Caminoschnecke auf Pilgerstrecke (eBook)
164 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-7044-4 (ISBN)
Alexeniá Kolá, geboren 1970 in Dortmund, studierte in ihrer Geburtsstadt Sonderpädagogik und arbeitet an einer Förderschule. In diesem Zusammenhang veröffentlichte sie bereits verschiedene Unterrichtsentwürfe. Seit 2018 ist sie verheiratet und lebt mit ihrem Ehemann im Ruhrgebiet. Das Reisen begleitet sie ihr ganzes bisheriges Leben. In der ersten Lebenshälfte bereiste sie hauptsächlich Griechenland, erkundete dort einige Gegenden und die Inselwelt der Ägäis. In einem Sabbatjahr, in dem sie ihr Weg auch zum Jakobsweg und zu dieser erlebten Buchgeschichte geführt hat, bereiste sie Länder Süd- und Mittelamerikas. Hierzu veröffentlichte sie einen Fotokalender über die Osterinsel.
Reisetagebuch Camino de Santiago
Vorwort
Die Idee, den Camino de Santiago zu gehen, kam mir vor etwa fünfzehn Jahren, als mir das Buch eines berühmten deutschen Komikers in die Hände fiel, welches mich erstmals dazu inspirierte und ermutigte, selbst einen Pilgerweg zu gehen. Das Lesen dieses Buches verging für mich damals wie im Flug. Zeile für Zeile sog ich in mich auf und während dieses Lesegenusses kristallisierte sich Seite für Seite mehr der Wunsch heraus, dieses niedergeschriebene Erlebte in eigener Form nachzuempfinden und zu erleben. Zudem dachte ich bei mir, wenn er das geschafft hat, konnte ich das als übergewichtige Person vielleicht auch schaffen?!
Zunächst einmal wurde ich neugierig, was es genau mit dem Ja-kobsweg auf sich hatte und ich begann, Sämtliches dazu zu lesen und mich zu informieren, was mich zunehmend neugieriger werden ließ. So erfuhr ich zum Beispiel, dass durch Spanien verschiedenste Jakobswege führen, die alle Santiago de Compostela zum Ziel haben. Es gibt den sogenannten „Einfachen Weg“, den „Weg vom Norden“, den „Englischen Weg“, den „Weg von Fisterra nach Muxia“, die „Route vom Meer von Arousa und dem Fluss Ulla“, den „Portugiesischen Weg“, den „Weg vom Südosten Via de la Plata“ und den „Französischen Weg“. Durch Spanien gibt es noch viele weitere verschiedene Jakobswege. Der „Französische Jakobsweg“, auch „Camino francés“ genannt, weckte zunehmend mein Interesse; er galt damals als der bekannteste und wurde wohl auch bis heute von den meisten Pilgern gegangen. Ein Grund dafür ist, dass es entlang der Strecke auch in kürzeren Etappen immer wieder die Möglichkeit gibt, Pilgerherbergen aufzusuchen.
Einige Monate der Reifung dieser Idee mussten noch vorbeigehen, bis langsam alles Form annahm. Im Internet stieß ich auf ein Forum und dort auf jemanden, der den Camino de Santiago bereits mehrmals gegangen war. Über ihn bekam ich erste hilfreiche Tipps, was ich benötigen würde und wie ich mich auf diese Reise vorbereiten sollte. Als erstes führte mich mein Weg vorsichtig in einen Trekkingladen. Als eher unsportliche Person überkam mich zunächst Unbehagen, bei all den Super-Hightech-Outdoor-Angebo-ten, mein Vorhaben kundzutun und den Mut aufzubringen, dazu zu stehen, dass ich vorhatte, den Camino de Santiago zu gehen.
Der Zufall wollte es, dass ich an einen äußerst freundlichen Verkäufer geriet. Dieser, ein kleiner, drahtiger, naturburschiger Kerl, war selbst den Jakobsweg ein Jahr zuvor gegangen und somit entpuppte er sich als jemand, der wusste, wovon er sprach. Als er ins Reden kam, funkelten seine Augen ob der Erinnerungen an den Pilgerweg und sämtliche Ratschläge sprudelten aus ihm heraus. Gute Wanderschuhe und Socken mussten her, Wanderstöcke, eine leichte Fleecejacke, etwas Hilfreiches für Regenwetter, ein praktischer, bequemer und besonders leichter Rucksack, ein Handtuch und ein schnelltrocknendes T-Shirt. Schnell waren wir beim „du“ und über die Wochen besuchte ich das Geschäft immer wieder und kam somit nach und nach in den Besitz der benötigten nützlichen Wanderutensilien und persönlicher Tipps und Tricks von Rudi, um den Camino unbeschadet zu begehen und durchzuhalten.
Zu den wertvollsten Ratschlägen gehörten, den Rucksack möglichst inklusive allem, auf ein maximales Gewicht von acht Kilogramm zu packen, sich Hirschtalg für die täglich geforderten Füße zu besorgen, um diese damit jeden Morgen und Abend kräftig ein-zusalben, sich auf jegliche Wettergegebenheiten einzustellen und dafür gewappnet zu sein, mit Handschuhen, Windjacke, Regen poncho, Sonnencreme, Sonnenbrille und einem warmen Stirnband für die Ohren. Ein weiterer, sehr logischer Hinweis aus dem Camino-Forum war, zu bedenken, dass man nicht durch absolute Einöde wie einer Wüste laufen würde, sondern immer wieder auch Orte und Städte begehen und durchqueren würde, in denen es „normale“ Zivilisation und demnach viele Möglichkeiten geben würde, in Apotheken oder sonstigen Geschäften Nötiges zu erwerben oder einfach nur Geld an einem Automaten zu ziehen. Und dies fast jederzeit und überall.
Somit wuchs von Woche zu Woche mein Vorhaben, den Jakobsweg zu gehen, ich fasste mehr und mehr Mut, dies alleine zu tun und mein Plan verlor zunehmend seine ängstlichen und unwissenden Ecken, um immer mehr zu einem runden und freudigen Ganzen zu werden. Ich begann, mir an jedem Wochenende eine Laufroute in der Nähe meines Heimatortes zu suchen. Ich fing mit Strecken an, die fünf Kilometer lang waren und mit einem Rucksack, in dem eine Anderthalb-Liter-Flasche Wasser das Gewicht bildete. An jedem Wochenende fuhr ich zu einem Startpunkt, parkte mein Auto und lief los. Ich lief Wege um den Hengsteysee ab. Ging von dort als Startpunkt nach Herdecke und zurück. Wanderte von dort in die andere Richtung, entlang der Ruhr, nach Schwerte. Lief zu Freunden quer durch meine Stadt Dortmund, von Westen bis in den Osten und zurück. Mit jedem Wanderübungswochenende erhöhte ich über die Zeit mit Hilfe von Wasserflaschen mein Gewicht im Rucksack. Dachte ich bei meiner ersten Übungsstrecke mit nur einer Anderthalb-Liter-Flasche Wasser schon: „Das schaffe ich nie!“, wurde es mit jedem Male einfacher.
So vergingen von März an die Wochen und Monate, bis ich tatsächlich irgendwann meinen Rucksack mit gut fünf anderthalb Liter Flaschen Wasser bestücken konnte und das Gewicht nicht mehr als enorme Last empfand. Das Gehen fiel mir wöchentlich leichter und mein Körper gewöhnte sich ein wenig an die neue Herausforderung. Der Entschluss war gereift, der schwere Körper im Rahmen seiner Möglichkeiten vorbereitet, die Route für die einzelnen Wegabschnitte ausgearbeitet. Mein bestellter Pilgerpass für die täglichen Nachweisstempel der Etappenziele hatte mich per Post erreicht.
Zum damaligen Zeitpunkt waren die Mobiltelefone und das Internet noch lange nicht derart ausgereift und hilfreich für jedermann wie es heutzutage der Fall ist. Auf einer Liste hatte ich somit an vielen Abenden, mit der Hilfe verschiedener Reise- und Wanderführer die einzelnen Etappen kleinschrittig für mich ausgeklügelt, denn es war damals noch wesentlich mühsamer, solche Strecken auszuarbeiten und ich verbrachte sämtliche freie Zeit in meinem Bett sitzend damit, alles gewissenhaft und vernünftig in Kürze aufzuschreiben. Ich ging davon aus, dass ich täglich um die zwanzig Kilometer gehen würde, suchte mir meines Erachtens nach Pilgerherbergen heraus, die als sauber und positiv beschrieben waren und notierte mühsam und kleinschrittig, wann ich wo sein würde. All diese Mühen hätte ich mir wohl sparen können, denn es sollte bereits nach der ersten gelaufenen Wanderetappe anders kommen…
In einem halben Jahr hatte ich über die Zeit alles zusammengetragen, was in meinem Rucksack als Gepäck Platz finden sollte und mich mental und körperlich vorbereitet. Für all die Dinge, die ich mitnahm oder am Körper trug, galt, dass sie in ihrem Eigengewicht leicht sein mussten und dass sie möglichst schnell trockneten. Grundsätzlich hatte ich zwei Kleidungsvarianten bei mir und abwechselnd an. Die eine war die, mit der ich am Tage die Etappen laufen sollte, also die reine Wanderklamotte. Die andere war die, die ich anziehen würde, wenn ich nach der täglichen Streckenan- kunft die Wanderklamotte durchgewaschen hätte und in die ich mich dann für den Rest des Tages und des Abends schmeißen würde, während ich darauf hoffte, dass die zuvor getragene, meist durchgeschwitzte Wanderkleidung, nach dem Durchwaschen, bis zum nächsten Morgen wieder getrocknet sein würde. Es galt als Grundsatz der Pilgerreise, mich stets auf das Nötigste zu beschränken und mir dessen bewusst zu werden, mit wie wenig ich am Ende in der Lage sein würde, auszukommen.
Von Rudi, dem Trekkingladenverkäufer meines Vertrauens, bekam ich bei meinem letzten Besuch eine Jakobsmuschel geschenkt, die er selbst von seinem Jakobsweg mitgebracht hatte. Diese fand ihren Weg und baumelte zuverlässig vom ersten Reisetag an, gut sichtbar an meinem neuen Rucksack. Bevor ich mich ein letztes Mal vor meiner Reise von Rudi verabschiedete und er mir „Buen Camino“, also einen „guten Weg“ wünschte, gab er mir als letzten Tipp noch mit auf den Weg, jegliches Steinchen oder ähnliches, was unterwegs ungebeten in einen Schuh geraten sollte, in jedem Falle unverzüglich zu entfernen, da sonst zeitnah ungewollte Scheuerstellen oder Blasen entstünden. Diese Regel sollte ich immer beachten, auch wenn ich während des Laufens bei mir denken würde, ach, das mache ich später. Nicht warten damit, sondern direkt handeln und den Störenfried entfernen.
Bezüglich des Gepäckes im Rucksack war es (und ist es) immer von Vorteil, wenn sich Dinge unterschiedlich verwenden ließen. Zum Beispiel, wenn sich ein Halstuch auch als Sonnenschutz für den Kopf umfunktionieren ließ oder die Haarseife gleichzeitig als Kör-perseife benutzt werden könnte. Für Einsteiger, wie ich es damals war, habe ich hier mal eine Liste zusammengetragen mit allem, was man für...
| Erscheint lt. Verlag | 24.4.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| ISBN-10 | 3-8192-7044-2 / 3819270442 |
| ISBN-13 | 978-3-8192-7044-4 / 9783819270444 |
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