Sexualität (eBook)
999 Seiten
TD Textdesign (Verlag)
978-3-95849-994-2 (ISBN)
Sexualität des Menschen
Die Sexualität des Menschen ist im weitesten Sinne die Gesamtheit der
Lebensäußerungen, Verhaltensweisen, Emotionen und Interaktionen von
Menschen in Bezug auf ihr Geschlecht.
Die Humanbiologie betrachtet menschliche Sexualität hinsichtlich ihrer
Funktion bei der Neukombination von Erbinformationen im Rahmen der
geschlechtlichen Fortpflanzung. Im Zentrum stehen dabei menschliche
Geschlechtsunterschiede zwischen Mann und Frau. Im sozio- und
verhaltensbiologischen Sinn umfasst die Sexualität des Menschen die Formen
dezidiert geschlechtlichen Verhaltens zwischen Sexualpartnern. Das
Sexualverhalten des Menschen hat – wie das vieler Wirbeltiere – über
Fortpflanzung und Genomaustausch hinaus zahlreiche Funktionen im
Sozialgefüge einer Population.
Daher befassen sich die meisten Humanwissenschaften auch mit dem Thema der
menschlichen Sexualität. Besonders psychologische, soziale und kulturelle
Faktoren werden dabei als bedeutend für die Sexualität des Menschen
betrachtet. Sexualität wird zu den menschlichen Grundbedürfnissen gezählt,
und zwar sowohl in physiologischer als auch in sozialer Hinsicht, in Liebe,
Lust, Nähe und Zärtlichkeit, die mit Sexualität verknüpft sind.
Biologische Grundlagen
Die Entwicklung eines durch Hormone gesteuerten Systems war ein wichtiger
Schritt zur Herausbildung sexueller Verhaltensweisen. Neben der
Fortpflanzung mittels Austausch von Erbinformationen hat geschlechtlicher
Verkehr bei höheren Organismen teils auch eine soziale Bedeutung,
insbesondere bei den Primaten (wie dem Menschen und den Bonobos).
Sexualität und Gesellschaft
Die Sexualität des Menschen und die Sexualmoral beeinflussen seine Psyche,
seine persönliche Entwicklung, die Formen seines Zusammenlebens und die
gesamte Sozialstruktur, also die Kultur und Gesellschaft, in der er lebt.
Das Sexualverhalten des Menschen weist eine Vielzahl sexueller
Orientierungen auf. Dazu gehören neben der Heterosexualität – bei der der
Sexualtrieb auf das andere Geschlecht gerichtet ist, die Homosexualität und
die Bisexualität, bei der sich das Interesse überwiegend oder auch auf das
gleiche Geschlecht richtet. Bei der Asexualität besteht kein Verlangen nach
Sex mit dem männlichen noch weiblichen Geschlecht. Die Pansexualität als
Begehren unabhängig vom Geschlecht (z. B. sexuelles Interesse an
Transsexuellen oder Transgendern) ist im queeren Verständnis einzuordnen
(siehe Queer-Theorie).
Da sexuelle Präferenzen und insbesondere deren gesellschaftliche Akzeptanz
gesellschaftlichen Veränderungen unterliegen, verschieben sich die Grenzen
zwischen gesellschaftlich legitimen, legalen oder als schädlich
eingeschätzten sexuellen Verhaltensweisen historisch wie interkulturell.
Die Sexualität des Menschen bzw. seine sexuellen Präferenzen manifestieren
sich in der Pubertät. Welche Anteile dieser Präferenzen erlernt oder in der
Erbanlagen bereits festgelegt sind, ist Bestandteil des wissenschaftlichen
Diskurses.
Geschichte
Vor- und Frühgeschichte
Viele archäologische Funde – wie die Venus von Willendorf – zeugen davon,
dass die Beschäftigung mit der Sexualität schon früh Teil der menschlichen
Kultur war. Ihr Stellenwert lässt sich an der übergroßen Darstellung und
Einfärbung von Geschlechtsteilen der historischen Artefakte erkennen.
Vulva- und phallusartige Steinsetzungen können als Zeichen der Verehrung
von Geschlechtsorganen interpretiert werden.
Eine These ist, dass sich durch die Neolithische Revolution das Verhältnis
des Menschen zur Sexualität geändert haben könnte. Diesem Konzept nach
betrachtete der Mann die Sexualität der Frau als zunehmend gefährlich und
einer Kontrolle bedürftig. Es wird in diesem Zusammenhang darüber
spekuliert, dass die Versorgung und Pflege von Kindern nur dann lohnend
sei, wenn es sich um den eigenen, genetisch verwandten Nachwuchs handelt.
In diesem Zusammenhang soll der Umstand eine Rolle gespielt haben, dass die
Frau eine verdeckte Befruchtung hat: da der Mann nicht im Nachhinein
kontrollieren kann, ob er der Erzeuger der Kinder war, fing er an, die
weibliche Sexualität mit Tabus und Verboten zu belegen. Nicht erklärt
werden kann in dieser naturalistisch-biologistischen Sichtweise, warum auch
alle anderen Formen der Sexualität mit Tabus und Verboten verbunden werden.
Altertum
In Altertum und Antike ist das Verhältnis zur Sexualität je nach Kultur und
Epoche äußerst unterschiedlich. Von einigen Hochkulturen (z. B.
Griechenland) ist bekannt, dass Prostitution und offene Homosexualität in
ihnen gesellschaftsfähig waren.
Mittelalter
Die Moral der christlichen Kirche ist seit dem Mittelalter stark
sexualfeindlich geprägt; Sexualität sollte ausschließlich der Zeugung von
Kindern dienen. Wollust wurde den Hauptlastern zugerechnet, Homosexualität
als abartig krankhaft und widernatürlich; vielmehr wurde die rigide
Einhaltung der Keuschheit propagiert und die Sexualität in den Nimbus des
Diabolischen gestellt.
Frühe Neuzeit
Während im spätmittelalterlichen Europa und in bestimmten Phasen der frühen
Neuzeit – von den mittelalterlichen Badehäusern bis zu den absolutistischen
Höfen – recht ungezwungene Sitten herrschten, breiteten sich erst mit dem
Puritanismus und den Moralvorstellungen des viktorianischen England oder
wilhelminischen Deutschland repressive Moralvorstellungen aus, mit denen
man der Sexualität insgesamt misstrauisch gegenüberstand. Sie wurde z. B.
als animalisch, roh und gefährlich angesehen, da sie die Grenzen der
Vernunft zu sprengen drohte. Insbesondere in diesen Zeiten wurde der Frau
keine selbstbestimmte Ausübung ihrer Sexualität zugestanden.
Moderne
19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert setzte eine massive Sexualerziehung ein, die vor allem
an junge Männer adressiert war. In Handbüchern wie The Young Man's Guide
(William Andrus Alcott, 1833) und Lecture to Young Men on Chastity
(Sylvester Graham, 1834) wurden diese eindringlich vor den vermeintlichen
gesundheitsschädlichen Folgen der Masturbation, aber auch vor homosexuellen
Handlungen gewarnt.
Sigmund Freud
Von wichtiger wissenschaftsgeschichtlicher Bedeutung ist das Konzept der
Triebtheorie, das der Wiener Arzt und Begründer der Psychoanalyse, Sigmund
Freud, Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte. Dieses Konzept sah die
Psyche und die Entwicklung des Menschen zu einem erheblichen Teil von dem
Sexualtrieb bestimmt. Freud beschrieb den Sexualtrieb zwar als biologisch
begründet, erforschte ihn aber hauptsächlich in seiner psychologischen
Ausprägung.
Die psychologische Erscheinungsform des Sexualtriebes bezeichnete er als
Libido. Dieses Konzept spielte in der „klassischen" Psychoanalyse eine
wesentliche Rolle, da man dort annimmt, dass die psychische Entwicklung des
Kindes erheblich durch seine Sexualität beeinflusst wird. Erhebliche
Störungen in der psychosexuellen Entwicklung können zu Neurosen und
Psychosen führen. Ganz im Gegensatz zu den kirchlichen Kritikern, die in
der Entstehungszeit der Psychoanalyse, Freud vorwarfen, er würde
Pansexualismus und Unzucht fördern und zur Verrohung der Sitten beitragen,
sah Freud die reine Anerkennung der individuellen Sexualität als Merkmal
für psychische Gesundheit. Hierbei muss die Sexualität nicht ausgelebt
werden. Auch wurde Freuds frühes, und später verworfenes, Konzept der
Katharsis als Aufruf zur sexuellen Aktivität missverstanden. Freud legte
durch seine enge Verknüpfung der Sexualität und der psychischen Entwicklung
auch den Grundstein zur psychologischen Untersuchung der Perversionen, die
heute als Paraphilien bezeichnet werden. Paraphilien bezeichnen sexuelles
Verhalten, welches von der Norm abweicht.
Mit Freuds Psychoanalyse entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts neue
Vorstellungen der Rolle von Sexualität: Sie sei ein natürlicher Trieb, ihre
Auslebung befreiend, notwendig und positiv, ihre Unterdrückung hingegen
erzeuge Neurosen.
20. Jahrhundert
Nicht nur hinsichtlich Freud gilt das 20. Jahrhundert als das Jahrhundert
der sexuellen Revolution(en).¹ So machte etwa zu Beginn des Jahrhunderts
Magnus Hirschfeld in Deutschland durch seine Forderungen nach Straffreiheit
für Homosexuelle auf sich aufmerksam. Er gründete in Berlin das weltweit
erste Institut für Sexualwissenschaft.
1917 hatte Richard Oswald den Aufklärungsfilm über Geschlechtskrankheiten
„Es werde Licht!" im Auftrag des deutschen Kriegsministeriums gedreht. Der
Film brachte eine Filmlawine ins Rollen. Allein dieser Film hatte drei
Folgen. 1919 brachte Oswald das Problem Homosexualität und Erpressung in
einer kriminalistischen...
| Erscheint lt. Verlag | 14.7.2016 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Themen |
| Mitarbeit |
Sonstige Mitarbeit: Thom Delißen, Peaceway/wiki |
| Verlagsort | Vachendorf |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Natur / Technik ► Natur / Ökologie |
| Technik | |
| ISBN-10 | 3-95849-994-5 / 3958499945 |
| ISBN-13 | 978-3-95849-994-2 / 9783958499942 |
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