Handbuch - Systemische Professionalität (eBook)
208 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-29094-5 (ISBN)
Dr. phil. Bernd Schmid (Jhg. 1946) ist Gru?nder und Leitfigur der isb GmbH Wiesloch (seit 1984) und der Schmid Stiftung (seit 2011). Er war international tätig als Referent, Lern- und Professionskulturentwickler sowie als Unternehmer und Gru?nder von Initiativen und Verbänden. Seine Expertise in der Organisationsentwicklung und im Coaching stellt er heute als Mentor und Konzeptentwickler an der Schnittstelle von Profit- und Nonprofit-Unternehmertum bereit. Schmid ist unter anderem Ehrenmitglied der Systemischen Gesellschaft und Ehrenvorsitzender im Präsidium des Deut-schen Bundesverbandes Coaching. Er ist Preisträger des Eric Berne Memorial Awards 2007 der Internationalen TA-Gesellschaft ITAA, des Wissenschaftspreises 1988 der Europäischen TA-Gesellschaft EATA sowie des Life Achievement Awards 2014 der Weiterbildungsbranche. 2017 ehrte ihn die Deutsche Gesellschaft für Transaktionsanalyse DGTA für sein Lebenswerk.
Dr. phil. Bernd Schmid (Jhg. 1946) ist Gründer und Leitfigur der isb GmbH Wiesloch (seit 1984) und der Schmid Stiftung (seit 2011). Er war international tätig als Referent, Lern- und Professionskulturentwickler sowie als Unternehmer und Gründer von Initiativen und Verbänden. Seine Expertise in der Organisationsentwicklung und im Coaching stellt er heute als Mentor und Konzeptentwickler an der Schnittstelle von Profit- und Nonprofit-Unternehmertum bereit. Schmid ist unter anderem Ehrenmitglied der Systemischen Gesellschaft und Ehrenvorsitzender im Präsidium des Deut-schen Bundesverbandes Coaching. Er ist Preisträger des Eric Berne Memorial Awards 2007 der Internationalen TA-Gesellschaft ITAA, des Wissenschaftspreises 1988 der Europäischen TA-Gesellschaft EATA sowie des Life Achievement Awards 2014 der Weiterbildungsbranche. 2017 ehrte ihn die Deutsche Gesellschaft für Transaktionsanalyse DGTA für sein Lebenswerk.
2. Rollensysteme teilen
“All the world's a stage, and all the men and women merely players … and one man in his time plays many parts” – Shakespeare
2.1. Warum Rollen?
Jeder hat schon erlebt, dass Menschen in verschiedenen Momenten unterschiedlich sein können. Als Berufskollege kann jemand selbstbewusst und klar argumentieren, als Untergebener kann er als Heuchler oder Rebell auftreten, und als Begleiter bei einem privaten Treffen kann er einfühlsam und charmant sein. Offensichtlich organisieren Menschen sich selbst und ihre Beziehungen auf unterschiedliche Weise, entsprechend den jeweils dominierenden Wirklichkeiten. Mithilfe von Rollenkonzepten können wir solche Beobachtungen berücksichtigen.
Die verschiedenen Rollen, die im Leben eingenommen werden, machen die Persönlichkeit aus und entscheiden über Lebensentwicklung und Karriere. Professionelle Kommunikation in Organisationen kann wesentlich qualifizierter gestaltet werden, wenn die geeigneten Rollen aktiviert und ausgefüllt werden. Mit Rollen im Fokus können wir Menschen und ihre Kommunikation betrachten, Rollenkompetenzen entwickeln und Rollenbeziehungen organisieren. Im Rollenkonzept des isb werden Beziehungen von Rolle-zu-Rolle im Kontext und mit Bezug auf Inhalt betrachtet. Dieses Rollenkonzept integriert so die jeweils relevanten Dimensionen über psychologische Aspekte hinaus.
2.2. Rollen - Bindeglied Person und Organisation
Wie man die Begegnung zwischen Menschen und deren Organisationen beschreibt, ist unvermeidbar eine Frage der Wahl. Die Modelle, die wir für die Beschreibung gewählt haben, definieren die Merkmale und Arten von Beziehungen, die berücksichtigt werden sollen. Viele Ansätze unterscheiden zwischen Persönlichkeit und Organisation, fassen aber beides und ihre Beziehung zueinander nur vage. Im Unterschied dazu weisen wir sowohl Personen in einem Unternehmen als auch Organisationsstrukturen Organisations-Rollen zu (siehe. Abb. 6), und diskutieren beide Aspekte mit einer Sprache. In der Begegnung von Individuum und Organisation ist es allerdings nicht möglich, sich auf die Gesamtheit beider zu beziehen. Die Fragen stellen sich: Wie viel Individuum? Wie viel Organisation? Organisations-Rollen funktionieren als Bindeglied überall dort, wo sie positiv mit den Hintergründen der Individuen wie auch der Organisation abgestimmt sind. Das Klären von Rollen und das Ausbalancieren aus Sicht des Individuums und der Organisation verbinden Persönlichkeits-Entwicklungen und Organisationsentwicklung.
Abb. 6: Organisations-Rollen – Begegnung Mensch-Organisation (Schmid 2017)
2.3. Was sind Rollen?
Wie viele Komponenten der Theatermetapher wird der Begriff "Rolle" als etwas Bekanntes erlebt und ist leicht zu verstehen, ohne definiert zu werden.
Betrachten wir dennoch eine Definition:
Eine Rolle ist ein kohärentes System von Einstellungen, Gefühlen, Verhaltensweisen, von Perspektiven auf Wirklichkeit und auf die Beziehungen, in denen sie gelebt werden.
Hier ist per Definition jede Rolle mit einem bestimmten Wirklichkeitsbereich und Bezugsrahmen verknüpft und erstreckt sich auf die Beziehungen, in denen diese Rolle gelebt wird. Meist werden Rollen wenig so reflektiert gelebt. Sie legen eher nahe… oder laden ein zu… ohne dass reflektiert wird, welche Wirklichkeiten damit hervorgerufen und welche Art von Beziehungen nahelegt und geformt werden.
Illustration:
Um die Vielfalt als auch die Bedeutung von Rollen nachvollziehbar zu machen, nehmen wir folgendes Beispiel: Man stelle sich einen Verkehrsunfall vor, an dem die Unfallbeteiligten, deren Nachbarn, der Einsatzleiter der Feuerwehr, der Krankenwagen, die für die Sicherung der Unfallstelle und alle zukünftigen Beweise zuständige Polizei und ein zufällig vorbeikommender Kollege zu Gange sind. Man kann sich viele andere Rollen vorstellen, die je nach Ereignis - die eigenen Einstellungen, Gefühle und Verhaltensweisen der Rollenspieler und ihre eigenen Perspektiven auf die Realität aktivieren. Alle Rollen beziehen sich auf bestimmte Aspekte der Realität und induzieren Vorstellungen davon, wie die Beziehungen zu anderen Menschen am Unfallort zu gestalten sind.
Wenn der Einsatzleiter der Feuerwehr zufällig ein persönlicher Freund eines der Schwerverletzten und vielleicht Pate des anwesenden, aber unverletzten Sohnes dieser Person ist, können wir uns vorstellen, dass mehrere Rollen gleichzeitig aktiviert werden und in einer solchen Situation ausbalanciert werden müssen.
2.4. Rollen und drei Welten
Im isb-Rollenmodell wird Persönlichkeit als das Portfolio der unterschiedlichen Rollen beschrieben, die auf den Bühnen ihrer Welt gespielt werden.
Für das Drei-Welten-Modell wurden drei Welten, in denen solche Rollen operieren, ausgewählt: Privatwelt, Organisationswelt und Professionswelt. Jede Rolle steht für andere Herausforderungen, je nachdem, ob eine Organisations-Rolle (z.B. Frauenbeauftragte), eine berufliche Rolle (z.B. Sozialarbeiterin) oder eine private Rolle (z.B. Mutter) von zentraler Bedeutung ist.
Abb. 7 zeigt Persönlichkeit als Portfolio von Rollen in diesen drei Welten und unterscheidet das Rollenrepertoire in Organisationsrollen, Professionsrollen und Privatrollen. Das daraus abgeleitete Leiter-Modell eignet sich, wie unten dargestellt, für die Analyse von Rollen-Beziehungen und Kommunikation.
Abb. 7: Drei-Welten-Modell der Persönlichkeit und “Leiter-Modell der Rollen“ (Schmid 1994)
Diskussion:
Reduziert das Rollen-Modell Menschen auf "Rollen spielen" anstatt auf „Rollen ernst nehmen oder leben“?? Nein, denn in diesem Modell gibt es keinen Unterschied zwischen Menschen und ihren Rollen, denn Persönlichkeit wurde ja definiert als ein Bündel von Rollen. Aus pragmatischen Gründen impliziert das Modell, dass Menschen ihre Menschlichkeit ausschließlich in ihren Rollen erleben und ausdrücken, so wie in der Theatermetapher (Kap. 10.9) das Leben als Serie von Szenen konzipiert wird. Die Einzigartigkeit und Menschlichkeit des Einzelnen drücken sich in der Art und Weise aus, wie er seine Rolle spielt. Jeder Mensch ist so auf einzigartige Weise mit Inszenierungen und Bühnen seiner Welten verbunden. Die dort gelebten Rollen werden von ihm und anderen mitbestimmt. Persönlichkeit und Kommunikation werden daher immer auch als eine Frage des Kontextes und der Inhalte, also mit gesellschaftlichem Bezug betrachtet.
2.5. Persönlichkeit
Da wir das Rollenmodell für Persönlichkeitsdiskussion verwenden, passt es zu vielen Überlegungen und Ansätzen der Transaktionsanalyse (TA).
Hier sind einige Beispiele für Konzepte de TA mit Organisationsfeld-geeigneten Benennungen:
Unter der Überschrift Rollen-Integration und Umgang mit Ressourcen können Fragen zur Autonomie und Funktionsweise von Einzelnen und Teams diskutiert werden. Heutzutage werden Professionelle in einer immer größer werdenden Vielfalt von Rollen beansprucht und müssen verschiedene Zugehörigkeiten zu verschiedenen Systemen und deren Bezugsrahmen zusammenbringen. Daher ist es unwahrscheinlich, dass sie sich mit nur einer Rolle oder mit einem kleinen, überschaubaren Bündel von Rollen identifizieren können. Vielmehr muss eine autonome, professionelle Haltung bei der Auswahl und Gestaltung von Rollen sowie bei der Entscheidung über und Kontrolle von Zugehörigkeiten entwickelt werden. Das eigene Netzwerk der verschiedenen Rollen und Bezüge zusammenzustellen, ist schon an sich eine Herausforderung. Wir sind aber auch immer wieder mit Konflikten zwischen verschiedenen Zugehörigkeiten und Rollen konfrontiert. Verfügbare Ressourcen wollen und müssen sorgfältig bewirtschaftet werden, einschließlich der Energie- und Zeitressourcen. In der modernen Geschäftswelt sind viele Professionelle und Teams von den hohen Anforderungen an sie überfordert, wenn sie es nicht schaffen, die Komplexität durch eigene Identität zu kontrollieren und Rollen kongruent zu tragfähigen Strukturen zu bündeln.
Neben eigenen Rollenvorstellungen gibt es außerdem Erwartungen und Urteile anderer darüber, wie Rollen gespielt werden sollen. Denn Rollen können gut nur im Zusammenspiel mit anderen und mit Verständnis deren Rollen anderer und des aufzuführenden Stücks gespielt werden.
Rollenkompetenz bedeutet, das kohärente System von Einstellungen, Gefühlen, Verhalten, Wirklichkeitsperspektive und der mit der Rolle verbundenen Beziehungen zu steuern. Dazu gehört ein Verständnis vom und die Abstimmung im beabsichtigten Spiel. Viele Persönlichkeitsprobleme ergeben sich, wenn die Notwendigkeit, Rollenspielfähigkeiten zu erwerben, entweder nicht erkannt oder nicht ernst genommen wird oder nur...
| Erscheint lt. Verlag | 26.4.2021 |
|---|---|
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Beruf / Finanzen / Recht / Wirtschaft ► Bewerbung / Karriere |
| Schulbuch / Wörterbuch ► Lexikon / Chroniken | |
| Technik | |
| Schlagworte | Bernd Schmid • Handbuch • isb Wiesloch • Systemische Professionalität |
| ISBN-10 | 3-347-29094-1 / 3347290941 |
| ISBN-13 | 978-3-347-29094-5 / 9783347290945 |
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