Virginia (eBook)
584 Seiten
beHEARTBEAT (Verlag)
978-3-7325-6748-5 (ISBN)
Eine bewegende Südstaatensaga über die große Liebe und das Abenteuer, sein Glück zu finden.
Die Plantagenerbin Chess Standish lebt nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkrieges unverheiratet auf der Plantage ihrer Eltern. Um der Enge ihres Elternhauses zu entkommen, heiratet sie den Tabakbauernsohn Nate Richardson. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Sie ist eine Lady, er ein leidenschaftlicher und ehrgeiziger Emporkömmling. Mit der Zeit erkennt Chess, dass sie wirklich tiefe Gefühle für Nate entwickelt. Doch Nate sieht sie nur als Partnerin, um ihre gemeinsame Tabak-Dynastie zu begründen. Wird sie es trotz aller Unterschiede zwischen ihnen schaffen, sein Herz für sich zu gewinnen?
Große Gefühle bei beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
<p><b>Alexandra Ripley</b> (geb. 8. Januar 1934 in Charleston, South Carolina; gest. 10. Januar 2004 in Richmond, Virginia) veröffentlichte ihren ersten Roman im Jahre 1972. Fortan schrieb sie zumeist Historienromane. Einer breiten Öffentlichkeit wurde sie mit ihrem Buch <i>Scarlett</i> bekannt, einer Fortsetzung des Romans <i>Vom Winde verweht</i> von Margaret Mitchell. Sie war dreimal verheiratet: mit Leonard Ripley, von ihm hatte sie zwei Töchter, mit Thomas Garlock und mit John Graham.</p>
Alexandra Ripley (geb. 8. Januar 1934 in Charleston, South Carolina; gest. 10. Januar 2004 in Richmond, Virginia) veröffentlichte ihren ersten Roman im Jahre 1972. Fortan schrieb sie zumeist Historienromane. Einer breiten Öffentlichkeit wurde sie mit ihrem Buch Scarlett bekannt, einer Fortsetzung des Romans Vom Winde verweht von Margaret Mitchell. Sie war dreimal verheiratet: mit Leonard Ripley, von ihm hatte sie zwei Töchter, mit Thomas Garlock und mit John Graham.
1. Kapitel
24. August 1875
Das Holz des alten Farmerwagens war schon vor langer Zeit zu einem fleckigen Grau verwittert. Der Wagen hatte hohe Seiten, vorne einen Brettersitz und vier große Räder mit rostigen Eisenfelgen. An den Speichen waren noch kleine Spuren roter Farbe zu erkennen. Es war ein robuster und nützlicher Bauernwagen, der keinen Anspruch auf Schönheit erhob, nur die kleinen roten Stellen verrieten einen lang vergangenen Ausbruch von Fröhlichkeit oder Optimismus. Er sah aus wie die meisten anderen Bauernwagen in Piedmont, im Herzen von North Carolina.
Und genauso sah auch das stämmige, kurzbeinige Pferd aus, das ihn zog. Nicht schön, aber kräftig und unverwüstlich.
Der Junge, der die Zügel hielt, war vermutlich für die roten Speichen verantwortlich. Sein gebräuntes Sommersprossengesicht hatte einen eifrigen, energischen Ausdruck, seine Augen erinnerten an das strahlende Blau eines Sommerhimmels an einem sonnigen Tag. Sie schienen die Welt direkt anzusehen, und was sie erblickten, schien ihnen zu gefallen.
Er hieß Nathaniel Richardson. Die meisten nannten ihn Nate. Er war achtzehn Jahre alt und trotz seiner Jugend das anerkannte Oberhaupt der Familie im Wagen.
Seine Mutter saß neben ihm auf dem Brettersitz; sein Bruder hockte auf der anderen Seite von ihr.
Mary Richardson sah deutlich älter aus als vierundvierzig. Das ging den meisten Bauersfrauen so: Ihr Leben bestand aus früher Heirat, Kinderkriegen und nie endender Arbeit. Mary war von kleiner Statur; ihre gebeugten Schultern machten sie noch kleiner und schoben zugleich ihr runzliges Gesicht auf aggressive Weise nach vorn. Doch an diesem Spätsommertag sah sie eher erwartungsvoll aus. Sie trug ihr Sonntagskleid aus schwarzem Wollstoff mit einem weißen Spitzenkragen und einen glänzenden schwarzen Strohhut mit einem breiten Band, das vorn über der Krempe eine Schleife hatte, ebenso wie unter ihrem spitzen Kinn, wo es zusammengebunden war. Von Zeit zu Zeit tätschelte ihre grobknochige Hand das Knie des dunkel gekleideten Jungen an ihrer Seite. Ihr älterer Sohn Gideon war ihr ganzer Stolz.
Doch Gideon bemerkte ihre zärtlichen Klapse nicht. Er war tief in Gedanken. Selbst das aufgeregte Geschnatter der Kinder hinter ihm vermochte ihn nicht zu stören.
Im Hinteren des Wagens, zwischen Kisten und Kästen, saß der Rest der Richardson-Familie. Nates und Gideons Onkel Joshua war ein düsterer, dünner Mann mit einem langen, schwarzgrau melierten Bart und einem Holzbein. Seine Frau Alva war fünfundzwanzig und um genauso viele Jahre jünger als Josh. Ihre Kinder sorgten für das Gekicher und Gekreische. Micah war acht, Susan vier; beide hatten sie das flachsblonde Haar ihrer Mutter und die blassblauen Augen ihres Vaters.
Josh richtete seinen frostigen Blick auf seine Kinder, und ihr Lärmen erstarb.
Nate rief ihnen über die Schulter zu: »Nach dieser Anhöhe geht’s nur noch abwärts. Wir sind fast da.«
»Jag unseren armen, alten Gaul nur nicht den Hügel hinunter«, warnte seine Mutter. »Ich möchte nicht in einem Trümmerhaufen auf dieser Straße enden.«
Nate lachte. »Keine Bange, Ma. Natchez hat nichts von einem Rennpferd in sich. Ich hoffe nur, dass er nicht stehenbleibt und einschläft.« Er beugte sich vor und sah zu seinem Bruder hinüber. »Genau wie Gideon.«
Seine Mutter bat ihn, leiser zu sein. »Dein Bruder denkt über die Rede nach, die er halten soll.«
Nate biss sich auf die Lippe, um sein Grinsen zu verbergen. Er kannte sie inzwischen auswendig. Gideon hatte seine Rede die ganze Woche geübt, auf einem Baumstumpf neben dem Schuppen.
Auf der Kuppe des Hügels hielt Nate das Pferd an. Eine sanfte Brise erfrischte sie und wehte schwache Musikklänge herauf. Sein rechter Fuß begann zu wippen.
Dann ruckte er wieder mit den Zügeln. »Auf geht’s, Natchez. Die Richardson-Familie will zum Lagertreffen.«
Onkel Josh kümmerte sich um das Entladen des Wagens. Es gab viele freiwillige Helfer, und Nate war froh, ihnen alles zu überlassen. Im Lager würde er Freunde wiedertreffen, die er seit dem Vorjahr nicht mehr gesehen hatte.
Am Rande einer Gruppe von jungen Leuten, die vor der Musikertribrüne zusammenstanden, entdeckte er die drei Martin-Brüder.
»Hallo Billy ... Jim ... Matt«, rief er, »wie geht’s?«
Nur einer von ihnen warf ihm einen Blick zu. »Hallo, Nate.« Jim winkte und wandte sich wieder ab.
Was war denn da so spannend? fragte sich Nate. Er trat heran und drängte sich zwischen Jim und Matt.
Auf einer Bank neben der Tribüne saß das schönste Mädchen der Welt.
Nate war achtzehn, kräftig, gesund – und voller Leidenschaft. Sein Körper reagierte sofort auf den Anblick des Mädchens – und auf die Gedanken, die dieser in ihm auslöste; er musste sich abwenden und zu den nahestehenden Kiefern hinüberlaufen. Er hoffte nur, dass niemand die Ausbuchtung in seiner Hose gesehen hatte. Das war fast mehr, als ein Mann ertragen konnte, das heftige Eigenleben, das seine Geschlechtsorgane führten.
Schlag sie dir bloß aus dem Kopf, sagte er zu sich. Die bringt einem nur Ärger. Aber er konnte die buttergelben Locken, die ihr über die Schultern fielen, nicht so einfach vergessen, und auch nicht ihre großen, kornblumenblauen Augen und ihre prallen, hohen Brüste unter der strengen, hochgeschlossenen Bluse. Sie hatte eine winzige Taille; er würde wetten, dass er sie mit seinen beiden Händen umfassen konnte – um sie dann langsam und sacht nach oben gleiten zu lassen ...
Nate stöhnte laut auf.
Die Freuden eines Frauenkörpers waren ihm durchaus vertraut. Tatsächlich hatte er schon viele Frauen gehabt, und alle hatten ihm versichert, dass sie es genauso genossen wie er. Warum also machte ihm dies Mädchen derart zu schaffen? Noch dazu lautete sein oberster Grundsatz: Hände weg von unverheirateten Mädchen. Die wollten nur unter die Haube kommen, und mindestens ebenso dringend wollten ihre Väter sie verheiratet sehen. Er wusste, dass sie unverheiratet war; sie hatte diesen erwartungsvollen und zugleich unwissenden Blick. Wie gern hätte er ihr einiges beigebracht! Oh nein! Das war ja gerade die Falle.
Nate versuchte, an die anderen Frauen zu denken, die er kannte. Da war Julie in dem Laden an der Haw River Bridge. Sie war doch mindestens genauso hübsch? Oder Millie in dem Café an der Kreuzung, in Mebane, oder die andere Millie an der Straße nach Burlington. Und all die anderen.
Wie die meisten Familien auf dem Lagertreffen waren auch die Richardsons Tabakbauern. Nate ging allerdings bereits einen Schritt weiter. Für ihn war es mit der Ernte nicht getan. Er verkaufte seine Blätter nicht wie die anderen Männer auf dem Markt. Weshalb sollte er sie einer Firma geben, wo sie geschnitten und abgepackt wurden und die für jedes Päckchen so viel verlangte, wie sie für zwanzig Pfund Blätter bezahlt hatte?
Nun zerstießen seine Mutter und Tante Alva die Blätter, sortierten den zuvor behandelten Tabak und packten ihn in Beutel, die Nate selbst verkaufte. Sie hatten ihr eigenes kleines Etikett, genau wie große Firmen: »Richardson’s Rich North Carolina Smoking Tobacco. Keiner ist ergiebiger.« Nate war sehr zufrieden, dass sich ihre Marke schon nach einer Saison so gut verkaufte.
Er war ziemlich nervös gewesen, als er sich im vergangenen Jahr erstmals auf den Weg gemacht hatte, die Satteltaschen voller kleiner Beutel. Aber dann war es gar nicht schwierig gewesen, den Ladenbesitzern ein paar – erst mal zur Probe – zu verkaufen. Alle führten ein Dutzend Sorten Rauchtabak, dazu Kautabak und Schnupftabak – warum sollten sie nicht eine Marke mehr verkaufen? Von einem netten jungen Mann, der sie selber herstellte und keiner von diesen feinen Pinkeln war, die für die großen Marken wie Bull Durham oder Liggett & Myers auf Verkaufstournee gingen. Oft hatten sie ihn eingeladen, eine Pause einzulegen, um mit ihnen zu essen oder zu trinken oder einen Priem zu nehmen. Nate hatte immer eingewilligt, obwohl er den Geschmack von Tabak nach den vielen Jahren auf den Feldern nicht mehr mochte und seine Ma sicher einen Anfall bekommen hätte, wenn sie gewusst hätte, dass er Alkohol trank. Aber es war wichtig, neue Freundschaften zu schließen.
Das war leichter, als er gedacht hatte. Er hatte nicht lange gebraucht, um die Botschaften der Frauen mancher Ladenbesitzer zu begreifen. Sie waren meist deutlich jünger als ihre Männer. Die hatten erst mal ihren Weg machen, ein Haus bauen und ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, bevor sie ans Heiraten denken konnten, während ein Mädchen mit fünfzehn reif für Ehe und Mutterschaft war. Mit achtzehn oder neunzehn hatten die meisten dann auch schon ein paar Kinder – und sehnten sich nach etwas, das aufregender war als Putzen und Kochen und Babys und Hühner füttern. Eine halbe Stunde Spaß im Haus, während der Mann drüben im Laden war – das tat doch niemandem weh. Nate fand vielmehr, dass es das Leben aller lustiger machte. Welcher Ehemann hatte nicht lieber eine Frau, die lächelte und vor sich hinsummte, statt sich ständig über die eintönige...
| Erscheint lt. Verlag | 28.2.2019 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die Südstaaten-Roman-Klassiker |
| Übersetzer | Ulrike von Sobbe |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | From Fields of Gold |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Reisen | |
| Schlagworte | 18. - 19. Jahrhundert • Amerikanischer Bürgerkrieg • Beziehung • Dornenvögel • Drama • Familiengeheimnis • feelgood • Frauenroman • Freundschaft • Gefühl • Gefühle • gefühlvoll • Gegenwartsliteratur • Große Liebe • Happy End • Herzschmerz • Hollywood • Irland • Leidenschaft • Liebe • Liebe / Beziehung • Liebesgeschichte • Liebesleben • Liebesroman • Liebesromane • Liebesromane für Frauen • Liebesroman / Schmonzette • Margaret Mitchell • Nähe • Romance • Romanhefte • Romantasy • Romantik • romantisch • Romantische Komödie • Schicksal • Südstaaten • Südstaatensaga • tatsächlich liebe • Trennung • Unterhaltung • USA • Vivien Leigh • Vom Winde verweht:Clark Gable • wohlfühlen • Zwischenmenschliche Beziehung |
| ISBN-10 | 3-7325-6748-6 / 3732567486 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-6748-5 / 9783732567485 |
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