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Der Kampf um die Cheopspyramide (Historischer Roman) (eBook)

Eine Geschichte und Geschichten aus dem Leben eines Ingenieurs

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Auflage
880 Seiten
e-artnow (Verlag)
978-80-268-4008-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Der Kampf um die Cheopspyramide (Historischer Roman) -  Max Eyth
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Dieses eBook: 'Der Kampf um die Cheopspyramide (Historischer Roman)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Max von Eyth (1836-1906) war ein deutscher Ingenieur und Schriftsteller. Max Eyth hat außer seinem literarischen auch ein umfangreiches zeichnerisches Werk hinterlassen. Seine Zeichnungen entstanden oftmals auf seinen geschäftlichen Reisen und haben meist naturalistische Darstellungen von Bauwerken, Straßen- und Hafenszenen zum Inhalt. Aus dem Buch: 'Die Sonne berührte jetzt den Horizont: eine rote Kugel in goldflimmerndem Dunste, der die ganze westliche Wüste in ein Feuermeer verwandelte. Im Osten gegen den dunklen Abendhimmel, auf dem sich der kreisförmige Schatten der Erdkugel deutlich abzeichnete, standen blutrot der Mokattam und die Berge von Tura. Zwei riesige, dunkelblaue Dreiecke, die scharfen Schatten der Pyramiden, erstreckten sich quer über das Niltal, als wollten sie es erdrücken. Es war ein fast unheimliches Bild in seiner Pracht und stummen Größe. Nur dort unten, gen Kafr, sah man ein paar bunte Fleckchen sich ameisenartig gegen den Nil hin bewegen; die Karawane der Reisenden, die Thinker aus der Fassung gebracht hatte.'

2. Kapitel
Ein Wandergeselle



Dies, nach einem glorreichen Tag, wie heute!

Und dazu erhob sich plötzlich lautes Geschrei auf dem Vorderteil des Boots. Ich raffte mich auf, um nachzusehen, was den Frieden der Dämmerung zu unterbrechen drohe. Vor uns auf dem schwankenden Brett, das uns mit dem Lande verband, schien in einem Knäuel von sechs bis acht Leuten heftiger Streit ausgebrochen zu sein. Die beiden Saise des Schechs waren mittendrin und fochten mit ihren Stöcken in der Luft. Die Bärenstimme meines Reis versuchte vergeblich die scharfe Fistel Abu Sas zu ersticken, der, wenn er erregt war, in den höchsten Tönen mit Befehlen um sich warf, die niemand befolgte. Auch Fritschys Mühlhäuser Deutsch drang durch den Tumult: ein weiterer Beweis, daß die Sache einer ernsten Wendung nahe war. Dazwischen hörte man das klägliche Blöken eines Schafs, und ein knurrendes Pusten: unheimlich zischende Laute, die, sooft sie hörbar wurden, alle andern zum Schweigen brachten, und ein plötzliches Auseinanderstieben des Menschenknäuels zur Folge hatten. Es war eine unheimliche Szene in dem unsichern Mondlicht, und doch war die Ursache des Aufruhrs die durchaus erfreuliche Absicht, mir ein Geschenk darzubringen; – zwei Geschenke! Der Schech schickte durch seine Saise ein Schaf, und Fritschy war auf den glücklichen Gedanken gekommen, mir den jungen Wolf zu verehren, das beste Stück seiner Menagerie, das ich am Morgen, um ihm eine Freude zu machen, ungebührlich bewundert hatte. Auf dem Gangbrett des Dampfers waren die beiden Präsente zusammengetroffen. Der Wolf, so jung er war, machte Anstalt, das viermal größere Schaf anzufallen, und dieses voll Verzweiflung suchte sich in den Nil zu stürzen, denn es wollte von einem so kleinen Kerl lieber tot als lebendig gefressen werden. Der eine der Saise, seiner verantwortlichen Stellung bewußt, hielt es noch am Schwanz zurück und bat Allah laut um Hilfe, der andere griff Fritschy und den Wolf an, zwischen denen ebenfalls die lebhaftesten Meinungsverschiedenheiten ausgebrochen waren, so daß das Tierchen zu ersticken oder der Strick, an dem es hing, jeden Augenblick zu reißen drohte. Die Matrosen hatten sich aus Nützlichkeitsgründen auf die Seite des Schafs geschlagen. Zwei suchten es mit eigener Lebensgefahr an den Ohren in das Schiff zu ziehen, während die andern vier Fritschy und den Wolf beschimpften, was diese zum Glück nur mangelhaft verstanden. Trotzdem stand der eine der Matrosen im nächsten Augenblick bis an die Schultern im Wasser, infolge eines sehr geschickten Stoßes von Fritschy, den er unbedenklich für einen unglücklichen Zufall erklären konnte.

Mein Erscheinen löste den Knoten. Fritschy zog sich auf meine energische Einladung ans Ufer zurück, bis Abu Sa und der Koch das Schaf geborgen und abgeführt hatten, das, noch zitternd vor Angst, im Vorbeigehen meinen morgigen Salat fraß. Die Saise überbrachten in höflichster Form den Gruß des Schechs und warteten dann mit feierlicher Hartnäckigkeit auf ihr Bakschisch. Wenige Minuten später saßen Fritschy und ich mit gekreuzten Beinen in friedlicher Eintracht auf meinem Divan, zwei Gläser und eine Flasche erträglichen Medocs zwischen uns. Der kleine Wolf aber lag kurz angebunden unter der Bank, wo seine Äuglein wie Karfunkel glühten, ohne daß man sonst etwas von ihm sah oder hörte.

»Lieber Sohn!« sagte ich zu dem Monteur in väterlichem Ton, in den ich Fritschy gegenüber leicht verfiel: der Mann hatte eine so eigentümliche, knabenhafte Zutraulichkeit, wenn die Arbeitsstunden vorüber waren, und seine ganze Erscheinung: der braune Krauskopf, die rosige Gesichtsfarbe, die kleine aber wohlproportionierte Gestalt stimmte damit überein; »lieber Sohn, Sie sind ein recht brauchbarer Monteur für Pumpen und werden in kurzer Zeit für Dampfpflüge ebenso brauchbar sein; aber Sie sind zu leidenschaftlich. Sie müssen freundlicher zu den Eingeborenen sein und ruhig. Man kommt damit zweimal so weit, glauben Sie mir das. Übrigens: Prosit, Fritschy! Wir haben einen schönen. harten Tag hinter uns und verdienen ein Glas.«

Ganz heimatlich klangen die Gläser und Fritschy, der seit vier Wochen keinen Rotwein gesehen hatte, schien rasch glücklich zu werden. Doch konnte er meine Bemerkung nicht ganz hinunterschlucken.

»Ruhiger!« sagte er gekränkt. »Mais – ich bin die tranquillité selbst. Haben sie nicht bemerkt, wie ruhig und paisiblement es in meinem chambre zugeht, und man sollte es oft kaum für möglich halten. Aber die braunen Nigger wollen mich nicht comprendern. Überhaupt – es ging mir immer so: je ne suis pas compris

Ich mußte lachen. Fritschys Deutsch, das ich mit Rücksicht auf unsere teure Muttersprache in der Folge nicht wörtlich wiedergeben darf, wirkte stets erheiternd. Seine Stube, in dem größten, aber natürlich zerfallenen arabischen Haus des Dorfes, bot ein Bild, und einen Geruch, die eine Reise nach Thalia wert waren. In der einen Ecke wohnte er auf einem schlichten eisernen Feldbett, das durch Teile einer zerbrochenen Maschinenkiste ergänzt war. Eine zweite Kiste bildete einen brauchbaren, wenn auch nicht eleganten Tisch. Damit ist das Zimmergerät aufgezählt. Unter der Tischkiste, die, nach vorn offen, einen vortrefflichen Stall vorstellte, hatte der junge Wolf gehaust. In der andern Ecke der Stube lebte ein Adler, ein schöner, schwermütiger Vogel, doch leider ein Invalide, der seinen angeschossenen linken Flügel traurig auf dem Boden nachschleppte, und sich in der gemischten Gesellschaft sichtlich nicht wohl fühlte. Um so heiterer ging es in der dritten Ecke zu. Dort, in einer geräumigen, roh zusammengezimmerten Bucht hausten acht kleine Wildschweine und grunzten vergnüglich, obgleich sie erst kürzlich ihre Mutter verloren hatten, die durch die stets offene Zimmertüre entwischt war. Zwei merkwürdig zahme Schlangen machten von der Erlaubnis, das gesamte Zimmer jederzeit benutzen zu dürfen, den ausgedehntesten Gebrauch. Es hatte dies nichts anstößiges, da Schlangen sehr reinliche Tiere sind, und keinen unnötigen Lärm machen. Manchmal kamen Besuche; namentlich nachts, wenn alle Fenster und Türen des Hauses offen standen: wilde Hunde, ein Rudel neugieriger Schakals; und selbst eine hübsche Hyäne wäre vor einigen Nächten eingetreten, wenn sie sich nicht geniert hätte. Es war ihr zu lebendig in den gastlichen Räumen.

»Sie sind ein geborener Familienvater, Fritschy«, hub ich nach einer Pause nicht ohne wohlüberlegte Absichten wieder an, »ein Hausvater, der auf ein falsches Gleis geraten ist. Man sieht, sie können nicht allein leben. Das verbittert. Sie sollten heiraten.«

»Heiraten!« brauste er auf, dann nach einer abermaligen Pause fuhr er wehmütig fort: »Sie haben recht, Herr Eyth! Ich weiß, Sie kennen ihre Leute und meinen es gut. Ich habe ein weiches Herz. Sie glauben z.B. nicht, wie schwer es mir fällt, mich von dem Wölflein zu trennen, obgleich es mich nicht zu lieben scheint – pas encore. Aber heiraten – das ist etwas ganz anderes. Sie wissen vielleicht nicht, daß ich nach Thalia gelaufen bin, um den Weibern zu entgehen.«

»Das ist schade! Sie sagten mir, Sie seien wandermüde, und ich kann's glauben. Wenn Sie verheiratet wären, wüßte ich einen feinen Platz für Sie: weit besser als Thalia. Zwanzig Pfund den Monat und steigendes Gehalt. Etwas Dauerndes, für lange Jahre; aber gerade deshalb braucht der Platz einen Mann mit einer Frau. Das ist leider Bedingung.«

»Wer sie gemacht hat, muß das Leben noch kennenlernen«, bemerkte Fritschy, mit einem überaus altklugen Gesicht. »Seit ich auf der Wanderschaft bin – und auch daran war ein Mädel schuld – werde ich der Weiber wegen von Ort zu Ort geschoben. Hier in Thalia geht's zur Not. Was man sieht, steckt wenigstens in Säcken.«

»Sie sollten sich's überlegen«, mahnte ich. »Sie treffen im Leben nicht leicht wieder eine Gelegenheit wie die, die ich Ihnen heute bieten kann. Der Verwalter von El Mutana, dem großen Gut Halein Paschas in Oberägypten, sucht einen guten Mechaniker, der etwas mehr kann, als gerade feilen. Monier heißt der Herr. Er ist ein Franzose und spricht weder deutsch noch englisch. Er würde Ihr Französisch zu schätzen wissen. Und er hat böse Erfahrungen mit seinen Leuten gemacht: Sie liefen ihm alle mit ziemlicher Regelmäßigkeit nach drei Monaten davon. Nun besteht er darauf, einen verheirateten Mechanikus zu bekommen. Sie wären der richtige Mann, wenn Sie eine Frau nehmen wollten: das einzige, was Ihnen fehlt.«

»Und dann glaubt der Herr, ich liefe nicht davon!« Fritschy lachte auf, mit der ganzen Bitterkeit, deren er fähig war. Es war nicht viel. »Ah, Monsieur Eyth! Das ist immer dieselbe Geschichte: je ne suis pas compris. Lassen Sie sich erzählen.«

»Dazu sitzen wir beisammen«, versetzte ich, aufmunternd. »Der Mond scheint gerade voll genug für Herzensgeschichten. Zigarre gefällig? Vergessen Sie den Baschmahandi und machen Sie sich's bequem. Rauchen Sie mir etwas vor aus Ihrem verkohlten Herzen.«

»Zu meinen Geschichten braucht's wenig Mondschein, wie Sie sich sogleich überzeugen werden«, begann der kleine Monteur und rollte sich zusammen wie ein Igel. »Also Nummer eins! – Nummer eins lassen wir weg. – Eine Lehrbubengeschichte mit einem doppeltschmerzhaften Ende. Das Davonlaufen ergab sich ganz von selbst. Zum Glück war meine Lehrzeit gerade zu Ende. So ließ es sich mit dem Beginn der Wanderjahre verbinden und machte sich ganz gut. Sie heiratete kurz darauf einen Schneider in Straßburg. Dégoûtant! Ich arbeitete dort in einer kleinen Maschinenfabrik und das Unglück wollte es, daß der...

Erscheint lt. Verlag 15.6.2015
Verlagsort Prague
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Historische Romane
Sachbuch/Ratgeber Geschichte / Politik Vor- und Frühgeschichte / Antike
Geschichte Allgemeine Geschichte Vor- und Frühgeschichte
Schlagworte 19. Jahrhundert • Ägypten • Am Nil • archäologischer Roman • Deutscher Autor • Die Kane-Chroniken • Egon Friedell • Emilio Salgari • Historische Atmosphäre • Ingenieur • James Fenimore Cooper • Ken Follett • Kleopatra • Mumie • naturalistische Zeichnungen • Pharao • Pyramiden • Sonnenuntergang • Spannung
ISBN-10 80-268-4008-9 / 8026840089
ISBN-13 978-80-268-4008-4 / 9788026840084
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