Mein Traum Schottland (eBook)
228 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-384-18030-8 (ISBN)
Reisen erweitert den eigenen Horizont, vermittelt Erkenntnisse und stärkt das Selbstbewußtsein. Darüber schreibe ich gern und teile somit das Erlebte mit anderen. Ungebunden sein und das Gefühl der Freiheit lassen den Gedanken freien Raum und ermöglichen eine uneingeschränkte Sichtweise auf die eigene Umgebung, auf andere Menschen und auf sich selbst.
Reisen erweitert den eigenen Horizont, vermittelt Erkenntnisse und stärkt das Selbstbewußtsein. Darüber schreibe ich gern und teile somit das Erlebte mit anderen. Ungebunden sein und das Gefühl der Freiheit lassen den Gedanken freien Raum und ermöglichen eine uneingeschränkte Sichtweise auf die eigene Umgebung, auf andere Menschen und auf sich selbst.
Eine unruhige Nacht liegt hinter mir, und ich stehe bereits um halb sechs auf. Der traurige Blick meines Hundes haftet an mir, ein Blick, den ich bei einem Mann noch nie gesehen habe. Zumindest nicht bei dem, den ich einst geheiratet habe. Warum nicht? Vielleicht ist es besser, wenn ich es nicht weiß. Es wird sich sowieso nicht mehr ändern. Es ist wichtig, einen Blick für solche Dinge zu haben, sonst könnte man leicht fehlgeleitet durch das Leben stolpern. Man vertraut darauf, dass Menschen einem wohlgesonnen sind, doch in Wirklichkeit sind sie froh, wenn sie einen von hinten sehen. Solche Menschen gibt es leider viel zu oft, öfter, als einem lieb ist. Deshalb bevorzuge ich es, mich mit Menschen zu umgeben, die mich zum Lachen bringen können. Sie sind mehr wert als so mancher Reichtum. Oft sind es genau diese Menschen, die selbst am wenigsten zu lachen, aber verstanden haben, worauf es im Leben wirklich ankommt. Ich hoffe, dass ich auch dazugehöre. Früher war ich ernster, grimmiger, obwohl ich weniger Sorgen und Probleme hatte. Ach, einfach mal lachen – das hilft! Ich denke, Menschen, die viel lachen, sehen auch hübscher aus. In meiner Nachbarschaft gibt es ein älteres Ehepaar, das immer grimmig aussieht und sich über die kleinste Kleinigkeit aufregt. Die beiden können mit niemandem nett plaudern und betrachten die Welt nur verbittert. Was erwarten sie von der Welt und von anderen Menschen? Alles. Das werden sie nie bekommen, und sie begreifen nicht, warum das so ist. Hauptsache, immer das neueste Auto und die neueste Mode haben – na ja, wenn es ihnen Spaß macht. Ich finde sie auch ein bisschen hässlich. Na ja, so ist das eben.
Ab auf die Rammelpiste, der erste Tankstopp führt uns mitten ins Herz des Harzes. An jener Tankstelle, die ich bereits vor einigen Jahren während einer Tour durch den Harz besucht habe, bin ich erneut gelandet. Damals kehrte ich vom Bezahlen zurück zu meinem Motorrad, das an der Tanksäule wartete. Gegenüber parkte ein protziger SUV mit einem Anhänger, der Harley-Werbung zur Schau stellte. Der stolze Besitzer des Gespanns trat auf mich zu und erkundigte sich nach meinem Ziel. Als ich es ihm mitteilte, lud er mich ein, einen Blick in seinen Anhänger zu werfen. Natürlich sagte ich zu. Im Innern entdeckte ich zwei makellos gepflegte Harleys, die ohne jegliche Anzeichen von Abnutzung im Tageslicht glänzten. „Sind sie kaputt?“ fragte ich verwundert, da sie so eingepfercht waren. Sein Doppelkinn spannte sich in dem schneeweißen Kragen seines teuren originalen Harley Hemds. „Nein, ich fahre zu einem Harley-Treffen“, antwortete er. Auf die Frage nach seiner weiblichen Begleitung lächelte er nur. Ich erwiderte das Lächeln, wünschte ihm eine gute Fahrt und ein „Denk dran, die Linke zum Gruß“ Ich hatte das Gefühl, dass er meine Botschaft nicht verstand. Zur gleichen Zeit bearbeitete seine Begleitung den Sonnenblenden-Spiegel des Autos. Ich dachte bei mir, dass dieses kleine Ding auch keine Wunder vollbringen würde. Warum hatte mich dieser Typ angesprochen, während ich mit struppigem Haar und schmutziger Karre als Selbstfahrerin unterwegs war? Seine Begleitung, gepflegt und modisch gekleidet, schien ganz andere Erwartungen an den Abend zu haben. Und er sprach mich an. Vielleicht sehnte er sich nach Bestätigung. Egal, einfach lächeln und weitermachen. Ich hätte gerne für ein paar Stunden die Rolle mit einer Frau getauscht, die so ein Leben führte. Vielleicht wäre es eine Bestätigung für mich gewesen, dass mein eigenes Leben mir besser gefällt, auch wenn es nicht einfacher ist. Es ist mein Leben, unabhängig und selbstbestimmt. Und es ist meine Kreation! Die gibt es kein zweites Mal. Vielleicht müsste ich mir auch keine Sorgen machen, dass ein Mann andere Frauen interessanter findet. Ich blicke lieber ins Leben als in den Spiegel. Meine Zeit kann ich besser nutzen.
Ich setze meine Reise fort, Richtung Hamminkeln. Unser zweiter Tankstopp liegt irgendwo im tiefen Westen Deutschlands. Die morgendliche Kälte weicht langsam einer angenehmen Wärme, die jedoch nicht von Dauer ist und sich schnell in sommerliche Hitze verwandelt. Bereits beim letzten Tankstopp bemerkte ich, dass der Seitenständer nicht mehr wie gewohnt zurückklappte und ein unüberhörbares Quietschen von sich gab. Bei jedem Parken haben wir ab jetzt dasselbe Problem. Na ja, bei jeder längeren Tour gibt es eben immer etwas. Das können wir morgen bei Thunderbike gleich beheben lassen. Dann steht einer reibungslosen Fahrt für den Rest der Tour hoffentlich nichts mehr im Weg.
Irgendwann verlassen wir die holprige Piste und steuern Thunderbike an, bevor es weiter zum nächsten Campingplatz geht. Die Route führt uns durch ein Gewerbegebiet und zwischen weitläufigen Feldern hindurch. Ein Sprinkler auf einem Rübenfeld benetzt die angrenzende Straße, verwandelt sie in eine frisch beregnete Strecke. Ein älteres Ehepaar, das mit Fahrrädern unterwegs ist, wartet geduldig, bis die Straße wenigstens von oben trocken ist, bevor es weiterfährt. Die Luft ist erfrischend und belebend.
Auf dem Weg zum Campingplatz schlängelt sich eine unscheinbare Straße zwischen Feldern und Wäldern hindurch, vorbei an einem Landwirtschaftsbetrieb und schließlich, überraschend, auf der rechten Seite, entfaltet sich ein See mit Zelten und Wohnwagen, während auf der linken Seite die Rezeption des Campingplatzes „Dingdener Heide“, umgeben von Bungalows und einer Gaststätte, auf uns wartet.
Wir erreichen den Campingplatz in der Mittagspause und haben noch etwas über eine Stunde Zeit, bis die Rezeption wieder öffnet. Ich setze mich am Straßenrand unter den Schatten eines großen Baums, genieße den Blick auf den See und knabbere an meiner restlichen Schokolade. Der süße Genuss raubt mir wohl den Verstand, denn irgendwann wache ich auf und merke, dass die ansässigen Ameisen sich bereits auf mich gestürzt haben. Die Zeit ist ohnehin knapp, also mache ich mich auf den Weg zur Rezeption, um uns anzumelden.
Die beiden Damen dort interessieren sich für meine Pläne. Sie finden meine Idee, nach Schottland zu fahren, großartig und wünschen mir vor allem schönes Wetter – etwas, das ich sicher gut gebrauchen kann.
Mein Zelt ist schnell aufgebaut, und die Lady hat jetzt erstmal Pause bis morgen. Ich entscheide mich, mich etwas zu bewegen, und starte einen Rundgang um den See des Campingplatzes. Einige mutige Kinder planschen am schönen Sandstrand, während ein großer Teil des Sees der Natur überlassen ist. Auf meinem Spaziergang treffe ich auf Blindschleichen, unzählige kleine Frösche, Enten, Schwäne und unberührte Natur. Besonders fasziniert bin ich von einem großen Fisch, der gemächlich in Ufernähe seine Bahnen zieht; seine Route ist durch seine Schwanz- oder Rückenflosse erkennbar. Gelegentlich taucht er ab, und ich kann nicht umhin, ihn mit Loch Ness in Verbindung zu bringen. Jeder Angler wäre sicherlich in höchster Anspannung bei diesem Anblick. Es scheint wirklich ein gewichtiger Brocken zu sein, doch für mich ist es einfach nur schön anzusehen. Obwohl, ein leckeres Fischbrötchen wäre jetzt nicht schlecht. Oder vielleicht doch lieber Käse? Bei dem Gedanken beschließe ich, erstmal in die gemütliche Campingplatzkneipe einzukehren.
Entlang der pittoresken Bungalows, die malerisch am Ufer liegen, und vorbei am vergnüglichen Kinderspielplatz, der zum Lachen einlädt, schlendere ich zielsicher zur Kneipe auf der anderen Straßenseite des Campingplatzes. Das Gelände ist geprägt von Dauercampern, malerischen Bungalows und einladenden Hütten zur Miete. Die Stimmung ist noch ruhig, und ich finde rasch einen freien Tisch unter dem schützenden Sonnensegel, gerade rechtzeitig, bevor die ersten Regentropfen aus den düsteren Wolken fallen. Hoffentlich bleibt es nur bei Regen und es entwickelt sich kein Gewitter bei diesem drückenden Wetter. Die Gäste im Freien beginnen hektisch ihre Plätze zu wechseln, um dem Regen zu entkommen.
Ein älteres Ehepaar gesellt sich zu mir, die Frau genießt sichtlich ihre E-Zigarette. Ihr Partner scheint erleichtert zu sein, in der Annahme: Solange sie raucht, bleibt es ruhig. Hoffentlich behält die Bedienung den Überblick über die Bestellungen. Meist haben solche Menschen aber ein gutes Gedächtnis für Personen.
Gegenüber sitzt eine Mutter mit ihren zwei Teenagern, die unermüdlich über das Thema Corona-Pandemie diskutieren. Einige scheinen nicht genug von dem Thema zu bekommen. Ich wünschte, es gäbe inspirierendere Gesprächsthemen im Urlaub, doch vermutlich werden ihre Aktivitäten morgen auf Essen, Schwimmen, Fernsehen und Ähnliches beschränkt sein.
An einem anderen Tisch sitzt ein älteres, sportlich gekleidetes Paar, das immer noch den Eindruck vermittelt, frisch verliebt zu sein. Vielleicht ist es wirklich so. Oder haben sie es geschafft, die Leidenschaft in ihrer Beziehung am Leben zu erhalten? Das wäre bewundernswert. Ist es nur...
| Erscheint lt. Verlag | 22.2.2024 |
|---|---|
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Reisen ► Reiseberichte |
| Schlagworte | Abenteuer • Erfahrung • Erkenntnis • Erlebnis • Genuss • Kultur • Motorrad • Mut • Reise • Reiselust • Schönheit • Schottland • Tour • Vertrauen |
| ISBN-10 | 3-384-18030-5 / 3384180305 |
| ISBN-13 | 978-3-384-18030-8 / 9783384180308 |
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