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Island - die großartige Geschichte eines kleinen Landes (eBook)

Wie eine winzige Insel mitten im Atlantik die Welt über Jahrhunderte geprägt hat
eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
320 Seiten
FinanzBuch Verlag
978-3-98609-170-5 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Island -  die großartige Geschichte eines kleinen Landes -  Egill Bjarnason
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Nicht erst seit sich die rebellischen Fußballer dieser kleinen Nation überraschend für die Fußball-WM 2018 qualifizierten oder seit dem Ausbruch des  Eyjafjallajökull 2010 sorgt Island für Aufsehen. Die Geschichte Islands begann vor 1.200 Jahren, als ein frustrierter Wikingerkapitän mitten im Nordatlantik auf Grund lief und dabei ein neues Land entdeckte. Plötzlich war die Insel nicht mehr nur ein Zwischenstopp für die Küstenseeschwalbe, sondern wurde zu einer Nation, deren Politiker und Musiker, Seeleute und Soldaten, Vulkane und Blumen den Globus für immer veränderten. Das Buch nimmt die Leser mit auf eine Reise durch die Geschichte und zeigt ihnen, wie Island bei so unterschiedlichen Ereignissen wie der Französischen Revolution, der Mondlandung und der Gründung Israels eine zentrale Rolle spielte. Immer wieder stand eine bescheidene Nation an vorderster Front historischer Ereignisse und prägte die Welt, wie wir sie kennen. Die bisher unerzählte großartige Geschichte eines kleinen Landes, so fantastisch erzählt, als hätte man Bill Bryson zum Schreiben auf der Insel ausgesetzt.

Egill Bjarnason ist Journalist. Er berichtet für die Associated Press über Island und schreibt häufig für die New York Times, Lonely Planet und das Hakai Magazine. Bevor er für die internationalen Nachrichtenmedien über seine Heimat Island berichtete, berichtete er für isländische Leser über den Rest der Welt und veröffentlichte Reportagen und Fotos aus Afghanistan, Uganda und Westafrika. Als Fulbright-Stipendiat erwarb er einen Master-Abschluss in Sozialdokumentation an der University of California, Santa Cruz, und lehrt derzeit an der Universität von Island. Dies ist sein erstes Buch. N/A

Egill Bjarnason ist Journalist. Er berichtet für die Associated Press über Island und schreibt häufig für die New York Times, Lonely Planet und das Hakai Magazine. Bevor er für die internationalen Nachrichtenmedien über seine Heimat Island berichtete, berichtete er für isländische Leser über den Rest der Welt und veröffentlichte Reportagen und Fotos aus Afghanistan, Uganda und Westafrika. Als Fulbright-Stipendiat erwarb er einen Master-Abschluss in Sozialdokumentation an der University of California, Santa Cruz, und lehrt derzeit an der Universität von Island. Dies ist sein erstes Buch. N/A

Einleitung


Der Ort Selfoss ist eine seltene Rarität. Fast alle der 63 Orte und Städte auf Island wurden aufgrund nautischer Zweckmäßigkeit nah am Meer und sichtbar für herannahende Schiffe gegründet, aber Selfoss liegt im Landesinneren, abseits der steinigen Küste. Ich wuchs dort, eingeschlossen von Land, auf.

Der Ort liegt am Ostufer der Ölfusá, dem landesweit größten Fluss, der einem Gletscher 170 Kilometer entfernt im Landesinneren entspringt. Während der ersten 900 Jahre nach der Gründung von Selfoss sah die Gegend nur wenige Reisende, weil die Flussüberquerung zu Pferd oder per Ruderboot eine lebensgefährliche Unternehmung darstellte, zudem war es, wenn wir mal ehrlich sind, das Ganze auch nicht wert. Die isländischen und dänischen Oberen setzten aber ein symbolisches Zeichen mit der Entscheidung für den gemeinsamen Bau einer Hängebrücke. Diese verband den Westen mit dem Süden Islands, als sie 1891, also noch 13 Jahre vor dem ersten Auto, fertiggestellt wurde. Selfoss wurde nun zu einem Halt für Langzeitreisende – der Ort, an dem man seine Kleidung trocknen und sich von anderen Reisenden aus der entgegenkommenden Richtung über die Wetterlage aufklären lassen konnte. Heute halten die Menschen wegen der Hotdogs an.

Die Brücke bringt nach wie vor viel Verkehr in den Ort und dient als zentrale Wegmarke, um die sich alles andere dreht, ähnlich einem Hafen bei einer Hafenstadt. Wo andere Orte eine Fischfabrik haben, haben wir einen Molkereibetrieb. Und statt die Schiffe zu beobachten, die in und aus dem Hafen fahren, können wir unsere Autos beobachten, die immer und immer wieder vorbeifahren – der wichtigste Kreisverkehr ist unfassbar groß. »Großstadtgroß« – immerhin ist Selfoss mit seinen ungefähr 8000 Einwohnern einer von Islands größten Orten. Man darf sich also nicht von der Größe einschüchtern lassen, wenn man durch den Ort läuft, und auch nicht von der Tatsache, dass man dabei allein unterwegs ist – durch Selfoss laufen nur Kinder oder ab und an betrunkene Autofahrer, denen der Führerschein entzogen wurde.

Entlang der Hauptstraße von Selfoss finden sich unter anderem fünf Friseure, drei Bankfilialen, eine Buchhandlung, die meinen Eltern gehört, ein Geschäft für Garn, ein Geschäft für Weihnachtsdekorationen und ein Supermarkt namens Krónan. Vor dem Eingang von Letzterem begann auch meine Karriere als Journalist, mit einem Notizbuch und der günstigsten Kamera bewaffnet, die ich mir von Sunnlenska, einer Lokalzeitung, hatte ausleihen können. Täglich versuchte ich dort, die vorbeilaufenden Passanten für »Die Frage des Tages« abzufangen, eine Kolumne, in der unschuldige Fußgänger aufgefordert wurden, ihre Meinung zu einem aktuellen Thema zu äußern, über das sie letztlich fast gar nichts wussten, und – nach der gesicherten intellektuellen Peinlichkeit – für ein Foto stillzuhalten, das neben der Antwort abgedruckt werden sollte.

Im Laufe der Zeit arbeitete ich mich hoch in die Nachrichtenredaktion. Eine frühe Headline von mir besagte: »Masken waren nicht zum Schwimmen! Beutel voller Sexspielzeug in Schwimmbad gefunden«. Ein anderes Mal verfasste ich einen Kriminalbericht über einen Tomatenzüchter, der Marihuana in einem verlassenen Schlachthof anbaute. Er gab darin zu, dass das Leben als heimlicher Drogenkönig in einer kleinen Gemeinschaft ganz schön stressig sei. Er habe daher das meiste Gras selbst konsumiert.

Sunnlenska blieb dank seines sehr einfallsreichen Besitzers meine frühen Zwanziger über im Geschäft. Eine seiner fabelhaften Ideen für das Überleben war die Nutzung eines Tauschsystems: Er bezahlte Leute lieber mit Waren als mit Geld, also mit dem, was die örtlichen Unternehmer für Werbung eintauschten. Der Weihnachtsbonus bestand zum Beispiel aus Feuerwerkskörpern und einem Stapel Bücher, die der Zeitung zur Besprechung zugeschickt worden waren. An einem der Zahltage kam er auf einem Mongoose-Rad angefahren, einem Tourenrad mit 27 Gängen, breiten Reifen und einem Gepäckträger. »Das gehört jetzt dir«, verkündete er voller Enthusiasmus, der wohl primär auf seinem offensichtlichen Werbedeal zurückzuführen war. Null Komma null in Scheinen als Bezahlung diesen Monat.

Um meinen Lohn auch wirklich zu genießen, musste ich damit eine Runde drehen. Und einer der besten Aspekte Selfoss’, wie ein Reiseführer schnell zu erwähnen weiß, ist die Tatsache, wie leicht man den Ort verlassen kann. Die Route 1, die berühmte Ringstraße, führt mitten durch die Stadt.

Mit einem Zelt und einer beeindruckenden Menge an Couscous beladen, radelte ich an der Molkerei vorbei und um den Kreisverkehr herum in Richtung Osten.

Hringvegur bzw. Þjóðvegur 1 ist eine 1322 Kilometer lange Ringstraße, an die die meisten Ortschaften und Dörfer des Landes angeschlossen sind. Wenn man ohne Pause durchfährt, kann man es in 15 Stunden schaffen – auf dem Rad dauert es allerdings ein wenig länger. Die Landschaft Islands ist bekannt für ihre Unebenheit und an der Küste weht eine steife Brise. Zudem kann einfach keine Statistik und kein Wettermuster erklären, warum einem der Wind immer ins Gesicht bläst, während man auf dem Rad sitzt. Wirklich immer. Immer.

Mein eingetauschtes Rad hielt sich wacker, aber dank unstetem Gegenwind und den langen Bergaufstrecken war ich nach der ersten Hälfte völlig erschöpft und entschied mich für eine Pause in der Ortschaft Húsavík.

Húsavík befindet sich an der Nordküste und überblickt die Skjálfandi-Bucht. Die Buchtöffnung richtet sich gen hohen Norden, in Richtung der Islandsee, der Grönlandsee, dem arktischen Ozean und, noch weiter, dem Nordpol.

Ich spazierte mit schmerzendem Knie durch den Hafen und begann ein Gespräch mit einem Kapitän eines der hölzernen Schoner, dessen Crew noch eine Person gebrauchen konnte. Schnell erfuhr ich, dass »eine Person brauchen« bedeutete, dass die Crew momentan nur aus einer Person bestand: ihm, Käpt’n Hordur Sigurbjarnarson, einem fast schon einer Karikatur eines alten Skippers ähnelnden Mann, das klassische Bild, aber ohne Holzpfeife (er war strikter Nichtraucher). Reibeisenstimme, graues Haar, grimmiges Gesicht, fester Handschlag. Herzliches Lächeln.

Ich erzählte ihm von meiner Theorie, dass die Windrichtung fast schon auf magische Weise immer gegen einen arbeite. Er konnte das anscheinend nicht nachvollziehen.

»Also, wird dir schlecht auf See?«, stellte er seine erste Frage bei dem plötzlichen Jobinterview.

Woher sollte ich das wissen? Das wäre, als würde man mich fragen, ob ich zur Weltraumkrankheit neigte (der Variante der Reiseübelkeit bei Astronauten). Die Hochsee befand sich völlig jenseits meines Erfahrungshorizonts, mein Körper war diesbezüglich also noch nie getestet worden. Ich hatte keine Ahnung, dass ein Seemannsknoten eine absolut essenzielle Überlebensfähigkeit war.

Er kratzte sich am Kopf und legte den Kopf schräg, als würde er Wasser aus seinem Ohr laufen lassen. »Komm am Nachmittag noch mal vorbei, und wir schauen, was passiert.«

Es sollte sich herausstellen, dass ich nicht zu den 35 Prozent der Bevölkerung gehörte, die anfällig für die Seekrankheit waren. Ich schloss das Fahrrad ab und rief die Zeitung an, um mitzuteilen, dass ich in diesem Sommer nicht wiederkommen würde. Der Besitzer war kurz davor, einen großen Werbevertrag mit einem Whirlpool-Händler zu landen. Nach Wochen auf kalter See sollte ich mir manchmal die Frage stellen, ob meine Entscheidung die richtige gewesen war: Ein Whirlpool klang nun wie eine höchst verlockende Idee.

Ich durchlief einen Crashkurs an Knoten und Flaggleinen, arbeitete bei eiskalten Bedingungen zwölf Stunden am Stück und trug die knallgelbe Weste, die mir der Käpt’n gegeben hatte. »Das ist die erste Farbe, die das Auge wahrnimmt, falls du mal über Bord gehen solltest«, versicherte er mir.

Der Käpt’n war durch und durch Seefahrer. Seine fünf liebsten Beläge auf einer Pizza kamen alle aus dem Meer – letztlich also ein Fischbuffet auf Brot – und er konnte, selbst wenn er an Land in einer Eisenwarenhandlung stand, immer den Norden anzeigen. Mein fehlender Orientierungssinn wiederum war ihm ein Rätsel. Er segelte seit 25 Jahren mit der Hildur aus Húsavík heraus und nahm Passagiere für Walbeobachtungen oder Vergnügungsfahrten mit.

Nach diesem ersten glücklichen Sommer wurde die Schiffskabine zu meinem jährlichen Sommerzuhause. Danach ging es für mich jedes Jahr Anfang Mai nach Húsavík, und wir fuhren unter 250 Quadratmetern gespannter Segel mit Passagieren, die scharf auf Wale und Papageientaucher waren, an Bord aus dem Hafen. Jeden Tag erzählten wir die gleichen Geschichten und machten die...

Erscheint lt. Verlag 13.11.2022
Übersetzer Britta Fietzke
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Sachbuch/Ratgeber Geschichte / Politik Regional- / Landesgeschichte
Reisen Reiseführer Europa
Schlagworte Isländer • Kultur Island • Landschaft Island • Menschen Island • Politik • Reisen • Weltgeschichte • Weltpolitik • Wikinger
ISBN-10 3-98609-170-X / 398609170X
ISBN-13 978-3-98609-170-5 / 9783986091705
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