologische Phänomen des 20. Jahrhunderts« bezeichnen. Es sei »so schockierend und kontra-intuitiv wie die Quantenmechanik«.72 Diese Phänomene zu studieren oder zumindest sie in die wissenschaftliche Forschung zu integrieren ist von größter Relevanz, wie uns folgende Begebenheit über Einstein zeigt. Es waren vermutlich Gefühle und staunende Neugier über »die unerklärlichen Phänomene«, die Einstein dazu gebracht haben, seine allgemeine Relativitätstheorie zu Ende zu denken. Was ihm den konkreten Anstoß dazu gab, erfuhr ein Journalist der New York Times im Dezember 1919.
Albert Einstein war in Berlin, als ihm jemand von seiner Nahtoderfahrung berichtete. Der Mann war von einem Dach gestürzt und hatte im freien Fall eine Art Schwebezustand und gleichzeitig eine unglaubliche Verlangsamung der Zeit empfunden, so als ob es gar keine Zeit mehr gegeben hätte. Der Journalist fasste das lange Interview mit Albert Einstein wie folgt zusammen: »Von seiner hohen Bibliothek aus, in der unser Gespräch stattfand, beobachtete er vor Jahren, wie ein Mann von einem benachbarten Dach fiel – glücklicherweise auf einen Haufen weichen Mülls – und fast ohne Verletzungen davonkam. Dieser Mann berichtete Dr. Einstein, dass er beim Fallen nicht das empfand, was gemeinhin als Wirkung der Schwerkraft angesehen wird, welche ihn nach Newtons Theorie gewaltsam zur Erde ziehen würde. Dieser Vorfall, gefolgt von weiteren ähnlichen Untersuchungen, setzte in seinem [Einsteins] Kopf eine komplexe Gedankenkette in Gang, die schließlich, wie er es ausdrückte, ›nicht zu einer Verleugnung der Newton’schen Gravitationstheorie, sondern zu einer Sublimierung bzw. Ergänzung derselben führte‹.«73
Nach Einsteins eigenen Worten hatte ihn also die außergewöhnliche besondere Wahrnehmung eines Mannes – eine Art Nahtoderfahrung mit Schwebegefühl und Zeitstillstand – dazu bewegt, sich weitere Fragen zu stellen, die es ihm schließlich ermöglichten, die allgemeine Relativitätstheorie zu vollenden.
Über derartige Phänomene musste Einstein nämlich bereits während seines Studiums in Zürich in den Vorlesungen von Professor Albert Heim gehört haben, der über Nahtoderfahrungen (seine eigenen und die anderer Menschen) einen wissenschaftlichen Bericht geschrieben hatte. Damals gab es diesen Begriff zwar noch nicht, aber die Schilderungen der Erfahrungen decken sich: »Zu einer Reihe von interessanten Aspekten, die Heim selbst sowie viele von ihm befragte Personen berichteten, gehörte, dass sich ›die Zeit stark ausdehnte‹ (Heim, zitiert in Noyes und Kletti, 1972, S. 47), während der Körper auf den Boden darunter fiel. Etwas anders ausgedrückt, was Heim entdeckte, war, dass Menschen oft berichteten, dass die Zeit sich zu verlangsamen oder ganz anzuhalten schien, wenn sie aus einer großen Höhe fielen.«74 Diese Zeitausdehnung ist typisch für eine Nahtoderfahrung, wie sie die moderne Forschung auf diesem Gebiet beschreibt.75
Nahtoderfahrungen und was sie uns sagen könnten
Was geschieht, kurz bevor wir sterben? Oder in der Zeit, in der wir laut Aussage der Mediziner bereits tot sind, aber durch Wiederbelebungsmaßnahmen dem Tod entkommen? Vermögen wir, in diesen Momenten zu erfahren, dass ein vom Körper unabhängiges Bewusstsein existiert? »Philosophen und Theologen können ganze Karrieren auf diese Fragen gründen, Naturwissenschaftler hielten sich lange Zeit davon fern. Doch das ändert sich gerade. Mediziner haben seit einigen Jahren angefangen, sich für das zu interessieren, was nach dem klinischen Tod passiert. Mit ihren Experimenten bereiten sie den Weg, einen uralten Menschheitsglauben zu überprüfen: dass wir mehr sind als nur Fleisch und Blut«,76 wie es in einem Zeit-Artikel heißt.
Insbesondere die Reanimationsärzte könnten einen wissenschaftlichen Beitrag dazu leisten, dieses bei einer geringen Zahl von Patienten beobachtete Phänomen besser zu klären. Allerdings gibt es da ein Problem, wie die Zeit weiter beschreibt: »Das Lager der Materialisten ist groß, und sie halten schon die Frage für unsinnig. Geist sei das Resultat reiner Hirnchemie, so ihre Ansicht. Wenn das Gehirn nicht mehr funktioniere, gehe der Geist nirgendwohin. Er verschwinde wie die Projektion eines Beamers, wenn der Stecker gezogen wird.«77
Aber nicht alle winken bei diesen besonderen Begebenheiten verächtlich ab – es gibt zahlreiche Forscher, die sich diesen Phänomenen widmen: »Der niederländische Kardiologe Pim van Lommel berichtete 2001 im Fachblatt Lancet von einem 44-jährigen Patienten, der bewusstlos im Park zusammengebrochen war. Sein Herz war stehen geblieben […] Ärzte begannen kurze Zeit später mit der Reanimation. Eine Krankenschwester nahm dem Mann sein Gebiss aus dem Mund, um ihn mit einem Luftschlauch zu beatmen. Er überlebte. Eine Woche später, als die Krankenschwester den Patienten wiedersah, sagte er zu ihr: ›Da ist ja die Frau, die weiß, wo mein Gebiss ist.‹ Der Mann wusste, dass sie es in eine Schublade gelegt hatte, konnte sich an den Raum erinnern, in dem er wiederbelebt worden war, und beschrieb Details seiner Reanimation – obwohl er klinisch tot gewesen war. Er habe seinen Körper verlassen und sei im Raum herumgeschwebt, erzählte er dem verdutzten Klinikpersonal. Pim van Lommel schließt aus solchen Berichten, dass Nahtoderfahrungen unmöglich allein durch biochemische Vorgänge im Gehirn erklärt werden können. Und dass die Seele eine eigene Entität ist, vollkommen unabhängig von einem funktionierenden Gehirn. Pim van Lommel ist so etwas wie der Fraktionsvorsitzende des spirituellen Lagers. Den Beweis dafür, dass die Erklärung nicht rein körperlich sein könne, sieht er darin, dass die meisten der von ihm dokumentierten Patienten keine Nahtoderfahrungen hatten, obwohl sie klinisch tot waren.«78 (Hervorhebungen durch die Autorin)
Was er damit meint, ist: Gäbe es einen physischen Grund, hätten alle Menschen kurz vor dem Tod eine Nahtoderfahrung.
Inzwischen gehen die Forscher von einer relevanten Anzahl solcher Fälle aus: In Deutschland sollen 4 bis 5 Prozent der Menschen (also über drei Millionen) solche Nahtoderfahrungen gemacht haben. Die meisten haben ihr Leben danach oft völlig umgekrempelt, das heißt, sie verhielten sich ihren Mitmenschen gegenüber deutlich empathischer.79
In anderen Ländern scheint der Prozentsatz sogar höher zu sein, und einige Wissenschaftler vermuten, dass bis zu 10 Prozent, also einer von zehn Menschen, bereits eine solche Erfahrung durchlebt hat.80 Bei Herzinfarktpatienten steigt die Quote auf bis zu 18 Prozent.81
An der Universität Kopenhagen forscht der deutsche Neurologe Daniel Kondziella seit Jahren auf diesem Gebiet. Er führte eine Studie durch, um festzustellen, ob Nahtoderfahrungen besonders bei Menschen vorkommen, die an ungewöhnlichen »REM-Schlaf-Intrusionen« leiden und aus diesem Grund über Bild- sowie Audio-Halluzinationen kurz vor oder nach dem Einschlafen berichten.
Zwar wurde seine Hypothese durch seine Studie bestätigt, die 2019 mit über 1000 Teilnehmern über das Internet stattfand – doch angesichts der Fehleranfälligkeit einer Online-Durchführung sind die Ergebnisse, wie die Autoren selbst betonen, mit Vorsicht zu genießen und eher als eine Orientierungshilfe für weitere Forschungen auf diesem Gebiet zu verstehen.82
Interessant sind aber einige Eckdaten dieser Studie, die bereits vorher bekannt waren: Menschen durchleben eine Nahtoderfahrung insbesondere dann, wenn sie sich in unmittelbarer Todesgefahr befinden (Herzinfarkt, Autounfall etc.), und die in diesen Momenten gemachten Erfahrungen...
| Erscheint lt. Verlag | 7.1.2022 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Geschichte / Politik ► Politik / Gesellschaft |
| Sozialwissenschaften ► Politik / Verwaltung | |
| Schlagworte | Alltagshilfe • Amygdala beeinflussen • Gehirn durch Meditation optimieren • Gesellschaft • Hilfe bei Angst • Hypnose • Kosmos • Lebenshilfe • Manipulation • Meditation • Natur • Rationalismus • Rationalität • Soziale Medien • Spiritualität • Suggestion • Werbung • Wissenschaft |
| ISBN-10 | 3-95803-466-7 / 3958034667 |
| ISBN-13 | 978-3-95803-466-2 / 9783958034662 |
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