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Steampunk Ökonomie (eBook)

Mit der Dampfmaschine zum Mond

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
328 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-28655-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Steampunk Ökonomie -  Andreas Rein
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Viele Führungskräfte, Organisationen und Unternehmen glauben, dass sich den wirtschaftlichen Anforderungen des digitalen Zeitalters mit Fleiß, Können und Erfahrung begegnen lässt. Sie bauen auf Expertentum, etablierte Strukturen und Prozesse, auf welche sie sich jahrzehntelang verlassen konnten. Sie perfektionieren die bekannten Methoden und Verfahren und streben ein Höchstmaß an Fehlerlosigkeit an. Dabei übersehen sie jedoch, dass das Streben nach Perfektion nicht nur kontraproduktiv, sondern sogar schädlich ist. In Zeiten der Digitalisierung und damit einhergehender Globalisierung werden Produkte, Waren und Dienstleistungen nicht ständig besser, sie werden ständig anders. Die Prozesse und Geschäftsmodelle, die die Wirtschaft antreiben, verändern sich fortwährend. Wer sich darauf konzentriert bekannte Methoden, sowohl in der Produktion, mehr aber noch im Organisationsdesign und der Führung, zu perfektionieren, der trainiert ein Rennpferd und merkt nicht, dass er gegen einen Formel-1 Rennwagen antreten muss. Wirtschaftswissenschaften, Management und Personalwirtschaft basieren auf theoretischen Grundlagen des 19. Jahrhunderts. Sie sind perfektionierte Dampfmaschinen - geschmeidig im Lauf, ausdauernd im Betrieb und elegant anzuschauen. Und vollkommen ungeeignet, um damit zum Mond zu fliegen. Kurz: sie sind Vertreter der Steampunk Ökonomie. In seinem Buch entlarvt Dr. Andreas Rein die Steampunk Ökonomie und erläutert eindrucksvoll, woran man sie erkennt. Er erklärt, warum alle Unternehmen und Organisationen von disruptiven Veränderungen betroffen sind - unabhängig von Branche und Industrie. Er zeigt, dass in einer digitalen, voll vernetzten Welt nicht der Mond, sondern mindestens der Mars das Ziel sein muss. In seinem leidenschaftlichen Plädoyer für die Entfesselung innovativer Potenziale, zeigt er, wie sich die Steampunk Ökonomie überwinden und Zukunftsfähigkeit schaffen lässt. Denn weder die menschlichen noch die irdischen Ressourcen sind unbegrenzt.

Dr. Andreas Rein ist Experte für agile Transformation und Organisationsentwicklung. Im Fokus seiner Arbeit stehen moderne Managementmethoden und die Gestaltung und Einbettung agiler und hybrider Methoden in Unternehmenskulturen. Nach seinen Tätigkeiten als "Head of Development and E-Commerce", "Product Manager Billing Systems" und "Product Manager Search" war er für diverse Beratungs- und Softwarehäuser in den Bereichen Projekt-, Produkt-, und Prozessmanagement tätig, bevor er sich 2009 für eine selbständige Laufbahn entschied. Er begleitet Teams und Organisationen in den unterschiedlichsten geschäftlichen Kontexten - seit 2012 praktisch ausschließlich in agilen Umfeldern. Er hat Informations- und Kommunikations-Management mit Abschluss Diplom Informatiker (FH) in Darmstadt, Business Administration mit Abschluss Master in Business Administration (MBA) in Hamburg, Wirtschaftsrecht mit Abschluss Master in Commercial Law (LL.M. (Com.)) in Gießen, Kaiserslautern und Saarbrücken und Betriebs- und Kommunikationspsychologie mit Abschluss Master of Science (MSc.) studiert. Ferner wurde er an der Heriot-Watt University in Edinburgh als Doctor in Business Administration für seine Forschung im Bereich agiler Führungsmethoden promoviert.

Dr. Andreas Rein ist Experte für agile Transformation und Organisationsentwicklung. Im Fokus seiner Arbeit stehen moderne Managementmethoden und die Gestaltung und Einbettung agiler und hybrider Methoden in Unternehmenskulturen. Nach seinen Tätigkeiten als "Head of Development and E-Commerce", "Product Manager Billing Systems" und "Product Manager Search" war er für diverse Beratungs- und Softwarehäuser in den Bereichen Projekt-, Produkt-, und Prozessmanagement tätig, bevor er sich 2009 für eine selbständige Laufbahn entschied. Er begleitet Teams und Organisationen in den unterschiedlichsten geschäftlichen Kontexten - seit 2012 praktisch ausschließlich in agilen Umfeldern. Er hat Informations- und Kommunikations-Management mit Abschluss Diplom Informatiker (FH) in Darmstadt, Business Administration mit Abschluss Master in Business Administration (MBA) in Hamburg, Wirtschaftsrecht mit Abschluss Master in Commercial Law (LL.M. (Com.)) in Gießen, Kaiserslautern und Saarbrücken und Betriebs- und Kommunikationspsychologie mit Abschluss Master of Science (MSc.) studiert. Ferner wurde er an der Heriot-Watt University in Edinburgh als Doctor in Business Administration für seine Forschung im Bereich agiler Führungsmethoden promoviert.

KAPITEL 2

STEAMPUNK –
WIR LEBEN IM 19. JAHRHUNDERT

„Es gibt nur drei Dinge auf der Welt, die ich hasse: Steampunk, Piraten und Bulgur-Salat. Ich meine, wer will'n so was?“

I-ROK

Steampunk als literarische Stilrichtung basiert auf Ideen von Autoren wie Jules Verne und H. G. Wells, die zukünftige Technik aus der Sicht ihrer Zeit zu Beginn der Industrialisierung im viktorianischen Zeitalter beschrieben. Das Antriebsmittel der Zeit ist Dampf – so wird in Steampunk-Büchern, -Filmen und -Fernsehserien eine futuristische Technologie basierend auf Dampfmaschinen, mechanischen Getrieben und hochpräzisen Uhrwerken beschrieben. Filmisch in Szene gesetzt wurden die Steampunk-Konzepte von Fritz Lang in „Metropolis“, aber auch von Charlie Chaplin in „Moderne Zeiten“, auch wenn der Begriff erst in den späten 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts als Antithese zum Cyberpunk aufkam.

Den Steampunk umweht eine ganz besondere technologieverliebte Romantik. Freunde des Steampunks kleiden sich in viktorianische Kleider und Anzüge, tragen Flieger- oder Schweißerbrillen, Kupferschmuck und Spazierstöcke und pflegen die Umgangsformen des 19. Jahrhunderts. In Jules Vernes klassischem Roman 20 000 Meilen unter dem Meer wird in Kapitän Nemos U-Boot Nautilus mit Dampfmaschinen Strom erzeugt und das U-Boot elektrisch betrieben – das Buch erschien 1870! Tatsächlich nahm Verne damit viel von der späteren Entwicklung von U-Booten vorweg, auch wenn Unterseeboote mit einer von Verne beschriebenen Leistungsfähigkeit mit Atomreaktoren befeuert werden.

In Von der Erde zum Mond (1865) beschreibt Verne den Bau einer Kanone, um ein mit Menschen besetztes Hohlprojektil auf den Mond zu schießen. Ich habe gerade vergessen, wie die zurückkommen, aber darum geht es auch gar nicht. Mir geht es um Folgendes: Es hat schon immer Visionäre gegeben, die ein Gespür für zukünftige Entwicklungen und Bestrebungen hatten. Jules Verne war sicherlich so jemand. Er hat zukünftige Erfindungen prognostiziert, basierend auf dem technologischen Wissensstand seiner Zeit. Einen anderen konnte er auch nicht einbeziehen, weil es ihn schlicht und ergreifend noch nicht gab.

Natürlich hat niemand bei der NASA den Bau einer Kanone erwogen, um Menschen zum Mond zu schießen. Stellen wir uns aber kurz mal vor, diese Idee aus dem 19. Jahrhundert sei tatsächlich vorangetrieben worden. Vielleicht hätten wir dann überall auf der Welt riesige, kilometerlange Kanonen, mit denen man entweder Projektile in einen Orbit oder auch ein Projektil auf ein anderes Land ballern könnte.

Dann wären Düsentriebwerke vielleicht nie erfunden worden und die zivile Fliegerei würde in Luftschiffen stattfinden. Menschen, die von Fluggeräten schneller als der Schall sprächen, wären Spinner, weil man sich eine Alternative zum gängigen Status quo einfach nicht vorstellen könnte. Und die bemannte Raumfahrt wäre vollkommen irre und hätte niemals stattgefunden. Die NASA und ESA wären dann nur für nicht bemannte Raumfahrt verantwortlich. Der Beschleunigung in einem mit einer Kanone in einen Orbit geschossenen Projektils, dieser G-Kraft, wäre kein Körper gewachsen und alles, was sich im Inneren eines solchen Projektils befunden hätte, wäre sofort gestorben und zerquetscht worden (mit etwas Pech nicht in dieser Reihenfolge). Es gäbe Fernsehsatelliten, Spionagesatelliten, unbemannte Missionen zum Mond, aber keinen Weltraumspaziergang, keine Forschung unter Nullgravitation und keine Reisen zum Mond oder später in diesem Jahrzehnt dann zum Mars.

Wie würde man auf einen Menschen reagieren, der das Konzept der bemannten Raumfahrt in einer Steampunk-Welt aufbrächte? Was würde man dem Visionär sagen, der die Idee einer Rakete erdächte? „Du willst einen Menschen, auf hunderte Tonnen hochexplosiven Treibstoff setzen und diesen dann anzünden? Geht’s noch?“

Viele Ideen wurden früher gedacht und warteten dann noch lange auf ihre technologische Umsetzung. Viele Grundideen der künstlichen Intelligenz stammen aus den1950er- und 60er-Jahren und können erst heute langsam umgesetzt werden. Aber gibt es eine Disziplin, in welcher das Denken und die Technologie des 19. Jahrhunderts beibehalten wurde – die systematisch anderes Denken verhindert? Gibt es also echte Steampunks, nicht nur die Romantiker, die in einem Rollenspiel eine alternative Wirklichkeit nachspielen? Ich denke, dass sie mitten unter uns sind und bereits einige Weltraumprogramme verhindert haben. Ihr Erkennungszeichen lautet: „cp“ – ceteris paribus.

 

CETERIS PARIBUS

„Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich mit der Tatsache vertraut bin, dass Sie dieses spezielle Problem zu ignorieren beabsichtigen. Und zwar so lange, bis es Ihnen selbst in den Arsch beißt!“

MATT HOOPER

Ceteris Paribus ist lateinisch und bedeutet etwa: „unter unveränderten Vorzeichen“ oder „unter sonst gleichen Bedingungen“. Was ist damit gemeint? Gablers Wirtschaftslexikon erklärt die Ceteris-paribus-Klausel als eine Analyse eines Zusammenhangs „unter der Annahme, dass sich die betrachtete Variable ändert bei gleichzeitiger Konstanz aller anderen ökonomischen Variablen.“ Oder anders: Ein beschriebener Zusammenhang ist nur unter der Annahme gültig, dass der Rest des Universums stillsteht [1].

Ein Ceteris-paribus-Zusammenhang isoliert einen Faktor, eine unabhängige Variable, die mit einer anderen Variablen, der abhängigen Variablen, in unmittelbarem Wirkzusammenhang steht. Weitere Einflussfaktoren, also weitere Variablen, werden in ihrer Wirksamkeit einfach ausgeblendet – wir sagen einfach, dass sie sich nicht verändern und deshalb ein isolierter Ursache-Wirkung-Zusammenhang betrachtet werden kann. Ich gebe dazu einfach mal ein Beispiel.

Wir haben oben ja bereits eine Problemeinschätzung von Matt Hooper gehört. Bleiben wir doch einfach in seinem Fachbereich: Haie oder genauer weiße Haie. Nehmen wir an, in Australien steigt die Anzahl von Haiangriffen auf Menschen. Hooper kennt den Grund dafür nicht und sucht deswegen nach Erklärungen. Nach eingehender Beobachtung stellt er fest, dass nicht nur die Zahl der Haiangriffe gestiegen ist, sondern ebenfalls der Konsum von Eiscreme. Bei genauer Betrachtung erkennt er sogar einen proportionalen Anstieg. Die Zahl der von Haien verletzen Menschen steigt in gleichem Maße, wie Menschen Eiscreme verzehren. Und auch umgekehrt kann er den Effekt belegen: wird weniger Eiscreme konsumiert, werden auch weniger Menschen durch Haie verletzt. Bei isolierter Betrachtung könnte man zu dem Schluss gelangen, dass mehr Menschen von Haien verletzt angegriffen wurde, weil sie Eiscreme gegessen haben. Das ist natürlich Unsinn.

Aber so erschafft man eine Kausalität – einen Ursache-Wirkung-Zusammenhang – wo nur eine Korrelation – ein gemeinsam abhängiges Verhalten – vorliegt. Im Sommer ist es warm, deshalb essen mehr Menschen Eis. Und: Im Sommer ist es warm, deshalb gehen mehr Menschen im Meer schwimmen. Der Auslöser für eine vermehrte Anzahl von Haiangriffen ist die Wärme im Sommer, nicht der Eiskonsum. Der wird zwar ebenfalls von der Hitze beeinflusst, ist den Haien aber ziemlich egal. Aus einer Korrelation wird eine Kausalität – die zu verheerend falschen Schlussfolgerungen führen kann. Die Ausklammerung unliebsamer Einflussfaktoren bzw. die Annahme ihrer Konstanz, Cp-Betrachtungen, führen zu einer gefährlich verzerrten Welt.

Als ich mich 2004 selbstständig machte, gab es einen staatlichen Zuschuss, der unter dem Oberbegriff Ich-AG, bzw. Gründungszuschuss Gerhard Schröders Agenda 2010 entsprungen war. Um diesen Anspruch – immerhin ein Zuschuss über sechs Monate, den man nicht zurückzahlen musste – geltend machen zu können, brauchte man eine Bescheinigung der Tragfähigkeit der Geschäftsidee durch die zuständige Industrie- und Handelskammer. Ein älterer Herr, mit generösem Lächeln wollte überzeugt werden und nur von ihm hing der Stempel ab. Er wollte eine kurze Beschreibung der Geschäftsidee („… aber so, dass ich das verstehe“). Er wollte einen Lebenslauf und Zeugnisse, die belegen, dass ich die Tätigkeit auch in der Lage war auszuführen und – das war das Wichtigste – er wollte einen Business Case. Einen Plan, der monatlich meine Kosten, meine Erträge, Verluste, Gewinne und mein Vermögen aufzeigte.

Der Business Case untersucht das Szenario einer Geschäftsidee, um deren Rentabilität zu beleuchten und mögliche Investitionen sichtbar zu machen. Er dient der Darstellung und Abwägung der prognostizierten finanziellen und strategischen Auswirkungen eines Vorhabens. Was ich ihm ablieferte, war reine Fantasie. Für die ersten zwölf Monate konnte ich Zahlen eintragen – ich hatte mich als Projekt-Management-Berater selbstständig gemacht, hatte einen Mandanten gewonnen und einen Beratungsvertrag über zwölf Monate abgeschlossen. Aber danach? Was sollte ich denn...

Erscheint lt. Verlag 23.3.2021
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Beruf / Finanzen / Recht / Wirtschaft Wirtschaft
Wirtschaft
Schlagworte Agilität • Digitalisierung • Globalisierung • Leadership • Management • Organisationsentwicklung • Unternehmenskultur
ISBN-10 3-347-28655-3 / 3347286553
ISBN-13 978-3-347-28655-9 / 9783347286559
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