Leben (eBook)
220 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-7557-6892-0 (ISBN)
Der Autor wurde in Österreich geboren. Nach seinem Berufsleben als Ingenieur und Chemiker, studiert er heute als Gasthörer an der Universität Heidelberg Altorientalistik, Alte Geschichte, Philosophie und Theologie. Die Studieninhalte liefern ihm die Grundlagen für seine Betrachtungen der heutigen Zeit.
Kapitel 2 Jungsteinzeit
Der Sturm weht heftig. Er kommt aus Südwest und bläst direkt auf die Vorderfront des Hauses. Die Vorderfront ist nicht mehr ganz dicht. Es zieht sehr stark bis ins Innere des Hauses. Die Menschen drinnen haben sich in den Hintergrund des Hauses zurückgezogen und bangen um die Standsicherheit des Gebäudes.
Das Haus wird von einer großen Familie bewohnt. Da sind Rolo, der Hausherr, seine Frau Liz, ihre Kinder und nahe Verwandte, Brüder, Schwestern, Angeheiratete und Vettern. Auch noch einige Tiere, die man nachts besser nicht draußen lässt, wegen der Wölfe. Das Haus kann sie alle aufnehmen. Es ist ein Großbau, acht Meter breit und um die dreißig Meter lang. Die Vorderfront schaut nach Südwesten, der Hauptwindrichtung. Diese Front ist die stabilste des ganzen Bauwerkes.
Die Familie sitzt im hintersten Winkel des Hauses. Allen ist es sehr bange vor dem Sturm. Aus gutem Grund: schon die Sommerstürme haben die Baufälligkeit des Gebäudes offenbart. Einige Pfosten sind schon gebrochen, das Dach teilweise eingedrückt, die Hauswände haben ihre Stabilität auch schon weitgehend verloren.
Da sagt Liz: „Rolo, ich glaube wir sollten dieses Haus verlassen. Es wird den Winter nicht überstehen. Wir müssen uns entschließen ein neues zu bauen.“
Rolo stimmt ihr zu. Er verspricht: „Ich werde morgen den Dorfrat einberufen um dies zu besprechen.“
Zu dem Dorf zählen sieben Häuser. Alle in der gleichen Größe, alle in der gleichen Richtung gebaut. Alle beherbergen Großfamilien und bieten auch Unterkunft für Haustiere. Es gibt auch noch einige kleinere Hütten, in denen solche Tiere untergebracht werden, die gegen Raubtiere wehrhaft genug sind.
Die Familien, die sich hier zusammengefunden haben, haben alle die gleichen Rechte. Sie müssen Rolos Plan, ein neues Haus zu bauen, zustimmen, denn sie müssen beim Bau mithelfen. Rolos Familie allein wäre mit dem Hausbau überfordert. Rolo hat keine Bedenken seine Pläne vorzutragen. Alle Familien im Dorf haben die gleichen Probleme und wissen selbstverständlich von Allem, was den Nachbarn gerade bedrückt. Sie kommen bereitwillig zusammen, um über Rolos Vorhaben zu diskutieren.
Rolo trägt vor: „Gestern Abend bei dem heftigen Sturm ist es meiner Familie klar geworden, dass unser Haus einer solchen Naturgewalt nicht mehr lange standhalten kann. Um es deutlich zu sagen: wir hatten Angst um die Stabilität unseres Hauses. Ich schließe mich da nicht aus. Also trete ich jetzt vor euch, um euch zu bitten, uns beim Bau eines neuen Hauses zu unterstützen.“
Jeder weiß worum es geht. Fast alle melden sich gleichzeitig zu Wort: „Ja, ja, es ist ja üblich, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Wenn wir an den Zustand unserer Häuser denken ist uns das sowieso klar. Unsere Häuser haben fast alle das gleich Alter und müssen erneuert werden.“
Und schließlich kommt noch ein weiterer Gesichtspunkt dazu: „Wenn ich an das Ackerland rings um unsere Siedlung herum denke, dann bin ich der Meinung, dass es schon sehr ausgelaugt ist. Jedes Jahr werden unsere Erträge geringer. Bald müssen wir im Umland wieder Nahrung sammeln gehen wie früher. Bei dem Zustand unserer Häuser schlage ich also vor, darüber nachzudenken, die ganze Siedlung an einen anderen Ort zu verlegen, nach und nach. An einen Ort, wo es guten, frischen Boden gibt, wo wir klares Wasser haben und wo uns der Wald reichlich mit Holz und Wild versorgt.“
Im Grunde stimmen diesem Vorschlag alle zu. Es wird noch eine Weile diskutiert, wie das alles zu bewerkstelligen ist, dann wird beschlossen, obwohl noch Winter ist, eine Gruppe auszusenden, die feststellen soll, wo der geeignetste Platz für einen Neubeginn sein könnte. Vier Mann sollten für diese Aufgabe ausreichen, mehr kann das Dorf nicht entbehren, denn der Schutz für das Dorf hat trotz allem Vorrang. Rolo, als der direkt Betroffene, führt den Trupp an. Die Männer rechnen damit einige Tage unterwegs zu sein.
Der Schnee erschwert die Suche. Die Männer kennen jedoch die Merkmale, die ein Platz haben muß, um für eine Neuansiedlung geeignet zu sein. Sie kehren mit einer guten Nachricht heim, umso mehr, als der neue Platz nur zwei Wegstunden von ihrer jetzigen Siedlung entfernt ist.
Kaum ist der letzte Schnee endgültig hinweggeschmolzen, wird mit dem Neubau begonnen. Die Dorfgemeinschaft muß sich dafür teilen, denn die Wirtschaft des bestehenden Dorfes muß aufrechterhalten werden. Am Neubau sind nicht nur Männer beschäftigt. Auch ältere Kinder können sich nützlich machen. Die Gruppe bricht auf zu dem neuen Standort.
Die Männer durchstreifen dort zunächst den nahen Wald auf der Suche nach geeigneten Stämmen zum Bau der Tragkonstruktion. Es ist ein lichter Eichenmischwald. Die Stämme stehen weit auseinander und sind recht gerade. Die ausgesuchten Stämme werden sofort geschlagen.
Die Dechseln, die die Männer mit sich führen sind für diese Arbeit sehr gut geeignet. Auf einem stabilen Holzstiel ist ein scharf geschliffenes, steinernes Beil mit Schneide senkrecht zum Stiel montiert. Zum Nachschleifen des Beiles, was oft nötig ist; steht ein Schleifbrett zur Verfügung. Mit diesem Werkzeug geht die Arbeit schnell vonstatten.
Andere Männer und kräftige Jungen heben derweil Grubenlöcher aus, in die die Stützen eingesenkt und festgetreten werden. Jeder Stamm, der angeliefert wird, wird in einem solchen Grubenloch versenkt. Zum Aufnehmen des Firstes werden die kräftigsten Stämme ausgesucht. Schließlich wird der First mit den Stützen durch lange, schlanke Pfetten verbunden, die fast bis zum Boden reichen.
Während der ganzen Zeit sammeln die jüngeren Kinder fleißig Reisig. Das Reisig wird später zwischen die Stützen, die die Außenwand bilden eingeflochten. Das so entstandene Flechtwerk erhält einen Verputz aus Lehm. Der Lehm wird direkt dem Erdreich neben dem jetzt schon fast fertigen Haus entnommen. Die so entstandene Grube nutzen dann die späteren Bewohner, um ihre Abfälle hineinzuwerfen. So wird die Grube nach und nach wieder gefüllt.
Jetzt muß nur noch das Dach gedeckt werden. Sofern am Bach genug Schilf steht, wird dieses dafür verwendet. Vielleicht finden auch die Kinder auf ihren Streifzügen Sümpfe, die ebenfalls Schilf zur Dachdeckung beisteuern. Falls nichts zu finden ist, müssen die Männer zurück ins Dorf und übriges Stroh nach der Ernte herbeiholen und damit das Dach eindecken. Für diesmal müssen alle Möglichkeiten genutzt werden. Keine Quelle stellt ausreichend Material zur Verfügung. Auf diese Weise werden im Verlauf des Jahres drei Häuser fertiggestellt. Es wäre noch Zeit für den Bau eines weiteren Hauses; nur fertigzustellen wäre es vor dem Winter nicht mehr. Die Männer lassen das lieber sein und kehren in ihre Dorfgemeinschaft erstmal zurück.
Obwohl sie dort bei jeder Rückkehr über ihren Baufortschritt berichtet hatten, geben sie jetzt noch einmal eine zusammenfassende Erläuterung über das Erreichte. Von da an kommt das Dorf nicht mehr zur Ruhe. Jeder diskutiert mit und jeder hat eine andere Meinung: sollen jetzt alle in dem alten, baufälligen Dorf überwintern? Sollen alle in das neue Dorf umziehen? Soll man sich teilen? Sollen vier Familien, solche mit den noch am besten erhaltenen Häusern im alten Dorf bleiben und drei Familien in das neue Dorf ziehen? Die Meinungen gehen hin und her; man kommt zu keinem einstimmigen Entschluss.
Rolo wird klar, so kommt nie eine Entscheidung zustande. Er muß eingreifen. Er ruft die Dorfgemeinschaft zusammen, um seine Meinung kund zu tun:
„Freunde!“ hebt er an. „Bald werden wir den ersten Schneefall haben. Wir müssen handeln. Wie ihr alle wisst, haben wir drei Möglichkeiten: wir ziehen alle um, wir bleiben alle hier, wir teilen uns. Die Teilung halte ich für die schlechteste Möglichkeit. Wir sind dann zu wenige, um unsere alte, oder auch unsere neue Dorfgemeinschaft zu verteidigen. Da gibt es wilde, räuberische Tiere, die Hunger haben und auf Beute aus sind, so wie wir es jeden Winter erleben. Es könnten auch andere Menschengruppen auftauchen, um unsere Habe zu stehlen. Oder es gibt einfach nur Unwetter, das Schaden anrichtet, den wenige Menschen alleine nicht beheben können. Wir müssen zusammenbleiben. Hier im Dorf ist die Gefahr am Größten, dass Unwetter unsere alten Häuser zum Einsturz bringen. Wenn das in großem Umfang geschähe, müssten wir mitten im Winter den Umzug in unser neues Dorf machen, was dann sicher am Beschwerlichsten wäre. Darüber hinaus wüßten wir nicht, was mit unseren neuen Häusern geschieht. Fremde Menschen könnten sich ansiedeln, oder was auch immer. Ich bin dafür, dass wir jetzt umziehen. Das beschert uns einen Winter, in dem wir eng zusammenleben müssen. Der Platz wird schon reichen, es ist ja nur für einen Winter.
Der nahe lichte Eichenwald bietet viel niederes Wild, das wir jagen können. So wie in alten Zeiten. Wir müssten keines von unseren...
| Erscheint lt. Verlag | 22.2.2022 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| ISBN-10 | 3-7557-6892-5 / 3755768925 |
| ISBN-13 | 978-3-7557-6892-0 / 9783755768920 |
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