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Bis orat qui cantat Festschrift zum 60.Geburtstag von Ludger Stühlmeyer -

Bis orat qui cantat Festschrift zum 60.Geburtstag von Ludger Stühlmeyer (eBook)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
228 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7557-2044-7 (ISBN)
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Ludger Stühlmeyer (Dr. Phil.), geboren am 3. Oktober 1961 im niedersächsischen Melle, studierte Kirchenmusik, Alte Musik, Gesang und Komposition sowie Musikwissenschaft, Theologie und Philosophie. Seit 1980 ist er als Kantor tätig, seine Kompositionen werden international rezipiert. Die vorliegende Festschrift würdigt durch verschiedene Beiträge von Freunden und Weggenossen sein Leben und Wirken.

Bischof
Prof. Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst

„Mehr als Worte sagt ein Lied …“
Kirchenmusik als pastorale Kontribution

Wer dem Werk und Wirken des Kirchenmusikers Dr. Ludger Stühlmeyer begegnet, wird vor allem aufmerksam auf sein Anliegen der Personanz. Schon von der lateinischen Vokabel „personare“ erschließt sich die Bedeutung dieser Ausrichtung in der Kirchenmusik. Dass Töne so `durch´ einen Menschen klingen, dass er damit zur Person wird und Persönlichkeit in ihm geweckt wird, ist das tiefere Anliegen dieses Ansatzes. „Kommt herbei, singt dem Herrn, ruft ihm zu, der uns befreit; singend lasst uns vor ihn treten, mehr als Worte sagt ein Lied…“ (Gl 140). Dieser Gesang aus dem Gotteslob weckt eine Vorstellung davon, wie Personanz in der Kirchenmusik zur persönlichen Spiritualität bewegt und dabei den Klangraum der Liturgie braucht. Zum O-Ton des Glaubens zu finden, gelingt, wo jener Notenschlüssel gesetzt wird, der innere Empfindungen so klärt, melodisiert und letztlich auch harmonisiert, dass eine innere wie äußere Stimmigkeit in der Persönlichkeit eines Menschen entsteht.

Evangelisierung in nachchristlicher Gesellschaft setzt ausdrücklich auf eine Personanz, die Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ als einen wesentlichen Teil der „via pulchritudinis“ versteht: „Es ist gut, dass jede Katechese dem `Weg der Schönheit´ (via pulchritudinis) besondere Aufmerksamkeit schenkt. Christus zu verkündigen, bedeutet zu zeigen, dass an ihn glauben und ihm nachfolgen nicht nur etwas Wahres und Gerechtes, sondern etwas Schönes ist, das sogar inmitten von Prüfungen das Leben mit neuem Glanz und tiefem Glück erfüllen kann“ (Evangelii gaudium, Art. 167).1

Personanz in der Kirchenmusik eröffnet Klangräume, in denen das Evangelium so zum Schwingen kommt, dass Resonanz Repräsentanz ermöglicht. Der Theologe Odo Casel hat dies schon in der Liturgischen Bewegung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts treffend beobachtet und festgestellt: „Das Christentum in seiner vollen und ursprünglichen Bedeutung, das ‚Evangelium Gottes‘ oder ‚Christi‘, ist also nicht etwa eine Weltanschauung mit religiösem Hintergrund, auch nicht ein religiöses oder theologisches Lehrsystem oder Moralgesetz, sondern es ist ‚Mysterium‘ im paulinischen Sinne, d.h. eine Offenbarung Gottes an die Menschheit durch gottmenschliche Taten, voll von Leben und Kraft, und der durch diese Offenbarung und Gnadenmitteilung ermöglichte Übergang der Menschheit zu Gott, das Eingehen der erlösten Kirche zum ewigen Vater durch das Opfer der völligen Hingabe und die daraus erblühende Verklärung.“2

Was in diesen Worten geradezu poetisch und fast hymnisch anklingt und vielleicht sogar – gesanglich betrachtet – engelgleich anmuten könnte, beschreibt vielmehr eine Dynamik, in die der suchende und glaubende Mensch hineinfindet, wo er in die Sphäre des Musischen kommt. Poesie und Personanz gehören zusammen, weil das letztlich unaussprechliche Geheimnis des christlich-kirchlichen Glaubens nicht erschöpfend in Worten zu fassen ist. “Mehr als Worte sagt ein Lied“ lässt damit einen Ton anstimmen und anklingen, der erst zu einem persönlichen Glaubenszeugnis bewegt und aufgrund dieser individuellen Personanz die Gemeinschaft der Glaubenden berühren kann.

Diesen Ansatz, den der Kirchenmusiker Ludger Stühlmeyer in zahlreichen Kompositionen und Werken erschlossen und profiliert hat, baut den Menschen in seiner Persönlichkeit auf, denn im Lied richtet sich der Mensch auf und streckt sich Gott entgegen. So klingt dann ein nachhalliges und nachhaltiges eindrucksvolles Glaubenszeugnis in einer Welt, in der wir manchmal Sorge haben, dass der Glaube verstummen könnte. Singen ist in diesem Sinn doppeltes Beten (bis orat qui cantat). Glaube, das ist Gesang, der zu Herzen geht; ein Geheimnis, das die Musik braucht. Ganz in der Hermeneutik dieses Horizontes versteht Ludger Stühlmeyer „liturgische Musik und die dem zugrundeliegende Kompositionstechnik in dem Anliegen, die Hörerfahrung als ein kommunikatives Medium erfahrbar zu machen.“3

Im Mozartjahr 2006 wurde der Bruder des emeritierten Papstes Benedikt – der 2020 verstorbene frühere Domkapellmeister der Regensburger Domspatzen Georg Ratzinger – in einem Interview nach der Göttlichkeit der Musik dieses großen Komponisten befragt. Er sagte damals: „Sie ist eine Botin des Glücks der Seligkeit, die die himmlische Realität abbildet; das auf alle Fälle! Und sie kündet von der Einheit des Schöpfers mit ihrem Schöpfer.“4

Im vielstimmigen Gesang, wie ihn Ludger Stühlmeyer in und mit allen Altersgruppen gepflegt hat, vermittelt sich wie das große Register einer Orgel, dass alle erst miteinander das große Tutti einer Danksagung intonieren können, zu der so viele Menschen, so viele Lieder, so viele Orte und Gelegenheiten gehören, die die Kirche auf ihrem Weg durch die Zeiten wie einen großen Klangteppich ausgerollt hat. Was in jeder stimmigen Personanz nachhallt, ist ein Echo des Glaubens. Je weiter der Weg, je länger die Zeit währt, über die es klingt, desto größer ist der Raum, in dem es erschallt. Diese Wirkung steht bis heute für die Motivation von Kirchenmusikern, Menschen die Stimme des Glaubens nahe zu bringen. Denn wer innerlich von den Melodien unseres Glaubens angerührt wird, in dem wächst die Bereitschaft, sich das Bekenntnis unseres Glaubens zu eigen zu machen. Es geht um diese Bewegung, zu der passt, was vor einiger Zeit als Werbemotto auf einem Plakat zu lesen war: „Auch das Herz hat seinen Kopf!“ Wer innerlich hört, aus welcher Weite und Tiefe die Töne unseres Glaubens schwingen, der möchte immer mehr in diesen Klangraum vordringen. In diesem Echo des Glaubens vor Ort tönen drei Erfahrungen, die auch aus dem Wirken von Ludger Stühlmeyer nachhallen.

I. Dem Glauben die eigene Stimme geben

Chorproben beginnen immer mit dem Einsingen. Die einzelnen Sängerinnen und Sänger sollen ein Gefühl für ihre Stimme bekommen. Mancher, der dann zum ersten Mal vorsingen soll, erschrickt über seine eigene Stimme. Viele brauchen eine längere Zeit, bis sie sich selber hören können – vom Band und erst recht vor anderen. Wer mit seiner eigenen Stimme vertraut und versöhnt ist, gewinnt Selbstvertrauen. Stimmigkeit bedeutet Ehrlichkeit und nicht Perfektion So ist es auch im Glauben. Wer seine eigene Stimme einbringt, der merkt schon bald, wie die Stimmigkeit des eigenen Lebens zunimmt und wer es wagt, sich mitzuteilen, möchte auch die Stimme anderer hören. Der Austausch im Glauben wird umso reicher, je mehr Stimmen darin vorkommen. Je weniger vertreten sind, desto größer wird die Monotonie. Man hört es bei Chören schnell heraus: Das größere Volumen an Stimmen schafft mehr Raum für die Verkündigung. Je mehr Stimmlagen vertreten sind, desto spürbarer ist die Resonanz. Sie beginnt aber mit der Wertschätzung jeder einzelnen Stimme.

Nicht anders ist es mit der Botschaft des Evangeliums und mit der Kirche. Sie findet so viel Resonanz in unserer Gesellschaft, wie einzelne ihrem Glauben ihre Stimme geben. Wer mitsingt, ist missionarisch! Auf jede einzelne Stimme kommt es deshalb an. Wer sie erhebt, kann eine zweite Erfahrung bezeugen:

II. Das Konzert des Miteinander einüben

Zur Kunst der Kirchenchöre gehören auch Konzerte. Wie im Leben, so ist es auch im Gesang förderlich, sich von Zeit zu Zeit neuen Herausforderungen zu stellen. Ein Chorwerk einzuüben, bedeutet, sich geistlich und technisch daran abzuarbeiten. Beste Stimmen klingen nicht, wenn ihr Miteinander nicht einstudiert ist. Konzertant wird Musik erst dort, wo verschiedene Instrumente und Stimmen zusammenfinden.

Dass der Weg dahin mühsam ist, sagt schon die lateinische Vokabel „concertare“ – wörtlich übersetzt: „miteinander streiten“. Diesen Herausforderungen eines Kirchenchores gleichen die Aufgaben, vor denen gegenwärtig viele Gemeinden stehen. Immer bewusster wird, wie sehr es darauf ankommt, geistlich und menschlich, die Kunst des Miteinander einzuüben. Manchmal hilft in solchen Prozessen gerade die Musik – das gemeinsame Singen und Musizieren – tiefer anzusetzen und innerlich so anzurühren, „dass das Herz seinen Kopf bekommt“. Das feine Gehör für die Töne, die zusammenfinden müssen, bewahrt davor, ‚mit dem Kopf durch die Wand zu wollen’. Das geistliche Gespür dafür, dass Gott jeden Glaubenden als tragenden Ton im Konzert der Meinungen braucht, hilft, manche Dissonanzen zu überwinden. Es ist oft wie in modernen Musikstücken. Was zwischendurch schräg klingt, mündet am Ende in eine konzertante Harmonie und erscheint im Nachhinein als ein notwendiger Zwischenschritt. Aus dieser Einsicht ergibt sich eine dritte Erfahrung...

Erscheint lt. Verlag 21.12.2021
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber
ISBN-10 3-7557-2044-2 / 3755720442
ISBN-13 978-3-7557-2044-7 / 9783755720447
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