Leider nein, leider gar nicht (eBook)
224 Seiten
FinanzBuch Verlag
978-3-96092-855-3 (ISBN)
Carlo Reumont (Jahrgang 1984) ist Trainer für Zeitmanagement und Selbstorganisation. 2016 absolvierte er an der LMU in München seinen Master in Philosophie. Sein Interesse an Psychologie und Persönlichkeitsentwicklung führte ihn zum Schreiben. 2017 erschien sein erstes Buch »10 Dinge, die du nach dem Abitur nicht tun solltest« (Schwarzkopf&Schwarzkopf Verlag).
Carlo Reumont (Jahrgang 1984) ist Trainer für Zeitmanagement und Selbstorganisation. 2016 absolvierte er an der LMU in München seinen Master in Philosophie. Sein Interesse an Psychologie und Persönlichkeitsentwicklung führte ihn zum Schreiben. 2017 erschien sein erstes Buch »10 Dinge, die du nach dem Abitur nicht tun solltest« (Schwarzkopf&Schwarzkopf Verlag).
EINLEITUNG
Robben Island ist eine kleine Insel im Südatlantik, etwa 14 Kilometer vor der Küste Kapstadts. Die überwiegend karge und steinige Insel ist nur ungleich größer als der ehemalige Berliner Flughafen Tempelhof. Zwischen Hafen und Flughafen befindet sich heute ein Museum. Das Robben-Island-Museum ist das ehemalige Gefängnis von Nelson Mandela und vielen anderen politischen Gefangenen, die zur Zeit der Apartheid weggeschlossen wurden. Heute kommen jährlich Tausende von Menschen auf diese Insel, um sich einen Eindruck der Geschichte dieser Freiheitskämpfer zu machen.
Auch nach seinem Tod wird Mandela als inspirierender Leader mit einer Vision der Gleichheit von Schwarz und Weiß in Südafrika gefeiert. Seine Idee der Versöhnung und des Friedens hat vielen Südafrikanern Hoffnung auf eine geeinte Gesellschaft gegeben. Doch die hastigen Museumstouren, die heute in dem ehemaligen Gefängnis durchgeführt werden, vermitteln nicht den Weg, den Mandela mit seinen Kameraden von Beginn an dort beschritten hatte.
»Ich hasste diese Männer sofort«, sagt der ehemalige Gefängniswärter Christo Brand. »Männer wie diese haben meinen Freund getötet.«1 Erst viele Jahre später verband Christo Brand und Nelson Mandela eine Freundschaft. Für die Wärter war Mandela als Terrorist nach Robben Island gekommen. Er selbst verstand sich aber als Freiheitskämpfer, und daran würden die Gefängnismauern nichts ändern. Wenn er den Kampf für ein freies Land nicht außerhalb des Gefängnisses führen durfte, dann musste er Wege finden, diesen Kampf innerhalb des Gefängnisses zu führen.
»Wir waren von Anfang an entschlossen, respektiert zu werden«, sagte Mandela 1997 im Interview mit Oprah Winfrey, »wir bestanden darauf.«2 Robben Island ist heute ein Symbol der Unterdrückung. Doch erzählt diese Insel auch eine Geschichte der Versöhnung, der Menschlichkeit und der Selbstbestimmung. Denn schließlich gelang es diesen politischen Gefangenen und ihren Verbündeten, ihre Forderungen durchzusetzen und menschlich behandelt zu werden. Mehr noch: Bereits Jahre vor Mandelas Entlassung am 11. Februar 1990 hatte er Verhandlungen über seine Entlassung und die Abschaffung der Apartheid mit Staatspräsident Frederik Willem de Klerk geführt. Doch wie war das möglich? Wie gelang es den Gefängnisinsassen, auf ihre Wärter Einfluss zu nehmen? Wie konnten sie hoffen, sich in einem so ungleichen Verhältnis durchzusetzen? Und woher kam der Glaube, dass das überhaupt möglich sei? Auch wenn Mandela älter war als manche seiner Wärter, hat seine Seniorität sicher keine große Rolle gespielt. Noch viel weniger zählten äußerliche Faktoren wie Hautfarbe oder Aussehen. Und was seine Position als Häftling betraf, kam ihm auch hier keine Autorität zu. Es musste an Mandela und seinen Männern selbst liegen. Sie mussten eine innere Autorität gehabt haben, durch die sie nicht nur über sich selbst verfügten, sondern auch Einfluss auf die Wärter ausüben konnten.
Mandelas Leben steht für Freiheit und den Glauben an das Unmögliche. Wer hätte in Südafrika Mitte der 1980er-Jahre daran geglaubt, dass ein Häftling von Robben Island zehn Jahre später der erste schwarze Präsident Südafrikas sein würde? Das war nicht nur praktisch unmöglich. Es war vollkommen undenkbar. In der heutigen Zeit würden wir uns fragen: »Wie hat er das gemacht? Welche Tricks, Kniffe und Methoden hat Mandela angewandt, um so weit zu kommen?« Doch in Bezug auf Nelson Mandela sind das die falschen Fragen. Wenn es um Selbstveränderung, das Ziehen neuer Grenzen und Neinsagen geht, spielt das Wie eine untergeordnete Rolle.
Am Ende dieses Buches finden Sie allerhand konkrete Anwendungsbeispiele für die Ideen in diesem Buch. Vielleicht zieht es Sie bereits jetzt direkt dorthin. Das ist ganz natürlich. Die Welt der Selbstoptimierung propagiert stets den Glauben, mit den richtigen Tipps und Tricks »ginge das schon«. Doch das ist kurzfristig und oberflächlich gedacht. »Nein!« ist ein vollständiger Satz. Jeder kann ihn sagen oder schweigend danach handeln. Doch nicht jeder kann die Konsequenzen dieser Botschaft aushalten. Diese Techniken und Sätze bringen uns nichts, wenn wir nicht über eine innere Haltung verfügen, die diesen Sätzen Leben einhaucht. Dieses »Leben« kommt vor allem aus einem: unserer eigenen inneren Autorität. Innere Autorität bedeutet, voll und ganz bei sich zu sein und über die eigenen Kräfte zu verfügen. Erst dadurch erwächst ein inspirierter Gusto für die Gegenwart, mit dem wir uns selbst und anderen die Sicherheit geben, unser beziehungsweise ihr bestes Selbst zu zeigen. Sehen Sie, Mandela war kein Körper, dessen Stimmbänder überzeugt haben. Mandela war ein Geist, dessen Haltung überzeugt hat. Diese Haltung hat er nicht von heute auf morgen kreiert oder in irgendeinem Kurs gelernt. Er hat sie im Kreis seiner geistigen Brüder genährt und gelebt.
Schauen Sie sich Interviews mit Mandela von der Zeit nach seiner Entlassung an, und Sie sehen einen Mann, dem es gelingt, jedes Wort, das er äußert, mit Bedeutung zu schwängern. Mandela musste nicht mehr viel sagen, um Menschen zu bewegen. Die Gründe dafür liegen nicht in den wenigen Worten, die er äußerte, sondern in der Persönlichkeit, zu der er geworden war.
UNSER ZIEL: DER GIPFEL DES NEINSAGENS
Als junger Teenager habe ich mich ständig für alles Mögliche entschuldigt. Mir war es wichtig, bloß niemandem auf die Füße zu treten. Stand ich jemandem im Weg, sagte ich schnell »Entschuldigung« und schoss zur Seite. Kam ich nur ein paar Minuten zu spät zu einer Verabredung, sagte ich ebenfalls: »Entschuldigung, Asche auf mein Haupt, dass du warten musstest.« Hatte ich die Spülmaschine nach meiner eigenen Ordnung eingeräumt und bemerkte, wie sie jemand anders wieder umräumte, sagte ich: »Entschuldigung.«
»Carlo«, sagte mein Vater schließlich eines Tages, »bitte hör auf, dich ständig zu entschuldigen.«
»Okay«, antwortete ich, »Entschuldigung.«
Mit diesen ständigen leeren Entschuldigungen sagte ich zwar nicht direkt Ja zu allem anderen, aber ich vermittelte: »Ich bin mit allem einverstanden, womit du einverstanden bist.« Doch wenn wir keine klaren Grenzen ziehen, fällt es anderen schwer, uns einzuordnen. Mehr noch: Wir entfernen uns von uns selbst.
Heute weiß ich: Beziehungsintelligenz geht anders. Nur wer für alles offen ist, läuft ohne Widerstand mit. Auch eine Entschuldigung kommt mir heute nur langsam über die Lippen. Warum? Ich denke nach. Ich denke darüber nach, welche Reaktion angemessen ist. Damit hat eine Entschuldigung auch Gewicht. Sich dies bewusst zu machen, ist allerdings leichter gesagt als getan. Denken erfordert Übung und klare Absichten. Diese kommen uns nicht einfach zugeflogen. Stattdessen müssen wir uns geistig anstrengen, um passende Antworten und Reaktionen zu finden.
Innere Autorität bedeutet nicht, einfach alles auszublenden und auszuschalten, was einem nicht gefällt. Das wird uns erstens nicht gelingen, denn das Leben wirft ständig mit Herausforderungen um sich; und zweitens wäre das auch hinderlich für unser Ziel, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Menschen, die daran arbeiten wollen, Grenzen zu ziehen und effektiv Nein zu sagen, müssen sich auch mit der Idee der Selbstbestimmung auseinandersetzen. Damit wir uns verstehen: Fremdbestimmung ist nicht immer schlecht. Der Einfluss anderer kann uns auch über unsere Grenzen und Ängste hinausführen. Nein zu sagen, hat etwas mit Antworten zu tun. Selbstbestimmung ist eine Haltung, mit der wir Antworten auf das Leben finden, die auf Eigenständigkeit beruhen.
Was für Sie persönlich richtig ist und beim Bilden neuer Grenzen zwischen Ihnen und anderen funktioniert, kann ich unmöglich sagen. Doch auch wenn wir uns persönlich nicht kennen, glaube ich dennoch, etwas über Sie zu wissen. Denn ich vermute, dass es ein paar Gemeinsamkeiten zwischen uns gibt: Sie und ich sind Menschen, denen Eigenständigkeit und Beziehungen gleichermaßen wichtig sind. Wir sind Menschen, die bessere Antworten auf die Situationen des Lebens finden wollen. Doch was auch immer der höchste Ausdruck eines selbstbestimmten Lebens für Sie ist, es gibt keinen Aufzug und keine Rolltreppe dorthin. Wir müssen Tag für Tag einen Schritt nach dem anderen machen. Manche Schritte gehen auf direktem Weg nach oben in Richtung Gipfel, andere führen uns seitlich um den Berg herum, wieder andere führen uns zeitweise nach unten, um vielleicht eine bessere Ausgangslage für den weiteren Anstieg zu finden.
Auf unserer Tour werden wir diese drei Ebenen durchqueren:
Ebene 1: die Grundlagenebene von Werten im Basiscamp
Ebene 2: der Anstieg durch...
| Erscheint lt. Verlag | 16.5.2021 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Gesundheit / Leben / Psychologie ► Lebenshilfe / Lebensführung |
| Schlagworte | 10 Dinge • authentisch • Authentisch sein • Carlo Reumont • die du nach dem Abitur nicht tun solltest • Erfolg • erfolgreich werden • falsche Kompromisse • Fremdbestimmung • Glücklicher Leben • leider gar nicht • Leider nein • Nein sagen • Persönlichkeitsentwicklung • Psychologie • Ratgeber • Selbstmanagemet • Selbstorganisation • Selbstzweifel • Warum Gewinner Nein sagen • Warum Gewinner nein sagen und Verlierer für alles offen sind • Zeitmanagement |
| ISBN-10 | 3-96092-855-6 / 3960928556 |
| ISBN-13 | 978-3-96092-855-3 / 9783960928553 |
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