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Zwischen Menschenrechten und Konfliktprävention - Der Minderheitenschutz im Rahmen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) (eBook)

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2010 | 2005
XX, 420 Seiten
Springer Berlin (Verlag)
978-3-540-37626-2 (ISBN)

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Zwischen Menschenrechten und Konfliktprävention - Der Minderheitenschutz im Rahmen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) - Christiane Höhn
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Was sind die Vor- und Nachteile politisch bindender Normen? Welche Auswirkungen haben sie auf das Völkerrecht, zum Beispiel in den Außenbeziehungen der EU? Wie unterscheidet sich der Hochkommissar für nationale Minderheiten von traditionellen menschenrechtlichen Durchsetzungsmechanismen? Welche zusätzlichen, flexibleren und umfassenderen Handlungsmöglichkeiten sind ihm als Instrument der Konfliktprävention gegeben? Der Band gibt fundierte Antworten.

Vorwort 7
Table of Contents 10
Abkürzungsverzeichnis 16
Einleitung 20
Erster Teil: Die OSZE-Normen zumMinderheitenschutz – politischer Kontext, Verhandlungspositionen und Kommentierung aller relevanten Dokumente 25
A. Entwicklung und Rolle der MenschlichenDimension in der OSZE 25
B. Entwicklung der Minderheitenschutznormenbis 1989 31
I. Schlußakte von Helsinki 1975 31
1. Prinzip VII des Dekalogs: Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten, einschließlich der Gedanken-, Gewissens-, Religions- oder Überzeugungsfreiheit 33
2. Prinzip VIII des Dekalogs: Gleichberechtigung und Selbstbestimmungsrecht der Völker 35
3. Dritter Korb: Zusammenarbeit in humanitären und anderen Bereichen 43
II. Abschließendes Dokument des Madrider Folgetreffens von 1983 45
III. Expertentreffen über Menschenrechte und Grundfreiheiten in Ottawa (1985), Kulturforum in Budapest (1985) und Expertentreffen über menschliche Kontakte in Bern (1986) 46
IV. Abschließendes Dokument des Wiener Folgetreffens von 1989 47
1. Fortentwicklung des Prinzips VII 47
2. Minderheitenschutz im dritten Korb 50
3. Menschliche Dimension 53
C. Höhepunkt der Entwicklung der Minderheitenschutznormen 1990/1991 56
I. Konferenz über die Menschliche Dimension der KSZE: Dokument des Kopenhagener Treffens 56
1. Kontext des Treffens 56
2. Das Abschlußdokument 58
a) Einleitung 60
b) Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit 63
c) Rechte der Angehörigen nationaler Minderheiten 65
d) Staatenverpflichtungen 71
aa) Positive Diskriminierung und besondere Schutzmaßnahmen 71
bb) Sprache und Kultur 75
cc) Wirksame Teilnahme an öffentlichen Angelegenheiten 78
dd) Zusammenarbeit, Schlußbestimmungen 80
e) Maßnahmen gegen Rassenhaß 83
3. Bewertung 88
II. Charta von Paris für ein neues Europa 89
III. Bericht des Krakauer Symposiums über das kulturelle Erbe der KSZE-Teilnehmerstaaten vom 6. Juni 1991 90
IV. Bericht des KSZE-Expertentreffens über nationale Minderheiten in Genf vom 19. Juli 1991 91
1. Einleitung (Kapitel I.) 94
2. Selbstbindende Grundsatzerklärungen (Kapitel II.) 98
3. Recht auf wirksame Beteiligung an öffentlichen Angelegenheiten (Kapitel III.) 102
4. Positive Maßnahmen zur Identitätsförderung, shopping list (Kapitel IV.) 106
5. Organisationen, Vereinigungen, nichtstaatliche Organisationen (Kapitel V.) 117
6. Rassenhaß (Kapitel VI.) 119
7. Kommunikation, Kontakte, Information (Kapitel VII.) 121
8. Schlußbestimmungen (Kapitel VIII.) 126
9. Abschließende Beurteilung 128
D. Entwicklung der Minderheitenschutznormen seit 1991 131
I. Dokument des Moskauer Treffens über die Menschliche Dimension vom 3. Oktober 1991 131
1. Umfeld des Treffens, Verhandlungsthemen 131
2. Das Dokument 133
II. Bericht des Osloer KSZE-Expertenseminars über Demokratische Institutionen an den KSZE-Rat vom 15. November 1991 135
III. Helsinki-Dokument 1992 „Herausforderungen des Wandels“ vom 10. Juli 1992 136
1. Internationales Umfeld und Schwerpunkte des Gipfeltreffens 136
2. Minderheitenschutz als Aufgabe der Konfliktprävention 138
3. Für den Minderheitenschutz relevante Normen im Bereich der Menschlichen Dimension 141
a) Nationale Minderheiten 142
b) Urbevölkerungen 148
c) Toleranz und Nichtdiskriminierung 148
d) Demokratie auf lokaler und regionaler Ebene 151
e) Staatsbürgerschaft 152
4. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit 154
5. Weiterentwicklung des institutionellen Rahmens und ihre Bedeutung für die Entwicklung neuer Minderheitenschutznormen 155
6. Zusammenfassende Bewertung des Helsinki-Dokuments 157
IV. Budapester Dokument vom 6. Dezember 1994 – Der Weg zu echter Partnerschaft in einem neuen Zeitalter 158
1. Gipfelerklärung 159
2. Beschlüsse von Budapest 161
a) Menschliche Dimension 161
aa) Nationale Minderheiten 162
bb) Toleranz und Nichtdiskriminierung 165
b) Verhaltenskodex zu politischen und militärischen Aspekten der Sicherheit 167
3. Bewertung 169
V. Lissabonner Dokument vom 3. Dezember 1996 169
1. Gipfelerklärung 170
2. Erklärung über ein gemeinsames und umfassendes Sicherheitsmodell für Europa im einundzwanzigsten Jahrhundert 171
VI. Dokument von Istanbul mit Europäischer Sicherheitscharta vom 19. November 1999 172
1. Gipfelerklärung von Istanbul 173
2. Europäische Sicherheitscharta 176
VII. Erklärung des Ministerrates und Aktionsplan gegen den Terrorismus vom 4. Dezember 2001 in Bukarest 181
E. Zusammenfassung des ersten Teils 185
Zweiter Teil: Übergreifende Analyse und Bewertung des OSZE-Normsystems zum Minderheitenschutz 187
A. Einteilung der einzelnen OSZE-Normen in Kategorien unterschiedlichen Verpflichtungsgrades 187
I. Subjektive Rechte der Angehörigen nationaler Minderheiten 188
II. Staatenverpflichtungen 190
III. Absichtserklärungen 195
IV. Selbstbindende (Grundsatz-)Erklärungen 197
V. Ergebnis 200
B. Ausgewählte Fragestellungen zum Inhalt der OSZE-Normen 201
I. Begriff der „nationalen Minderheiten“ 201
II. Individualrechte vs. Gruppenrechte 210
III. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit als Voraussetzung und Teil des Minderheitenschutzes 215
IV. Doppelter Ansatz: Menschenrechte und Sicherheit/ Konfliktprävention 217
C. OSZE-Standards als politische Normen? 220
I. Auswirkungen der politischen Natur der Dokumente auf denNormsetzungsprozeß 220
II. Rechtsnatur und Verbindlichkeit der OSZE-Verpflichtungen 226
1. Völkerrechtlicher Vertrag 226
2. Völkergewohnheitsrecht 228
3. Allgemeine Rechtsgrundsätze 235
4. Politische Verbindlichkeit und Soft Law 237
5. Ergebnis 246
D. Auswirkungen der OSZE-Normen zum Minderheitenschutz auf das Völkerrecht 247
I. Der Grundsatz von Treu und Glaube/Estoppel 247
II. Vorstufe zur Verrechtlichung eines bis dahin völkerrechtlich nahezu „unbesetzten“ Bereiches 251
III. Die Rolle der OSZE-Normen zum Minderheitenschutz in den Außenbeziehungen der Europäischen Union 253
1. Rechtsgrundlage: Art. 11 EUV 253
2. OSZE-Wesentlichkeitsklauseln in Verträgen der EG mit OSZE Staaten 255
3. Die OSZE-Wesentlichkeitsklauseln in der Praxis 258
4. Voraussetzung für völkerrechtlich relevante Akte 262
a) Anerkennung neuer Staaten durch die Europäische Union 263
b) Beitritt zur Europäischen Union 264
5. Ergebnis 266
IV. Die Inkorporierung der OSZE-Standards zum Minderheitenschutz in bilaterale Verträge zwischen OSZE-Staaten 267
1. Einleitung 267
2. Weitestgehende Inkorporierung: OSZE-Normen mit (ausdrücklicher) völkerrechtlicher Geltung 270
3. Indirekte, lediglich für die Auslegung ausdrücklich im Vertrag niedergelegter Verpflichtungen relevante Verweisung auf OSZE- Minderheitenschutznormen 273
4. Verweisung als selbstbindende Erklärung 275
5. Verpflichtung zum Eintreten für die Verrechtlichung der OSZE- Standardszum Minderheitenschutz 277
6. Ergebnis 277
V. Auslegung von völkerrechtlichen Verträgen 278
1. Einführung 278
2. Die Rolle der OSZE-Standards bei der Auslegung der EMRK durch den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof 281
3. Auslegung von Art. 6 Abs. 1 EUV: „Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten“ 282
VI. Völkerrechtliche Verbindlichkeit der OSZE-Normen durch Bezugnahme in Resolutionen des UN-Sicherheitsrats 284
VII. Schlußfolgerung 285
E. Wirkung und Durchsetzung der OSZE- Normenim innerstaatlichen Recht 286
I. Ausgestaltung des politischen Systems, Gesetzgebung, Auslegung von Gesetzen 286
II. Verfassungsrechtliche Probleme aufgrund der innerstaatlichen Bindungswirkung der politischen OSZE-Dokumente 289
F. Vor- und Nachteile eines politischen gegenüber einem juristischen System des Minderheitenschutzes 295
G. Zusammenfassung des zweiten Teils 298
Dritter Teil: Durchsetzung der Minderheitenschutznormen durch den Hochkommissar für nationale Minderheiten als Instrument der Konfliktprävention 302
A. Einführung 302
I. Mandat 305
II. Auslegung des Mandats und Vorgehensweise des Hochkommissars in der Praxis 311
B. Normanwendung durch den Hochkommissar 325
I. Rolle der internationalen Standards zum Minderheitenschutz bei den Empfehlungen des Hochkommissars 325
1. Auslegung und Präzisierung der Normen sowie Umsetzung in Empfehlungen 332
2. Verrechtlichung der OSZE-Normen durch Umsetzung in innerstaatliches Recht (Elevation of Norms) 337
3. Suchen von Unterstützung für normkonforme Ergebnisse – der Hochkommissar als “Gatekeeper” für den Beitritt mittel- und osteuropäischer Staaten zur EU 340
4. Normentwicklung 343
a) Allgemeine Prinzipien 344
b) Generelle Expertenempfehlungen 346
aa) Hague Recommendations Regarding the Education Rights of National Minorities, 1996 352
bb) Oslo Recommendations Regarding the Linguistic Rights of National Minorities, 1998 354
cc) Lund Recommendations on the Effective Participation of National Minorities in Public Life, 1999 356
5. Normverbreitung 358
II. Relevanz des Unterschieds hard law/soft law 359
III. Vor- und Nachteile der Institution des Hochkommissars im Vergleich zu den für den Minderheitenschutz relevanten traditionellen Durchsetzungsmechanismen im menschenrechtlichen Bereich 362
IV. Ergebnis 371
C. Zusammenfassung des dritten Teils 376
Schlußbemerkungen 377
Summary 379
Introduction 379
Part 1: The OSCE Standards for Minority Protection – Political Context, Negotiating Positions and Commentary of All Relevant Documents 380
Part 2: Analysis and Evaluation of the OSCE System for Minority Protection 381
Part 3: Implementation of the Minority Protection Standards by the High Commissioner on National Minorities as Conflict Prevention Instrument 383
Conclusion 386
Anhang: Mandat des Hochkommissars für nationale Minderheiten 387
Helsinki Dokument, Beschlüsse, II. Hoher Kommissar für nationale Minderheiten 387
II. Hoher Kommissar für nationale Minderheiten 387
Mandat 387
Profil, Ernennung, Unterstützung 388
Frühwarnung 389
Frühwarnungs-Erklärung 389
Frühmaßnahmen 390
Rechenschaftspflicht 390
Beilage 391
Informationsquellen für Fragen betreffend nationale Minderheiten 391
Direkt betroffene Parteien 392
Bedingungen für Reisen des Hohen Kommissars 392
Hoher Kommissar und Hinzuziehung von Experten 393
Haushalt 394
Literaturverzeichnis 395
Sachregister 421

"E. Wirkung und Durchsetzung der OSZENormen im innerstaatlichen Recht (p. 273-274)

I. Ausgestaltung des politischen Systems, Gesetzgebung, Auslegung von Gesetzen

Die Teilnehmerstaaten sind durch die OSZE-Schutznormen politisch verpflichtet, ihr politisches System demokratisch und rechtsstaatlich auszugestalten und für eine Gesetzgebung und ihre Durchsetzung zu sorgen, die dem OSZE-Minderheitenschutz entspricht. Außerdem bestehen Pflichten im Rahmen der Außenpolitik, nämlich der konstruktiven Zusammenarbeit im Bereich des Minderheitenschutzes, der Erfüllung ihrer bestehenden völkerrechtlichen Verpflichtungen und der Prüfung des Beitritts zu weiteren für den Minderheitenschutz relevanten Verträgen und Durchsetzungsmechanismen.

Die OSZE-Normen bieten eine Vorgabe für die innerstaatliche Gesetzgebung zum Minderheitenschutz . Gerade für die jungen Demokratien in Mittel- und Osteuropa ist diese Orientierung nicht zu unterschätzen. Anwendbar ist im Falle der Umsetzung allerdings das innerstaatliche Recht und nicht die OSZE-Normen. Die Minderheitenschutznormen spielen eine Rolle bei der Auslegung der innerstaatlichen Gesetze, vor allem dem Verfassungs- und Verwaltungsrecht . Dies gilt sowohl für die allgemeinen Menschenrechte und Grundfreiheiten als auch für spezielle, die Minderheiten betreffende innerstaatliche Regelungen.

Wie bei völkerrechtlichen Verträgen auch können die OSZE-Normen nur innerhalb der gesetzlich möglichen Auslegung wirken, nicht darüber hinaus. Das heißt, eine mit dem Wortlaut des Gesetzes unvereinbare Auslegung kann nicht getroffen werden. Auch können staatliche Schutz- und Fördermaßnahmen nur dann verlangt werden, wenn ein allgemeiner gesetzlicher Rahmen dafür besteht. Die Transformationsregeln für Völkerrecht in innerstaatliches Recht gelten für die OSZE-Normen nicht, was einen der entscheidenden Unterschiede zum Völkerrecht darstellt . Die OSZE-Regelungen können zur Auslegung von Ermessensnormen und unbestimmten Rechtsbegriffen herangezogen werden, was zu einer Ermessensreduzierung führen kann .

Die Bedeutung der Berücksichtigung der OSZE-Minderheitenschutznormen für Angehörige nationaler Minderheiten liegt, ähnlich wie oben für den Fall der EMRK aufgezeigt, in der Möglichkeit, bestimmte minderheitenfeindliche Auslegungen und Argumente des Staates zu widerlegen und deren Unzulässigkeit zu erreichen, vorausgesetzt die Minderheitenangehörigen handeln in dem Rahmen, der durch die OSZE-Schutznormen vorgegeben wird.

Fraglich ist, ob es sich bei den OSZE-Minderheitenschutznormen um eine bloße Auslegungshilfe handelt oder um grundsätzlich bindende Auslegungsvorgaben wie bei völkerrechtlichen Verträgen, deren Vertragsparteien ausschließlich OSZE-Staaten sind. Die zwischenstaatliche Bindung resultiert aus dem Gutglaubensgrundsatz im Völkerrecht, während im Unterschied dazu die Verpflichtung des Staates gegenüber seinen Bürgern ihren Ursprung im innerstaatlichen Recht hat. Auch sind die Bürger nicht am Konsens beteiligt gewesen. Die Staaten schaffen zwar einen Vertrauenstatbestand, aber zunächst nur mittelbar gegenüber den Bürgern."

Erscheint lt. Verlag 10.5.2010
Reihe/Serie Beiträge zum ausländischen öffentlichen Recht und Völkerrecht
Beiträge zum ausländischen öffentlichen Recht und Völkerrecht
Zusatzinfo XX, 420 S.
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Recht / Steuern EU / Internationales Recht
Schlagworte Hochkommissar • Konfliktprävention • Menschenrechte • Minderheiten • Minderheitenschutz • Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa • OSZE • Völkerrecht
ISBN-10 3-540-37626-7 / 3540376267
ISBN-13 978-3-540-37626-2 / 9783540376262
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