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Zwischen Saale und Unstrut

Fotografien von Gerhard Hechler 1934-1944
Buch | Softcover
96 Seiten
2004 | 1., Aufl.
Mitteldeutscher Verlag
978-3-89812-242-9 (ISBN)
CHF 27,70 inkl. MwSt
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Vorwort:
Nostalgie ist dem Menschen etwas sehr Wesenseigenes, die leicht wehmütige Rückschau auf vergangene Zeiten, die uns in Form ihrer zurückgelassenen Relikte, wie Omas Nähkästchen, Großvaters Tabakspfeife oder Tantchens Einweckgläsern, oftmals wesentlich attraktiver, geordneter, sicherer erscheint als die Gegenwart.

Im besonderen Maße trifft dies auch auf Schwarzweißfotografien zu; wo sie ein Idyll vermitteln, erscheint uns auch die Vergangenheit so. Gerade Bildbände zu Orten, Städten und Landschaften in der Zeit zwischen Kaiserreich und Nachkriegsdeutschland bedienen häufig die oben genannte Sehnsucht nach einer geordneten Welt. Und offensichtlich haben schon die Fotografen in ihren jeweiligen Zeiten vielfach entsprechende Motive gesucht: Schönheit für zu Hause.

Gerhard Hechler (1904–1970), geborener Hallenser, lange Jahre in Naumburg wohnhaft und beruflich im Bereich Landmaschinentechnik tätig, war zeitlebens mit der Kamera unterwegs, um eben diese Schönheit des Alltags zu finden und zu dokumentieren. Als Mitglied des Leica-Klubs Deutschland spielten dabei auch immer fototechnische Überlegungen eine Rolle. So erklärt sich die hohe Qualität seiner Aufnahmen, die keine Schnappschüsse im herkömmlichen Sinne sind, sondern sich an den äußeren Begebenheiten (Lichtverhältnisse, Entfernungen, Sichtwinkel etc.) orientieren.

Die Aufnahmen in diesem Band stammen aus der Zeit zwischen 1934 und 1944, mithin aus einer Epoche der deutschen Geschichte, die geprägt war von Unterdrückung andersdenkender, andersgläubiger, andersrassiger Menschen und schließlich in einen Krieg mit Millionen Toten und an dessen Ende in die großflächige Zerstörung Deutschlands mündete.

Diesen zeitgeschichtlichen Rahmen der Fotografien vermisst man zunächst bei den Aufnahmen Gerhard Hechlers, stattdessen begegnen uns Landschaften, Bauern bei der Arbeit, historische Gebäude, Porträts (vor allem von seiner Frau, seinem ausgesprochenen Lieblingsmotiv).

Sein Vorgehen hat Methode. Hechler blendet den (politischen) Alltag in NS-Deutschland bei seinen Fotos gewissermaßen aus. In seinem Nachlass finden sich nur vereinzelt Abbildungen mit entsprechendem Gegenwartsbezug, etwa ein Foto von Bauarbeiten in Weimar, auf dem eine Tafel mit der Aufschrift “Platz Adolf Hitlers” zu sehen ist. Aufnahmen zu NS-Feiem, Aufmärschen und dergleichen sucht man vergebens bei ihm. Dort, wo Hechler das Zeitgeschehen abbildet, entstehen Fotos ohne Pathos, er will das Fotografierte nicht überhöhen, er hält es lediglich fest. So bei einem Foto seines Sohnes, der sich als Soldat verkleidet hat, und das er kurz und knapp “Zeitgemäß!” benennt, oder dem Porträt eines 17-jährigen Kriegsfreiwilligen, dessen kindliche Züge auf bedrückende Weise mit dem Martialischen der Uniform und des aufgesetzten Stahlhelms kontrastieren.

Viel lieber widmet sich Hechler in seinen fotografischen Arbeiten den Sehenswürdigkeiten seiner Heimat, den Tälern von Saale und Unstrut mit den beiden städtischen Fixpunkten Naumburg und Freyburg. Er zeigt die Schönheit dieser Landschaft, die Erhabenheit ihrer altehrwürdigen Bauten, wie Kirchen und Burgen, aber auch die Menschen vor Ort: Männer und Frauen bei der mühseligen Arbeit auf dem Feld, Kinder beim Holzhacken, eine alte Frau beim Gänsetreiben. Die Fotografien offenbaren also vor allem das, was ein auswärtiger Besucher in jenen Jahren sehen konnte. Insofern lässt sich auch ein Stück Zeitgeschichte erfahren.

Was Hechler für die Nachwelt festgehalten hat, ist sehenswert, nicht nur die allbekannten Objekte fotografischen Interesses – den Naumburger Dom, die weiten Flusstäler, die Klosterruine Memleben, die Neuenburg oberhalb von Freyburg, Burg Saaleck, den hallischen Zoo u.v.a.m –, sondern auch die Menschen der Gegend, so wie sie uns auch heute noch begegnen, wenn wir die Landschaft zwischen Saale und Unstrut besuchen.


Dr. Kurt Fricke
mdv Mitteldeutscher Verlag GmbH

Kurt Fricke, geboren 1967 in Halle, studierte nach einer Schlosserlehre und Armeedienst ein Studium der Geschichte und Philosophie in Halle mit Promotion. Seit 2000 ist er als Lektor tätig und schreibt Veröffentlichungen zur deutschen Zeitgeschichte.

Illustrationen Gerhard Hechler
Nachwort Klaus Hechler
Vorwort Kurt Fricke
Sprache deutsch
Maße 210 x 270 mm
Gewicht 490 g
Einbandart Englisch Broschur
Themenwelt Reisen Bildbände Deutschland
Schlagworte Fotografie • Freyburg • HC/Reisen/Bildbände/Deutschland • Leica • Naumburg • NS-Zeit • Saale • Saale; Bildband (Alte Ansichten) • Unstrut • Unstrut / Unstruttal; Bildband (Alte Ansichten)
ISBN-10 3-89812-242-5 / 3898122425
ISBN-13 978-3-89812-242-9 / 9783898122429
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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