Count down - Was uns immer unfruchtbarer macht (eBook)
288 Seiten
Riva Verlag
978-3-7453-1510-3 (ISBN)
Dr. Shanna H. Swan ist Professorin für Umweltmedizin und Public Health an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital in New York und eine der führenden Reproduktions- und Umweltepidemiologinnen. Sie veröffentlichte ihre bahnbrechenden Forschungsergebnisse in über 200 wissenschaftlichen Artikeln und Studien, über die Medien aus der ganzen Welt berichteten. Stacey Colino ist Journalistin und Autorin mit Schwerpunkt auf den Themen Gesundheit und Umwelt. Sie schreibt für zahlreiche amerikanische Zeitschriften und ist Co-Autorin mehrerer Bücher.
Dr. Shanna H. Swan ist Professorin für Umweltmedizin und Public Health an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital in New York und eine der führenden Reproduktions- und Umweltepidemiologinnen. Sie veröffentlichte ihre bahnbrechenden Forschungsergebnisse in über 200 wissenschaftlichen Artikeln und Studien, über die Medien aus der ganzen Welt berichteten. Stacey Colino ist Journalistin und Autorin mit Schwerpunkt auf den Themen Gesundheit und Umwelt. Sie schreibt für zahlreiche amerikanische Zeitschriften und ist Co-Autorin mehrerer Bücher.
Vorwort zur deutschen Ausgabe
Wird der Wunsch, ein Kind zu kriegen, für immer mehr Menschen in unserem Land zu einem unerfüllbaren Lebensentwurf? Kinderlosigkeit statt Kinderwunsch – dieses Schicksal trifft schon zehn Prozent aller Paare in Deutschland.1
Unser Lebensstil hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert. Unsere Umwelt ist mit immer mehr chemischen Stoffen belastet. Ist dies der Grund dafür, dass Reproduktionsmedizin ein boomender Geschäftsbereich ist und dass trotzdem immer mehr Paare ihren Kinderwunsch nicht erfüllen können?
Shanna Swan ist eine der profiliertesten Wissenschaftlerinnen weltweit, die auf dem Gebiet der menschlichen Reproduktion arbeiten. Zusammen mit Stacey Colino hat sie hier ein Buch vorgelegt, das eindrucksvoll und kenntnisreich versucht, diese Fragen zu beantworten.
Für die Menschen in Europa, den Vereinigten Staaten und den anderen westlichen industrialisierten Staaten ist ihre Analyse ebenso wichtig wie zutreffend. In diesen Ländern werden nicht mehr so viele Kinder geboren, wie notwendig wären, um eine nachhaltige Altersstruktur zu erhalten. Die Kinderlosenquote der Frauen im Alter zwischen 45 und 49 Jahren betrug im Jahr 2018 in Deutschland 21 Prozent. Damit war die Quote etwa doppelt so hoch wie Anfang der 1980er-Jahre. Deutschland gehört neben der Schweiz, Italien und Finnland zu den Ländern mit der höchsten Kinderlosigkeit in Europa.2 Die Gesellschaften werden immer älter – mit allen Folgen für ihre Generationenverträge. Die Jungen trifft die Belastung, immer mehr alte Menschen unterstützen zu müssen.
Dieses Buch beschreibt sorgfältig und unvoreingenommen die Probleme und deren Ursachen. Frauen werden heute später zum ersten Mal schwanger als früher und Kinderlosigkeit ist inzwischen ein akzeptiertes Lebenskonzept. Vergleicht man jedoch die Vorstellung über ein Leben mit Kindern von Frauen im Alter von Anfang 20 mit der tatsächlichen Kinderzahl der gleichen Frauen 20 Jahre später, so zeigt sich Erstaunliches. In Österreich und Deutschland bleiben viermal so viele Frauen kinderlos, in der Schweiz doppelt so viele, wie sich das gewünscht hatten. Auch die tatsächliche Anzahl der Kinder bleibt deutlich gegenüber den einstigen Vorstellungen zurück.3 Offensichtlich trägt die Umwelt, in der wir leben, dazu bei, dass bei der Entscheidung für Kinder Wunsch und Wirklichkeit oft nicht mehr übereinstimmen.
Tatsächlich hat in Westeuropa – ebenso wie in den meisten industrialisierten Ländern weltweit – die Güte der Spermien bei jungen Männern dramatisch abgenommen.4 Männer von heute haben eine Spermienqualität, die nur noch halb so gut ist wie die ihrer Vorfahren vor 50 Jahren. Fast die Hälfte aller Männer erreichen nicht mehr die Güte, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO als Referenz für eine optimale Fruchtbarkeit gesetzt wurde. Sie sind nicht mehr optimal zeugungsfähig.
Dieses Buch von Shanna Swan berichtet nicht nur über den Rückgang der Fertilität bei den Männern. Es zeigt auch überzeugende Beweise, dass junge Frauen heute sehr viel mehr Probleme haben, schwanger zu werden als die Generationen vor ihnen. Insbesondere das Kapitel dieses Buches über weibliche Fertilität und ihre Abhängigkeit von der Umwelt ist wichtig. Wie so oft in der Wissenschaft standen hier lange Zeit männliche Aspekte im Vordergrund und bestimmten die Schlagzeilen. Man könnte annehmen, Wissenschaft ist Wissenschaft – aber hier zeigt sich, dass Wissenschaft aus weiblicher Sicht doch oft vollständiger ist.
Nicht nur in den USA, sondern auch in Europa befinden wir uns mitten in einer Fruchtbarkeitskrise. Sie bedroht nicht nur die Struktur unserer Gesellschaft. Sie bestimmt zunehmend die Lebensqualität junger Menschen. Für viele Paare wird heute Fertilität für Jahre zum Lebensthema. Kinderwunschbehandlung, weniger euphemistisch auch assistierte Reproduktionsbehandlung genannt, belastet Beziehungen extrem. Bleibt sie erfolglos, ist dies ein markanter Eingriff in die Möglichkeit, das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten.
Seit über 20 Jahren wissen wir, dass Umweltchemikalien zu dieser Krise der Fruchtbarkeit beitragen.5 Insbesondere die Chemikalien, die auf die Steuerung unserer Entwicklung und unseres Stoffwechsels durch Hormone Einfluss nehmen, sind nachgewiesene Störfaktoren der Fruchtbarkeit. In diesem Buch werden sie uns vorgestellt: Weichmacher aus Plastik, die Phthalate, Kunststoffbestandteile, die Bisphenole, fluorhaltige Flammschutzmittel und Pestizide. Sie bilden eine gefährliche Mischung, die uns täglich umgibt.
Umwelthormone mit so unaussprechlichen Namen wie Diethylhexylphthalat sind seit wenigen Jahren in der EU verboten. Früher wurden sie als Weichmacher in PVC-Fußböden, Regenkleidung für Kinder, Plastikrohren und unzähligen Gegenständen aus Plastik eingesetzt, mit denen wir täglich umgehen. Neue Weichmacher haben seitdem den Markt erobert. Oft sind sie ähnlich besorgniserregend, aber weit weniger erforscht. Bisphenol A ist bei den Verbrauchern in Verruf geraten. Diese Chemikalie ist Grundstoff von Polycarbonaten und Epoxidharzen und dient als Farbentwickler für Thermopapier. Aufgrund des breiten Drucks der Konsumenten wurde dieser Stoff in Babyflaschen und Trinkgefäßen für Kinder und in Thermopapier von der Europäischen Gemeinschaft verboten. Auch in diesem Fall eroberten chemisch ähnliche und ähnlich gefährliche Alternativen wie zum Beispiel Bisphenol S die weltweiten Märkte.6
Fast in jeder Frau, jedem Mann und sogar jedem Neugeborenen in Deutschland finden wir heute diese Stoffe im Blut oder im Urin.7 Schon vor der Geburt sind sie in der Lage, unsere Entwicklung zu beeinflussen – nachhaltig und oft unumkehrbar.
In vielen Bereichen können wir uns schützen. Dieses Buch macht uns Vorschläge: Wie können wir unser Leben und unsere Gewohnheiten ändern, um unsere Gesundheit zu schützen? Die Ratschläge, die wir hier finden, sind auf wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt. Abbau von Stress, gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung sind Schlüsselfaktoren für Lebensqualität und Gesundheit, nicht nur, aber auch bei Problemen mit dem Kinderwunsch. Ebenso wichtig ist es, die Kontrolle darüber zurückzugewinnen, welche Chemikalien wir in unsere Wohnungen und vor allem in unsere Körper holen. Machen Sie doch einfach einmal zu Hause einen Test: Versuchen Sie, alles in Ihrer Wohnung, das aus Plastik hergestellt ist, im Wohnzimmer auf einen Haufen zu legen. Auf alles, was Sie nicht bewegen können, wie Ihren PVC-Fußboden, kleben Sie einfach einen roten Klebepunkt. Sie werden erstaunt sein. Nicht von allem werden Sie sich trennen wollen. Nicht von der Zahnbürste und nicht von dem Rauchmelder an der Decke. Aber je weniger wir uns mit Plastik umgeben, desto gesünder wird die Luft in unseren Wohnungen sein und desto weniger Schadstoffe werden wir mit dem allgegenwärtigen Staub einatmen. Je weniger Kosmetika wir aus Plastikflaschen benutzen, je mehr wir darauf achten, dass unsere Lebensmittel frisch sind und weder bei der Herstellung noch beim Transport noch in unserem Kühlschrank in Plastik gelagert werden, desto weniger Stoffe werden wir in unseren Körpern finden, die unsere Gesundheit und unsere Fruchtbarkeit schädigen.
Die Bedrohung durch Chemikalien bleibt für uns oft unsichtbar. Allein können wir uns nur unvollständig schützen. Der Staat muss die Schutzfunktion für die Bürger übernehmen, so wie unsere Bundeskanzlerinnen und Bundeskanzler schwören, Schaden vom deutschen Volke abzuwenden. Bisher hat jedoch die Politik versagt. Trotz eines neuen europäischen Chemikalienrechts dauert es 15 bis 30 Jahre, bis ein Stoff, der als gefährlich erkannt wurde, vom Markt genommen wird. So war es früher bei dem Pestizid DDT, so ist es heute bei Weichmachern, Flammschutzmitteln und Plastikbestandteilen wie Bisphenol A. Ist der Stoff endlich verboten, wird er durch andere Stoffe ersetzt, die oft nicht weniger bedenklich sind. Von Jahr zu Jahr werden immer mehr Chemikalien in unseren Körpern gefunden. Verlassen neue Stoffe die Fabrik, finden wir sie nach wenigen Jahren in unserem Blut. Von einer vorsorgenden Politik, die nicht nur einzelne Stoffe bewertet, sondern die Gefahren der Umweltmischung besorgniserregender Chemikalien in Betracht zieht, sind wir weit entfernt. Chemikalien machen nicht an Grenzen Halt. Mit der Luft, mit dem Wasser und vor allem in Produkten verteilen sie sich weltweit.
Nur internationale Kooperation und internationale Lösungen können uns hier weiterbringen, ähnlich wie in der Klimapolitik. Dieses Buch macht Mut, hierfür einzutreten. Die Zeit war nie so günstig wie jetzt. Amerika ist auf die Bühne der internationalen Kooperation zurückgekehrt. Mit der europäischen Strategie für einen New Green Deal will die Europäische Gemeinschaft Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltiger, umweltfreundlicher und zukunftssicherer gestalten. Die...
| Erscheint lt. Verlag | 8.8.2021 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Gesundheit / Leben / Psychologie |
| Schlagworte | Chemikalienbelastung • chemikalien im alltag • chemikalien im haushalt • chemische produkte im alltag • chemische stoffe im alltag • Fortpflanzung • Geburtenrate • geburtenrate abnahme • geburtenrate deutschland • geburtenrate weltweit • gender fluidität • geschlechter fluidität • Geschlechtsentwicklung • geschlechtsfluidität • gesundheitsgefährdender lebensstil • giftige chemikalien im alltag • Kinderlos • Kinderwunsch • moderner Lebensstil • Ratgeber • sexuelle entwichlung • spermienanzahl mann • spermienanzahl normal • spermienanzahl normwerte • spermienanzahl verbessern • spermienzahl erhöhen • spermienzahl natürlich erhöhen • spermienzahl zu gering was tun • spermienzahl zu niedrig • Umweltgifte • umweltgifte beispiele • umweltgifte im körper • umweltgifte im wasser • umweltgifte in lebensmitteln • umweltgifte liste • umweltgifte schwangerschaft • Umweltverschmutzung • unfruchbarkeit buch • Unfruchtbar • unfruchtbar durch chemikalien • unfruchtbar durch modernen lebensstil • Unfruchtbarkeit • unfruchtbarkeit anzeichen frau • unfruchtbarkeit bei frauen ursachen • unfruchtbarkeit deutschland • unfruchtbarkeit erkennen • unfruchtbarkeit frau • unfruchtbarkeit frau testen • unfruchtbarkeit frau ursachen • unfruchtbarkeit gründe • unfruchtbarkeit häufigkeit • unfruchtbarkeit künstliche befruchtung • unfruchtbarkeit mann • unfruchtbarkeit mann anzeichen • unfruchtbarkeit mann behandlung • unfruchtbarkeit männer statistik • unfruchtbarkeit mann statistik • unfruchtbarkeit mann test • unfruchtbarkeit mann wahrscheinlichkeit • unfruchtbarkeit prozent • unfruchtbarkeit ratgeber • unfruchtbarkeit statistik • unfruchtbarkeit statistik weltweit • unfruchtbarkeit symptome • unfruchtbarkeit testen • unfruchtbarkeit ursachen mann • unfruchtbarkeit verbreitung • unfruchtbarkeit was tun • unfruchtbar landwirtschaft • unfruchtbar ursachen • Zukunft der Menschheit • zukunft der menschheit buch |
| ISBN-10 | 3-7453-1510-3 / 3745315103 |
| ISBN-13 | 978-3-7453-1510-3 / 9783745315103 |
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