Der Pestizid-Ausstieg (eBook)
204 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-29354-0 (ISBN)
Autorin Kira Deltenre, Biologin (dipl. phil. nat.). Professionelle Irreführungen können nur von Profis durchschaut werden, das Aufspüren der relevanten Schwachstellen und Skandale der Agrarpolitik, der brisantesten Scoops und Durchbruchstrategien benötigte Routine in der wissenschaftlichen Methodik der Beweisführung, vertiefte Kenntnisse der Agrarökologie und der Anbaumethoden.
Autorin Kira Deltenre, Biologin (dipl. phil. nat.). Professionelle Irreführungen können nur von Profis durchschaut werden, das Aufspüren der relevanten Schwachstellen und Skandale der Agrarpolitik, der brisantesten Scoops und Durchbruchstrategien benötigte Routine in der wissenschaftlichen Methodik der Beweisführung, vertiefte Kenntnisse der Agrarökologie und der Anbaumethoden.
Glyphosat – das staatliche öko
Insiderwissen statt IrreFührung: Die Ressourcenschutz-Subventionen für die Glyphosat-Direktsaat sind das Paradebeispiel einer menschenverachtenden Greenwash- Strategie.
Gift statt Pflug
Der Frühling, kommt, die Wiesen überziehen sich mit bunten Frühlingsblumen.
Aber vermehrt auch mit den gelblich-rostroten Herbstfarben der Direktsaat.
Die Agrarministerien nahmen die Ängste der Bevölkerung ernst und engagieren sich nun für den Schutz der Natur: Mit schönen Fotos präsentieren sie den von Pferden gezogenen, bodenschädigenden Pflug, dahinter der Traktor mit dem Retter der Erde, dem ressourcenschützenden Glyphosat. (1-2)
Denn Glyphosat statt Pflug sei Umweltschutz?
In den meisten Industrieländern fliessen gigantische Förderströme in dieses Musterbeispiel einer innovativen öko-Strategie mit ihren netten Etiketten: Direktsaat, no-tillage, no-till, direct seeding.
Und ihren Rekordmengen an Glyphosat, die ins Grundwasser versickern.
Die IARC stuft Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein.
„Öko“-Strategie Krebs statt Pflug
Umweltschutz dank noch grösseren Mengen an Herbiziden?
Wie nur konnten die Agrarministerien eine derart von allen guten Geistern verlassene öko-Strategie finanzieren und forcieren?
Die Wendepflüge dienen primär der Umwandlung einer Wiese in einen Acker, sie pflügen die Grasnarbe unter, um sie abzutöten.
Und genau das kann ein Herbizid eben auch.
Und Herbizide sind das Kerngeschäft der Agrarindustrie.
Aber wie nur verwandelt man den doch eher harmlosen Pflug in eine derartige Gefahr, dass sogar ein Krebsrisiko als öko-Fortschritt verkauft werden kann?
Die Pestizidindustrie brauchte für diese Verkaufsstrategie einen vertrauenswürdigen Partner: Der idealste war natürlich der Klimaschutz, denn wer würde es schon wagen, sich gegen die Rettung von Klima und Zukunft zu stellen?
2008 verkündete u.a. der Vorsitzende eines Pestizid-/Gentech-Konzerns, dass sie in den nächsten 25 Jahren bis zu 80 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in die Äcker einlagern können. (3) Also über 3 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr, der Grossteil jener 4 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, die jedes Jahr zusätzlich in der Atmosphäre verbleiben (bzw. ca. 15 Milliarden Tonnen CO2). (4)
Glyphosat statt Pflug rettet das Klima, Heureka! Die Behörden jubelten und überschütteten den Retter von Himmel und Erde mit ihrem Geldsegen.
Der „geheime“ Klima-Rettungsplan
Selbst der abstruseste Unsinn kann auf einer ursprünglich guten Idee basieren.
Und auch das ehrlichste Engagement kann auf das Surrealste missbraucht werden.
Das Kyoto-Protokoll ratifizierte einst die Einbindung des Kohlendioxids in die Biomasse und in die Böden. Dieses kaum noch bekannte Klimasanierungs-Konzept kann das gesamte überschüssige CO2 vollständig und erst noch gratis aus der Atmosphäre entfernen. Auf Englisch existiert ein Fachbegriff für diese Methode, die carbon sequestration, nicht aber im Deutschen. (5-6)
Wir befinden uns in einer höchst bedrohlichen Gefahrenzone, unsere Experten entwickeln optimale, hocheffiziente Fluchtwege, die jedoch keine Namen bekommen und deshalb nirgends angeschrieben werden. Schwierig, das Klima zu retten mit einem anonymen Rettungsplan.
Deutsch ist eine Sprache, die Vieles elegant ausdrücken kann. Nun denn: „Humusbildung“ wäre doch ein elegantes, schönes, verständliches Wort für das „in-die-Böden-einbauen-von-CO2“.
(Und für das noch weit effizientere „in-die-Biomasse-einbauen-von-CO2“ existiert ebenfalls ein Fachbegriff: Wald, bzw. Wiederbewaldung. Allerdings verkam diese win-win-Methode erst recht zum Top-secret der Klimapolitik. (mehr dazu im Klimabuch)
Die Humusbildung kann das Zuviel an Kohlendioxid gemächlich einbinden, sie kann aus einem Problemgas fruchtbare Erde machen. Die Umwandlung von CO2 in Humus ist ein natürliches Recyclingsystem, das seit der Urzeit funktioniert: Pflanzen nehmen CO2 auf und wachsen, sterben sie ab, werden sie von Bodenlebewesen gefressen, und diese scheiden den Kohlenstoff in Form von Humus aus. Sobald wir die Fruchtbarkeit der Natur nicht mehr mit Gewalt klein machen, mit Pestiziden und Motorsägen, reinigt sich das Klima von alleine. Der Kohlenstoff will ja nichts anderes, als am Leben mitmachen, er ist das Grundgerüst jedes Lebewesens.
Dieses rettende, von fast allen Staaten ratifizierte Klimasanierungs-Konzept wurde finanziell nie gefördert oder gar umgesetzt.
Ausser mit einer einzigen Methode: Der Glyphosat-Direktsaat.
Der klimazerstörende – Himmel?!
In vielen Sprachen ist der Name unseres Planeten identisch mit dem Material das ihn bedeckt: Erde, earth, terre, tierra… Eine antike Wertschätzung? Die Erde, die uns ernährt. Meistens. Aber sie schwindet zunehmend. Und mit ihr die Erträge.
Der Pestizidindustrie entlarvte nun den Verursacher dieser massiven Erosionsschäden, einen bisher völlig unbeachteten Bösewicht: Den Himmel, bzw. den Sauer-Stoff, schon sein Name entlarvt den Schurken: Er verbrennt die Erde zu CO2.
Am Klimadesaster schuld ist also der Himmel selber, er verschlingt dermassen viel Erde, dass er sich dabei selber verdreckt, Himmel und Erde zerstören sich gegenseitig – wie schrecklich! Und noch weit alarmierender: Mit der Erde verduften auch die Erträge. Der Verantwortliche an den Hungersnöten ist ergo ebenfalls der böse Himmel.
Eine reichlich verworrene Verschwörungstheorie? Leider das weitgehend unbeachtete öko-Engagement unserer Agrarpolitik: Ein Grossteil der öko-Fördergelder fliesst in die Bekämpfung des angeblichen Boden- und Klimazerstörer… Sauerstoff.
Aber wie nur kann der Sauerstoff, unsere vitalste Lebensressource Bodenerosion und Hunger verursachen?
Die schwindende Erde
„Die industrielle Landwirtschaft räumt fruchtbaren Boden aus wie eine Kohlemine“. (H. Herren, Welt-Agrarrat).
Eine Milliarde Hektaren Agrarland sind bereits durch die Erosion schwer geschädigt, von weltweit 5 Milliarden Hektaren Agrarland. Die Erosion wandelt jährlich rund 1 Milliarde Tonnen Humus-Kohlenstoff in CO2 um, eine gleich grosse Klimabelastung wie durch den Verkehr. (7)
Die FAO warnt vor massiven Ertragseinbrüchen der industriellen Landwirtschaft, v.a. in den Tropen. (8).
Das Erosionsproblem ist jedoch primär ein amerikanisches, die Schäden eines durch und durch naturfeindlichen, industriellen Raubbaus, der sich in Europa bisher noch nicht im selben Ausmass etablieren konnte: Im Maisanbaugebiet der USA tragen die dust bowls, Sandstürme, die fruchtbare Erde weg. Und mit ihnen die Erträge. Die Äcker des corn belts verloren in einigen Jahrzehnten über einen Drittel ihres Humus, die Humusverluste konnten gar 50% erreichen. (9)
Mit einem verheerenden Resultat:
Die nordamerikanischen Weizenerträge erreichen kaum die Hälfte der europäischen, ein bestens gehütetes Tabu der Agrarpolitik. (10-11)
Wobei die USA das Mehrfache der Kunstdüngermengen der EU einsetzt, Kunstdünger verbrennt Humus zu CO2, ein weiteres Tabu der Agrarpolitik. (Siehe Kap. Bodenfresser Kunstdünger)
Dem nordamerikanischen Vorbild folgen nun die aufstrebenden Wirtschaftsnationen: In China müssen die Computerchips-Fabriken während der Sturmsaison hermetisch abgedichtet werden, die Belegschaft muss in die Sandferien, wenn Chinas fruchtbare Lössebenen von den Sturmwinden abgetragen werden. Kanada beklagt sogar das Phänomen des schwarzen Schnees.
Toxic Overdrive-Eskalation
Die Agrarchemie ist die Kunst, ein hochintelligentes System auf ein intellektuell tiefst mögliches Niveau zu reduzieren. Ihre Definition, das Vergiften der Erde sei ein Ressourcenschutz, entlarvt ihre Affinitäten und Ziele.
In den USA praktizieren viele Farmer den chemical fallow, die chemische Schwarzbrache: Die Erde bleibt nach dem Pflügen dank den Herbizideinsätzen, meist Glyphosat, bis zu zwei Jahre ohne Erosionsschutz durch eine Vegetationsbedeckung. Das wirkt sich v.a. in windigen Trockengebieten wie der Prärie verheerend aus, die nackte Erde wird von den berüchtigten dust bowls abgetragen.
Beim speziell erosionsanfälligen Sojaanbau betragen die Bodenverluste oft das Vielfache der Erträge. 20 bis 40 Tonnen Erde pro Hektar können durch einen einzigen Starkregen abgeschwemmt werden, bei wirklich extremen Wetterereignissen gehen in der amerikanischen Intensivlandwirtschaft bis zu mehreren hundert Tonnen Erde auf einer einzigen Hektare verloren. Erodierte Böden haben bis zu fünfmal weniger Nährstoffe in der obersten Bodenschicht.
Die europäischen Agrarministerien wollen diese Ressourcenzerstörung der US-Agrarindustrie nun via „Ressourcenschutz“-Subventionen in Europa etablieren. Die Erosion konzentriert sich im meist kleinstrukturierten Europa...
| Erscheint lt. Verlag | 22.4.2021 |
|---|---|
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Natur / Technik ► Naturwissenschaft |
| Technik | |
| Schlagworte | Agrarökologie • Agrarwende • Bio-Landwirtschaft • Ökologie • Pestizidausstieg • Pestizidinitiative |
| ISBN-10 | 3-347-29354-1 / 3347293541 |
| ISBN-13 | 978-3-347-29354-0 / 9783347293540 |
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