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Sexualität (eBook)

Themenzusammenfassung

(Autor)

eBook Download: EPUB
2016 | 1. Auflage
999 Seiten
TD Textdesign (Verlag)
978-3-95849-994-2 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Sexualität - Thom Delißen
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Sexualität [z?ks-] (sinngemäß 'Geschlechtlichkeit', von spätlat. sexualis;aus lat. sexus 'Geschlecht'; vgl. Sex) bezeichnet im engeren biologischen Sinne die Gegebenheit von (mindestens) zwei verschiedenen Fortpflanzungstypen (Geschlechtern) von Lebewesen derselben Art, die nur jeweils zusammen mit einem Angehörigen des (bzw. eines) anderen Typus(Geschlechts) zu einer zygotischen Fortpflanzung fähig sind. Hier dient die Sexualität einer Neukombination von Erbinformationen, die aber bei manchen Lebensformen auch durch der Sexualität ähnliche, nicht polare, Rekombinationsvorgänge ermöglicht wird. Im sozio- und verhaltensbiologischen Sinne bezeichnet der Begriff die Formen dezidiert geschlechtlichen Verhaltens zwischen Geschlechtspartnern. Bei vielen Wirbeltieren hat das Sexualverhalten zusätzliche Funktionen im Sozialgefüge der Population hinzugewonnen, die nichts mehr mit dem Genomaustausch zu tun haben müssen, so dass dann die handelnden Partner auch nicht unbedingt unterschiedlichen Geschlechts sein müssen. Im weiteren Sinn bezeichnet Sexualität die Gesamtheit der Lebensäußerungen, Verhaltensweisen, Empfindungen und Interaktionen von Lebewesen in Bezug auf ihr Geschlecht. Zwischenmenschliche Sexualität wird in allen Kulturen auch als ein möglicher Ausdruck der Liebe zwischen zwei Personen verstanden. Evolution der Sexualität Die Herausbildung der Sexualität ist einer der Hauptfaktoren und gleichzeitig ein Ergebnis der biologischen Evolution. Die Entstehung von genetisch unterschiedlichen Geschlechtern und Paarungstypen gilt als Ausgangspunkt für die Entwicklung höherer Lebewesen aus ursprünglich geschlechtslosen Einzellern, die sich nur asexuell (vegetativ) fortpflanzen. Auf der Ebene der Einzeller, besonders bei den Ciliaten, gibt es auch Arten mit mehr als zwei unterschiedlichen Paarungstypen und abgestufter Fähigkeit zur Bildung von Zygoten.

Sexualität des Menschen

 

Die Sexualität des Menschen ist im weitesten Sinne die Gesamtheit der

Lebensäußerungen, Verhaltensweisen, Emotionen und Interaktionen von

Menschen in Bezug auf ihr Geschlecht.

 

Die Humanbiologie betrachtet menschliche Sexualität hinsichtlich ihrer

Funktion bei der Neukombination von Erbinformationen im Rahmen der

geschlechtlichen Fortpflanzung. Im Zentrum stehen dabei menschliche

Geschlechtsunterschiede zwischen Mann und Frau. Im sozio- und

verhaltensbiologischen Sinn umfasst die Sexualität des Menschen die Formen

dezidiert geschlechtlichen Verhaltens zwischen Sexualpartnern. Das

Sexualverhalten des Menschen hat – wie das vieler Wirbeltiere – über

Fortpflanzung und Genomaustausch hinaus zahlreiche Funktionen im

Sozialgefüge einer Population.

 

Daher befassen sich die meisten Humanwissenschaften auch mit dem Thema der

menschlichen Sexualität. Besonders psychologische, soziale und kulturelle

Faktoren werden dabei als bedeutend für die Sexualität des Menschen

betrachtet. Sexualität wird zu den menschlichen Grundbedürfnissen gezählt,

und zwar sowohl in physiologischer als auch in sozialer Hinsicht, in Liebe,

Lust, Nähe und Zärtlichkeit, die mit Sexualität verknüpft sind.

 

Biologische Grundlagen

 

Die Entwicklung eines durch Hormone gesteuerten Systems war ein wichtiger

Schritt zur Herausbildung sexueller Verhaltensweisen. Neben der

Fortpflanzung mittels Austausch von Erbinformationen hat geschlechtlicher

Verkehr bei höheren Organismen teils auch eine soziale Bedeutung,

insbesondere bei den Primaten (wie dem Menschen und den Bonobos).

 

Sexualität und Gesellschaft

 

Die Sexualität des Menschen und die Sexualmoral beeinflussen seine Psyche,

seine persönliche Entwicklung, die Formen seines Zusammenlebens und die

gesamte Sozialstruktur, also die Kultur und Gesellschaft, in der er lebt.

Das Sexualverhalten des Menschen weist eine Vielzahl sexueller

Orientierungen auf. Dazu gehören neben der Heterosexualität – bei der der

Sexualtrieb auf das andere Geschlecht gerichtet ist, die Homosexualität und

die Bisexualität, bei der sich das Interesse überwiegend oder auch auf das

gleiche Geschlecht richtet. Bei der Asexualität besteht kein Verlangen nach

Sex mit dem männlichen noch weiblichen Geschlecht. Die Pansexualität als

Begehren unabhängig vom Geschlecht (z. B. sexuelles Interesse an

Transsexuellen oder Transgendern) ist im queeren Verständnis einzuordnen

(siehe Queer-Theorie).

 

Da sexuelle Präferenzen und insbesondere deren gesellschaftliche Akzeptanz

gesellschaftlichen Veränderungen unterliegen, verschieben sich die Grenzen

zwischen gesellschaftlich legitimen, legalen oder als schädlich

eingeschätzten sexuellen Verhaltensweisen historisch wie interkulturell.

Die Sexualität des Menschen bzw. seine sexuellen Präferenzen manifestieren

sich in der Pubertät. Welche Anteile dieser Präferenzen erlernt oder in der

Erbanlagen bereits festgelegt sind, ist Bestandteil des wissenschaftlichen

Diskurses.

 

Geschichte

 

Vor- und Frühgeschichte

 

Viele archäologische Funde – wie die Venus von Willendorf – zeugen davon,

dass die Beschäftigung mit der Sexualität schon früh Teil der menschlichen

Kultur war. Ihr Stellenwert lässt sich an der übergroßen Darstellung und

Einfärbung von Geschlechtsteilen der historischen Artefakte erkennen.

Vulva- und phallusartige Steinsetzungen können als Zeichen der Verehrung

von Geschlechtsorganen interpretiert werden.

 

Eine These ist, dass sich durch die Neolithische Revolution das Verhältnis

des Menschen zur Sexualität geändert haben könnte. Diesem Konzept nach

betrachtete der Mann die Sexualität der Frau als zunehmend gefährlich und

einer Kontrolle bedürftig. Es wird in diesem Zusammenhang darüber

spekuliert, dass die Versorgung und Pflege von Kindern nur dann lohnend

sei, wenn es sich um den eigenen, genetisch verwandten Nachwuchs handelt.

In diesem Zusammenhang soll der Umstand eine Rolle gespielt haben, dass die

Frau eine verdeckte Befruchtung hat: da der Mann nicht im Nachhinein

kontrollieren kann, ob er der Erzeuger der Kinder war, fing er an, die

weibliche Sexualität mit Tabus und Verboten zu belegen. Nicht erklärt

werden kann in dieser naturalistisch-biologistischen Sichtweise, warum auch

alle anderen Formen der Sexualität mit Tabus und Verboten verbunden werden.

 

Altertum

 

In Altertum und Antike ist das Verhältnis zur Sexualität je nach Kultur und

Epoche äußerst unterschiedlich. Von einigen Hochkulturen (z. B.

Griechenland) ist bekannt, dass Prostitution und offene Homosexualität in

ihnen gesellschaftsfähig waren.

 

Mittelalter

 

Die Moral der christlichen Kirche ist seit dem Mittelalter stark

sexualfeindlich geprägt; Sexualität sollte ausschließlich der Zeugung von

Kindern dienen. Wollust wurde den Hauptlastern zugerechnet, Homosexualität

als abartig krankhaft und widernatürlich; vielmehr wurde die rigide

Einhaltung der Keuschheit propagiert und die Sexualität in den Nimbus des

Diabolischen gestellt.

 

Frühe Neuzeit

 

Während im spätmittelalterlichen Europa und in bestimmten Phasen der frühen

Neuzeit – von den mittelalterlichen Badehäusern bis zu den absolutistischen

Höfen – recht ungezwungene Sitten herrschten, breiteten sich erst mit dem

Puritanismus und den Moralvorstellungen des viktorianischen England oder

wilhelminischen Deutschland repressive Moralvorstellungen aus, mit denen

man der Sexualität insgesamt misstrauisch gegenüberstand. Sie wurde z. B.

als animalisch, roh und gefährlich angesehen, da sie die Grenzen der

Vernunft zu sprengen drohte. Insbesondere in diesen Zeiten wurde der Frau

keine selbstbestimmte Ausübung ihrer Sexualität zugestanden.

 

Moderne

 

19. Jahrhundert

 

Im 19. Jahrhundert setzte eine massive Sexualerziehung ein, die vor allem

an junge Männer adressiert war. In Handbüchern wie The Young Man's Guide

(William Andrus Alcott, 1833) und Lecture to Young Men on Chastity

(Sylvester Graham, 1834) wurden diese eindringlich vor den vermeintlichen

gesundheitsschädlichen Folgen der Masturbation, aber auch vor homosexuellen

Handlungen gewarnt.

 

Sigmund Freud

 

Von wichtiger wissenschaftsgeschichtlicher Bedeutung ist das Konzept der

Triebtheorie, das der Wiener Arzt und Begründer der Psychoanalyse, Sigmund

Freud, Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte. Dieses Konzept sah die

Psyche und die Entwicklung des Menschen zu einem erheblichen Teil von dem

Sexualtrieb bestimmt. Freud beschrieb den Sexualtrieb zwar als biologisch

begründet, erforschte ihn aber hauptsächlich in seiner psychologischen

Ausprägung.

 

Die psychologische Erscheinungsform des Sexualtriebes bezeichnete er als

Libido. Dieses Konzept spielte in der „klassischen" Psychoanalyse eine

wesentliche Rolle, da man dort annimmt, dass die psychische Entwicklung des

Kindes erheblich durch seine Sexualität beeinflusst wird. Erhebliche

Störungen in der psychosexuellen Entwicklung können zu Neurosen und

Psychosen führen. Ganz im Gegensatz zu den kirchlichen Kritikern, die in

der Entstehungszeit der Psychoanalyse, Freud vorwarfen, er würde

Pansexualismus und Unzucht fördern und zur Verrohung der Sitten beitragen,

sah Freud die reine Anerkennung der individuellen Sexualität als Merkmal

für psychische Gesundheit. Hierbei muss die Sexualität nicht ausgelebt

werden. Auch wurde Freuds frühes, und später verworfenes, Konzept der

Katharsis als Aufruf zur sexuellen Aktivität missverstanden. Freud legte

durch seine enge Verknüpfung der Sexualität und der psychischen Entwicklung

auch den Grundstein zur psychologischen Untersuchung der Perversionen, die

heute als Paraphilien bezeichnet werden. Paraphilien bezeichnen sexuelles

Verhalten, welches von der Norm abweicht.

 

Mit Freuds Psychoanalyse entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts neue

Vorstellungen der Rolle von Sexualität: Sie sei ein natürlicher Trieb, ihre

Auslebung befreiend, notwendig und positiv, ihre Unterdrückung hingegen

erzeuge Neurosen.

 

20. Jahrhundert

 

Nicht nur hinsichtlich Freud gilt das 20. Jahrhundert als das Jahrhundert

der sexuellen Revolution(en).¹ So machte etwa zu Beginn des Jahrhunderts

Magnus Hirschfeld in Deutschland durch seine Forderungen nach Straffreiheit

für Homosexuelle auf sich aufmerksam. Er gründete in Berlin das weltweit

erste Institut für Sexualwissenschaft.

 

1917 hatte Richard Oswald den Aufklärungsfilm über Geschlechtskrankheiten

Es werde Licht!" im Auftrag des deutschen Kriegsministeriums gedreht. Der 

Film brachte eine Filmlawine ins Rollen. Allein dieser Film hatte drei

Folgen. 1919 brachte Oswald das Problem Homosexualität und Erpressung in

einer kriminalistischen...

Erscheint lt. Verlag 14.7.2016
Reihe/Serie Themen
Mitarbeit Sonstige Mitarbeit: Thom Delißen, Peaceway/wiki
Verlagsort Vachendorf
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Natur / Technik Natur / Ökologie
Technik
ISBN-10 3-95849-994-5 / 3958499945
ISBN-13 978-3-95849-994-2 / 9783958499942
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