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Der Tyrannenkinder-Erziehungsplan (eBook)

Warum wir fu?r die Erziehung ein neues Menschenbild brauchen und warum die Tyrannenkinder zu den Besten gehören können
eBook Download: EPUB
2018 | 1. Auflage
336 Seiten
edition a (Verlag)
978-3-99001-271-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Tyrannenkinder-Erziehungsplan -  Martina Leibovici-Mühlberger
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Was tun mit den Tyrannenkindern? Wie umgehen mit dem Nachwuchs, der uns essgestört, chillbewusst, leistungsverweigernd und verhaltensoriginell in die Resignation treibt? Die Jugendpsychologin Martina Leibovici-Mühlberger glaubt, dass diese Kinder beim Bewältigen zukünftiger Herausforderungen zu den Besten gehören können. Ihre richtige Erziehung setzt allerdings ein neues Menschenbild voraus.

Prof. Dr. Martina Leibovici-Mühlberger, Mutter von vier Kindern, ist Ärztin und Jugendpsychologin und trägt als Psychotherapeutin das European Certificate of Psychotherapy. Sie leitet die ARGE Erziehungsberatung und Fortbildung GmbH sowie die ARGE Bildung&Management. Sie schrieb mehrere Bücher und wissenschaftliche Arbeiten.

Prof. Dr. Martina Leibovici-Mühlberger, Mutter von vier Kindern, ist Ärztin und Jugendpsychologin und trägt als Psychotherapeutin das European Certificate of Psychotherapy. Sie leitet die ARGE Erziehungsberatung und Fortbildung GmbH sowie die ARGE Bildung&Management. Sie schrieb mehrere Bücher und wissenschaftliche Arbeiten.

Unsere Kinder brauchen uns!


Kein Säugetier kommt derartig hilflos zur Welt wie ein Menschenjunges. Man könnte glatt zu dem Schluss kommen, dass es sich hier um eine bedauerliche Fehlkonstruktion, eine grausame Spielart der Natur handeln muss, wenn man sich den Status von maximaler Unfertigkeit, in dem der Mensch in die Welt geworfen wird, vor Augen führt. Affenbabys vermögen sich unmittelbar, wenn das Fruchtwasser aufgetrocknet ist, selber im Fell ihrer Mütter zu verkrallen, sodass diese ihrem üblichen Tagesgeschäft von Futterbeschaffung und Überleben möglichst unbeeinträchtigt nachgehen können. Auch junge Hunde oder Katzen sind schnell aus dem Gröbsten heraus. Fluchttiere, zum Beispiel Zebras, leben uns ihre Fitness für den Lebenseinsatz noch beeindruckender vor, wenn sie bereits wenige Stunden nach der Geburt mit der Herde weiterziehen. Undenkbar etwa eine Szene, in der eine Stute beim Leithengst vorspricht, um für ein paar Wochen »Grasen vor Ort« zur Anpassung an das neue Leben für sich und ihr Fohlen zu fordern. »Kleine, lass es liegen, lohnt nicht den Aufwand, ich mach dir ein Neues«, wäre hier sicher die Antwort zwischen zwei gerupften Grasbüscheln und einem genervten Schnauben. Wir, der Homo sapiens, hingegen betreiben unwahrscheinlichen Aufwand bei der Aufzucht dieser physiologischen Frühgeburt. Zuerst einmal dauert das Ganze sehr sehr lange. Wären wir noch Nomaden, müssten wir die Jungen erfahrungsgemäß vier bis fünf Jahre mit uns herumschleppen, ehe sie mit der Gruppe halbwegs zuverlässig Schritt halten können. Zumal damals mit ziemlicher Sicherheit kein wirklich kinderwagengängiges Gelände vorhanden war. Damit aber nicht genug. Durchschnittlich dauert es – zumindest in unseren Breiten – achtzehn bis zwanzig Jahre, manchmal auch länger, bis so ein Kind autonomie- und tatsächlich selbsterhaltungsfähig wird. Mögen es in früheren Zeiten durch die hauptsächlich rurale Lebensweise und kürzere Ausbildungszeit ein paar Jahre weniger gewesen sein, jedenfalls bleibt immer noch eine unwahrscheinlich lange Zeitstrecke elterlicher Zuwendung, parentaler Investition, wie das so schön heißt. Das ist verdammt aufwendig und riecht schon grundsätzlich nach einer wirklich großen Aufgabe. Damit hier auch jeder bei der Stange gehalten wird, hat sich die Evolution einen ganz besonderen Kitt einfallen lassen: die Liebe! Zuerst einmal jene zwischen Eltern und ihren Kindern und dann auch noch jene zwischen Mann und Frau. Damit geht die Möglichkeit zur langfristigen Paarbildung einher. Die ganze Aufzucht so eines unfertigen Jungen unserer Spezies verbraucht derart viel Ressourcen und erfordert Garantie in der Stabilität, sodass geteilte Verantwortung ein deutlich größeres Erfolgsversprechen bedeutet. Selbst der eingefleischte Misanthrop kann sich diesem Mechanismus nicht entziehen, denn das ICH vermag sich erst durch das DU zu erschließen. So sind wir aufgesetzt, ja konstruiert bis in jede Zelle, bis in jedes Molekül und Atom hinein. Was uns zusammenhält, sind die Bindungskräfte. Wenn wir es von aller kultureller oder religiöser Überformung und damit von den Interessen eines jeweiligen Establishments entkleiden, so bleibt übrig, dass es biologisch vorgesehen ist, dass wir aus der liebevollen, lustvollen Umarmung zwischen einem Mann und einer Frau entstehen, in ihr unsere Begründung und unseren Ursprung finden. Und schon unser erster Schrei, mit dem wir in die Welt eintreten, unser aquatisches Vorleben beenden und den Luft-Lungenkreislauf anwerfen, ist der Schrei nach dem Gegenüber, dem DU, das uns aufnehmen und so, wie wir sind, rückhaltlos annehmen möge. Überlebensentscheidend ist dieser Moment der ersten DU-Begegnung für jeden von uns. Das illustriert die alte römische Sitte, jedes Neugeborene auf die Schwelle des »domus«, des Hauses, zu legen und dem Herrn des Hauses die weitere Entscheidung über sein Schicksal zu überlassen. Erst wenn er es aufnahm, war sein Leben ein wertes. Wem Fortuna nicht so hold war, dass es ihm gelang über ein Hintertürchen wieder in einen großen Haushalt hereingeschmuggelt zu werden, oder den ein mild gestimmter Hirte irgendwo abgelegt fand und aufzog, der brachte besser gerade Glieder, kräftiges Schreien und natürlich einen Penis als vorteilhafte Ausgangsbedingungen mit, um elterliche Investition plausibel zu machen. Wenn keine Sitte oder Regel unser Empfinden lenkt, hat Mutter Natur, unermüdlich um Erfolg in der Weitergabe und Weiterentwicklung von Erbgut bemüht, sinnvollerweise über eine ganze Kaskade von biopsychischen und neurochemischen Mechanismen dafür vorgesorgt, dass wir uns üblicherweise sofort rückhaltlos und vollständig in unser Kind, dieses neue DU in unserem Leben, verlieben. Und unser Kind verliebt sich natürlich vollkommen unsterblich und grenzenlos in uns. Im wahrsten Sinne des Wortes übrigens. Unsterblich deswegen, weil, so hilflos wie das Kind geboren ist, dem Betreuenden Garantenstatus für sein Überleben zukommt. So jemanden kann man nur unsterblich lieben, sich auf ihn einstellen, ihm gefallen wollen, sein Handeln, Wirken, Tun und etwas später seine Sichtweisen, also sein Weltbild, als erste Offenbarung und damit als richtig und wahr annehmen, zumindest bis man beginnen kann, selber etwas ausgiebiger zu denken. Und auch als wirklich grenzenlos ist die Liebe des Kindes zu seinen Eltern oder primären Bindungspersonen wahrlich zu bezeichnen. Ganz zu Beginn ist diese Grenzenlosigkeit sogar so stark ausgeprägt, dass sich das Kind gar nicht als getrennt von seiner Hauptbezugsperson erlebt, sondern als ein vereinter Organismus. Diese Tatsache muss man sich einmal in ihrer Bedeutung vor Augen führen. Das Kind hat zu Beginn noch kein von der Bezugsperson gesondertes Ich-Bewusstsein. Illustriert das nicht in hervorragender Weise, dass dieser neue Mensch sich erst in einem kontinuierlichen Prozess als zunehmend physisch autonomes und soziales Wesen nach der ersten Phase seines intrauterinen Werdens herausbildet, der Zäsur seiner Geburt in die Welt hinein, gleich einer »emerging theory«, einer auftauchenden, sich gestaltenden Figur? Erst etwa neun Monate nach der Geburt ist dieser neue Mensch erstmalig von sich selbst aus imstande, den Körper der vertrauten Bezugsperson zu verlassen. Diese ersten Lebensmonate sind ebenso wie die allererste intrauterine Periode noch als besonders mit der engsten Betreuungsperson verbundene anzusehen. Die eigentliche Getrenntheit von dieser Sicherheit bietenden Person und das eigene Selbst werden erst schrittweise entwickelt. Wunderbar und von großer Hand gefügt muten die einzelnen, aufeinander aufbauenden, notwendigen Schritte an. Eine berührende Weisheit steckt in diesem langsamen Prozess, das eigene Sein und den umgebenden Raum zu erobern. Ganz aus dem Inneren kommend, entwickelt sich das Kind hinein in die innige Umarmung des äußeren Getragenwerdens und dann vorsichtig experimentierend in die eigenständige und eigenwillige Bewegung, später in die selbstverwaltete Gestaltung seines Seins. Gelungene Bindung und Beziehung sind dabei Ausgangspunkt, Mut gebender Antrieb, Rückversicherung und Fluchtpunkt für Unterschlupf und Trost, wenn sich das Kind einmal zu weit vorwagt und an die Grenze des Bewältigbaren stößt. Eindrucksvoll demonstrieren junge Kinder dies, wenn sie mit dem hartnäckigen Elan von Eroberern die ersten Male von ihrer Bezugsperson oft noch motorisch ungelenk wegzukrabbeln versuchen und den eigenen Blick immer wieder sichernd rückwenden, um in der Spiegelung der Augen ihrer Mutter Bestätigung für sich selbst zu finden.

Doch gehen wir noch einmal kurz zum Anfang zurück. Warum in drei Teufels Namen ist dieses Menschenkind derart hilflos und imperfekt? Warum wird es so verletzlich und auf Gedeih und Verderb intensiver und langer Betreuung bedürftig in die Welt entlassen? Da kann doch in so vielen Situationen so viel schiefgehen. Alle anderen Säugetier-Babys können bei ihrer Geburt so viel mehr und sind für ihre Mütter eine weitaus geringere Belastung. Wenn nicht laufen, so doch wenigstens stehen oder zumindest sitzen, oder die Brust selber finden oder sich ordentlich festhalten können, sollten doch wenigstens als Grundfähigkeiten auf der Einstiegstanzkarte des Lebens vorzufinden sein. Sogar zum Lagewechsel auf den Bauch brauchen sie etwa vier Monate, ehe sie diesen halbwegs sicher hinbekommen. Eine echte Katastrophe! Keine sichere Instinktverschaltung weit und breit, nicht mal stabile soziale Verhaltensgrundprogramme, die man dann in der frühen Jugend ordentlich trainieren und einüben könnte. Alles, was über vitale Grundfunktionen und über die elementare Selbstregulation dieses Körpers hinausgeht, muss erst erworben werden. Natürlich ist da auch keine Sprache, sondern nur dieses Schreien; in zugegeben differenzierter Form, aber wiederum auch kein wirklicher Hit bei der Kommunikation mit Betreuungspersonen, die sich da erst mühevoll einhören lernen, um es in seiner unterschiedlichen Bedeutung oft schweißgebadet dechiffrieren zu können.

Was hat sich Mutter Natur, sonst doch so eindeutig Fitness bevorzugend, bei dieser Konstruktion Menschenkind nur gedacht? Es ist unser Hirn, das unser größtes Handicap und zugleich unsere größte Chance ist. Kein Säugetier verfügt im Verhältnis zu seinem Körpergewicht über eine derart große CPU.Darauf, auf die ungeheuren Verwendungsmöglichkeiten, die dieses große Hirn bietet, und auf seine gigantische Plastizität setzt die Evolution beim Entwurf der Spezies Homo sapiens. Das bringt allerdings für den Lebensbeginn massive Einschränkungen mit sich, die mit mühevoller langer Versorgung, Pflege, Betreuung und Anleitung des Menschenkinds wettgemacht werden müssen. Anders war das für Mutter Natur nicht zu lösen. Denn der aufrechte Gang,...

Erscheint lt. Verlag 20.1.2018
Verlagsort Wien
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Gesundheit / Leben / Psychologie Familie / Erziehung
Schlagworte Bildung • Eltern • Erziehung • Familie • Kinder • Psychologie • Ratgeber
ISBN-10 3-99001-271-1 / 3990012711
ISBN-13 978-3-99001-271-0 / 9783990012710
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