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Xantener Dom

Xantener Dom

Geheimnisse eines Raumes
Buch | Softcover
87 Seiten
2012
B.O.S.S (Verlag)
978-3-941559-35-6 (ISBN)
CHF 34,85 inkl. MwSt
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Einführung von Florian Beckers:

„Das Geheimnis hat niemals eine totale Objektivität” (Gaston Bachelard, Poetik des Raumes)
Es ist, als würde man eine Schwelle überschreiten und in eine andere Welt eintreten: ein grosser, dunkler Raum, partiell erhellt von hart einfallenden Sonnenstrahlen, von wechselnden farbigen Lichtspielen auf seinen weit auseinanderliegenden Mauern und, in verborgenen Winkeln, vom warmen Schimmer der Kerzen.
Im Spannungsfeld von Hell und Dunkel erscheinen einige Dinge nur schemenhaft, sie sind kaum zu identifizieren, andere sind zumindest fragmentarisch als Bruchstücke des Ganzen klar und deutlich sichtbar. Im scharfen Kontrast zur Dunkelheit wirken sie bedeutungsvoll. Durch ihre Isolierung in der Dunkelheit fehlen aber einordnende Bezugsmöglichkeiten zu den anderen Dingen, zum gesamten Umfeld. Das macht sie vieldeutig und geheimnisvoll. Der Raum in seiner Ganzheit ist nie vollständig zu erfassen.
Er lässt sich nur in der Vorstellung ergänzen.
Mein erster Eindruck beim Betreten des Xantener Domes hat sich bis heute nicht abgenutzt. Er ist geprägt von Ambivalenzen. Die Dimensionen dieses besonderen Ortes sind in zweifacher Hinsicht überwältigend, im Sinne der Faszination und Imposanz, aber auch im Sinne des Gefühls der Verlorenheit. Gleichzeitig stellt sich jedoch ein Gefühl der Geborgenheit ein. Wie eine schützende Hülle, ein Mantel, umschließt einen
der Raum. Ein Raum der Stille, ein Zufluchtsort, der die Möglichkeit bietet, sich zu sammeln und ein Gegengewicht zu schaffen gegenüber der heutigen Schnelllebigkeit, der Hektik und dem Lärm.
Ein anderes Zeitgefühl stellt sich ein. Scheinbar abgekapselt von der Außenwelt, die man zwangsläufig nie ganz abstreifen kann,sozusagen mit hineinträgt in diese andere Welt, wird man auf sich selbst konzentriert.
Neben Nähe und Vertrautheit kommt auch ein Empfinden von Fremdheit auf. Die vielen Seile, die Zonen absperren und den Zugang verweigern: „Hier ist ein heiliger Ort”, der Achtung verlangt und eine gewisse Distanz schafft.
Der Xantener Dom ist für mich nicht nur ein Gebäude oder ein Museum, sondern ein lebendiger Ort, an dem Grundbefindlichkeiten menschlichen Lebens in all seinen Erscheinungsformen sichtbar werden. Früher hatten
die religiösen Bilder und hl. Gestalten die Aufgabe, den des Lesens Unkundigen die Glaubensinhalte zu übermitteln. Unabhängig von den religiösen Aspekten bin ich immer wieder beeindruckt,
wie aktuell das Dargestellte auch jetzt noch ist. In ihm spiegeln sich elementare menschliche Erfahrungen, die auf viele heutige Lebenssituationen übertragbar sind.
Gegenüber bisherigen Veröffentlichungen, die sich ausschliesslich der geschichtlichen Entwicklung des Xantener Domes, insbesondere der kunsthistorischen Aufarbeitung gewidmet haben, wobei der Bildteil primär
mentarisch-illustrative Zwecke erfüllt hat, sollte sich dieses neue Buch abgrenzen, inhaltlich wie formal einen anderen Ansatzpunkt haben.
Es ging mir nicht um die Bestandsaufnahme architektonischer Baustile oder die chronologische Wiedergabe der kunstgeschichtlichen Gegenstände. Das Buch ist also kein weiterer Domführer.
Vielmehr geht es mir darum, persönliche Eindrücke und das Erlebnis dieses besonderen Raumes und seiner einzigartigen Atmosphäre in Photographien zu verdichten. Die Bilder sollen nicht auf eine Deutung festgelegt werden. Sie bleiben offen und sind assoziativ erfahrbar. Denn Geheimnisse sind nur für Augenblicke,
aber nie vollständig zu erfassen.
Düsseldorf, im September 2003

„Wie das Auge sich beschenkt, öffne dich und sei getränkt” (Konrad Weiß) Die Landschaft des Niederrheins gleicht einer einzigartigen Schatzkammer. Unzählige Besucherströme fühlen sich von der Region zwischen Rhein und Maas mit ihren kulturellen Schätzen angezogen. Durch die Begegnung mit der Landschaft und den darin wie kostbare Diamanten eingefassten Kunstwerken werden die Augen geradezu getränkt. „Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluß der Welt!”. Diese Gedichtzeile von Gottfried Keller mag mancher angerührt als sein Abendlied nach einem Aufenthalt am Niederrhein ausgerufen haben. Monumentaler Blickpunkt ist der Xantener Dom, ehemals Stiftskirche, heute Propsteikirche und Basilica Minor unter dem Patronat der frühchristlichen Märtyrer des hl. Viktor und seiner Gefährten. Noch im ausgehenden Mittelalter vollendet, bilden Dom und Immunität mit ihrer in Jahrhunderten gewachsenen Architektur und der ebenfalls in Jahrhunderten gewachsenen Ausstattung ein einzigartiges Gesamtkunstwerk. Über den Dom und seinen Kirchenschatz existieren großartige Kunstführer und Bildbände. Doch die Bildeindrücke, die der junge Photograph Florian Beckers uns in dieser Bilderschau aus dem Xantener Dom vorlegt, sind überraschend neu. Seine Bilder versetzen uns unmittelbar in eine Beziehung und in ein Geschehen. Der Kirchenraum mit seinen Stimmungen, das sakrale Ereignis und die Ausdruckskraft des Glaubens werden vor unseren Augen lebendig. Seine künstlerische Betrachtungsweise ist manchmal ungewohnt und fremd. Auch auf das scheinbar Beiläufige und Nebensächliche, das aber im Erspüren des Geheimnisses unverzichtbar ist, fällt sein Blick. Mit seiner Blickrichtung schützt uns Florian Beckers vor dem Ertrinken in der modernen Bilderflut und fordert uns auf zu verweilen. So können wir selber zu aufmerksamen Beobachtern und womöglich sogar zu andächtigen Anwesenden im Dom zu Xanten werden. Dafür wurde er schließlich gebaut, damit wir in aller Unrast und Verzagtheit unseres Lebens einen „Ruheplatz am Wasser” (Psalm 23) und eine „starke Burg” (Psalm 46) zum Zufluchtsort haben. Mit der dichterischen Empfindung von Konrad Weiß in seiner „Kleinen Schöpfung” (Gedichte, München 1961) möchte ich allen, die sich von der Photokunst dieses Bildbandes ansprechen lassen, die Erfahrung wünschen, die der Xantener Dom jedem Besucher schenkt. „Hier bin ich hineingewebt”: „Alles ob es klein ob groß, das Geschöpf braucht Ort und Schoß, daß es froh spricht, wo es lebt, hier bin ich hineingewebt.” Ich beglückwünsche den Photographen Florian Beckers zu seiner Kunst. Ich danke den Förderern, insbesondere dem „Verein zur Erhaltung des Xantener Domes e.V.” für die Herausgabe dieses Photobandes im Jubiläumsjahr seines Bestehens. Xanten, 10. Oktober 2003, am Fest des hl. Viktor und seiner Gefährten

Sprache deutsch
Maße 240 x 300 mm
Gewicht 725 g
Einbandart Paperback
Schlagworte Dom • Fotoband • Fotobuch • Fotografie • Niederrhein • Xanten
ISBN-10 3-941559-35-4 / 3941559354
ISBN-13 978-3-941559-35-6 / 9783941559356
Zustand Neuware
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