Was meinem Leben echten Sinn gibt (eBook)
192 Seiten
Scorpio Verlag
978-3-95803-135-7 (ISBN)
Christoph Schlick studierte Rechtswissenschaften und Theologie in Graz, Salzburg und Rom. Er war über 20 Jahre Benediktinermönch. 2001 gründet er das Institut für Logotherapie und Existenzanalyse und 2014 das SinnZENTRUM in Salzburg und ist seither als Unternehmensberater und Coach tätig. www.sinnzentrum.at
Christoph Schlick studierte Rechtswissenschaften und Theologie in Graz, Salzburg und Rom. Er war über 20 Jahre Benediktinermönch. 2001 gründet er das Institut für Logotherapie und Existenzanalyse und 2014 das SinnZENTRUM in Salzburg und ist seither als Unternehmensberater und Coach tätig. www.sinnzentrum.at
KAPITEL 2:
Das spezifisch Menschliche — was uns ausmacht
Haltung: Wir haben alle Möglichkeiten in der Hand
»Niemand ist frei,
der über sich selbst nicht Herr ist.«
MATTHIAS CLAUDIUS
Es gibt immer ein So oder So, ein Ja oder Nein, ein Entweder-Oder, ein Sowohl-als-Auch, und jeder von uns besitzt die Freiheit zu wählen, ob er sich als Opfer sieht oder als Dirigent und Komponist. Das ist ein Grundgesetz im Leben und hängt in erster Linie von unserer Haltung ab.
Wir haben alle Möglichkeiten in der Hand, und unsere Einstellung dem Leben gegenüber entscheidet darüber, welche Komposition wir spielen. Viktor Frankl war nicht nur ein begnadeter Psychotherapeut und Arzt, er hat auch den menschenverachtenden Alltag von vier Konzentrationslagern überlebt, und er überlebte auch, dass ein Großteil seiner Familie dort ums Leben kam, ebenso wie Freunde und andere Mitgefangene. Und dennoch hat er seinen Lebenswillen nicht verloren. So schreibt er etwa in seinem Buch »… trotzdem Ja zum Leben sagen«: »Wer von denen, die das Konzentrationslager erlebt haben, wüsste nicht von jenen Menschengestalten zu erzählen, die da über die Appellplätze oder durch die Baracken des Lagers gewandelt sind, hier ein gutes Wort, dort den letzten Bissen Brot spendend? Und es mögen auch nur wenige gewesen sein – sie haben Beweiskraft dafür, dass man dem Menschen im Konzentrationslager alles nehmen kann, nur nicht: nur nicht die letzte menschliche Freiheit, sich zu den gegebenen Verhältnissen so oder so einzustellen. Und es gab ein ›So oder so‹! Und jeder Tag und jede Stunde im Lager gab tausendfältige Gelegenheit, diese innere Entscheidung zu vollziehen, die eine Entscheidung des Menschen für oder gegen den Verfall an jene Mächte der Umwelt darstellt.«
Frankl geht davon aus, dass jeder es selbst in Händen hat, wie er sein Leben sieht, und meint, jeder Einzelne solle sich als Dirigent sehen, der mit Kreativität sein Geschick wandeln kann, und diese machtvolle Fähigkeit selbstbestimmt wahrnehmen. Das ist Frankls Meinung und auch unsere Maxime bei unseren Beratungen.
Wir sind Gestalter unseres Lebens und fühlen uns nicht als Opfer. Wir dürfen erkennen, dass es immer Möglichkeiten gibt – ganz nach dem Motto: Es kommt nicht darauf an, wie eine Situation ist, sondern was ich aus ihr mache. Mit einem Sprachspiel könnten wir sagen: Ergänzen wir unser OPFER-Dasein nur um drei Buchstaben und zwei Punkte, werden wir zum SCHÖPFER unseres Lebens. Das mag oft eine große Herausforderung sein, doch meist liegt die Entscheidung des Perspektivenwechsels, der neuen Haltung, wirklich nur bei uns selbst!
Diese schöpferische, optimistische, dem Leben zugewandte Haltung ist mir wichtig. Und nicht die Aussage: Weil die aktuelle Lage so ist, meine Oma, Kindheit, Schule, Eltern so und so waren, deswegen geht es mir schlecht. Davon distanziere ich mich ganz klar: Ich vertrete den Standpunkt, dass wir unsere Möglichkeiten frei nutzen und unsere Fähigkeit, in die Selbstdistanz zu gehen, einsetzen können. So können wir viel leichter neue Lösungen und Antworten finden. Schließlich ist die innere Einstellung wandelbar. Man kann seine innere Einstellung gegenüber allem, was einem widerfährt, frei wählen. Und jeder hat die Wahl zu entscheiden, ob er Teil des Problems oder Teil der Lösung sein will.
Um sein Leben oder widrige Umstände leichter zu schultern, rät Frankl, und das ist auch meine Ansicht, es immer wieder aus der Distanz zu betrachten. Das eröffnet neue Perspektiven, und man kann lernen, Dinge nicht zu ernst, sondern mit Humor zu nehmen. Er spricht in diesem Zusammenhang auch von Selbstdistanzierung und von Trotzmacht. Dass man sich trotz schwieriger Situationen nicht unterkriegen lässt und sich behauptet.
Auch mit einem »Gedanken-Switch«, zu dem Frankl rät, kann es gelingen, dass einen herausfordernde und konfliktbeladene Ad-hoc-Situationen weniger berühren. Wenn man, statt zu jammern, versucht, sich kreativ abzulenken und sich in eine Art gedankliche Exkursion zu begeben.
Ein Beispiel: Hat ein Kollege oder der Partner gerade einen Wutausbruch, lässt man sich mit dem Gedanken-Switch nicht von dem Ärger des anderen anstecken und ablenken. Man kann »innerlich« kurz zur Seite gehen, sich die Situation und sich selbst in dieser Situation ansehen. So kann man zuallererst aufsteigende negative Gefühle – vielleicht sogar mit einer Portion Humor – beobachten und wegschicken, neue Perspektiven einnehmen, unerkannte Ressourcen entdecken und dann in die Situation zurückkehren und diese neu gestalten.
Dadurch gelingt es, effizient weiterzuleben, die Beziehung zu schonen und positive Kräfte wachsen zu lassen. So wird man widerstandsfähiger und gelassener und agiert fürsorglich sich und seiner Umwelt gegenüber.
Im Grunde sind wir alle da, um zu lernen und uns weiterzuentwickeln und in unserem Innersten Sinn zu finden. Wir sind alle gesund – aber wir sind auch »krank«. Denn jeder von uns hat einen Rucksack geschultert.
In diesem Rucksack befinden sich Verletzungen, Komplexe und Verhaltensmuster, die uns überreagieren und vorschnell Entscheidungen treffen lassen, ebenso wie unsere jeweilige Haltung: Schaue ich auf das Problem (und fixiere es vielleicht sogar), oder schaue ich dahin, wo meine positiven Erfahrungen liegen, meine Ressourcen schlummern, mir Kräfte wachsen? Welchen Blickwinkel ich einnehme, hängt mit meiner Haltung zusammen.
Wer nur die Probleme sieht, wird kaum glücklich sein. Und wem zum Beispiel der Zugang zum Urvertrauen fehlt, der läuft Gefahr, im Lauf seines Lebens in die Leere abzurutschen. Wer keinen Zugang zu seinem Urvertrauen hat, kann das Leben nicht bejahen, auch die Dynamik und die Kreativität nicht.
Andererseits wohnt in dem Erkennen dieses Defizits die Chance, zu einem authentischen Ich zu gelangen, das sich mit all seinen Ecken und Kanten, Stärken und Schwächen wahrnimmt und zu sich und dieser Mannigfaltigkeit steht. Hierin liegt auch die Chance, seine alten Muster, seine belastenden Glaubenssätze, sein vielleicht verkorkstes Gottesbild neu zu entdecken und neu zu definieren.
Oftmals hat man uns bescheinigt, dass wir mangelhaft, ja sogar sündhaft und mit Schuld beladen seien. Das kann dazu führen, dass uns der Wert und die Größe der Kraft des Urvertrauens nie bewusst und schon gar nicht spürbar geworden sind. Oft geht es bei den Themen von Sünde und Schuld um die Macht bestimmter Institutionen. Mit ihr soll der Mensch kleingehalten werden. Das gilt es, zu durchschauen und einen neuen Wert, nämlich »Ver-trauen«, dagegenzusetzen und diesen entsprechend aufzubauen. Mein Wunsch an Sie ist es, dass Sie sich Ihr Leben zutrauen – denn das Leben hat sich getraut, sich Ihnen anzuvertrauen. Trauen Sie sich, Mut zu haben: Lebens-Mut! Ur-Vertrauen und Lebens-Mut sind Zwillinge unserer inneren Kräfte!
Und jetzt kommen wir zu einer wichtigen Komponente, die beim Aufspüren von Sinn sehr wesentlich ist: Mit welcher Brille ich aufs Leben schaue und welche Möglichkeiten ich mir zugestehe – meine Haltung steuert die Werte, die ich lebe. Ein »existenzielles Vakuum«, eine Sinn-Leere, entwickelt sich nicht nur aus einer gefühlten, persönlichen Ohnmacht oder einem großen Verlust heraus, sondern auch deswegen, weil mein Wertgefüge nicht in Balance ist.
Doch bevor ich dazu und zu anleitenden Übungen komme, möchte ich noch ein paar Dinge zur Sehnsucht anmerken, zur Sehnsucht, die uns bei unserer Suche nach dem Sinn führt, und Ihnen einen Abriss davon geben, welche inneren Kräfte in uns wirken.
Der Geist, unser ureigener Wegweiser
»Ein ›geistiges‹ Wesen ist also nicht mehr
trieb- und umweltgebunden, sondern
›umweltfrei‹ und … ›weltoffen‹:
Ein solches Wesen ist ›Geist‹ und hat ›Welt‹.«
MAX SCHELER
Der beste Unterstützer, den jeder Einzelne von uns auf dieser Reise zu seinem Sinn hat, ist die sogenannte »Geistige Person«, wie Frankl definierte und damit den Kern des Menschenbilds der Logotherapie und Existenzanalyse beschrieb.
Die Geistige Person oder der Geist ist eine wichtige Kraft auf dem Weg in die Wirklichkeit, weil sie Lösungen und Verwirklichung bringt. Und immer, wenn ich die folgenden Zeilen des Religionsphilosophen Martin Buber (1878–1965) lese, entsteht in mir aufs Neue die Gewissheit, dass die Dimension des Geistes nicht hoch genug einzuschätzen und zu würdigen ist.
»Geist, in seiner menschlichen Kundgebung, ist Antwort des Menschen an sein Du. Der Mensch redet in vielen Zungen, Zungen der Sprache, der Kunst, der Handlung, aber der Geist ist einer, Antwort an das aus dem Geheimnis erscheinende, aus dem Geheimnis ansprechende Du. Geist ist Wort.«
Was bedeutet »Geist ist Wort«? Weil das Thema Geist ein so wichtiges ist, möchte ich in diesem Kapitel etwas ausführlicher werden, da ich mich im Lauf meines Lebens sehr intensiv mit diesem Phänomen beschäftigt habe. Geist, die geistige Person, mein höheres Ich, mein Selbst, sind Synonyme für ein und dieselbe Kraft....
| Erscheint lt. Verlag | 20.3.2017 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Gesundheit / Leben / Psychologie ► Lebenshilfe / Lebensführung |
| Schlagworte | Berufung • Elisabeth Lukas • Existenzanalyse • Lebenssinn • Logotherapie • Sinnfindung • Sinn im Leben • SinnZentrum • Viktor Frankl |
| ISBN-10 | 3-95803-135-8 / 3958031358 |
| ISBN-13 | 978-3-95803-135-7 / 9783958031357 |
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