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Dr. Kinnes Sprechstunde (eBook)

Gedanken über Sprache, Menschen und die Welt

(Autor)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
312 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-25318-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Dr. Kinnes Sprechstunde -  Thomas Kinne
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Der Autor hat seine ganz persönlichen und subjektiven Gedanken über Länder, Menschen und Sprache in einem kurzweiligen und informativen Buch zusammengestellt, in dem Allgemeinwissen und verbreitete Irrtümer neben Erstaunlichem und Bemerkenswertem stehen. Die erzählerische und anekdotische Darstellung erleichtert es den Lesern, Fakten im Gedächtnis zu behalten und sie bei passender Gelegenheit abzurufen - sei es im 'Small Talk' auf einer Party oder gar bei einem Quiz, wie es der Verfasser gerne selbst spielt. Aus diesem Grund hat er seinem Buch im Anhang auch ein umfangreiches Multiple-Choice-Quiz nachgestellt, das nach der Lektüre leicht zu bewältigen sein sollte und auch online gespielt werden kann (Zugang im Buch). Die Leser erfahren in diesem Buch, ob es zu Neuseeland auch ein altes Seeland gibt und wo es liegt, was ein Seeungeheuer mit unserem Gehirn zu tun hat, dass Mozart nicht Amadeus hieß, weshalb 'Super-GAU' unsinnig ist und wir nicht den Begriff 'Corona' verwenden sollten, wie Halloween nach Deutschland kam und der 'Grundsautag' in die USA, ob Frakturschrift wirklich typisch deutsch ist, wo Briten mit Euro zahlen und ob der Schokoriegel nach dem Planeten oder dem Gott Mars benannt wurde - und vieles mehr.

Thomas Kinne wurde am 26. Februar 1961 im heutigen Neuwied am Rhein geboren. Nach dem Abitur studierte er in Mainz und San Francisco (USA) Amerikanistik, Anglistik, Romanistik, Jornalistik und Film. Er promovierte mit einer Dissertation über die jüdische Tradition im Werk Woody Allens. Schon während seines Studiums begann er, für das Fernsehen Drehbücher und Kommentartexte zu übersetzen und als Kandidat an Quizsendungen teilzunehmen. Inzwischen übersetzt er neben seiner Fernseharbeit hauptsächlich Sachbücher zu den Themen Film und Comics. Als Comicsammler besitzt er eine stattliche Sammlung an weit über 1.300 Astérix-Bänden in mehr als 120 Sprachen und Dialekten. Der vielgereiste Autor ist zudem Verfasser von Reiseführern und Bildbänden über die Seychellen. Einem breiten Fernsehpublikum ist er bekannt als "Jäger" in der ARD-Quizshow "Gefragt-gejagt", in der er seit 2018 regelmäßig zu sehen ist. Kinne ist verheiratet und hat Töchter und Enkelinnen.

Thomas Kinne wurde am 26. Februar 1961 im heutigen Neuwied am Rhein geboren. Nach dem Abitur studierte er in Mainz und San Francisco (USA) Amerikanistik, Anglistik, Romanistik, Jornalistik und Film. Er promovierte mit einer Dissertation über die jüdische Tradition im Werk Woody Allens. Schon während seines Studiums begann er, für das Fernsehen Drehbücher und Kommentartexte zu übersetzen und als Kandidat an Quizsendungen teilzunehmen. Inzwischen übersetzt er neben seiner Fernseharbeit hauptsächlich Sachbücher zu den Themen Film und Comics. Als Comicsammler besitzt er eine stattliche Sammlung an weit über 1.300 Astérix-Bänden in mehr als 120 Sprachen und Dialekten. Der vielgereiste Autor ist zudem Verfasser von Reiseführern und Bildbänden über die Seychellen. Einem breiten Fernsehpublikum ist er bekannt als "Jäger" in der ARD-Quizshow "Gefragt-gejagt", in der er seit 2018 regelmäßig zu sehen ist. Kinne ist verheiratet und hat Töchter und Enkelinnen.

Wir sind alle Bio

Ich habe auch meine Probleme mit dem Schlagwort bio, das ich schon im vorangehenden Kapitel im Vorübergehen erwähnt habe. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass der Gebrauch so verwaschen ist, dass es eher für hohe Preise als für garantierte Qualität, Gesundheit, Umweltverträglichkeit oder Tierliebe steht (anderes Thema!). Vor allem stört mich der Gebrauch aus sprachlicher Sicht. Was heißt denn eigentlich bio?

Bio leitet sich vom griechischen Wort βίος ab, was soviel wie „Leben“ bedeutet. Es steht aber auch als Kurzform für Biologie („Lehre vom Leben“2) und das davon abgeleitete Adjektiv biologisch. So weit war und ist der Begriff noch klar umrissen. Irgendwann begann aber eine bestimmte Form der „alternativen“ Landwirtschaft, sich diesen Begriff anzueignen. Während die Erzeugnisse jedweder Landwirtschaft von Lebewesen (Pflanzen oder Tieren) stammen und in diesem Sinne biologischen Ursprungs sind, besetzte nun diese spezielle Form den Begriff und meldete eine Art Alleinvertretungsanspruch an. Demnach wäre nur noch das als bio(logisch) zu bezeichnen, was bestimmten Zucht- oder Anbaukriterien entsprach (ohne „böse“ Chemie!).

Es kommt in der Sprache freilich häufig vor, dass sich – aus reiner Bequemlichkeit oder Kürzungssucht – einzelne Silben verselbständigen, die dann nur noch wenig oder sogar einen „falschen“ Sinn ergeben.

Das bekannteste Beispiel ist unser Auto. Wir wissen alle, dass das Kurzwort für Automobil steht, ein Zwitterwort aus dem griechischen αὐτός („selbst“) und dem lateinischen mobilis („beweglich“). Wenn wir jedoch von Auto sprechen, dann bleibt nur noch „Selbst“ – und bil, die Kurzform der Schweden (aus der letzten Silbe) für dieses Gefährt, ergibt alleinstehend überhaupt keinen Sinn mehr.

Ein weiteres bekanntes Beispiel ist Foto: Die Fotografie (oder Photographie) – von griechisch φωτός („Licht“) und γράφειν („schreiben, zeichnen, malen“) – ist das „Malen mit Licht“ oder „Lichtmalen“, wenn man die Tätigkeit meint, und das „Lichtgemälde“, wenn man vom Produkt spricht. Wenn man dieses aber kurz Foto nennt, ist es eigentlich nur noch „Licht“.3

Ähnliches gilt für das Kino, die Kurzform von Kinematograph („Bewegungsschreiber“). Dieses Kombigerät der Brüder Lumière wurde ursprünglich sowohl zur Aufnahme als auch zum Projizieren von Filmen verwendet. Heute bezeichnen wir nur noch Lichtspielhäuser (auch Filmtheater genannt) als Kino. In den Niederlanden heißen sie bioscoop („Lebensschauer“), in Schweden biograf („Lebensschreiber“) und abgekürzt bio – wer also in Schweden ins Kino geht, geht der Wortbedeutung nach ins „Leben“ – womit wir wieder bei der Verwirrung mit dem Begriff Bio wären („Bio-Lebensmittel“ sind in Schweden übrigens ekologisk).

Es ist nicht falsch, wenn ich behaupte, dass wir alle Homo sind, nämlich Angehörige der Spezies Homo sapiens sapiens, des modernen Menschen (modern bezieht sich hier auf die Neuzeit – nicht etwa auf unser Verhältnis zur Technik oder zur modernen Kunst). Was uns bei dem Satz aber wahrscheinlich alle etwas stutzig macht, ist, dass es neben dem lateinischen Substantiv homo noch das griechische Adjektiv ὁμός gibt, das „gleich“ bedeutet. Aus diesem hat sich in unserer und vielen anderen Sprachen die Vorsilbe homo- abgeleitet, die genauso klingt und genauso geschrieben wird – Sprachwissenschaftler sprechen hier von einem Homonym. Und als ob das noch nicht verwirrend genug wäre, hat sich auch diese Vorsilbe homo- recht einseitig verselbständigt. Man findet sie in unzähligen Adjektiven, wie homogen, homolog oder homophon (und entsprechenden Substantiven), und immer bedeutet sie hier, dass etwas „gleich“ ist: gleichbeschaffen, gleichlautend, gleichklingend und so weiter. Doch beim Adjektiv homophob tappt man in eine böse Falle, denn hier steht homo- nicht, wie man meinen könnte, für „gleich“, sondern als Kurzform für den sehr spezifischen Begriff homosexuell, also „gleichgeschlechtlich“. Während Arachnophobie die Angst vor Spinnentieren ist,4 Agoraphobie die Angst vor offenen Plätzen (Platzangst), Klaustrophobie die vor geschlossenen Räumen (das Gegenteil von Platzangst) und Xenophobie die vor Fremden, ist Homophobie nicht etwa die Angst vor allem Gleichen, sondern die spezifische Angst vor (oder Feindseligkeit gegenüber) Homosexualität und Homosexuellen – nur dass das aus dem Wort so nicht hervorgeht.

Ein Wort, das in den letzten Jahren (leider) in aller Munde war, ist Corona. Auch hier handelt es sich um die Verkürzung eines längeren Begriffs – und hier beginnt schon die Problematik, weil man es (hauptsächlich in Deutschland) umgangssprachlich sowohl als Kurzform für das Coronavirus selbst als auch für die von ihm verursachte Coronaviruskrankheit verwendete und ganz konkret für die aus dem Jahre 2019. Aber schlüsseln wir die Sache von vorn auf: Was ist ein Coronavirus und woher kommt der Name? Im Lateinischen bedeutet corona schlicht „Kranz, Krone“. Der Begriff findet unter anderem in der Astronomie Verwendung, ist aber auch als Biermarke bekannt sowie als Schreibmaschinen- und Automodell. Eine Familie von Viren (inzwischen dürfte es sich auch herumgesprochen haben, dass es „das Virus“ und nicht „der Virus“ heißt) wird aufgrund ihres Erscheinungsbilds5 als Coronaviridae, umgangssprachlich Coronaviren, bezeichnet. Der Begriff entstand in den späten 1960er Jahren und bezeichnet eine Vielzahl unterschiedlicher Viren. In die Schlagzeilen gerieten aber vor allem jene Coronaviren, die 2002 die erste SARS-Pandemie und 2012 die MERS-Epidemie auslösten. SARS steht für Severe Acute Respiratory Syndrome („schweres akutes Atemwegssyndrom“), MERS für Middle-East Respiratory Syndrome (nach ihrem Ursprungsort, dem Nahen Osten). Aus SARS-related coronavirus („SARS-assoziiertes Coronavirus“) wurde 2002 die Kurzform SARS-CoV gebildet. Als 2019 ein zweites SARS-CoV auftauchte, gab man dem ersten nachträglich die Bezeichnung SARS-CoV-1 (wir kennen das vom Ersten Weltkrieg, der diese Bezeichnung auch erst erhielt, als es einen zweiten gab) und nannte das neue SARS-CoV-2. Dieses Virus löst die Coronaviruskrankheit 2019, englisch Coronavirus Disease 2019, kurz COVID-19, aus. Durch den Zusatz 2019 oder 19 wurde diese Krankheit vorsorglich mit einer Jahreszahl versehen, um sie von früheren und später einmal auch von künftigen Coronaviruskrankheiten (die es wohl mit Sicherheit geben wird) abzugrenzen. Genau diese Unterscheidungsmöglichkeit besteht aber nicht mehr, wenn man alles – sowohl das Virus als auch die Krankheit, sowohl die frühere als auch etwaige spätere – pauschal mit dem griffigen, aber an sich unsinnigen Begriff Corona bezeichnet. Zudem besteht die Gefahr, dass auch viel harmlosere Coronaviren und die von ihnen ausgelösten Erkrankungen (vom Bier ganz zu schweigen) in Zukunft Panik beim Hörer oder Leser auslösen könnten, weil sie mit dem Begriff Corona in Verbindung gebracht werden, obwohl sie möglicherweise weniger folgenschwer sind als SARS-CoV-2.

Echte Bauchschmerzen (!) bereitete mir allerdings schon lange vor Corona die Vorsilbe Gastro-. Sie leitet sich vom griechischen Genitiv γαστρός ab und bedeutet eigentlich „Magen“ – wie jeder weiß, der schon einmal Gastritis („Magen[schleimhaut]entzündung“) hatte oder eine Gastroskopie („Magenspiegelung“) über sich ergehen ließ. Mit der gleichen Vorsilbe wurde auch der Begriff Gastronomie gebildet, der eigentlich „Magenkunde“ bedeutet, aber bekanntlich ein Teilbereich des Gastgewerbes ist, der sich mit der Bewirtung befasst. Aufgrund der irreführenden Ähnlichkeit mit dem Wort Gast (das in seiner ursprünglichen Bedeutung „Fremdling“ und sogar „Feind“ bedeutete!) denkt kaum noch ein Gastronom an „Magen“, aber gerade das führt zu den absurdesten Wortkombinationen, wenn es um Gastronomie geht. So liest man auf Websites wie gastrohero.de („Magen-Held“) von „Gastro-Technik“ und „Gastro-Geräten“ (etwa Gastroskope?) und „Gastro-Messen“ wie „GastroTageWest“ oder...

Erscheint lt. Verlag 10.2.2021
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Beruf / Finanzen / Recht / Wirtschaft Bewerbung / Karriere
Schulbuch / Wörterbuch Lexikon / Chroniken
Technik
Schlagworte Allgemeinwissen • Anglizismen • Denglisch • Deutsch • Erdkunde • Film • Geographie • Irrtümer • Kurioses • Länderkunde • Quiz • Sprache • Wissen • Wissenswertes
ISBN-10 3-347-25318-3 / 3347253183
ISBN-13 978-3-347-25318-6 / 9783347253186
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