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Bikini trifft Badehose -  Niels Andrew

Bikini trifft Badehose (eBook)

Auf Kur

(Autor)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
354 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-2185-4 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
10,99 inkl. MwSt
(CHF 10,70)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
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Bikini trifft Badehose auf Kur. Humorvolle Einblicke in das Leben nach Krebs Ein Krankenhausroman? Nein, ein Reha-Roman! Niels Andrew zeigt mit Bikini trifft Badehose, wie bunt, chaotisch und überraschend der Alltag in einer Rehaklinik nach einer Krebserkrankung sein kann. Zwischen Gruppensitzungen, Wassergymnastik und der ewigen Diskussion über den besten Platz am Pool prallen Charaktere aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da sind die, die ihr Schicksal noch schwer auf den Schultern tragen und jene, die mit Ironie und Lebensfreude versuchen, nach vorne zu blicken. Ausgerechnet dort, wo Schmerz und Heilung Hand in Hand gehen, entstehen Freundschaften, neue Hoffnung und Momente, in denen Lachen die beste Medizin ist. Mit viel Charme, Witz und Fingerspitzengefühl gelingt es Andrew, einen heiteren Ton mit einem ernsten Thema zu verbinden. Bikini trifft Badehose auf Kur ist ein Roman über den Mut, nach einer Krankheit wieder ins Leben zu treten, über die Kraft der Gemeinschaft und darüber, dass selbst in Bademantel und Badekappe das Herz höherschlagen kann. Das Buch richtet sich an alle, die nach leichter Sommerlektüre suchen, aber auch an Betroffene und Angehörige, die spüren möchten. Man ist nie allein, und Humor kann heilen.

Niels Andrew schreibt Geschichten, die das Leben mit Humor und Leichtigkeit betrachten, auch dann, wenn es ernst wird. Mit Bikini trifft Badehose auf Kur verbindet er eigene Beobachtungen mit Fantasie und zeigt, dass eine Reha nach einer Krebserkrankung nicht nur von Plänen und Therapien geprägt ist, sondern auch voller Menschlichkeit, Lachen und neuer Begegnungen steckt. Seine Romane sind eine Einladung, das Leben trotz aller Herausforderungen mit einem Augenzwinkern zu sehen und immer wieder den Mut zu finden, neu anzufangen.

Kapitel 1:


Die ärztliche Zwangsbeglückung

Ich saß auf dem Untersuchungstisch, der bei jeder meiner Bewegungen ein Geräusch von sich gab, als würde ich auf einem alten Akkordeon herumturnen. Mein Hausarzt – Dr. Marcus Kellner – stand vor mir mit seiner Stirn in tiefster Denkerfalte, die Hände auf dem Rücken verschränkt, als müsse er gleich ein philosophisches Urteil über mein Leben fällen. Dabei ging es, laut Sprechstundenhilfe, lediglich um „die Ergebnisse meines großen Gesundheitschecks“.

Er atmete durch die Nase ein, als würde er an einem Glas teuren Rotweins schnuppern, und seufzte dann. So lang, so schwer, dass ich mir sicher war, er würde gleich seine Brille abnehmen und „Es tut mir leid…“ sagen. Ich bereitete mich innerlich auf alles vor. Krebs. Herz. Unheilbare Männergrippe. Was auch immer.

Hauptsache, endlich ein Grund, nach der Bestrahlung etwas zur Ruhe zu kommen.

„Sie sind… erschöpft“, sagte er schließlich.

„Wie bitte?“

„Ausgelaugt. Ihr Körper steht unter Dauerstress. Sie schlafen schlecht, essen schlecht, sitzen zu viel, bewegen sich zu wenig. Ihr Rücken schreit. Ihr Blutdruck flucht. Und Ihre Leber hat sich vor vier Tagen abgemeldet.“

„Ach, die war eh nie motiviert“, meinte ich platt.

Er ignorierte meinen Versuch, die Stimmung zu heben, und reichte mir ein Formular. Oben stand in fetten Buchstaben: „Heilverfahren stationär“ – darunter: Empfohlene Einrichtung: Sanatorium Sonnenuntergang.

Ich runzelte die Stirn. „Ist das ein Altersheim?“

„Nein, nein!“, sagte er viel zu eifrig. „Ein Ort der Regeneration. Drei Wochen. Kein Handy.

Kein Alkohol. Keine Arbeit.“

„Also Gefängnis?“

„Wenn man es richtig macht, ist es wie ein kleiner Urlaub für Körper und Seele.“

„Und wenn man es falsch macht?“

„Dann liegt man in Fango und hofft, dass der Tag schnell vergeht.“

Er grinste. Ich nicht.

Er machte keinen Hehl daraus, dass ich keine Wahl hatte. „Sie müssen da raus. Sonst erleben Sie den nächsten Burnout nicht mehr am Schreibtisch, sondern auf der Intensivstation.“

Na wunderbar. Zwangserholung unter medizinischer Androhung.

Zuhause erzählte ich es meinen Freunden.

Falscher Fehler.

„Haha! Du auf Kur?!“, lachte Jan, mein bester Freund, und prustete Bier durch die Nase.

„Wirst du jetzt auch Lavendeltee trinken und deine Mitte finden?“

„Kommt wahrscheinlich mit Yoga-Stunden und Klangschalen-Delirium zurück“, feixte Tobi.

„Vielleicht lernst du ja eine nette Dame kennen, die dir beim Kneippen den Rücken schrubbt“, grinste Julia.

Ich hätte mich gern über sie lustig gemacht.

Aber die Wahrheit war: ich war der, der für drei Wochen in ein Sanatorium verschleppt wurde.

Freiwillig-unfreiwillig. Wegen Erschöpfung.

Die moderne Version von „er ist halt schwach geworden.“

Am nächsten Morgen bestellte ich einen Koffer online. XXL. Wenn schon Flucht aus dem Alltag, dann mit ordentlich Gepäck. Ich stopfte alles hinein, was nach Komfort roch: Bademantel, Badelatschen, Kopfhörer, mein Kindle mit 93 ungelesenen Krimis und mein Glücksbärchi-Schlafshirt, das ich normalerweise nur trage, wenn es mir richtig dreckig geht.

Die Informationsmappe vom Sanatorium kam per Post – ein Prospekt in sanften Pastellfarben mit Worten wie „Ganzheitlichkeit“,

„Entspannung“ und „Heilung durch Achtsamkeit“. Ich blätterte durch Bilder von glücklichen Menschen in weißen Bademänteln, die mit dampfenden Teetassen am Fenster saßen. Jeder von ihnen sah aus, als hätte er bereits vor dem Frühstück meditiert, danach einen veganen Smoothie getrunken und anschließend einen Halbmarathon barfuß im Wald absolviert.

Ich sah mich selbst auf der Couch mit Chipsresten auf dem Bauch. Wir hatten ein Problem.

Seite 4 der Broschüre versprach mir „eine sanfte Entgiftung des Körpers“. Seite 7 kündigte „Bewegungsfreude in der Gruppe“ an. Und Seite 10 erklärte mit geradezu missionarischem Eifer die Vorteile des Schweigens.

„Das Schweigen ist eine Einladung zur inneren Begegnung.“

Ich seufzte laut. „Ich will keine innere Begegnung. Ich will Kaffee, Ruhe und WLAN.“

Am Abend stand ich vorm Spiegel, rasierte mir die Dreitage-Angst weg und sagte mir, dass alles halb so schlimm würde. Drei Wochen ohne Arbeit. Vielleicht gar nicht so schlecht. Vielleicht wäre ich am Ende ja tatsächlich entspannter. Oder zumindest körperlich sauberer. Man hört ja Gutes von diesen Schlammbehandlungen.

Aber innerlich wusste ich es besser: Das hier war keine Erholung. Das war die medizinisch legitimierte Version von „Raus aus dem Weg, du nervst!“

Der Wecker klingelte am Abreisetag um 6:00 Uhr. Ich hatte kaum geschlafen – zu viele Gedanken an Salzbäder, Leberwickel und Männer mit Namen wie Horst, die einem im Whirlpool ihre Krampfadern zeigen. Ich zog mich an, schnappte meinen XXL-Koffer, trat vor die Tür – und es regnete. Natürlich.

Ich sah zum Himmel, murmelte ein „Hilf mir, Gott der Fango-Packungen“, und machte mich auf den Weg in ein neues Kapitel meines Lebens – gegen meinen Willen, mit nasser Socke und einem mulmigen Gefühl im Bauch.

Ich verbrachte die letzten Tage vor der Abreise wie ein Mann, der sich auf seinen eigenen Untergang vorbereitet. Nicht dramatisch, sondern passiv-aggressiv mit leichtem Zynismus und übermäßiger Google-Recherche zu Begriffen wie „Kuraufenthalt Männer schlimm“ oder „Sanatorium Albtraum Erfahrung“. Spoiler: Das Internet ist kein freundlicher Ort für Hypochonder mit Humor.

Jeder, der von meiner Kur erfuhr, reagierte wie auf eine verspätete Schwangerschaftsmitteilung.

„Oh! Du gehst zur Kur? Wie aufregend!“

„Wie schön, mal drei Wochen für dich!“

„Da wirst du sicher ganz neue Seiten an dir entdecken!“

Ja, klar. Und danach heirate ich eine Esoterikerin und ziehe in eine Jurte.

Meine Schwester brachte mir eine Yogamatte vorbei. Lila. Mit Blumen drauf. „Damit du gleich gut ausgestattet bist“, sagte sie. Ich betrachtete das Teil, als hätte sie mir ein Stück Alienhaut geschenkt.

„Ich bin nicht der Typ für Matten“, murmelte ich.

„Du warst auch nicht der Typ für Leinsamen im Frühstück, aber jetzt isst du Müsli wie ein Reh.“

„Das war ein Ausrutscher. Und ich war verkatert.“

„Jetzt krieg dich mal ein. Kur tut dir gut. Wer weiß, vielleicht kommst du zurück und kannst deinen Bauchnabel spüren.“

„Ich spüre ihn jetzt schon. Besonders beim Bücken.“

Meine innere Liste der Dinge, die ich nie wollte, hatte mit diesem Gespräch einen neuen Spitzenreiter: Yoga auf einer lila Blümchenmatte neben schnarchenden Fremden mit Pfefferminzöl in den Nasenlöchern.

Ich begann, mein Umfeld mit anderen Augen zu sehen. Mein Fernseher – bald außer Reichweite. Mein Kühlschrank – bald durch einen Speiseplan ersetzt, der von der Apokalypse inspiriert ist. Mein Bett – bald eingetauscht gegen eine Matratze, die von drei Generationen Rückenschmerzpatienten durchgelegen wurde.

Und mein Sofa... mein geliebtes Sofa. Ich streichelte es ein letztes Mal. „Ich komme wieder. Warte auf mich.“

Natürlich ließ ich mich in der Arbeit gebührend verabschieden. Meine Kollegin Ute brachte mir Kräutertee mit dem Etikett „Tiefenentspannung durch Lavendel, Melisse und Zen“. Ich fragte, ob ich das Etikett rauchen dürfe. Sie lachte nervös. Ich meinte es ernst.

Mein Chef drückte mir zum Abschied die Hand und sagte:

„Nutzen Sie die Zeit, um sich neu zu sortieren.“

Ich lächelte. Sortieren? Ich bin kein Aktenschrank.

Die letzten zwei Abende verbrachte ich damit, meine Playlist für „mentale Stabilität unter widrigen Umständen“ zu erstellen. Sie bestand aus traurigem Jazz, einer Metal-Version von „Highway to Hell“ und einem Podcast namens „Warum es okay ist, sich im Schweigekloster zu verlaufen“.

Ich überlegte, ob ich ein Tagebuch mitnehmen sollte. Manchmal, dachte ich, hilft es, seine Gedanken aufzuschreiben. Dann sah ich mich vor meinem inneren Auge, wie ich an einem kleinen Tisch im Gemeinschaftsraum sitze und Dinge notiere wie:

„Ina hat heute wieder geschnarcht beim Klangbad. Ich konnte mich nicht auf meine Chakren konzentrieren.“

Nein. Ich würde schweigen. Innerlich und äußerlich.

Am letzten Abend setzte ich mich mit einem Glas Wein aufs Sofa – den letzten Tropfen Alkohol vor drei Wochen kontrollierter Abstinenz. Ich stoße an – auf mich, meine Restwürde und die Hoffnung, dass Lavendelsäckchen keine bleibenden...

Erscheint lt. Verlag 19.11.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Medizin / Pharmazie Naturheilkunde
ISBN-10 3-6951-2185-8 / 3695121858
ISBN-13 978-3-6951-2185-4 / 9783695121854
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