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Wales (eBook)

Eine Motorradreise durch das Land der Sagen und Legenden
eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
128 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-78661-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Wales -  Detlev Gehring
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'Ich würde lieber zur Hölle fahren als nach Wales' Diesen Satz hat ein gewisser Herbert Henry Asquith gesagt. Mister Asquith war von 1908 bis 1916 Premierminister des Vereinigten Königreichs. Solche Worte aus dem Mund eines Premierministers wird die Verständigung zwischen Walisern und Engländern sicherlich nicht gefördert haben. Etwas mehr als einhundert Jahre später machen wir uns mit unseren Motorrädern auf, Wales zu erkunden. Wir möchten uns eine eigene Meinung zu dem Land und seinen Bewohnern bilden. Und dabei natürlich auch der Frage nachgehen, ob es wirklich schlimmer ist, nach Wales zu reisen, als in der Hölle zu schmoren. Und eines sei hier vorab schon mal verraten: Dem Teufel, dem sind wir unterwegs tatsächlich begegnet...

Den Spaß am Motorradfahren entdeckte Detlev Gehring erst mit Mitte dreißig. Recht schnell wurden aus den anfänglichen Feierabendrunden zunächst Tages-, dann Wochenendtouren, bis er schließlich damit begann, das Motorrad auch für längere Reisen zu nutzten. Von seinem kleinen Heimatdorf in NRW aus startet er regelmäßig seine Touren insbesondere durch die Nordhälfte Europas. Mit Gepäckrolle und Tankrucksack durch Skandinavien, das Baltikum und Großbritannien zu fahren macht ihm immer wieder aufs Neue großen Spaß. Dabei geht es nicht nur darum, das Land zu entdecken, sondern auch den Menschen dort zu begegnen. So entstehen auf diesen Reisen Geschichten, die, mit Fotos ergänzt, zu Reiseberichten werden.

Den Spaß am Motorradfahren entdeckte Detlev Gehring erst mit Mitte dreißig. Recht schnell wurden aus den anfänglichen Feierabendrunden zunächst Tages-, dann Wochenendtouren, bis er schließlich damit begann, das Motorrad auch für längere Reisen zu nutzten. Von seinem kleinen Heimatdorf in NRW aus startet er regelmäßig seine Touren insbesondere durch die Nordhälfte Europas. Mit Gepäckrolle und Tankrucksack durch Skandinavien, das Baltikum und Großbritannien zu fahren macht ihm immer wieder aufs Neue großen Spaß. Dabei geht es nicht nur darum, das Land zu entdecken, sondern auch den Menschen dort zu begegnen. So entstehen auf diesen Reisen Geschichten, die, mit Fotos ergänzt, zu Reiseberichten werden.

Kapitel 1

in dem wir quer durch den Süden Englands bis in ein Bad aus der Römerzeit fahren und unterwegs entdecken, wie gut ein „French-Toast“ schmeckt.

 

Pünktlich erreicht unsere Fähre am frühen Morgen um 5: 00 Uhr Ortszeit den Hafen von Harwich in Großbritannien. Wir hatten uns dafür entschieden, die Nachtfähre aus dem niederländischen Hoek van Holland zu nehmen. Die fährt mit 6: 30 Stunden zwar etwas länger als die Tagfähren, aber dafür kommen wir am frühen Morgen ausgeruht in England an.

Obwohl wir, das sind Johannes, Markus und ich, nur zu dritt sind, haben wir eine Kabine mit vier Betten gebucht. Das vierte Bett eignet sich bestens dafür, unser Gepäck zu verstauen. Viel Platz ist hier nämlich nicht, aber zum Glück hat es noch für eine kleine Duschkabine gereicht. Und so nehmen wir ausgeschlafen und frisch geduscht Platz im Bordrestaurant, in dem das Frühstück serviert wird. Wirklich günstig ist das zwar nicht, aber die Auswahl ist groß und es schmeckt. Wir langen ordentlich zu, denn tagsüber wird es wohl nur zu einem kleinen Snack zwischendurch reichen. Und so sitzen wir hier entspannt und lassen uns die angebotenen Speisen schmecken.

Kurz bevor unsere Fähre, die „Stena Britannica“, im Hafen von Harwich anlegt, verlassen auch wir (nach dezenter Aufforderung durch den Kellner) als letzte Gäste das Bordrestaurant. Wir holen die Taschen aus unserer Kabine, die wir gestern bei unserer Ankunft nicht an den Motorrädern gelassen hatten und machen uns auf den Weg hinunter auf das Fahrzeugdeck. Der Fahrstuhl ist dabei recht praktisch, so müssen wir das Gepäck nicht die Treppen hinuntertragen. Auf dem Fahrzeugdeck herrscht schon reges Treiben: Die Autofahrer sitzen voller Ungeduld in ihren PKWs und die Motorradfahrer haben ihre Maschinen zum größten Teil bereits von den Spanngurten befreit, mit denen sie während der Überfahrt gesichert waren. Viele Motorradfahrer sind es allerdings nicht, die hier an Bord sind. Die meisten von Ihnen wollen weiter bis nach Irland fahren, einige wenige auf die Isle of Man. Ein Pärchen zieht es nach Cornwall, nur wir wollen nach Wales. Als wir gestern im Hafen von Hoek van Holland darauf gewartet haben, auf die Fähre fahren zu können, war genug Zeit für Gespräche mit den anderen Motorradfahrern. Unser Plan, durch Wales zu fahren, stieß allgemein auf Skepsis und Ablehnung: Wales - was gibt es da schon zu sehen? Und überhaupt, das ist doch viel zu klein, da ist man doch in höchsten zwei Tagen durch und es wird langweilig. Wir lassen uns aber nicht beirren und werden uns vor Ort ansehen, ob diese Vorurteile berechtigt sind.

Bald darauf öffnet sich die Klappe des Schiffes und wir dürfen von Bord. Die Motorräder dürfen zuerst fahren und so rollen wir gemächlich von der Rampe hinunter auf britischen Boden. Die Passkontrollen sind hier recht penibel, also Helm abnehmen, Ausweis bereithalten und freundlich lächeln. Endlich winkt uns die junge Zollbeamtin durch und wir verlassen das Hafengelände bei allerschönsten Sonnenschein.

So macht das Ganze doch richtig Spaß.

Weniger spaßig sind dann allerdings die folgenden Stunden. Wir fahren quer durch das Land von Ost nach West, unser Ziel ist Bath im Westen von England. Die Straßen sind voll, teilweise stehen wir im Stau und kommen nur langsam voran. Insbesondere rund um zwei Kreisverkehre steht zeitweise alles still. Baustellen erschweren das Weiterkommen ebenso wie der anfängliche morgendliche Berufsverkehr. Wir sind zunächst auf Autobahnen bzw. Schnellstraßen unterwegs. Alternativen gibt es rund um London so gut wie gar keine: Entweder umrundet man die englische Hauptstadt nördlich oder südlich. Wir haben uns für die nördliche Variante entschieden und sind sehr froh, als wir den Großraum Londons endlich hinter uns gebracht haben und nun wesentlich entspannter Richtung Westen fahren können. Ungefähr im Stundenrhythmus machen wir jeweils eine kurze Pause auf einen der vielen kleinen Parkplätze am Straßenrand. Dabei sehen wir immer wieder kleine Lieferwagen, die zu einer Art „Food-Truck“ umgebaut wurden. Gegen Mittag, als sich unsere Mägen melden, sehen wir uns so einen Wagen mal genauer an. Auf der Speisenkarte stehen dort „French-Toast“ in vielen verschiedenen Variationen. Wir sind neugierig, was das ist und entdecken französische Baguettes, die zunächst kurz warm gemacht, dann halbiert und anschließend mit den unterschiedlichsten Dingen belegt werden: Schinken, Käse, Rührei, aber auch verschiedene Salate finden zwischen den beiden Baguette-Hälften ihren Platz. Eine junge Frau, die im Wagen steht, belegt uns je eines dieser Dinger nach unseren Wünschen. Viel Zeit hat sie allerdings gerade nicht. Ihr „Food-Truck“ scheint recht bekannt und beliebt zu sein, denn alle paar Minuten stoppt ein Auto, der Fahrer steigt aus und bestellt sich sein „French-Toast“. Manche essen direkt am Wagen im Stehen, andere setzen sich dazu in ihr Auto, wieder andere fahren direkt weiter und scheinen ihr „French-Toast“ während der Fahrt zu genießen. Da das auf dem Motorrad eher schlecht funktioniert, essen wir in Ruhe hier am Wagen, bevor wir weiter Richtung Westen fahren, unserem heutigem Ziel Bath entgegen.

Rund 350 Kilometer Wegstrecke sind es, die wir zurücklegen müssen, bis wir Bath erreichen. Die Stadt ist bekannt für ihre heißen Quellen, die einzigen in ganz England. Schon die Römer haben diese für ihre Bäder genutzt. Überhaupt gibt es in Bath einige Nachlässe der Römer zu bewundern. Bevor wir uns aber in das bunte Treiben der Stadt stürzen, suchen wir zunächst die Jugendherberge, denn für die erste Nacht auf unserer Tour haben wir für uns dort schon von Zuhause aus ein Zimmer reserviert. In England heißen die Jugendherbergen übrigens „Youth Hostel Association“, kurz „YHA“ und wir haben hier einen 'private room' gebucht, also einen Raum nur für uns. Da wir heute Morgen bereits um 6: 00 Uhr Ortszeit mit der Fähre in Harwich angekommen sind, ist es gerade mal früher Nachmittag, als wir an der YHA Bath eintreffen. Sie befindet sich etwas höher gelegen am Rand der Stadt und dank Navi finden wir sie ohne Probleme. Wir parken unsere Motorräder auf dem Parkplatz der Jugendherberge, der etwas abseits ganz am Rand des Herbergsgrundstücks liegt. Dort entdecken wir auch ein Wohnmobil mit deutschen Kennzeichen. Auf der Rückseite steht dort in großen Buchstaben:

Zum Arbeiten zu alt

Zum Sterben zu jung

Zum Reisen topfit

Auch wenn ich diesen Spruch schon des Öfteren gesehen und gelesen habe, so finde ich ihn doch immer wieder gut. Hier ist ganz offensichtlich jemand, der seinen (Vor-) Ruhestand aktiv genießen kann und ihn nicht Zuhause auf dem Sofa verbringt. So stelle ich mir das auch für meine Zeit nach der Arbeit vor.

Das einchecken in der YHA geht schnell und unkompliziert. Unsere Motorräder dürfen wir sogar direkt neben dem Eingang parken. Dadurch müssen wir unser Gepäck nicht so weit tragen und beziehen recht bald unser Zimmer im ersten Stock. Einmal kurz duschen, dann Jeans und T-Shirt anziehen und schon sind wir bereit, Bath zu erkunden.

Um in die Innenstadt zu gelangen, nutzen wir den Bus, dessen Haltestelle sich direkt vor der Jugendherberge befindet. Wirklich sehr praktisch. Bei der Fahrt in die Stadt wird uns bewusst, dass unsere Unterkunft wirklich recht hoch gelegen ist. Der Bus fährt fast die ganze Zeit bergab, bis wir das Centrum von Bath erreichen und dort aussteigen.

Ohne festen Plan folgen wir einfach dem Weg und stehen kurz darauf vor der Abteikirche Bath. Ein wenig eingezwängt, aber trotzdem recht groß und beeindruckend steht sie da und wird als Fotomotiv von vielen Touristen genutzt. Das ist eines von zwei Dingen, die mir sofort auffallen: Es gibt jede Menge Touristen hier, insbesondere Asiaten. Das zweite sind die vielen Müllbeutel. Vor allen Häusern stapeln sich die Plastiksäcke mit Abfall. Ich weiß nicht, ob heute Abend noch die Müllabfuhr kommt und alles abholt oder ob hier der Müll immer tagelang vor den Türen liegt, jedenfalls ist das wirklich kein besonders schöner Anblick.

Bekannteste Einwohnerin von Bath war übrigens die Schriftstellerin Jane Austen. Sie lebte hier von 1801 bis 1806 und wer sich für sie und ihre Werke interessiert, der kann das „Jane Austen Zentrum“ besuchen. Schauspieler in historischen Kostümen erzählen aus Romanen der Autorin und über das Leben zu der damaligen Zeit. Und im September findet das „Jane Austen Festival“ statt, auf dem sich hunderte von Fans aus aller Welt hier in Bath treffen und die Schriftstellerin feiern.

Wir schlendern durch kleine Gassen, laufen ein Stück entlang des Flusses Avon, kaufen uns ein Eis und genießen die Sonne und die warmen Temperaturen. Ohne die dicken Motorradsachen macht das richtig Spaß. Seit 1987 gehört Bath zum Weltkulturerbe der UNESCO und als wir...

Erscheint lt. Verlag 5.12.2022
Verlagsort Ahrensburg
Sprache deutsch
Themenwelt Reisen Reiseberichte
Reisen Sport- / Aktivreisen
Schlagworte Motorrad • Motorradreise • Motorradtour • Reisebericht • Wales
ISBN-10 3-347-78661-0 / 3347786610
ISBN-13 978-3-347-78661-5 / 9783347786615
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