Fleisch (eBook)
999 Seiten
TD Textdesign (Verlag)
978-3-95849-969-0 (ISBN)
Fleisch
Fleisch (von ahd. fleisc) bezeichnet im Allgemeinen Weichteile von Mensch
und Tieren. Im Besonderen steht der Begriff für Teile von Säugetieren und
Vögeln, die zur Ernährung des Menschen genutzt werden. Dazu zählen neben
Muskelgewebe mit Fett- und Bindegewebe auch Sehnen sowie bestimmte innere
Organe. Im Weiteren wird Fleisch auch zur Bezeichnung für die als
Nahrungsmittel genutzten Weichteile wechselwarmer Tiere wie Fische, Krebse,
Muscheln und Schnecken verwendet;¹ verbreitet sind Wortzusammensetzungen
wie Krebsfleisch oder Muschelfleisch.²
Es wird unterschieden nach den Fleischsorten (Tierarten) und den
Fleischarten, den verschiedenen Teilen einer Fleischsorte.
Definitionen
Für den Warenverkehr in der Europäischen Union und der Schweiz ist der
Fleischbegriff rechtlich definiert.
Europarechtlich bezeichnet der Ausdruck Fleisch nach der Verordnung (EG)
Nr. 853/2004 alle genießbaren Teile (einschließlich Blut) von Huftieren
(Haustiere der Gattungen Rind, Schwein, Schaf und Ziege sowie als Haustiere
gehaltene Einhufer), Geflügel, Hasentieren und frei lebendem Wild.³
Nach den Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse⁴ im Deutschen
Lebensmittelbuch bezeichnet Fleisch im allgemeinen Sinne alle Teile von
geschlachteten oder erlegten warmblütigen Tieren, die zum Genuss für
Menschen bestimmt sind. Nach dieser Definition fallen z. B. auch Innereien
und Schwarten darunter. Im Besonderen steht der Begriff für Muskelfleisch,
also nur Skelettmuskulatur mit anhaftendem oder eingelagertem Fett,
Bindegewebe sowie eingelagerten kleineren tierischen Bestandteilen. Im
Begriff Fleisch in der Deklaration der Zutaten von Wurst oder anderen
Fleischprodukten sind die Anteile von Fett und Bindegewebe prozentual
beschränkt.
Fleischsorten
Die Kochkunst unterscheidet zwischen rotem und weißem Fleisch, allerdings
gibt es keine verbindliche Einteilung. Der Farbunterschied ergibt sich
vorwiegend aus einem unterschiedlichen Gehalt an Myoglobin. Dies ist für
den Sauerstofftransport innerhalb des Muskels, vor allem zu den
Muskelzellen (Myofibrillen), zuständig. Durch Hitze wird das Myoglobin zum
so genannten Metmyoglobin denaturiert, wodurch gebratenes oder gekochtes
Fleisch einen eher gräulichen bis graubraunen Farbton annimmt.
Die Fasern des Fleisches können längs, quer oder gekreuzt verlaufen, wobei
der „gekreuzte Verlauf" das Fleisch aufgrund der geringen Faserabstände am
zartesten macht. Längsfasern hingegen machen das Fleisch zäh.
Produktion, Schlachtung und Verzehr
Zur Fleischproduktion wird Schlachtvieh erzeugt und gehalten. Durch die
Tiermast soll bei den Tieren ein starker Fleischzuwachs in möglichst kurzer
Zeit erreicht werden. Da Fläche einen Kostenfaktor darstellt, wird in der
konventionellen Tierproduktion auf Intensivtierhaltung gesetzt, bei der die
Tiere auf möglichst kleinem Raum mit hohem maschinellen Einsatz gehalten
werden können. Die moderne industrialisierte Fleischproduktion findet in
Großbetrieben statt, dabei wird die Tiermast platzsparend und mit großer
Tieranzahl (Massentierhaltung) durchgeführt.
In Deutschland wird fast ausschließlich in staatlich kontrollierten
Schlachthöfen geschlachtet, sodass das Schlachtvieh in der Regel von der
Maststätte dorthin transportiert werden muss. Man unterscheidet
Warmschlachtung (das Fleisch des Tieres wird direkt nach dem Töten
desselben verarbeitet, ohne es zuvor abkühlen zu lassen) und
Kaltschlachtung.
Nach der Schlachtung setzt die Muskelstarre ein, der pH-Wert im Muskel
sinkt ab und die Muskelfasern verhärten sich. Während der Starre ist das
Fleisch zäh und trocken und eignet sich nicht zur Zubereitung. Der Beginn
und die Dauer der Muskelstarre sind von der Umgebungstemperatur abhängig.
In der Regel ist die Starre nach etwa 24 Stunden beendet, der pH-Wert
steigt wieder an und das Fleisch wird zart und saftig. Um einen hohen
Genußwert zu erreichen sollte das Fleisch einige Tage abhängen. Durch die
bei der Fleischreifung ablaufenden biochemischen, enzymatischen und
mikrobiologischen Prozesse nimmt sowohl die Zartheit als auch das
charakteristische Aroma im Fleisch weiter zu.
Unverarbeitetes Fleisch hält sich bei Zimmertemperatur nur sehr begrenzt,
weswegen vor allem in stark arbeitsteiligen Wirtschaften wie den
Industrienationen eine lückenlose Kühlkette erforderlich ist, um
bakteriellen Verderb zu vermeiden. Eine Haltbarkeit von mehreren Wochen bis
Monaten bei Zimmertemperatur können jedoch Konservierungsmethoden wie
Einkochen, Pökeln, Räuchern, Trocknen oder Fermentieren (Ahle Wurscht,
Salami) des Fleisches erzielen, oder eine Kombination hiervon. Auch ist
eine längere Konservierung durch verschiedene Verpackungsmethoden möglich,
zum Beispiel durch Vakuumverpackungen.
Konsum
Der durchschnittliche weltweite Pro-Kopf-Konsum betrug im Jahr 2009 47,7
kg.
Vor der Neolithischen Revolution standen bei der Ernährung des Menschen
tierische Nahrungsmittel wie Fleisch und Fisch im Vordergrund.⁶ Das
Aufkommen der Landwirtschaft ermöglichte dem Menschen besseren Zugang zu
Nahrungsmitteln pflanzlicher Herkunft. Die sesshafte Lebensweise sowie der
Anstieg der Bevölkerungszahl begrenzte jedoch den Fleischkonsum auf
gelegentlichen Verzehr von Haustieren und nur noch kleinen Mengen an
Wildtieren.⁷ Erst die Ausrottung der Raubtiere aus den Siedlungsgebieten
des Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ermöglichte wieder einen
zunehmenden Konsum von Fleisch von Wild- und Haustieren.⁸
Der Fleischkonsum ist in den verschiedenen Staaten der Erde sehr
unterschiedlich ausgeprägt. Dies ist unter anderem kulturell und religiös
bedingt. Der Fleischkonsum steigt mit dem Bruttonationaleinkommen. Nach
einer Hochrechnung der Welternährungsorganisation FAO lag der
Pro-Kopf-Konsum weltweit im Mittel bei 42,5 Kilogramm pro Jahr Wann?.⁹ ¹⁰
Eine Abkehr vom Fleischkonsum stellen Bewegungen wie der Vegetarismus oder
Veganismus dar.
Ein hoher Verzehr von Fleisch stellt Studien zufolge ein gesundheitliches
Risiko dar.¹¹ ¹²
Literatur
- Das große Buch vom Fleisch. 1. Auflage 2004, 2. Auflage, Gräfe & Unzer,
München 2006, ISBN 978-3-8338-0167-9.
- Jonathan Safran Foer: Tiere essen. Fischer TB, Frankfurt am Main 2012,
ISBN 978-3-596-18879-6.
- Karen Duve: Anständig essen: Ein Selbstversuch. Galiani, Berlin 2010,
ISBN 978-3-86971-028-0.
Weblinks
Commons: Fleisch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Fleisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme,
Übersetzungen
Wikibooks: Fleischgerichte – Lern- und Lehrmaterialien
Wikiquote: Fleisch – Zitate
- Publikation des „Fleischatlas – Daten und Fakten über Tiere als
Nahrungsmittel" von Le Monde diplomatique, Böll-Stiftung und Bund für
Umwelt und Naturschutz Deutschland direkt als pdf-Datei
- Fleisch auf lebensmittellexikon.de
- Fleisch auf was-wir-essen.de
Einzelnachweise
[1] Fleisch In: Brockhaus Enzyklopädie 2002 digital, Bibliographisches
Institut & F.A. Brockhaus AG, 2002
[2] Fleisch In: Brockhaus Kochkunst, 1. Auflage, Bibliographisches Institut
& F.A. Brockhaus AG, 2008. ISBN 9783765332814.
[3] Verordnung (EG) Nr. 853/2004 Begriffsbestimmungen für Fleisch siehe
Anhang I
[4] Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse (PDF; 294 kB)
[5] Food Supply quantity, FAOSTAT, Rom (kg/capita/yr), aufgerufen am 23.
Januar 2014
[6] Salim M. Ali, Fleisch: Aus der Perspektive der Welternährung, 2010,
Books on Demand GmbH, ISBN 3-8391-8563-7, S. 14
[7] Salim M. Ali, Fleisch: Aus der Perspektive der Welternährung, 2010,
ISBN 3-8391-8563-7, S. 16
[8] Salim M. Ali, Fleisch: Aus der Perspektive der Welternährung, 2010,
ISBN 3-8391-8563-7 , S. 139
[9] Fleischatlas 2013 (PDF; 5,1 MB) BUND. Archiviert vom Original am 21.
Januar 2013. Abgerufen am 26. März 2013.
[10] Der „Fleischatlas 2013" zeigt: Eine Wende in der Agrarpolitik ist
überfällig! (PDF; 5,1 MB) BUND. Archiviert vom Original am 14. Januar
2013. Abgerufen am 6. August 2013.
[11] Quelle: International Agency for Research on Cancer Key results and
current scientific activity (Memento vom 25. März 2013 im...
| Erscheint lt. Verlag | 14.7.2016 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Themen |
| Mitarbeit |
Sonstige Mitarbeit: Thom Delißen, Peaceway/wiki |
| Verlagsort | Vachendorf |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Naturwissenschaften |
| Technik | |
| ISBN-10 | 3-95849-969-4 / 3958499694 |
| ISBN-13 | 978-3-95849-969-0 / 9783958499690 |
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