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Der Gassigeher - Mit Streuner-Timmy und Tierheim-Argo durch die Jahre

Buch | Softcover
84 Seiten
2014
edition riedenburg (Verlag)
978-3-902943-72-9 (ISBN)
CHF 20,85 inkl. MwSt
  • Titel ist leider vergriffen;
    keine Neuauflage
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Timmy, der ausgesetzte Pointer, und Argo, der vollkommen verängstigte Tierheim-Hund. Zwei Hunde, die das Leben von Helmut Moldaschl geprägt haben wie keine Spezies vor ihnen. Und so erinnert sich der Gassigeher Jahre später an Heiteres und Lehrreiches am einen und anderen Ende der Leine und an all jene bemerkenswerten Begegnungen, die er ohne seine Hunde nie gehabt hätte. Ein Buch für alle mit einem liebenswerten Vierbeiner vorn dran.

[Textauszug] Ein Hund muss erzogen werden Wer sich einen Hund anschafft , der sollte sich tunlichst mit dem Gedanken seiner Erziehung beschäftigen. Erziehung kommt vom Wort ziehen , und es bedeutet, so lange an einem Hund herumzuziehen, bis er nicht mehr das tut, was er aufgrund seiner Wahrnehmung und seiner Instinkte will, sondern den Unsinn tut, den man von ihm verlangt. Und zwar ausschließlich.
Mit der Erziehung , wie sie die Klassiker verstehen, gewöhnt man dem Hund alles ab, was er von seiner Natur her kann und möchte. Nämlich, seinem Herrli und seinem Frauli dienen. Und er will nicht deswegen dienen, wer er sie so lieb hat, sondern weil er von ihnen Fressi und Schutz und Sicherheit und ein warmes Betti kriegt.
Nach dieser einfachen Erkenntnis lief unsere Erziehung fast exakt in der umgekehrten Richtung wie in der reinen Lehre. Mit der reinen Lehre, der klassischen Hundeerziehung, wie man sie in unzähligen einschlägigen Büchern und in elektronischen Medien findet, verdienen sogenannte Hundeflüsterer eine Menge Geld. Der Erfolg dieser Art von Erziehung ist dann garantiert, wenn man alles durchhält, was man gemäß ihrer Richtlinien durchhalten muss.
Die Crux daran ist einfach, dass man das gewaltige Repertoire der klassischen Hundeerziehung nicht durchhält. Und der Hund auch nicht. Weil es nicht seiner Natur entspricht. Alles Blödsinn , werden die Flüsterer sagen. Wir wissen es besser. Kann sein, aber wir haben unsere reichhaltige Erfahrung im Wesentlichen mit zwei ganz außergewöhnlichen Problemhunden gewonnen: Einer war mit 4 Monaten ausgesetzt worden, und den anderen hatten irgendwelche Leute psychisch so ruiniert, dass uns das Tierheim vor seiner Annahme warnte: Er ist nicht mehr vermittelbar.

Dr. Helmut Moldaschl, Jahrgang 1943, ist Physiker und Mathematiker. Er lebt in der Nähe von Erlangen und hat auf seinen ausgedehnten Hunde-Spaziergängen bereits mehrere Tausend Kilometer zurückgelegt. Außerdem bei der edition riedenburg erschienen sind seine Bücher "Diagnose Magenkrebs - So habe ich überlebt (Tatsachenbericht)" und "Energiewende. Der teure Traum vom Ökostrom".

Ein Hund muss erzogen werden. 7
Als Timmy zu uns kam. 9
Timmy wird integriert. 17
Wie die Zeit vergeht. 25
Timmy und die Mäusejagd. 28
Der Hattrick. 32
Timmy, der Beobachter. 39
Zerberus. 44
Der Revolvermann. 48
Meine schwere Krankheit. 54
Hundepause. 57
Wer ist Argo?. 67
So zog Argo bei uns ein. 75
Stille Nacht. 78

Wer sich einen Hund ‚anschafft’, der sollte sich tunlichst mit dem Gedanken seiner Erziehung beschäftigen. ‚Erziehung’ kommt vom Wort ‚ziehen’, und es bedeutet, so lange an einem Hund herumzuziehen, bis er nicht mehr das tut, was er aufgrund seiner Wahrnehmung und seiner Instinkte will, sondern den Unsinn tut, den man von ihm verlangt. Und zwar ausschließlich. Mit der ‚Erziehung’, wie sie die Klassiker verstehen, gewöhnt man dem Hund alles ab, was er von seiner Natur her kann und möchte. Nämlich, seinem Herrli und seinem Frauli dienen. Und er will nicht deswegen dienen, wer er sie so lieb hat, sondern weil er von ihnen Fressi und Schutz und Sicherheit und ein warmes Betti kriegt. Nach dieser einfachen Erkenntnis lief unsere ‚Erziehung’ fast exakt in der umgekehrten Richtung wie in der reinen Lehre. Mit der reinen Lehre, der klassischen Hundeerziehung, wie man sie in unzähligen einschlägigen Büchern und in elektronischen Medien findet, verdienen sogenannte Hundeflüsterer eine Menge Geld. Der Erfolg dieser Art von Erziehung ist dann garantiert, wenn man alles durchhält, was man gemäß ihrer Richtlinien durchhalten muss. Die Crux daran ist einfach, dass man das gewaltige Repertoire der klassischen Hundeerziehung nicht durchhält. Und der Hund auch nicht. Weil es nicht seiner Natur entspricht. ‚Alles Blödsinn’, werden die Flüsterer sagen. ‚Wir wissen es besser.’ Kann sein, aber wir haben unsere reichhaltige Erfahrung im Wesentlichen mit zwei ganz außergewöhnlichen Problemhunden gewonnen: Einer war mit 4 Monaten ausgesetzt worden, und den anderen hatten irgendwelche Leute psychisch so ruiniert, dass uns das Tierheim vor seiner Annahme warnte: ‚Er ist nicht mehr vermittelbar.’ Beim ersten praktischen Umgang mit diesen Hunden erinnerte ich mich an einen Mann, der im November bei ein Grad über null um zwei Uhr nachts im Hemd mit weit ausgebreiteten Armen mitten auf der Bundesstraße stand, auf der ich fuhr. Er brauchte Hilfe, denn sein Auto war in der Kurve von der Fahrbahn abgekommen, hatte einen Zaun durchbrochen und sich in einer etwas tiefer liegenden Wiese überschlagen. Ich rannte hin, es war stockfinster, man konnte die Hand nicht vor den Augen sehen, und ich stand bis zu den Knöcheln im Matsch. In diesem Schlamm lag ein völlig verschmutzter Mensch, den ich kaum sehen konnte. Ich konnte nicht feststellen, wo der Kopf und wo die Füße waren. Diese Situation hatte ich bisher in keiner Beschreibung vorgefunden. Vielmehr wurde Erste Hilfe immer in einem hell erleuchteten Raum und auf einer klinisch sauberen Liege demonstriert. Die Praxis der Hundeerziehung unterscheidet sich ähnlich von der Theorie, und so wurden diese beiden Hunde von uns nicht mit dem Ernst eines Lehrbuchs, sondern spielerisch erzogen. Das heißt bei weitem nicht, dass sie alles machen durften, was sie wollten, auch wenn sie das manchmal taten. Dann hätten sie sich zu unberechenbaren Individuen entwickelt. Aber sie durften Dinge tun, worüber ‚ernste Erzieher’ die Nase gerümpft hätten. Manches ist uns also passiert, was bei Anwendung der Lehre vielleicht nicht geschehen wäre. Aber wer kann das schon sicher sagen. Irgendwann hatten wir also ein stillschweigendes Übereinkommen mit unseren Hunden getroffen: Wir lassen euch in Ruhe, und ihr lasst uns in Ruhe, und mit dieser einfachen Einstellung hatten wir von unseren Hunden in den mehr als zwanzig Jahren, in denen sie bei uns waren und wir bei ihnen, genauso viel gelernt wie sie von uns. Das ist nicht von heute auf morgen geschehen. Es gab viele Umwege, und gerade über diese möchte ich berichten. Falls Sie ein Problem mit Ihrem Hund haben, vergessen Sie nicht: Es hängt am anderen Ende der Leine. Nicht dort, wo der Hund ist.

„Timmy!“, rief ich in den Wald, und das Echo kam zurück, nicht aber mein Hund. Man mag sich die Heiligkeit eines solchen Tages nicht durch Schreierei verderben lassen. Die Leute verabschiedeten sich also von mir und nahmen Timmys neuen Freund mit sich fort. So stand ich da, rief nochmals seinen Namen, doch in der Au regte sich nichts. Eine Zeit hindurch war alles mucksmäuschenstill. Doch plötzlich gab es Laute, die jeder erfahrene Hundehüter kennt. Da war dieses fröhliche, hohe, kurze Bellen des Erfolgs. „Ich habe es gefunden.“ ‚Es’ war das Opfer. Timmy hatte Futter gefunden. Futter, das sich bewegte. Die kalte Nacht hatte hungrige Tiere aus dem Hochwald des Berges heruntergelockt. Hier konnten sie suchen, ohne dass man sie bemerkte. Hier konnten sie auch noch etwas finden. Verzweifelt suchten sie nach Futter. Risiko, das vom Menschen ausgehen mochte, schätzten sie geringer ein, als die Gefahr zu verhungern. Timmys Instinkt ließ ihn gerade hier nicht im Stich. Sein Jagdtrieb war erwacht, und offenbar hatte er auch ein Tier gestellt. Er bellte und bellte und bellte, und die Leute schauten und schauten und schauten. Ich rief seinen Namen, aber er scherte sich einen Dreck darum. Ich lief, so gut das bei der hohen Schneelage, den zahlreichen, vom Schnee verdeckten Gerinnen und den vielen abgebrochenen Ästen möglich war, zu ihm hin. Fast hatte ich ihn erreicht! Es fehlten vielleicht noch dreißig Meter zwischen ihm und dem kleinen Reh, das er gestellt hatte und um das er jetzt freudig herumhüpfte, in einem Kreis, den er immer enger zog. Doch dann sah ich auf der rechten Seite einen wild entschlossenen Mann durch den Schnee stürmen. Er trug eine schwarze Lederjacke, Jeans und Lederstiefel, und er griff mit der rechten Hand in die hintere Tasche seiner Hose und zog eine Pistole heraus. Ich hörte ein ‚Klack‘, als er sie mit der linken Hand entsicherte und durchlud. Mit gezogener Waffe stürmte er auf die beiden Tiere zu, und es gab keinen Zweifel, dass er es nicht auf das kleine, total verschreckte Reh abgesehen hatte, sondern auf meinen Hund, der sich da wie verrückt im Kreise drehte. Jetzt ging es um wenige Sekunden. „Bitte nicht!“, schrie ich hinüber. „Erschießen Sie lieber mich!“ Erst jetzt hatte er mich entdeckt: „Sie haben großes Glück“, schrie er außer sich vor Wut, „ich hätte den Hund jetzt erschossen. Ich hätte auch das Recht dazu. Sie haben ihn nicht unter Kontrolle. Er hört nicht.“ Ich war erleichtert, denn es gab zumindest eine Zäsur. ‚Doch’, wollte ich sagen, ‚er hört, aber.’, aber für einen Spaß war jetzt keine Zeit. „Ich habe Nachtdienst gehabt, bin hundemüde, sozusagen, wissen Sie. Er hat mich durch sein andauerndes Bellen geweckt. Ich bin aufgestanden und habe mich angezogen. Wir müssen ihn einfangen. Einfangen.“ „Das stimmt“, sagte ich. „Sie haben recht. Er hört nicht. Ich wollte ihn mit einem Elektroschocker erziehen, aber da wäre er vermutlich schon tot. Er hört einfach nicht.“ Gemeinsam versuchten wir, Timmy einzufangen, der immer noch wie ein Balletttänzer zwischen uns dreien – dem Polizisten, dem Reh und mir – herumtanzte, aber es mochte uns nicht gelingen. „Ich werde einen Warnschuss abgeben. Hat er Angst vor Schüssen? Ist er schussfest?“, fragte der Mann. „Schussfest?! Bei jeder Silvesterknallerei verkriecht er sich unter der Treppe und möchte dann nicht einmal Gassi gehen. Versuchen Sie es halt. Ich habe es niemals versucht. Ich habe auch keine Waffe. Könnte es gar nicht versuchen. Es war auch niemals ein Anlass dafür“, sagte ich. „Bitte fuchteln Sie mir nicht vor dem Gesicht herum. Das macht mich nervös. Was werden die Leute auf der Promenade sagen?“ „Das ist mir scheißegal, was die da sagen!“, schrie der Polizist und gab einen Schuss in den Boden ab. Ich dachte an die blaublütigen Spaziergängerinnen gleich da vorne auf dem Spazierweg, mit ihren Pelzmänteln und den teuren Sonnenbrillen, die wohl an einen Überfall dachten oder an etwas anderes Schreckliches. Doch Timmy war von diesem Krach nicht beeindruckt. Er hielt keinen Moment in seinem Tanz inne, sondern setzte seine anmutigen Bewegungen fort. Er war nur darauf bedacht, nicht eingefangen zu werden. Der Polizist gab einen weiteren Schuss ab. Der Hund guckte ihn an, also wollte er sagen: „Schau nicht so herum, hier steht das Futter, siehst du es nicht?“

Zusatzinfo 12 s/w Fotos
Sprache deutsch
Maße 155 x 220 mm
Gewicht 146 g
Einbandart Paperback
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Natur / Technik Tiere / Tierhaltung
Schlagworte Adoptieren • Adoption • Barf • Barfen • beibringen • Bei Fuß • Bob, der Streuner • Dalmatiner • das andere Ende der Leine • Deutschkurzhaar • Deutsch-Kurzhaar • Einfache Hundeerziehung • Erfahrung • Erfahrungen • Erfahrungsbericht • Erzählung • Erziehung • Erziehungsprobleme • Erziehungsratgeber • falsch • Findelkind • Findling • Flexi • Flexileine • Frauchen • frei laufen • freilaufen • Futter • Gackerl • Gassi • geh • Gehen • Geschichten • Glück • Glücklich • Glücksformel • Haltung • Handbuch • Herrchen • Hund • Hunde • Hundebesitzer • Hundeerziehung • Hundeflüsterer • Hundefreund • Hundefreunde • Hundeführerschein • Hundefutter • Hundeglück • Hundehalter • Hundeschule • Hundesprache • Hundetrainer • Hundetraining • Hunde würden länger leben • Hündisch • Impfen • Impfpass • Jagdhund • Jagdhunde • Kampfhund • Kampfhunde • Kampfhundeverordnung • Kommunikation • Kommunizieren • Lehrbuch • Leine • Leinenzwang • Lernen • lösen • Martin Rütter • Menschen • Mischling • mit Hunden sprechen • Mix • Natural Dog Food • ohne Leine • Pflege • Platz • Pointer • Praxisratgeber • Probleme • Probleme mit Hund richtig lösen • Rassehund • Ratgeber Hund • Ratschläge • Reden • Regel • Regeln • richtig • Sackerl • Schule • Spazieren • Spazierengehen • Spaziergang • Streunen • Streuner • Streunerhund • Streunerhunde • Studieren • Tatsachenbericht • Tierarzt • Tierheim • Tierheimhund • Tipp • Tipps • Tipps vom Hundeflüsterer • Tollwut • Tötungsstation • Tricks • Umgang • unerzogener Hund • ungezogen • ungezogener Hund • Verhalten • Verordnung • Welpen-Erziehung • Welpenschule • Wolf • Wölfe • wölfisch • Zerberus • zugelaufen • Zugleine • zulaufen
ISBN-10 3-902943-72-6 / 3902943726
ISBN-13 978-3-902943-72-9 / 9783902943729
Zustand Neuware
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