Schwester Helga - Du maximierst mein Glück
Eichborn (Verlag)
978-3-8218-3476-4 (ISBN)
- Titel ist leider vergriffen, Neuauflage unbestimmt
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"5. Spaziergang mit steigenden Grenzkosten Glatt wie ein Spiegel lag der Breutenbacher See zu Robert Sandens Füßen. Über ihm wiegten sich die ergrünenden Wipfel der hohen Bäume sacht in der kühlen Frische des leichten Frühlingswinds. Majestätisch zog ein einsamer Kranich am Himmel seine Kreise. Leis neigte sich das Schilf. Genüsslich streckte der großgewachsene junge Mann die Beine von sich und blinzelte, eine Hand schützend vor die Augen gehalten, über die in der Sonne glitzernde Oberfläche des kristallklaren Wassers. Hier, an den stillen Ufern des Breutenbacher Sees, fand der junge Chefarzt die Ruhe und Entspannung, die ein Mann in seiner Position von Zeit zu Zeit benötigte. So auch in den heutigen Mittagstunden, wo die vorausgegangenen Ereignisse besonders strapaziös für ihn gewesen waren. Auf der gegenüberliegenden Seite der feuchten Senke war der Seeberg zu erkennen. In sanftem Schwunge erhob sich der liebliche Hügel über das einladende Gewässer, nur von einem engen Pfad geteilt, der geradewegs hinaufführte zum Seeberg-Klinikum. Freundlich lugte es aus dem Dickicht des Waldes hervor. Stets weckte dieser trauliche Anblick in Robert Sanden die gleiche brennende Sehnsucht nach Freiheit für den Einzelnen - statt staatlicher Bürokratie, die jede Eigeninitiative knebelte. Über Investitionen, so wollte es das Krankenhausfinanzierungsgesetz, entscheiden die Bundesländer, die laufenden Betriebskosten wurden in Form von Pflegesätzen den Krankenkassen angelastet. Solange sich hieran nichts ändern würde, das war dem jungen Mann klar, waren all seine kraftvollen Visionen dazu verurteilt, fromme Wünsche zu bleiben. Wenn Politiker versuchten, sich über ein Krankenhaus zu profilieren, wenn längst überfällige Maßnahmen aus wahltaktischen Gründen verzögert oder verhindert wurden, w enn politische Opportunität vor ökonomische Rationalität ging, dann waren selbst dem brillantesten Chirurgen die Hände gebunden. Das warme Holz des kleinen Bänkleins, auf welchem er sich niedergelassen hatte, tat ihm wohl und weckte die Lebensgeister in seinen Gliedern. Robert Sanden war keiner, der sich bereits beim geringsten Widerstand entmutigen ließ. Schon früh hatte er gefühlt, dass er anders war als die anderen jungen Chefärzte. Die Vorstellung einer ohnmächtigen, ihres Einflusses völlig entkleideten Gebietskörperschaft konnte ihn auf das Äußerste erregen. So hatte er sich geschworen, sein kleines Klinikum dort herauszuholen und das darniederliegende Haus in ein stolzes, pulsierendes Privatklinikum zu verwandeln! Im Geiste nahm er die Dinge bereits in die eigene Hand, und automatisch eilten seine Gedanken zurück zu Schwester Helga. Hatte er wirklich alles in seiner Macht Stehende getan? Die Motivation des Personals war schließlich von herausragender Bedeutung. Jannicks stationäre Pflege würde den Leuten noch einmal alles abverlangen. Vor dem Jungen lag ein harter und steiniger Weg. Sollte er erfolgreich beschritten werden, mussten alle im Team ihr Handeln konsequent am Primat der Gewinnmaximierung orientieren, und zwar am besten aus eigenem Antrieb. Dies erforderte von jedem Einzelnen ein vertieftes Verständnis der ökonomischen Zusammenhänge. Konnte man sich dessen bei Helga vollkommen sicher sein? Das Grundprinzip der Preisbildung auf freien Märkten aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage mochte sie wohl verstanden haben. Aber hatte sie auch die Gründe für die dargestellten Funktionsverläufe erfasst? Oder brauchte sie hierzu mehr Information? Seufzend legte der junge Chefarzt den Kopf in den Nacken. Immer schneller flogen die Wolken nun über ihm dahin, i mmer schneller, immer schneller und schneller ... Da zerriss ein krächzender Schrei die friedvolle Stille der weitläufigen Schilflandschaft. Der Kranich öffnete die Schwingen, das hohe Rohr erzitterte im Wind, die Wellen schwappten heftig übers Ufer. Es vermehrte sich die schäumende Gischt. Von der geheimen Macht des Frühlings übermannt, musste Robert Sanden danach für ein Weilchen eingeschlummert sein, denn er hatte die sachte knirschenden Schritte lange nicht gehört, die sich ihm auf dem bekiesten Waldweg langsam näherten. Erschrocken fuhr er auf. Um wieviel größer erst war seine Freude, als er durch das Unterholz ein Paar ihm wohlbekannte, schöne, lange Beine erblickte! War es möglich, dass Fortuna ihn heute so recht verwöhnen wollte? Es musste so sein! Warum sonst sollte ihm das Glück diese vielleicht einmalige Gelegenheit schenken, hier und jetzt, allein mit ihr an diesem verschwiegenen Plätzchen ...
| Reihe/Serie | Schwester Helga ; Bd.1 |
|---|---|
| Zusatzinfo | mit Infografiken |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 150 x 220 mm |
| Gewicht | 275 g |
| Einbandart | kartoniert |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Beruf / Finanzen / Recht / Wirtschaft ► Wirtschaft |
| Schlagworte | Arzt (Mediziner); Romane/Erzählungen • Arzt; Romane/Erzählungen • Mikroökonomie; Romane/Erzählungen • Wirtschaft, Arztroman, Ökonomie, Marktgesetze |
| ISBN-10 | 3-8218-3476-5 / 3821834765 |
| ISBN-13 | 978-3-8218-3476-4 / 9783821834764 |
| Zustand | Neuware |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
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