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Und immer schön al Dente - Amüsante Begegnungen und kulinarische Erlebnisse auf einer etwas anderen Italienischen Reise -  Günter Dr. Arnolds

Und immer schön al Dente - Amüsante Begegnungen und kulinarische Erlebnisse auf einer etwas anderen Italienischen Reise (eBook)

eBook Download: EPUB
2018 | 1. Auflage
224 Seiten
Verlag DeBehr
978-3-95753-591-7 (ISBN)
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4,99 inkl. MwSt
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Der Autor nimmt den Leser mit auf eine kulinarische Reise, trifft singende Metzgermeister, kastanienröstende Bergwinzer, Käsehersteller mit väterlichen Gefühlen für ihre Produkte und ausgestiegene Spitzenköche in einer Berghütte. Er besucht Hölle und Fegefeuer, entdeckt archäologische Perlen in Restaurantkellern und löst Sicherheitsalarm auf dem Flughafen Venedigs aus. Dabei immer wieder auf einer seltsamen Jagd nach ominösen Tellern ... Leben ist nicht nur Arbeit, sondern immer auch Genuss. In amüsanten Begegnungen spürt er dem Lebensgefühl und der italienischen Küche als wesentliche Zutaten zum so oft zitierten und von den nördlichen Nachbarn bewunderten Dolce Vita nach. Hierbei zieht es ihn zu den Osterien, Trattorien und Restaurants abseits der Großstädte, wo die traditionelle und regionale Küche 'della mamma' bis heute immer noch präsent ist. Hier spürt er auch den Menschen dieses Landes nach, die trotz aller beruflichen und wirtschaftlichen Zwänge ihre liebenswerten Eigenarten und ihre bemerkenswerte Gastfreundschaft bewahrt haben.

 

Al dente und ohne Löffel – oder - Die brasilianische Connection

 

„Setz dich auf deinen Koffer und warte auf mich! Setz dich drauf und steh auf keinen Fall auf!“ Paolos Stimme klang drängend und ich folgte der Anordnung – umso mehr, als sie auf Französisch erteilt wurde und ich dies erst einmal verstehen musste. Auch weil ich nach 24 Stunden Zugfahrt einfach zu müde war, um zu fragen oder gar zu widersprechen. Hier mitten auf dem Platz vor Roma Termini, dem Hauptbahnhof von Rom.

Aber fangen wir besser vorne an!

Paolo hatte ich in meinem Heimatort kennengelernt. Jedes Jahr im Sommer kamen brasilianische Studenten, die in Rom katholische Theologie studierten, für einige Wochen in unsere Stadt. Dort wurden sie von einigen Familien aus unserer Gemeinde aufgenommen und beherbergt. Regelmäßig arbeiteten sie in einer großen Firma während ihrer Ferien, um sich etwas Geld zu verdienen und das nächste Semester besser finanziell überstehen zu können. Denn meistens stammten sie aus weniger begüterten brasilianischen Familien. Zwar konnte bei uns zu Hause aus Platzmangel niemand aufgenommen werden. Aber ich gehörte mit zu der Gruppe Jugendlicher, die sich regelmäßig in der Freizeit um die Brasilianer kümmerte.

So hatte ich auch Paolo kennengelernt. Der hatte gerade mich wohl etwas mehr in sein Herz geschlossen, da er sich fast nur mit mir ausführlich unterhalten konnte. Er konnte nämlich kein Deutsch und kaum Englisch, dafür aber Französisch. Außer mir gab es da in unserem Kreis niemanden, der dies ausreichend beherrschte. Als er sich nach 3 Monaten verabschiedete, lud er mich deshalb für das kommende Jahr nach Rom ein – eine Chance, die ich mir nicht entgehen lassen wollte.

Zum Glück war dies die Anfangszeit des Interrail-Tickets, mit dem man 4 Wochen für 145 DM mit der Bahn durch ganz Europa fahren konnte. Die einzige Möglichkeit für mich, eine solche Reise überhaupt finanziell zu realisieren. Zur damaligen Zeit für mich durchaus ein kleines Abenteuer.

So war ich also nun gerade in Rom angekommen, saß auf dem Bahnhofsvorplatz aus mir unbekannten Gründen auf meinem Koffer und suchte im Gewimmel der Menschen nach Paolo. Der war nämlich verschwunden. Ich hatte nur seinen Namen, noch nicht einmal eine Adresse, und begann, mir schon die ersten Sorgen hinsichtlich des weiteren Vorgehens zu machen, als er endlich wieder auftauchte. Nach einer herzlichen Begrüßung gab er mir zu verstehen, dass das Sitzen auf dem Koffer verhindern sollte, dass mir derselbige gestohlen würde. Was gerade an diesem Ort wohl gang und gäbe sei bei Leuten, die touristisch aussähen. Jetzt habe er seinen Freund angerufen, der uns abholen würde. (Wohlgemerkt, es gab damals noch kein Handy, deshalb hatte er zur nächsten Telefonzelle gehen müssen.) Sein Freund sei übrigens Amerikaner. Mir klingelten die Ohren und ich fühlte mich wie in der großen Welt: Eingeladen nach Rom von einem Brasilianer und jetzt chauffiert von einem Amerikaner. Für einen 20-Jährigen aus einer Kleinstadt im Rheinland zur damaligen Zeit schon die ganz große Nummer.

Eigentlich könnte ich jetzt viel mehr schreiben von den folgenden zwei aufregenden Wochen, in denen ich unglaubliche Gastfreundschaft erfuhr, viele Menschen aus allen Teilen der Welt kennenlernte. Trotz ihres Theologiestudiums waren die viel lockerer „drauf“, als ich es von Deutschland her kannte. Über Hintertüren und Hintertreppen erkundeten wir den Vatikan bis hin zur Sixtinischen Kapelle.

Aber es geht ja um kulinarische Erfahrungen!

Zwar hatte ich schon einmal eine Pizza gegessen – in größeren deutschen Städten gab es nämlich zu dieser Zeit schon die eine oder andere Pizzeria. Bei uns in der Kleinstadt waren wir schon stolz auf ein italienisches Eiscafé …

Aber von italienischer Küche hatte ich noch keinen blassen Schimmer. Dafür sollten in diesen beiden römischen Wochen die ersten Grundlagen gelegt werden – was ich allerdings noch nicht ahnte, als wir uns hupend durch den dichten Verkehr bis ins brasilianische Kolleg unseren Weg bahnten.

Am nächsten Abend lud mich Paolo dann in ein kleines Restaurant ein. Wahrscheinlich war es nur eine einfache Osteria, da wir ja beide finanzielle Grenzen hatten. Aber der Unterschied zwischen Osteria, Trattoria und Ristorante war mir damals noch nicht klar – und auch nicht wirklich von Bedeutung für mich.

Da ich auch kein Wort Italienisch verstand, versuchte ich, zunächst ohne Erfolg, mit meinen Lateinkenntnissen die Speisekarte zu entziffern. Aber irgendwie scheinen die alten Römer anderes gegessen zu haben. Und meine Vokabelkenntnisse hatten zwar für Caesars De Bello Gallico und Ovids Gedichte gereicht, scheiterten aber jämmerlichst an Antipasti, Pasta und Secondi. So musste mir Paolo die Speisekarte erst einmal so gut wie möglich auf Französisch übersetzen, was bei uns beiden schon gewisse Heiterkeitsausbrüche auslöste: Italienische Speisekarte auf Französisch übersetzen, damit sich ein Brasilianer und ein Deutscher etwas zu Essen bestellen können. Wir waren bester Laune!

Jedenfalls hatte er mir Tagliatelle al Forno als Hausspezialität empfohlen. Irgendwie hatte ich verstanden, dass die Nudeln aus dem Backofen kommen sollten. Wichtig war, dass sie 4500 Lire (damals ca. 4,50 DM, heute ca. 2,30 €) kosten sollten und damit im Budget lagen. Außerdem traute ich mich an andere Gerichte mangels näherer Kenntnisse vorerst nicht heran. Was Tagliatelle waren, wusste ich auch nicht. Zuhause gab es manchmal Spaghetti, womit aber mein nudeliger Horizont absolut ausgereizt war.

Was dann kam, sah klasse aus und roch noch besser. Lange Nudeln, nicht rund wie Spaghetti sondern eben flach, mit einer köstlich duftenden Soße.

Daneben lag eine Gabel. Nur eine Gabel! Kein Löffel!

Ich war eigentlich stolz gewesen, Spaghetti wie bei uns üblich mit Gabel und Löffel unfallfrei essen zu können. Eben die Nudeln mit der Gabel aufnehmen und dann auf dem Löffel als Hilfsinstrument abstützen und in mundgerechte Portionen drehen. Ich war natürlich davon ausgegangen, dass dies die typisch italienische Art des Nudelessens war. Wie auch sonst?

Und jetzt lag hier nur eine Gabel. Ich muss wohl etwas hilflos geschaut haben, zumal mein Freund auch nur eine solche Gabel hatte und gar nicht irritiert erschien. „Une cuillère?“ – Ein Löffel?, fragte ich ihn. Er verstand sofort und fing herzhaft an zu lachen. „Wofür brauchst du einen Löffel? In Italien isst niemand lange Nudeln mit einem Löffel  – immer nur mit der Gabel alleine. Die Italiener amüsieren sich bei den deutschen Touristen über den Löffel. Den brauchen nämlich nur die Deutschen! Mach es mir einfach nach!“ Und er drehte geschickt mit der Gabel eine Portion der glitschigen Nudeln zu einer mundgerechten Portion. Ich muss gestehen, dass meine ersten Versuche jämmerlich misslangen. Ich hatte wohl noch nie so lange gebraucht, um einen Teller Nudeln zu essen. Aber anschließend war mein Begleiter mit mir zufrieden. Und auch der Kellner, der alles mitbekommen hatte, schenkte mir ein anerkennendes Lächeln. Was meine Laune so weit hob, dass ich mir eine andere Frage erlaubte. Die Nudeln waren gar nicht so weich gewesen, wie ich dies von zu Hause kannte. Sondern richtig bissfest – fremd, aber sehr lecker. „Weißt du“, meinte Paolo, „ das verstehe ich bei euch Deutschen ja auch nicht. Die Nudeln sind bei euch immer total verkocht. Man kann sie kaum essen. Auch bei meinen Gasteltern war das dauernd so – aber ich konnte mich nicht beklagen, weil ich ja dort zu Gast war. Bei Nudeln ist am wichtigsten:

„IMMER SCHÖN AL DENTE!“

 

 

Und so war das Wort „al dente“ nach den Wörtern „bene und grazie“ das dritte Wort der italienischen Sprache, welches ich in meinem Leben lernte und nun für alle Zeiten in meinen Wortschatz aufnahm.

Allerdings wusste ich an diesem Abend noch nicht, dass ich diese nun schon recht umfassenden Kenntnisse der italienischen Sprache schon einige Tage später würde anwenden können.

Paolo hatte mir nämlich erklärt, dass jeder brasilianische Theologie-Student in Rom eine Kontaktfamilie habe, die sich um ihn kümmere. Gerade am Anfang des Studiums solle das dabei helfen, Heimwehgefühle zu vermeiden.

Seine Kontaktfamilie wohnte auf dem Land ungefähr 30 km südlich von Rom. Denen wollte er mich als seinen deutschen Freund unbedingt vorstellen. „Bist du schon einmal Moped gefahren?“ Ich wurde rot vor Verlegenheit. Zur damaligen Zeit war es ungewöhnlich, in meinem Alter noch nicht einmal Mofa gefahren zu sein.

Also lernte ich in Rom erst einmal Moped fahren. Immerhin ungefähr 1 Stunde, bis Paolo befand, dass das nun reiche für eine Spritztour ins Grüne. Nach der Notwendigkeit eines Führerscheins konnte ich nicht fragen, weil ich nicht wusste, wie der auf Französisch heißt: Jedenfalls startete ich mit einem Kloß im Hals und wackeligen Knien. Zum Glück war es Sonntag und der Verkehr damals nicht im Ansatz mit heutigen Verhältnissen zu vergleichen.

Bei der Gastfamilie angekommen stellte sich heraus, dass es sich um einen kleinen Bauernhof mitten auf dem Land handelte. Typisch italienisch: Das Haus äußerlich selbst für meine geringen Ansprüche optisch eher reif für eine Renovierung , aber wahnsinnig freundliche und gut gelaunte Menschen. Die ganze Familie hatte...

Erscheint lt. Verlag 6.11.2018
Sprache deutsch
Themenwelt Reisen Reiseführer Europa
ISBN-10 3-95753-591-3 / 3957535913
ISBN-13 978-3-95753-591-7 / 9783957535917
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