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Mit Rückenwind zu mir -  Francisco Prieto Montesdeoca

Mit Rückenwind zu mir (eBook)

Eine Reise zu den Orten der Welt und den Wegen des Herzens
eBook Download: EPUB
2025 | 2. Auflage
326 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7693-8777-3 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
2,99 inkl. MwSt
(CHF 2,90)
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Mit Rückenwind zu mir - nimmt dich mit auf eine Fahrradreise, die weit über geografische Grenzen hinausgeht. Francisco und Antje starten in Zagreb, um sich per Pedalkraft entlang der kroatischen Küste und weiter durch Italiens kunstvolle Städte bis nach Mailand vorzuarbeiten. Doch schon bald zeigt sich, dass das eigentliche Abenteuer nicht nur im täglichen Kilometerzählen liegt, sondern vor allem in den leisen und lauten Momenten dazwischen: in Begegnungen, die das Herz öffnen, in stillem Nachdenken, während der Wind ins Gesicht peitscht, und in dem Gefühl, wirklich bei sich anzukommen. Dieses Buch ist eine Mischung aus persönlichem Roadmovie und philosophischer Spurensuche. Humorvolle Pannen, raues Wetter, spontane Hilfsbereitschaft und unerwartete Einsichten verleihen jeder Etappe eine eigene Farbe. Es geht um mehr als nur schöne Ausblicke und tapfere Trittfrequenz: Es geht um das Loslassen alter Gedankenmuster, um die Frage nach echter Freiheit und darum, wie wir unterwegs eine innere Heimat finden können. Mit einer wohltuenden Balance aus Leichtigkeit und Tiefgang lädt - Mit Rückenwind zu mir - dazu ein, sich auf das Ungeplante einzulassen. Für Sinnsuchende und Abenteuerlustige gleichermaßen offenbart sich eine Reise, die Körper, Geist und Seele in Bewegung bringt. Und am Ende bleibt das Gefühl, dass man manchmal wirklich losfahren muss, um endlich bei sich selbst anzukommen

DER ERSTE TRITT INS ABENTEUER


Der gemietete Bulli stand vor unserer Haustür, ein metallisches Ungetüm, das sich so elegant einfügte wie ein Nashorn im Porzellanladen. Beladen bis zum Anschlag mit sperrigen Fahrradkartons und allem, was wir für die Reise brauchten, wirkte er wie eine überforderte Arche Noah – mit dem Unterschied, dass statt Tieren nur unser Chaos an Bord war. Und irgendwo dazwischen, inmitten von Spanngurten und Taschen, lagen auch meine Nerven, die sich vorsorglich zusammenrollten wie ein Igel in der Nacht. Es war später Nachmittag, die Zeit lief uns davon, und der Bulli ächzte leise unter seinem Gewicht – oder vielleicht bildete ich mir das auch nur ein.

Doch ich konnte schwören, dass er kurz vorwurfsvoll die Stoßdämpfer hob, als wollte er sagen: „Ihr hättet auch weniger einpacken können.“

Ein Wochenende zuvor war ich über 300 Kilometer nach Ostwestfalen gefahren, um meine Eltern – die Großeltern unserer 14- jährigen Tochter Paula – abzuholen. Sie sollten, wie bei unseren früheren Reisen, während unserer Abwesenheit ihre Enkelin aufpassen. Da Schulzeit war, konnten wir sie schlecht zu den Großeltern bringen. Und weil meine Eltern schon seit Jahren kein Auto mehr fuhren, lag es an uns, sicherzustellen, dass es ihnen während unseres Trips an nichts fehlte. Einkäufe mussten geplant, Vorräte besorgt und öffentliche Verkehrsanbindungen auf Herz und Nieren geprüft werden – ein logistisches Meisterwerk, das beinahe mehr Vorbereitung erforderte als die eigentliche Reise.

Zwischen Packlisten, Fahrradwartung und dem Versuch, die Welt in den nächsten drei Wochen nicht vollständig aus den Augen zu verlieren, war ich weniger ein Jongleur und mehr ein Clown im Zirkus des Lebens – einer, der mit brennenden Kegeln jonglierte. Aber tief in mir wusste ich: Irgendwann würde ich all diese Bälle loslassen müssen. Und vielleicht bliebe am Ende nur noch einer in der Luft: die Freude, endlich losgelassen zu haben. Es war ein Chaos, das mich gleichzeitig lähmte und vorantrieb, wie ein Sturm, der die Segel zerreißt, aber das Boot trotzdem schneller macht. Aber ich wusste: Irgendwann würden die Bälle weniger, und vielleicht – ganz vielleicht – würde ich am Ende nur noch einen einzigen in der Hand halten: die Freude, endlich losgelassen zu haben. Und einer dieser Bälle – oder vielmehr eine Tasche – tauchte jetzt über Antjes Schulter auf, als sie aus dem Haus trat. Ihr Blick traf mich, durchbohrte meine angespannte Fassade.

„Sag bitte, dass du die Spanngurte eingepackt hast?“

Antjes Stimme war ruhig, doch ihr Blick traf mich präzise wie ein Schraubenschlüssel, der genau die richtige Stelle findet.

„Natürlich!“, log ich halbherzig, während ich hektisch versuchte, mich zu erinnern, wo ich sie zuletzt gesehen hatte. Mein Kopf war gefüllt mit Checklisten und Zweifeln, die sich unaufhörlich überschlugen.

Mit einem leisen Stöhnen, das die letzten Tage zusammenzufassen schien, sprang der Motor an. Der Bulli schien nicht minder widerwillig als ich, doch es gab keinen Platz für Zögern. Vorsichtig legte ich den ersten Gang ein, während mein Kopf noch voller To-do-Listen war, die sich wie Geister an meine Gedanken klammerten.

Es war, als ob der Wagen fragen wollte: „Seid ihr bereit?“ – doch die einzige Antwort war ein fester Tritt aufs Gaspedal.

Mit einem tiefen Atemzug fuhr ich vom Hof. Die nagende Unruhe, etwas vergessen zu haben, klammerte sich an die Anhängerkupplung wie ein sturer Mitfahrer, der sich weigert, auszusteigen.

Ich konnte förmlich hören, wie sie flüsterte: „Na warte, ich überrasche dich am Flughafen – vielleicht hast du ja den Reisepass liegen lassen.“

Während wir durch die vertrauten Straßen unseres Ortes Richtung Hamburg rollten, spürte ich, wie die Anspannung langsam zu einer drückenden Begleitung wurde. Die letzten Tage hatten ihre Spuren hinterlassen – nicht nur in meinem Kopf, sondern auch in meiner Geduld. Hatten wir alles? Oder würde uns der Moment der Erkenntnis erst am Flughafen ins Gesicht schlagen, wenn es zu spät war?

„Antje“, begann ich zögerlich, „falls wir die Spanngurte vergessen haben... na ja, improvisieren wir.“

„Improvisieren?“

Sie sah mich an und hob eine Augenbraue.

„Das letzte Mal, als du improvisiert hast, hast du versucht, ein kaputtes Ventil mit Panzer-Tape zu reparieren.“

Ich musste lachen, auch wenn es ein nervöses Lachen war.

„Hey, das hat funktioniert – für genau fünf Minuten.“

Ihr Kopfschütteln war halb belustigt, halb genervt, aber ihr Blick wurde weicher. Trotz allem waren wir ein eingespieltes Team – zumindest meistens.

Der Transporter quälte sich träge durch den Feierabendverkehr, als würde er selbst die Anspannung der letzten Tage mit sich herumtragen.

Baustellen, rote Ampeln und die zähe Masse der Autos vor uns wirkten wie eine orchestrierte Sabotage – eine Oper des Stillstands, in der jede rote Ampel die Arie sang: „Bleib stehen, du schaffst es eh nicht rechtzeitig.“

Aber irgendwo wusste ich: Irgendwann würde das Konzert vorbei sein, und das leise Summen unserer Reifen würde den Takt angeben.

Das Brummen des Motors vermischte sich mit meinem aufkeimenden Frust, während Antje neben mir mit unbeirrter Ruhe ihre Notizen durchblätterte. Sie wirkte wie der Fels in der Brandung – zumindest äußerlich. Ich wusste, dass auch sie die Spannung spürte, doch sie verbarg es gekonnt hinter ihrem konzentrierten Blick.

„Wir müssen das Schaffen“, murmelte ich, halb zu mir selbst, halb als Beschwörung an den schwerfälligen Sprinter.

Der Gedanke an den morgigen Flug um kurz nach acht und daran, dass wir den Bulli heute Abend noch zurückgeben mussten, lastete schwer auf mir. Es gab keinen Plan B, keine Möglichkeit, morgen früh alles zu improvisieren – ohne ihn würden wir schlicht feststecken.

Die Kupplung knirschte, als ich den Gang wechselte, und das Fahrzeug ruckte vorwärts, fast widerwillig.

„Mach mit, Alter“, dachte ich, während ich das Lenkrad fester umklammerte. Antje schaute kurz auf, als wollte sie etwas sagen, entschied sich aber dagegen. Ihre Stille war fast so laut wie das Brummen des Motors. Irgendwo zwischen ihren trockenen Kommentaren der letzten Stunden und der zähen Realität des Verkehrs fühlte ich jedoch einen kleinen Funken Vorfreude aufblitzen – so flüchtig wie ein Sonnenstrahl, der sich durch den dichten Himmel kämpfte.

Hamburg schien in weiter Ferne, während der Feierabendverkehr sich bewegte wie ein angeschossener Wal – schwerfällig und ohne erkennbare Richtung. Doch irgendwo in diesem Stillstand spürte ich eine seltsame Ruhe. Es war, als würde das Chaos der letzten Tage langsam zurücktreten. Jede quälend lange Minute brachte uns dem Startpunkt unserer Reise näher, und der Horizont, durchzogen von grau-orangen Streifen, schien diese mühsame Annäherung fast feierlich zu kommentieren.

Es war ein seltsamer Kontrast: Der Lärm der hupenden Autos und das träge Vorankommen mischten sich mit einer leisen Vorfreude. Kein filmreifer Auftakt mit Fanfaren und wehenden Fahnen – vielmehr ein stiller, unspektakulärer Anfang, der mich daran erinnerte: Die schönsten Abenteuer entstehen nicht aus dem Perfekten, sondern aus dem Ungewissen.

Und so dachte ich, während ich die Kupplung wieder knirschend kommen ließ: „Na gut, Reise – dann zeig mal, was du kannst.“

Das Abenteuer hatte begonnen, auch wenn es noch nicht danach aussah. Hamburg lag vor uns, verborgen hinter einem Labyrinth aus Bremsspuren. Ich biss die Zähne zusammen und versuchte, das mulmige Gefühl zu ignorieren, dass wir spät dran waren. Aber irgendwie war auch das Teil des Ganzen – ein chaotischer Auftakt, der uns daran erinnerte, dass nichts jemals genau nach Plan lief.

Die Minuten schmolzen dahin, während wir uns durch das Gewirr des Flughafens kämpften. Jeder Handgriff, jede Bewegung fühlte sich wie ein Wettlauf gegen die Zeit an, der unsere Nerven bis aufs Äußerste spannte.

„Wo ist die Sperrgepäckannahme?“, fragte Antje, die Augen suchend.

Ich schob den Gepäckwagen wie einen störrischen Esel, während wir durch das Terminal hetzten. Mit den Kartons auf dem Wagen navigierten wir durch die Halle, während die Zeit unbarmherzig gegen uns tickte.

„Wo ist die Sperrgepäckannahme?“, fragte sie mich mit der Verzweiflung einer Quizshow-Teilnehmerin, die gerade ihre letzte Joker-Frage verbrennt.

Ich manövrierte die sperrigen Kartons, die sich benahmen wie widerspenstige Eselchen, und versuchte Orientierung zu finden.

„Da drüben, glaube ich“, sagte ich, mein Tonfall weniger überzeugt, als mir lieb war.

„Du glaubst?“

Antje warf mir einen kurzen, skeptischen Blick zu, bevor sie selbst das nächste Schild scannte.

„Wir können uns jetzt keine Irrwege leisten!“

„Ja,...

Erscheint lt. Verlag 21.3.2025
Sprache deutsch
ISBN-10 3-7693-8777-5 / 3769387775
ISBN-13 978-3-7693-8777-3 / 9783769387773
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