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Jugend, Vorsorge, Finanzen

Herausforderung oder Überforderung?
Buch | Softcover
378 Seiten
2010
Campus (Verlag)
978-3-593-39328-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Jugend, Vorsorge, Finanzen -
CHF 20,85 inkl. MwSt
  • Titel ist leider vergriffen;
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No financial future - oder doch?
Wie planen junge Menschen ihre Zukunft? Das beantwortet die von Infratest Sozialforschung im Auftrag der Metallrente durchgeführte Studie. Sie beruht auf einer bundesweiten Befragung von 2.500 Personen und widmet sich den Zukunftserwartungen der jungen Generation in finanzieller Hinsicht. Die Studie gibt aber auch generell Aufschluss über die Frage der längerfristigen Lebensplanung der Jugend: Wie strategisch denkt und fühlt unsere Jugend? Spielt Lebensplanung eine angemessene Rolle in ihrem Leben oder ist an den Befürchtungen über eine sorglose, nur dem Hier und Jetzt und dem Konsum verhaftete Jugend etwas dran?
Was erwarten junge Menschen von ihrer finanziellen Zukunft? Wie strategisch denken und fühlen sie? Spielt Lebensplanung eine angemessene Rolle in ihrem Leben? Welche Erwartungen und Forderungen haben junge Leute, wenn es um ihre Altersvorsorge geht, und wie informieren sie sich? Passen die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Vorsorgelösungen der Anbieter zu ihrer Lebensrealität?
Antworten gibt die vorliegende von MetallRente beauftragte Studie. Sie ist die bisher systematischste und umfassendste Untersuchung zum Thema "Jugend, Vorsorge und Finanzen". Unter der Leitung des bekannten Jugendforschers Klaus Hurrelmann wurde sie von TNS Infratest Sozialforschung durchgeführt. Ergänzt wird sie durch einen Beitrag von Heribert Karch. Er entwickelt aus den Ergebnissen der Studie Vorschläge für die weitere Debatte um Strategien der betrieblichen Altersversorgung.

Klaus Hurrelmann ist Professor für Public Health and Education an der Hertie School of Governance in Berlin. Er ist einer der bekanntesten Soziologen Deutschlands und Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher, darunter die Shell-Jugendstudie. Heribert Karch ist Geschäftsführer der MetallRente GbR, des gemeinsamen Versorgungswerks von Gesamtmetall und IG Metall.

Inhalt
Vorwort 7

Kapitel 1: Jugend, Vorsorge, Finanzen -
Idee und Profil der MetallRente Studie
Klaus Hurrelmann, Heribert Karch, Thomas Gensicke 9

Kapitel 2: Jugendliche zwischen Lebensgenuss und
Lebensplanung
Thomas Gensicke 24

Zukunftsaussichten 25
Zukunftsvisionen 41
Selbstbild 61

Kapitel 3: Jugend im Spannungsfeld von Reform, Krise und Vorsorge
Thomas Gensicke 79

Zukunft der Rente 81
Finanzkrise 100
Vorsorge 119
Finanzmentalität 141

Zusammenfassung der Ergebnisse der Studie
Thomas Gensicke 181

Kapitel 4: Jugend und Vorsorge - passt das zusammen?
Heribert Karch 185

Es passt - passt es? Erste Annäherung an eine offene Frage 185
Betriebliche Altersversorgung - Bewährtes im Wandel 189
Was wir von unseren Versicherten lernen - Befunde und Daten 198
Die Bausteine des Erfolgs - ein Rohbau 204
Den Weg verbreitern - schneller vorankommen 219
Den Weg ebnen - Stolpersteine wegräumen 254
Von der Lösung zum Problem - oder: das neurotische Pferd 284
Nachhaltigkeit - ein Thema für die bAV? 300
Kollektive Lösungen - individuelle Produkte? 307

Kapitel 5: Die Wirtschaftskompetenz der Jugendlichen stärken. Pä-dagogische Folgerungen aus der MetallRente Studie
Klaus Hurrelmann 319

Kapitel 6: Die Überforderung der Jugend -
Herausforderung für die Gesellschaft. Eine Schlussbemerkung
Heribert Karch 348

Dank 354

Die beteiligten Autoren und Institutionen 356

Literatur 360

Anmerkungen 367

Kapitel 1 Jugend, Vorsorge, Finanzen Idee und Profil der MetallRente Studie Klaus Hurrelmann, Heribert Karch und Thomas Gensicke Die Riester-Rente ist ein Erfolg, ebenso die zusätzliche Eigenvorsorge über den Arbeitgeber, die sogenannte betriebliche Altersversorgung. Es ist unbestreitbar: In den letzten acht Jahren haben sich alle Akteure aus Politik, Gesellschaft sowie aus der Versicherungs- und Finanzdienstleistungswirtschaft in beispielloser Weise für die Stärkung zusätzlicher Eigenvorsorge zur finanziellen Absicherung im Alter engagiert. Ist also alles in Ordnung? Wäre da noch etwas zu diskutieren oder gar infrage zu stellen? Nähern wir uns unserem Thema: Der Gesetzgeber hat im Jahr 2001 eine gewaltige Reform ins Werk gesetzt und die Altersversorgung in Deutschland gründlich umgestaltet. Sie sollte anschließen an europäische, ja weltweite Entwicklungen und auf drei Säulen aufgebaut sein. Die erste Säule, die gesetzliche umlagefinanzierte Rente, war in Deutschland bis dahin auch fast die einzige. 90 von 100 Euro Rente stammten aus ihr. Eine wesentliche Triebfeder für die Reform war die demografische Entwicklung. Wir werden erfreulicherweise älter und bleiben sogar gesünder dabei - aber wir haben auch weniger Kinder. Einen weiteren Beweggrund stellte die langfristige Finanzierung der gesetzlichen Renten in einer alternden Gesellschaft dar. Ferner wollte man die paritätische Finanzierung der Beiträge durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber im umlagefinanzierten System begrenzen. Der Wettbewerbsfaktor Lohnnebenkosten sollte kalkulierbarer und möglichst unabhängig von demografischen Entwicklungen werden. Der Einzelne sollte seine Rente stärker selbst verantworten und beim Füllen der Rentenlücke vom Staat unterstützt werden. Die Leistungseinbußen in der gesetzlichen Rentenversicherung können mit dieser Unterstützung - das richtige Handeln vorausgesetzt - in vollem Umfang ausgeglichen werden. Hat die Reform ihre Ziele erreicht? Für die gesetzliche Rente kann man diese Frage weitgehend mit Ja beantworten. Sind wir damit auf der sicheren Seite angekommen, und zwar nicht nur bei der Finanzierung der gesetzlichen Rente, sondern auch im Hinblick auf die notwendige Ergänzung durch die beiden anderen Säulen, die betriebliche und private Altersversorgung? Ein wenig salopp könnte man sagen: Der Staat ist sein Problem weitgehend los - von Justierungen bei Nachhaltigkeitsfaktoren und Entgeltpunkten einmal abgesehen -, aber für die Gesellschaft bleibt es bestehen. Denn gelöst haben wir das Problem erst dann, wenn nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben ein würdiges und finanziell abgesichertes Leben im Alter möglich ist, das nicht zu grundlegenden Einschnitten am gewohnten Lebensstandard zwingt. Das ist der Fall, wenn dem einzelnen Bürger eine von demografischen Faktoren weitgehend unabhängige auskömmliche Altersversorgung zukommt. Und hier liegt die neue Krux - dies ist von seinem eigenen Handeln abhängig. Und hier müssen wir aus den verschiedensten Gründen sehr unterschiedliche Verhaltensweisen der Bürgerinnen und Bürger bis zum völligen Nichtstun konstatieren. Die jungen Menschen von heute gehören zu der Generation, die von den Reformen der Alterssicherungssysteme in vollem Umfang erfasst werden wird. Wenn die heute Zwanzigjährigen ganz individuell ihre Eigenvorsorge für die Rente vernachlässigen, werden wir später erneut das alte Rentenlückenproblem bekommen. Immer klarer wurde uns im Verlauf der Arbeit an der Studie, dass mehr getan werden muss, damit der Einsicht in die Notwendigkeit der eigenverantwortlichen zusätzlichen Altersvorsorge mehr Taten folgen. Das geforderte vernünftige Verhalten wird sich voraussichtlich nicht spontan in unserer Gesellschaft - und schon gar nicht in unserer Jugend - durchsetzen. Wir brauchen eine Debatte darüber, was derzeit geschieht, wo wir stehen, ob dies ausreicht und was wir noch tun können. Wenn wir zu der Diagnose gelangen sollten, dass die junge Generation mit der großen Herausforderung, die ihre Altersversorgung an sie stellt, überfordert ist, wäre es falsch, diesen Umstand lediglich zu beklagen. Vielmehr müssten wir dann darüber nachdenken, was zu tun ist, um die jungen Leute zu unterstützen. Unsere Daten haben uns gezeigt, dass Jugendliche bisher an dem umfassenden Wandlungsprozess, den die Alterssicherung erfährt, unterproportional beteiligt und einbezogen sind. Bedenklich stimmt, dass zu wenige dieser Generation zusätzlich fürs Alter sparen und dass sie zu geringe Beträge für ihre zusätzliche Altersvorsorge einsetzen. Die demografischen Veränderungen - das weiß die Forschung - treten mit sehr großer Sicherheit so ein, wie sie vorausberechnet worden sind. Ihre Bewältigung in der Gesellschaft jedoch nicht unbedingt. Unsere Studie und die Beschäftigung mit dem Thema bestätigen uns in einer zentralen These, die wir in der Öffentlichkeit und der politischen Debatte deutlich unterrepräsentiert sehen: Die Jugend ist die kritische Erfolgsvariable der Altersversorgung. Wenn wir nichts tun, werden viele Jugendliche von heute im Alter unter prekären Bedingungen leben. Und so befasst sich die vorliegende Studie mit der Frage: Wie können Jugendliche und junge Erwachsene dafür gewonnen werden, sich Gedanken über ihre Altersvorsorge zu machen und entsprechende finanzielle Dispositionen zu treffen? Diese Frage verstößt gegen ein weit verbreitetes Denkmuster. Im Jugendalter, so die vorherrschende Vorstellung in der Bevölkerung in Deutschland, sollte die schulische und berufliche Bildung im Mittelpunkt stehen, sollte man an der Entwicklung seiner Persönlichkeit arbeiten und sich auf spätere Aufgaben in Beruf und Familie vorbereiten. Jugendliche sollten sich darauf konzentrieren, in das Erwachsenenleben hineinzuwachsen und verantwortliche Mitglieder der Gesellschaft zu werden. Was später einmal kommt, wenn die Berufstätigkeit im höheren Alter endet und der Übergang in die Rente ansteht, ist nach landläufiger Meinung ein Problem, dem man sich erst später im Leben widmen muss. Von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erwarten deshalb nur wenige Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, dass sie sich schon konkret mit ihrer Altersvorsorge beschäftigen. Das traditionelle Muster der Vorsorge in Deutschland Diese Haltung ist verständlich, basiert sie doch auf dem traditionellen Verständnis der Altersvorsorge und der Altersversorgung in Deutschland, das durch die staatliche Rentenversicherung geprägt ist. Diese wurde vor über hundert Jahren im Kaiserreich, in den 1890er-Jahren, etabliert - seinerzeit eine überzeugende Idee. Alle Menschen, die nach Abschluss der Schulzeit und der beruflichen Ausbildung in das Erwerbsleben eintraten, zahlten einen Beitrag in die Rentenkasse, und zwar so lange, bis sie nach Ende ihres Berufslebens im Ruhestand Gelder aus der Rentenkasse erhielten. Dieses System funktionierte in den ersten Jahrzehnten nach seiner Gründung vorzüglich. Um 1900 betrug die durchschnittliche Lebensdauer eines Menschen in Deutschland weniger als 50 Jahre. Der Eintritt in das Erwerbsleben erfolgte in der Regel schon vor dem 20. Lebensjahr. In einer langen Erwerbszeit floss also genügend Geld in die Rentenkassen, zumal nur ein Teil der Erwerbstätigen auch wirklich das Rentenalter erreichte. Die staatliche Rentenversicherung ist zwar in den über 120 Jahren ihrer Geschichte immer wieder modifiziert worden, und es gab daneben auch stets betriebliche und private Vorsorgekomponenten. Im Bewusstsein der Mehrheit der Bevölkerung, auch der jungen Generation, steht aber das Modell der staatlichen Alterssicherung nach wie vor im Vordergrund. Doch in der Zwischenzeit haben sich wichtige Parameter verändert, die das reibungslose Funktionieren dieses Modells gewährleistet hatten. Seit 1900 ist die durchschnittliche Lebensspanne enorm gestiegen, von etwa 47 Jahren im Jahr 1900 auf heute fast schon 79 Jahre. Zugleich erleben wir aufgrund verlängerter Ausbildungszeiten den immer späteren Eintritt in das Erwerbsleben bis zum Ende des dritten Lebensjahrzehnts sowie eine frühere Beendigung des Erwerbslebens mit heute etwa 60 Jahren. Weiterhin mehren sich seit Jahrzehnten Erwerbsverhältnisse, in denen nur geringe und unsichere Einkommen erzielt werden können. Und schließlich ist es heute nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel, dass sich dem Rentenbeginn beziehungsweise der Pensionierung eine lange Lebensphase von bis zu 30 Jahren anschließt. Alle diese Veränderungen haben dazu beigetragen, das traditionelle System der staatlichen Rentenversicherung an seine Grenzen zu bringen. Die Politik hat in Deutschland lange gezögert, mit durchgreifenden Reformen darauf zu reagieren, nicht zuletzt deshalb, weil die Mehrheit der Bevölkerung nur widerstrebend bereit war und ist, von dem liebgewordenen Modell der traditionellen staatlichen Rentenversicherung im Umlageverfahren Abschied zu nehmen. Reformen waren und sind aber unausweichlich, denn die Finanzierungsgrundlagen der traditionellen Versorgung sind längst brüchig geworden. Reformen des traditionellen Versorgungsmodells In den letzten 20 Jahren wurden tiefgreifende Sozialreformen durchgeführt, die eine Abkehr von der fast ausschließlich staatlichen Regelung der Daseinsvorsorge einleiteten und sich am Ideal des eigenverantwortlichen und kompetenten Bürgers in einer demokratischen Gesellschaft orientierten. Es wurden Reformen des Arbeitsmarktes, der Arbeitslosenversicherung und der Sozialhilfe, der Krankenversicherung und - von den langfristigen Folgen her am schwerwiegendsten - der Rentenversicherung eingeleitet. Im Vordergrund standen dabei öffentliche Kosteneinsparungen und die Sanierung der öffentlichen Rentenkassen. Diese Sozialreformen wurden zudem mit Argumenten der Modernisierung begründet. Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sollten aktiver werden und wichtige Belange ihrer Lebensplanung stärker in die eigenen Hände nehmen. Der Sozialstaat alter Prägung sollte schlanker und effizienter werden, die Bürgerinnen und Bürger sollten pro-aktiv handeln, um den veränderten Lebensbedingungen Rechnung zu tragen. Diese politischen Weichenstellungen können sowohl sozial- und finanzpolitisch als auch "lebenslaufpolitisch" gut begründet werden. Die staatliche Altersvorsorge war auf einen Lebenszyklus zugeschnitten, der eine verhältnismäßig kurze Kinder- und Jugendzeit, frühes Erwachsenwerden und eine Lebensdauer umfasste, die bei den meisten Menschen nicht bis zum Ende des Erwerbslebens reichte. Das Leben der Menschen bestand praktisch nur aus den Lebensphasen Kindheit - mit dem kleinen Appendix Jugend als Ausbildungsphase - und Erwachsenendasein. Heute sieht ein Lebenslauf völlig anders aus. Wir erleben nicht nur eine immer längere, sondern auch eine viel differenziertere Lebensspanne. Die Kindheit wird immer kürzer und umfasst im Grunde nur noch das erste Lebensjahrzehnt, das Jugendalter setzt sehr früh ein und erstreckt sich dann über eine Periode von rund 15 Jahren. Im Durchschnitt treten die jungen Leute heute erst um das 25. Lebensjahr herum ins Erwerbsleben ein - teilweise mit sehr großen Eingliederungsschwierigkeiten und ohne eine abgesicherte Erwerbsperspektive. Sie müssen jederzeit mit Unterbrechungen und Arbeitslosigkeit rechnen, und sie werden ihr Arbeitsleben voraussichtlich zwischen dem 60. und dem 67. Lebensjahr beenden. Sie erleben, wie schon gesagt, danach noch eine viele Jahre, oft Jahrzehnte währende Lebensphase als Senioren, frei von Erwerbsanforderungen und oft auch frei von familiären Verpflichtungen. Auf einen solchen Lebenszyklus war das traditionelle Rentenversicherungssystem natürlich nicht ausgerichtet. Der neue Rhythmus verlangt nicht nur nach neuen Versicherungs- und Finanzstrukturen, sondern auch nach einer veränderten Mentalität und einer Neujustierung der biografischen Lebensplanung. Diese Neujustierung muss von allen Altersgruppen der Bevölkerung geleistet werden. Unsere besondere Aufmerksamkeit verdient jedoch die junge Generation. Sie hat ihr gesamtes Leben noch vor sich und könnte sich im Idealfall gleich von Beginn an den neuen Bedingungen des Lebenszyklus stellen und ihr Leben entsprechend gestalten. Lässt sich die junge Generation wirklich dafür gewinnen, oder herrscht die seit Generationen gewachsene Prägung auf Sicherheits- und Stabilitätswerte und damit auch eine Vorliebe für eine rein staatliche Regelung der Daseinsvorsorge auch bei ihr vor? Wie kann ein tiefgreifender Kultur- und Mentalitätswandel in der jungen Generation eingeleitet werden, damit die bereits initiierten Reformen tatsächlich greifen können? Müssten nicht eigentlich Jugendliche und junge Erwachsene bereit für die Reform sein, weil sie doch von wachsenden Sozialbeiträgen und Steuern bedroht sind und gleichzeitig eine deutliche Absenkung des Rentenniveaus zu erwarten haben? Sollte bei ihnen nicht die Bereitschaft entsprechend groß sein, auf Angebote zur eigenverantwortlichen Vorsorge einzugehen und damit ihre Chancen für eine gute Alterssicherung zu nutzen? Ziel der vorliegenden MetallRente Studie Die vorliegende Studie soll helfen, diese Fragen zu beantworten. Die Studie wurde von MetallRente, dem Versorgungswerk der Tarifparteien für die Metall- und Elektroindustrie, in Auftrag gegeben. Dieses Versorgungswerk entstand im Jahr 2001 im Zuge der Rentenreform der Regierung Schröder und stellt Unternehmen und Beschäftigten vor allem Vorsorgeangebote im Rahmen der staatlich geförderten betrieblichen Altersversorgung bereit. Möglichst viele Beschäftigte der beteiligten Branchen sollen über dieses "zweite Standbein" eine zusätzliche finanzielle Absicherung für ihr Alter aufbauen. MetallRente ist daher tagtäglich auch mit dem Problem konfrontiert, dass vor allem die Scheu gerade junger Erwerbstätiger gegenüber dem Thema Altersvorsorge überwunden werden muss. Als Auftraggeber dieser Studie interessieren MetallRente vor allem die tatsächlichen Vorstellungen und Einstellungen der Angehörigen der heutigen jungen Generation, wenn es um ihre finanzielle Zukunftsvorsorge geht. Anhand der Ergebnisse können Erkenntnisse gewonnen werden, um die Debatte über die künftige Renten- und Sozialpolitik zielgerichteter zu führen. Ferner kann die Studie bei der Abstimmung von Altersvorsorgeangeboten auf die Bedürfnisse von Jugendlichen eine Hilfestellung leisten. Auch sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie Vorsorge von Auszubildenden und Berufsanfängern im Spannungsfeld von Sicherheit und Kapitalmarktrisiko angemessen gestaltet werden kann. Die vorliegende Untersuchung bietet zudem Anhaltspunkte dafür, wie Auszubildende und junge Beschäftigte stärker als bisher für Fragen ihrer Altersversorgung sensibilisiert und interessiert werden können. Daraus wiederum sollen Überlegungen abgeleitet werden, welche Informations- und Unterstützungsstrategie für diese Zielgruppe künftig am aussichtsreichsten erscheint. Die vorliegende MetallRente Studie erkundet deutschlandweit das Wissen, die Einstellungen und die Mentalität von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Ausbildung und Beruf. Dabei stehen die wirtschaftliche und die finanzielle Kompetenz der jungen Leute ebenso im Vordergrund wie ihr Wissen und ihr Handeln im Hinblick auf ihre persönliche betriebliche und private Altersvorsorge, ihr Interesse an den gesellschaftlichen Debatten um die Altersvorsorge, ihre persönlichen Erwartungen an die Zukunft und ihre konkreten Pläne zur Sicherung ihrer Zukunft. Im Hintergrund stets präsent ist die übergreifende Frage, ob die junge Generation den von der Politik eingeleiteten Systemwechsel - von der vorrangig öffentlichen Sicherung des Lebensstandards im Alter zu einer deutlichen Erhöhung des persönlichen Anteils an dieser Sicherung - annehmen wird. Die Studie soll klären, ob es in der jungen Generation eine Bereitschaft gibt, langfristig ein eigenes Vermögen aufzubauen und sich damit auch in Teilen von dem Gedanken einer umfassenden staatlichen Versorgung abzuwenden. Die junge Generation ist nämlich einerseits von den Einschnitten bei der öffentlichen Altersvorsorge besonders betroffen. Das öffentliche Rentenniveau wird für sie gemessen an heutigen Verhältnissen und anspruchsvollen Erwartungen niedrig sein. Andererseits haben Jugendliche und junge Erwachsene einen besonders weiten Zeithorizont, der - gut genutzt - die langfristigen Vorteile privater Anlageformen voll zum Tragen kommen lassen kann. Hier liegt aber auch das besondere Risiko für die Jugendlichen. Zum einen ist die Jugendphase nicht gerade die Zeitspanne, in der Jugendliche ein besonderes Bedürfnis verspüren, sich mit ihrer Altersvorsorge zu beschäftigen. Zum anderen sind wichtige Statusfragen wie Familiengründung und berufliche Etablierung im Jugendalter noch zu ungeklärt, als dass sie eine verlässliche Basis für langfristige Altersversorgungsentscheidungen sein könnten. Der mentale Zeithorizont der jungen Generation Eines dürfte nachvollziehbar sein: Die lange Zeitspanne bis zum Rentenalter und die damit verbundenen Chancen und Risiken stellen eine Hürde für die Veränderung der Mentalität der jungen Leute dar. Das Problem kann "auf die lange Bank" geschoben werden - nach dem Motto: "Ich hab ja noch so viel Zeit." Jugendliche, die sich dennoch mit dem Problem befassen, könnten sich angesichts der politischen Unwägbarkeiten zudem sagen, dass die Halbwertzeit des Zeitgeistes und politischer Reformen begrenzt ist. Wieso sich jetzt langfristig binden, wenn im Laufe der Jahrzehnte doch alles wieder anders kommen kann? Wer weiß schon, welche Verhältnisse in dreißig oder vierzig Jahren herrschen? Dieses Grundgefühl der Unwägbarkeit der Zeitläufte wird durch das geringe Vertrauen Jugendlicher in die Politik und das periodische Erleben von Krisen an den Aktienmärkten verstärkt - gerade jetzt, da die Jugendlichen die schwerste Wirtschaftskrise seit 1932 miterleben müssen. Das Vertrauen in eine gewisse Stetigkeit der Märkte als längerfristige und berechenbare Grundlage jeder persönlichen Altersvorsorge wird auf diese Weise nicht gerade gestärkt. Zu diesem problematischen Szenario trägt bei, dass die Bildungseinrichtungen derzeit noch weitgehend versagen, wenn es darum geht, das Bewusstsein Jugendlicher für die Bedeutung der privaten Altersvorsorge in Ergänzung zur seit Generationen vertrauten öffentlichen Altersvorsorge zu wecken. Um hier gegenzusteuern, müssten zunächst einmal die Themen Wirtschaft und Finanzen in der Schule eine größere Rolle spielen. Davon kann aber leider überhaupt nicht die Rede sein. Vielmehr sind diese Themen traditionell im Bildungskanon der meisten Schulen nicht enthalten. Entsprechend schwierig ist es, Jugendliche davon zu überzeugen, für ihr künftiges Leben mehr wirtschaftliche Eigenverantwortung zu übernehmen und dem Selbstmanagement einen größeren Stellenwert einzuräumen, als sie das bei ihren Eltern beobachten können. Aus diesen Überlegungen heraus wurden die Leitfragen für die vorliegende Studie formuliert: Gibt es bei Jugendlichen Anzeichen für einen Mentalitäts- und Kulturwandel in Richtung auf mehr Eigenverantwortung, insbesondere für ihre Altersversorgung? Welche Wahrnehmung, Erwartungshaltung, Wissensstände, Informationskanäle, Verhaltensformen und Bedürfnisse stellen Jugendliche in Bezug auf ihre Altersvorsorge zur Schau? Wie differieren diese Befunde über wichtige Zielgruppen hinweg? Wie sehen also die Wahrnehmungen und Einschätzungen bei Beschäftigten, Auszubildenden, Arbeitslosen, Altersgruppen, nach Schulform und Bildungsstatus, Migrationsstatus und Geschlecht aus? Wo liegen die wichtigsten mentalen und habituellen Hebel, an die angeknüpft werden kann, um Jugendliche zu einem Bewusstseinswandel zu motivieren? Wo liegen die Grenzen der Motivierbarkeit der Jugendlichen, und spielt dabei ihr Bildungsgrad und ihre sozioökonomische Position eine Rolle? Welche Wünsche haben die Jugendlichen selbst zur Unterstützung ihrer Vorsorgeaktivitäten, und wo sehen sie Blockaden und Widerstände? Wie hoch ist ihr Vertrauen in die Angebote, die ihnen dafür von öffentlicher und privater Seite gemacht werden? Anknüpfung an bisherige Studien Es existieren bereits einige Studien, die sich mit ähnlichen Fragen befassen und die von uns sorgfältig gesichtet und ausgewertet wurden. Der Bundesverband deutscher Banken hat zuerst 2006 und dann noch einmal 2009 eine Untersuchung zu Wirtschaftsverständnis und Finanzkultur in Auftrag gegeben, die einen ersten Überblick über den Kompetenzstand der jungen Generation in diesem Bereich ermöglicht (Institut für praxisorientierte Sozialforschung 2006; Bundesverband deutscher Banken 2009). Auf deren Basis wurde das Institut für Ökonomische Bildung der Universität Oldenburg mit der Entwicklung einer Konzeption für "ökonomische Bildung als Allgemeinbildung" beauftragt (Kaminski, Eggert und Burkhard 2008). Mehrere Studien beschäftigen sich auch mit betrieblicher Altersversorgung in Deutschland, darunter die der Deutschen Rentenversicherung (Heine, Kortmann und Schatz 2005), des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (2009), vom gleichen Institut als Trendanalyse (Katzenstein und Hiesinger 2009) und von TNS Infratest Sozialforschung (Kortmann 2007), um nur einige zu nennen. Alle diese Studien spielen bei der Einordnung und Interpretation unserer Untersuchungsergebnisse eine große Rolle. Das gilt auch für nationale und internationale Jugendstudien mit einem breiten thematischen Ansatz. In Deutschland ist die Shell Jugendstudie zu nennen, die zuletzt 2006 vorgelegt wurde und neben allgemeinen Erhebungen zu Einstellungen und Mentalitätslagerungen bei Jugendlichen auch einige spezifische wirtschaftspolitische Fragen und Vertrauensfragen mit einschließt, auf die unsere Studie Bezug nimmt. Und das gilt für die international vergleichenden Studien, wie das von der Europäischen Union regelmäßig erstellte "statistische Portrait", der turnusmäßige Bericht "Youth in Europe" (Eurostat 2009), und die von der UNICEF ebenfalls regelmäßig erstellte Untersuchung zur Lage von Kindern und Jugendlichen (deutsche Teilauswertung von Bertram und Kohl 2010). Im Kontext breit angelegter Fragestellungen werden auch in diesen Untersuchungen einige Aspekte aufgegriffen, die Informationen zur Wirtschafts- und Finanzkompetenz von Jugendlichen geben. Alle diese Studien machen deutlich, wie groß die Wissenslücken noch sind, die wir zum Thema "Jugend, Vorsorge und Finanzen" haben - nicht nur in Deutschland. Die vorliegende Studie baut auf vielen Elementen der zitierten Untersuchungen auf. Sie stellt in ihrer breiten Anlage und spezifischen Ausrichtung auf das Thema Vorsorge und Finanzen aber die bisher erste und einzige umfassende empirische Untersuchung zu diesem Thema dar. Die Zusammensetzung des Forschungsteams Die vorliegende Studie ist die bisher gründlichste, systematischste und umfassendste Untersuchung zum Thema "Jugend, Vorsorge und Finanzen". Sie wird von Klaus Hurrelmann geleitet, der seit vielen Jahren im Bereich der empirischen Jugendforschung tätig ist und zahlreiche Erfahrungen mit repräsentativen Jugendbefragungen besitzt. Die empirische Studie wird von Thomas Gensicke verantwortet, der Projektleiter beim Forschungsinstitut TNS Infratest Sozialforschung ist. Auch er verfügt über langjährige Erfahrungen in der empirischen Jugendforschung. TNS Infratest Sozialforschung wurde mit der Durchführung der Studie beauftragt, weil dort nicht nur Projekte zur Jugendforschung, sondern auch zur Alterssicherung, zur Altersvorsorge und zum Finanzverhalten durchgeführt wurden. Das gilt für Studien zur Alterssicherung in Deutschland im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, Untersuchungen zur künftigen Entwicklung der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersversorgung im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung, für Studien zum Spar- und Finanzanlageverhalten der privaten Haushalte im Auftrag des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und Demographischer Wandel, für die Untersuchung "Private Vorsorge" im Auftrag der Bertelsmann Stiftung und für viele andere Untersuchungen. Aufbau der MetallRente Studie In den folgenden Kapiteln werden zunächst die Untersuchungsergebnisse einer Repräsentativbefragung von 2 500 Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Altersspanne zwischen 17 und 27 Jahren vorgestellt. Kapitel 2 ist den Zukunftsvisionen, den Lebenseinstellungen und Erfolgshoffnungen von Jugendlichen sowie ihrem Selbstbewusstsein als junge Generation gewidmet. Im Vordergrund steht die Frage, wie sie das Spannungsfeld zwischen dem jugendtypischen Hedonismus und ihrer immer wichtiger werdenden langfristigen Lebensplanung bewältigen. In Kapitel 3 werden die Einstellungen Jugendlicher und junger Erwachsener zu Vorsorge und Finanzen detailliert untersucht. Den Schwerpunkt dabei bildet die Frage, wie junge Leute das Rentensystem, die Wirtschaftskrise, künftiges Spar- und Finanzverhalten, Altersvorsorge, betriebliche Altersvorsorge und ihre gesamte Zukunftssicherung einschätzen und welche konkreten Vorkehrungen sie in diesem Bereich bereits getroffen haben. In Kapitel 4 nimmt Heribert Karch Stellung zu den Untersuchungsergebnissen und geht der Frage nach, inwieweit "Jugend" und "Vorsorge" wirklich zusammenpassen. Der Wandlungsprozess wird mit Blick auf die junge Generation auf seine Nachhaltigkeit und seine dauerhafte Tragfähigkeit für die Zukunft überprüft. Karch nutzt dabei sowohl allgemeine Forschungsergebnisse und Daten als auch Erkenntnisse aus acht Jahren Erfahrung des Versorgungswerks MetallRente im Sinne einer Fallstudie. Er zeigt auf, dass Jugendliche eine ganz besondere Zielgruppe für die Altersversorgung darstellen, der dringend mehr Beachtung geschenkt werden muss. Die junge Generation ist die kritische Variable des gesamten Prozesses. Karch macht Vorschläge zur Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen, der Angebote und auch des Vorsorgeverhaltens der Betroffenen selbst. Besonderes Augenmerk legt er auf die Komplexität und Sperrigkeit betrieblicher Altersversorgung. Sein Blick ist auf alle Akteure des Prozesses im Sinne gemeinsamer Anstrengungen gerichtet. In Kapitel 5 geht Klaus Hurrelmann aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive auf die Ergebnisse der empirischen Untersuchung ein. Er setzt sich mit den heutigen Defiziten bei Wirtschafts- und Finanzkompetenzen der jungen Generation auseinander und wirft die Frage auf, wie die Themen Vorsorge und Finanzen in die schulische Bildung einbezogen werden können. Er unterbreitet Vorschläge, auf welchem Wege Jugendliche und junge Erwachsene angemessen angesprochen werden können, um ihnen Sinn und Notwendigkeit der früh eingeleiteten Altersversorgung nahezubringen und sie davon zu überzeugen, dass ein eigenaktives Handeln ihre Lebensqualität und ihre Zukunftsorientierung verbessert. In unserer Studie finden Praktiker der Altersversorgung ganz sicher Ansätze für Kommunikation und Diskussion, ob mit jungen Menschen als Kunden oder mit Menschen aller Generationen als Gesprächspartner. Ferner bietet die Untersuchung Vorschläge und Anregungen für eine Debatte, von deren Notwendigkeit die Autoren und Herausgeber überzeugt sind. Eine Debatte, die unter Experten und allen Akteuren der Altersversorgung, aber auch in der weniger mit der Materie befassten Öffentlichkeit Wertvolles zu einer positiven Weiterentwicklung beitragen kann. Wie zu zeigen sein wird, haben wir in der Studie auch einmal mehr bestätigt gefunden, dass die gesamte Thematik, um die es uns hier geht, in der Öffentlichkeit nur unzureichend verstanden wird. Unsere Studie und die in den ergänzenden Texten formulierten Vorschläge und Anregungen wollen auch einen Beitrag zur Transparenz des Themas insgesamt liefern.

Erscheint lt. Verlag 18.5.2010
Sprache deutsch
Gewicht 535 g
Einbandart kartoniert
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Beruf / Finanzen / Recht / Wirtschaft Wirtschaft
Schlagworte Altersvorsorge • Demografie • Demografie / Demographie • Finanzkrise • Finanzwirtschaft • Hardcover, Softcover / Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Wirtschaft/A • Jugend • Jugendstudie • Lebensplanung • Rente • Rentenreform
ISBN-10 3-593-39328-X / 359339328X
ISBN-13 978-3-593-39328-5 / 9783593393285
Zustand Neuware
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