Die Herbstreise
Siedler, W J (Verlag)
978-3-88680-735-2 (ISBN)
- Titel ist leider vergriffen, Neuauflage unbestimmt
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Am Abend des 4. Oktober 1941 begibt sich eine Gruppe französischer Schriftsteller vom Pariser Gare de l'Est auf die Reise nach Deutschland. Zu ihnen zählenüberzeugte Faschisten wie Drieu la Rochelle oder Robert Brassilach, aber auch bedeutende»apolitische« Autoren wie Jacques Chardonne und Marcel Jouhandeau. Begleitet von Gerhard Heller, bei den deutschen Besatzungstruppen zuständig für das»Schrifttum«, fährt die Reisegesellschaft zunächst an den Rhein, besichtigt das Beethoven-Haus in Bonn, Goethes Geburtshaus in Frankfurt am Main. Dann geht es weiter nach München, Salzburg und Wien, wo sie der Reichsstatthalter Baldur von Schirach empfängt. In Berlin führt man sie in der Reichskanzlei durch Hitlers Arbeitszimmer, und Joseph Goebbels fragt die französischen Gäste zynisch:»Wie viele zerbombte Häuser haben Sie gesehen? Wie viele Maschinengewehre bewachen meinen Amtssitz?« Von Station zu Station zeigt sich, wie das Gift der Kollaboration in die Gedankenwelt der französischen Schriftsteller einwirkt. Marcel Jouhandeau schreibt:»Ich für meinen Teil fühle mich unseren ehemaligen deutschen Feinden instinktiv tausend Mal näher als all diesem vorgeblich französisch-jüdischen Pack.«François Dufay zeigt anhand bislang unveröffentlichter Aufzeichnungen denäußeren Verlauf dieser Herbstreise, aber vor allem den inneren: die schleichende, dann ganz offene Kompromittierung der Intellektuellen durch den Nationalsozialismus. Hitlers willige Gesprächspartner aus Frankreich schließen einen Pakt mit dem Teufel. Man gewinnt einen historisch genauen Sinn von dem, was die literarische Kollaboration ausmachte.
Francois Dufay war Schüler einer Pariser Elitehochschule, über die er ein Buch verfasste. Er arbeitet heute als Journalist bei der Zeitschrift "Le Point" in Paris.
Au rendez-vous allemand Bis an sein Lebensende hat Marcel Jouhandeau sich gerühmt, ein »Liebhaber der Unbesonnenheit« zu sein. Mit diesem Ausdruck bezeichnet der Autor der Chroniques maritales die Liebesabenteuer mit Männern, die immer wieder seinen Alltag an der Seite seiner Frau Elise erschütterten und ihn zu glühenden literarischen Bekenntnissen anregten. Die Unbesonnenheit, die er sich am 4.Oktober 1941 zu begehen anschickte, übertraf jedoch alle anderen bei weitem. An jenem Samstag holte eine schwere Limousine Jouhandeau bei Einbruch der Dämmerung von seiner Pariser Wohnung in einer Privatstraße unweit der Porte Maillot ab. Die Fahrt führte über die leeren Avenuen der Hauptstadt zur Gare de l'Est - dem Ostbahnhof, wie ein in der Sprache der Sieger verfasstes Schild verkündete -, wo Jouhandeau mit seinem Gepäck abgesetzt wurde. Der Romancier bahnte sich einen Weg durch die Menge der Reisenden und gesellte sich zu einer Gruppe in graugrünen Uniformen, die sich unter dem dunklen Glasdach versammelt hatte. Weitere französische Schriftsteller, die er kaum kannte, waren bereits anwesend und unterhielten sich mit den Deutschen. Auf dem Gleis wartete ein Nachtzug darauf, die ganze Gruppe in bequemen Schlafwagen nach Deutschland zu bringen. Von frühester Jugend an hatte Marcel Jouhandeau das Deutschland der Dichter und Denker geliebt. Der Sohn eines Fleischers aus Guéret im südwestfranzösischen Limousin hatte für Goethe und Nietzsche immer Verehrung empfunden. Wie hätte er, der sein Leben ausschließlich der Beobachtung seiner Seele widmete, einem Volk, das sich mit derartigem Ernst der Ergründung des Innenlebens hinzugeben schien, nicht Sympathie entgegenbringen sollen? Um ihn dazu zu bewegen, seine Frau, sein Harmonium, seine Haustiere und seine Sexta zu verlassen, die er als Lehrer für Französisch und Latein zu dieser Zeit in einem katholischen Internat des 16. Arrondissements unterrichten sollte, hatte es jedoch einer machtvolleren Versuchung bedurft als nur dieser langjährigen Neigung. Diese Versuchung war ihm ein paar Monate zuvor in einem literarischen Salon von Paris in Gestalt eines einunddreißigjährigen deutschen Offiziers begegnet. Gerhard Heller, in der Pariser Propaganda-Staffel verantwortlich für die Überwachung der französischen Literatur, war zu einem Cellokonzert erschienen, das in einer Privatwohnung stattfand. Dort nahm Jouhandeau, jene eigenartige Gestalt, die wie ein aus einem mittelalterlichen Triptychon entsprungener Heiliger wirkte, neben dem jungen Sonderführer Platz. Das Gespräch entspann sich umso leichter, als der deutsche Offizier gerade eines seiner Bücher gelesen hatte. Jouhandeau nutzte den Kontakt zu einem Vertreter der Besatzungsmacht, um ihn um einen Ausweis zu bitten, der es ihm erlauben würde, sich nach Guéret zu begeben, seinem Geburtsort, in das Chaminadour seiner Bücher, das sich in der so genannten »freien Zone« befand. Während sie die Gäste des Abends beobachteten, hatten der deutsche Offizier und der französische Schriftsteller über Kunst und Literatur geplaudert: Jouhandeau hatte Heller angeboten, eine Begegnung mit dem Maler Georges Braque zu vermitteln. Ein paar Wochen vergingen. Ende Sommer 1941 hatte der deutsche Offizier erneut von sich hören lassen. Er ließ Jouhandeau zwar nicht den gewünschten Ausweis zukommen, wohl aber eine Einladung zu einem Besuch im »Reich«. Ende Oktober, so hatte der liebenswürdige Offizier erklärt, werde in Weimar ein internationaler Schriftstellerkongress stattfinden. Warum nutze Jouhandeau nicht die Gelegenheit, sich selbst ein Bild vom neuen Deutschland zu machen? Der Schriftsteller hatte über den Vorschlag nachgedacht. Mitten im Krieg durch Deutschland reisen, auf Einladung der Besatzungsmacht! Selbst begeisterte Anhänger der deutsch-französischen Versöhnung hätten gezögert, diesen Rubikon zu überschreiten. Jouhandeau hatte erklärt, dass er als »Dichter« zunächst Einzelgänger und somit ungeei
| Übersetzer | Tobias Scheffel |
|---|---|
| Zusatzinfo | 1 Kte |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 135 x 215 mm |
| Gewicht | 399 g |
| Einbandart | Leinen |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Geschichte / Politik ► 20. Jahrhundert bis 1945 |
| Schlagworte | Drittes Reich / 3. Reich; Berichte/Erinnerungen • Drittes Reich; Berichte/Erinnerungen • Franzosen • Hardcover, Softcover / Sachbücher/Geschichte/20. Jahrhundert (bis 1945) • HC/Sachbücher/Geschichte/20. Jahrhundert (bis 1945) • Schriftsteller • Schriftsteller / Schriftstellerin • TB/Sachbücher/Geschichte/20. Jahrhundert (bis 1945) |
| ISBN-10 | 3-88680-735-5 / 3886807355 |
| ISBN-13 | 978-3-88680-735-2 / 9783886807352 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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