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Alternative zu Hitler

Studien zur Geschichte des deutschen Widerstandes

(Autor)

Buch | Softcover
424 Seiten
2000
Beck, C H (Verlag)
978-3-406-45913-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Alternative zu Hitler - Hans Mommsen
CHF 12,45 inkl. MwSt
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Mommsen

"Neuordnungspläne der Widerstandsbewegung des 20. Juli 1944

I. Formierung der Opposition

Der 20. Juli 1944 gilt mit guten Gründen als Höhe- und Sammlungspunkt des deutschen Widerstands gegen Hitler. Zwar formierte sich die Bewegung des 20. Juli erst, als der im Anschluß an die Verbände der Weimarer Republik begründete Widerstand, zu dem neben der KPD und der SOPADE eine Fülle kleiner sozialistischer Gruppen, aber auch die katholische Arbeiterbewegung gehörten, dem Zugriff des Gestapo weitgehend erlegen war. Diese Phasenverschiebung des Widerstands ging darauf zurück, daß im Unterschied zur sozialistischen und kommunistischen Linken im bürgerlichen Lager für lange Jahre die Illusion überwog, sich mit den Nationalsozialisten arrangieren zu können, mit deren außen-, aber auch innenpolitischen Zielsetzungen man auf weiten Strecken übereinzustimmen glaubte. Erst nach der Fritsch-Krise und im Zusammenhang mit dem sich abzeichnenden Sudetenkonflikt begann sich dies zu ändern. Es k am jedoch als wichtiger Faktor hinzu, daß der sich schrittweise bildende bürgerliche Widerstand auf konspirative Organisationsformen verzichtete. Während die Gestapo gegenüber der illegalen KPD rigoros vorging, vernachlässigte sie die bürgerliche Opposition, der sie nur untergeordnetes Gewicht beilegte.
Die sozialistischen Widerstandsgruppen, die sich nach der Machtergreifung im Reich, gutenteils unabhängig von der Prager Exilpartei, bildeten, deren Führungsanspruch vielfach zur Gefährdung der illegal arbeitenden Genossen im Lande beitrug, erlagen in den Jahren bis 1938 den Schlägen der Gestapo. Ihre Mitglieder wurden in der Regel zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Viele wurden in Konzentrationslager eingeliefert. Die Sympathisanten zogen sich in der Mehrzahl der Fälle zurück, hielten nur lockeren Kontakt unter den Gesinnungsgenossen in Form unpolitischer Treffen in Wirtshäusern, Gesang- oder Wandervereinen. Andere entzogen sich dem Zugriff der Häscher durch die Emigration.
Hinge gen war die KPD kontinuierlich darum bemüht, den durch die ständigen Eingriffe der Gestapo dezimierten illegalen Apparat zu erneuern, und diese Anstrengungen vermehrten sich nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion, der die illegale kommunistische Bewegung vom Odium der Zusammenarbeit mit den Faschisten befreite. Die Bemühungen, unter Wilhelm Knöchel, der im Zusammenhang mit der Internationalen Transportarbeiter-Union stand, einen zentralen Apparat zu errichten, erwiesen sich freilich als vergeblich. Das in Moskau amtierende Zentralkomitee unter Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck verkannte die Kampfbedingungen unter nationalsozialistischer Herrschaft. Getreu den Anweisungen und Illusionen der Komintern hielten sie noch 1942 an der Forderung fest, die Grundlage für eine Massenpartei zu legen, was zur unnötigen Gefährdung der im Reich unter den schwierigsten Bedingungen tätigen Genossen führte.
Zum Zeitpunkt des Attentats gegen Hitler war die kommunistische Organisation im Lande au seinandergebrochen. Einer ihrer Zweige unter Anton Saefkow und Bernhard Bästlein setzte in Berlin die illegale Arbeit fort und bemühte sich, die abgerissenen Fäden nach Thüringen zur Neubauer-Poser-Gruppe und nach Hamburg zu Franz Jacob neu zu knüpfen, verzichtete aber darauf, eine neue Inlandsleitung zu begründen. Die Zugriffe der Gestapo im Spätsommer 1944, die mit dem Attentat des 20. Juli zusammenhingen, bewirkten dann den endgültigen Verlust einer geschlossenen kommunistischen Widerstandstätigkeit.
Abgesehen von der illegalen KPD, deren Gewicht von der zivilen und der militärischen Opposition vor 1943 notorisch unterschätzt wurde, und einigen wenigen zersprengten Gruppen - dazu zählte der zionistische Untergrundzirkel Chug Chaluzi in Berlin und die kommunistische Gruppe Herbert Baum - war der Widerstand im Anschluß an die Verbände der Weimarer Republik schon vor der Entfesselung des Zweiten Weltkrieges fast völlig aufgerieben.

Reihe/Serie Beck'sche Reihe ; 1373
Sprache deutsch
Maße 124 x 190 mm
Gewicht 468 g
Einbandart Paperback
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Geschichte / Politik 20. Jahrhundert bis 1945
Schlagworte Drittes Reich • Drittes Reich / 3. Reich • Politischer Widerstand (Drittes Reich) • TB/Sachbücher/Geschichte/20. Jahrhundert (bis 1945) • Widerstand (Nationalsozialismus)
ISBN-10 3-406-45913-7 / 3406459137
ISBN-13 978-3-406-45913-9 / 9783406459139
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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