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Sexsucht (eBook)

Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige

(Autor)

eBook Download: EPUB
2016 | 3. Auflage
216 Seiten
Links, Ch (Verlag)
978-3-86284-339-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Sexsucht - Kornelius Roth
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Eine halbe Million Sexsüchtiger lebt in Deutschland - immer auf der Jagd nach dem nächsten Kick, rastlos, wahllos und letztlich unbefriedigt. Von Außenstehenden wird Sexsucht oft nicht als Suchterkrankung ernst genommen. Dabei sind die Folgen für Betroffene und Angehörige verheerend, finanziell und gesundheitlich, besonders aber in den sozialen Beziehungen, am Arbeitsplatz und in der Partnerschaft.
Kornelius Roth arbeitet seit Jahren als Psychotherapeut mit Sexsüchtigen. Anhand von Fallgeschichten schildert er Formen, Probleme, Auswirkungen der Sexsucht und geht auf die Besonderheiten der Online-Abhängigkeit ein. Er zeigt Wege auf, wie Betroffene der Sucht entkommen und Angehörige mit ihr umgehen können.

Die nunmehr 4. Auflage wurde aktualisiert und um neue Erkenntnisse zur Online-Sexsucht erweitert.



Jahrgang 1952, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychotherapeutische Medizin, beschäftigt sich seit 1983 mit den Bereichen Sucht und Trauma, zuerst als Arzt in einer psychosomatischen Klinik, seit zehn Jahren in eigener Praxis, in der er sich unter anderem auf die Arbeit mit Sexsüchtigen spezialisiert hat, tätig in der Weiterbildung als Dozent und Supervisor für Ärzte und Diplompsychologen, im Traumabereich als EMDR-Therapeut und EMDR-Supervisor zertifiziert, Mitglied einer amerikanischen Fachgesellschaft für Sexsucht und zwanghaftes Sexualverhalten.

Jahrgang 1952, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychotherapeutische Medizin, beschäftigt sich seit 1983 mit den Bereichen Sucht und Trauma, zuerst als Arzt in einer psychosomatischen Klinik; seit zehn Jahren in eigener Praxis, in der er sich unter anderem auf die Arbeit mit Sexsüchtigen spezialisiert hat; tätig in der Weiterbildung als Dozent und Supervisor für Ärzte und Diplompsychologen, im Traumabereich als EMDR-Therapeut und EMDR-Supervisor zertifiziert; Mitglied einer amerikanischen Fachgesellschaft für Sexsucht und zwanghaftes Sexualverhalten.

Sex als Sucht


»Denn alle Lust will Ewigkeit.«

Friedrich Nietzsche

Gesellschaftliche Rahmenbedingungen


Der Konsum stimmungs- und bewusstseinsverändernder Substanzen ist Teil der menschlichen Kultur. Auch die Sucht, eine der Folgen, ist überall verbreitet. Jede Gesellschaft unterliegt zu verschiedenen Zeiten unterschiedlichen süchtigen Gewohnheiten. Biologische, gesellschaftliche und persönliche Faktoren bilden den Boden, auf dem sich Suchtverhalten entwickeln kann. Während beispielsweise vor der Entdeckung Amerikas das Rauchen in der alten Welt gänzlich unbekannt war, raucht heute weltweit circa ein Drittel aller über 15-Jährigen.

Suchtgesellschaft

Fast alle Industrienationen westlicher Prägung weisen ein ähnliches Suchtmuster auf wie Deutschland, wobei Alkohol, Nikotin, Medikamente und Drogen eine große Rolle spielen. Diese Suchtstoffe haben vielschichtige Auswirkungen auf Menschen und können bis zum Tod führen: In Deutschland sterben jährlich circa 42 000 Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums und circa 110 000 an den Folgen des Rauchens. Allein diese zwei Suchtstoffe sind für über ein Viertel aller Todesfälle in Deutschland verantwortlich. Betrachtet man die Zahlen, kann man getrost von einer Suchtgesellschaft sprechen. Und wie groß ist der psychologische Schaden, den die Sucht beim Süchtigen und in seinem Umfeld anrichtet? Wie destruktiv können die Auswirkungen auf Partnerschaft, Kinder oder Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz sein? Warum hält ein süchtiger Mensch trotz der vielen negativen Konsequenzen an seiner Sucht fest bzw. wird von ihr festgehalten?

Alles, was Menschen Genuss bereitet, kann sie auch süchtig machen. Neben den stoffgebundenen Süchten (Abhängigkeit von Alkohol, Nikotin, Drogen und Medikamenten) gibt es auch stoffungebundene Süchte (Spielsucht, Esssucht, Arbeitssucht, Kaufsucht und Sexsucht).3 Hier wird die süchtige Entwicklung nicht durch einen Suchtstoff, sondern durch eine stimmungsändernde Erfahrung hervorgerufen, von der mit der Zeit eine zunehmende Abhängigkeit entsteht.4 Sie kann eine Störung der Impulskontrolle mit zunehmendem Konsum bei nachlassender Befriedigung verursachen. Dazu gesellen sich Kontrollverlust, Entzugssymptome und Folgestörungen (zum Beispiel Übergewicht bei der Esssucht oder Schulden bei der Spielsucht). Bei stoffgebundenen und -ungebundenen Süchten werden im Rausch Gefühle von Mut, Zuversicht, Lebensfreude, Größe und Selbstwert erlebt, die vorübergehend eine Illusion von Ganzheit und Heilsein erzeugen. Dadurch wird ein Defizit im Süchtigen ausgeglichen; er kann Gefühle entwickeln, die er ohne »Droge« nicht mehr oder nur sehr schwach hat.

Sexsucht

Sexsucht lebt im Verborgenen. Noch vor wenigen Jahren verschwiegen Betroffene ihr Problem bzw. erkannten es nicht. Seit einiger Zeit ist das Verständnis dafür gewachsen. Sexsüchtige haben angefangen, ihre Sucht zu erkennen, darüber zu berichten, und haben auch ermutigende Erfolge bei der Bewältigung aufzuweisen. Das süchtige Element in der Sexualität ist lange bekannt und wurde auch von vielen deutschsprachigen Autoren beschrieben. In einem Lehrbuch für Mediziner und Psychiater schreibt Rainer Tölle: »Gefährdet ist die Sexualität und zwar nicht nur in der devianten Form.«5 Bereits 1896 beschrieb Richard von Krafft-Ebing im ersten sexualmedizinischen Lehrbuch die, wie er es nannte, »sexuelle Hyperästhesie«.6 Paul Matussek,7 ebenfalls ein bekannter deutscher Psychiater, betrachtete das Thema unter tiefenpsychologischen Aspekten und sprach von süchtiger Sexualität sowie sexueller Haltlosigkeit, wobei er Onaniesucht und Nymphomanie bei Frauen von Don-Juanismus und Satyriasis beim Mann unterschied. Die Selbsthilfegruppen der Anonymen Sexaholiker im deutschsprachigen Raum benannten 1983 im Weißen Buch ihr Problem als Sexsucht. Dieser Begriff ist inzwischen geläufig.

Zahlen

Die genaue Zahl der Sexsüchtigen ist nicht bekannt, denn reale Zahlen sind bei der Art des Problems kaum zu erheben: Zu groß sind Unwissen, Verleugnungstendenz oder Schuldgefühle. Für die Sexsucht existiert auch keine eigene Diagnoseziffer in den internationalen Klassifikationssystemen von Krankheiten, sodass aus Krankenstatistiken keine Erhebungen gemacht werden können. Abgesehen davon ist die Schamschwelle für Männer und Frauen hoch, sich mit dem Problem nach außen zu wenden und professionelle Hilfe zu suchen, was die Dunkelziffer noch erhöht. Schätzungen bewegen sich zwischen 0,5 Prozent und 5 Prozent der Bevölkerung. In den USA geht man von 6 Prozent Betroffener aus.8 Nach eigenen Schätzungen gibt es etwa eine halbe Million behandlungsbedürftiger Sexsüchtiger in Deutschland. Im Bereich der Internetsexsucht, der so genannten »Cybersexsucht« – einer neuen Spielart des sexsüchtigen Verhaltens – liegen die Zahlen noch höher: In einer amerikanischen Studie wurden knapp 10 000 Internetbenutzer nach ihren Surfgewohnheiten befragt. Dabei wurden 8,5 Prozent als sexsüchtig eingestuft, da sie mehr als elf Stunden pro Woche mit pornographischem Material im Internet verbrachten. Zwanzig Prozent der Betroffenen waren Frauen.9

Sucht kann nur dann entstehen, wenn die entsprechenden Suchtmittel zur Verfügung stehen. Und noch nie gab es eine derartige Fülle von Material, das die Schlüsselreize hat, um sexuelles Begehren auszulösen, und das zudem so leicht zugänglich ist. Für süchtige Sexualität ist es heutzutage leicht, überall ausreichend Nahrung zu finden.

Sex sells

Westliche Industriegesellschaften zeigen einen außerordentlich hohen Sexualisierungsgrad der meisten Lebensbereiche, der manchmal geradezu Fetischcharakter annimmt. Sex ist ein moderner Begleiter der Konsumgesellschaft. Er ist in vielfältigster Weise in die Gesellschaftsökonomie eingebunden. Der Sexualtrieb des Menschen ist künstlich abrufbar, manipulierbar und wirkt sich Umsatz steigernd für ein Produkt aus. »Sex sells« ist eine Erfahrungstatsache, die sich auch in der Werbung niederschlägt: Kaum ein Produkt, das nicht sexualisiert dargestellt und verkauft wird. Die Suggestionen dabei werden immer direkter und aggressiver. Selbst bekannte Pornodarstellerinnen werben dürftig bekleidet für Alltagsprodukte.

Sexindustrie

Die Sexualität selbst ist ein Konsumartikel geworden. Sie ist eine Ware, die überall zur Verfügung steht. Die Menge an Sexangeboten und sexuellen Dienstleistungen war noch nie so groß und so leicht und anonym erreichbar wie heute.10 Die Sexindustrie, die Sex und Pornographie verkauft, ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Weltweit werden inzwischen acht verschiedene Erotikaktien an der Börse gehandelt. Die seit 1998 börsennotierte Beate-Uhse-AG, das größte Sexversandunternehmen der Welt, versendet jedes Jahr rund 25 Millionen Kataloge, vor allem in deutschsprachige Länder. Allein im Handelsbereich machte die Firma im Jahr 2014 einen Umsatz von 143 Millionen Euro.11

Wandel der sexuellen Normen

Seit Jahrhunderten weitgehend unverändert besteht – vor allem unter dem Einfluss der Kirchen – gleichzeitig eine gegenläufige Tendenz: Sexualität wird tabuisiert und eingegrenzt, Keuschheit gilt als höchstes Gut, sexuelle Bedürfnisse sind tendenziell »niedrig« oder schlecht und sollen primär der Fortpflanzung dienen. Onanie, Sexualität vor und außerhalb einer Ehe oder Homosexualität beispielsweise gelten als moralisch verwerflich und als Sünde. Diese Einstellungen werden nicht nur im Rahmen der religiösen Erziehung weitergegeben, sondern sie bestehen auch in vielen Familien, in denen religiöse Überzeugungen sonst kaum eine Rolle spielen. Das gesellschaftliche Spannungsfeld, in dem sich die Einstellung zur Sexualität entwickelt, ist zwischen zwei Polen ausgerichtet: Auf der einen Seite ist Sex für jedermann jederzeit verfügbar, auf der anderen Seite hat er nur in einer fortpflanzungswilligen, ehelichen Gemeinschaft einen Platz.

Im Laufe des kulturellen Wandels ist eine Änderung der Sexualmoral eingetreten, die der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch eine »neosexuelle Revolution« nennt.12 Nach der so genannten sexuellen Revolution in den 60er-Jahren, die mit einer Überschätzung der befreienden Wirkung von Sexualität einherging, werde die Sexualität heute eher wie eine »allgemeine Selbstverständlichkeit wie Egoismus oder Mobilität« gesehen.13 So hat sich beispielsweise die Zahl der Kontaktanzeigen, in denen der Wunsch nach rein sexuellen Kontakten geäußert wird, in den Jahren von 1987 bis 1994 verdoppelt.14

Zur Befreiung von repressiven Sexualnormen ist die Pflicht zur sexuellen Erfüllung getreten. Jean Claude Guillebaud nennt es »die Tyrannei der Lust«.15 Die Folgen: Frauen finden sich oft nicht attraktiv genug, Männer haben Angst, beim Sex zu versagen. Medial transportierte Schönheitsideale oder »Aufklärung« über das Sexualverhalten der anderen erzeugen starke normative Vorstellungen von Körperästhetik oder von Art, Häufigkeit und Dauer sexueller Handlungen. Beides verursacht einen Leistungsdruck, und wenn die »Leistung« nicht erreicht wird, auch Leidensdruck. Aber uns kann geholfen werden: Frauen erhöhen künstlich ihre sexuelle Attraktivität durch Schönheitsoperationen. Die sexuelle...

Erscheint lt. Verlag 20.4.2016
Reihe/Serie Lebenswelten & Lebenshilfe
Co-Autor Walther H. Lechler
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Gesundheit / Leben / Psychologie Partnerschaft / Sexualität
Schlagworte Abhängigkeit • Adressen • Angehörige • Anonym • Anonymität • Ausweg • Bedürfnis • Befriedigung • Betroffene • Cybersex • Dating • Drang • Einsamkeit • Fälle • Ficken • Genesung • Geschichten • Gesundheit • Hilfe • Internet • krank • Krankheit • Medizin • Mehrfachsüchtigkeit • Online • Porno • Pornographie • Prostitution • Psychologie • Psychotherapie • Ratgeber • Sehnsucht • Selbsthilfe • Selbsthilfegruppen • Sex • Sexarbeit • Sexsucht • Single • Soziale Dienste • Sozialisation • Speed Dating • Spiritualität • Sucht • Suchterkrankung • Therapie • Trauma • Verborgenen • Vögeln • Walther H. Lechler
ISBN-10 3-86284-339-4 / 3862843394
ISBN-13 978-3-86284-339-8 / 9783862843398
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