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Missachtete Menschenrechte - Ulrika Mientus

Missachtete Menschenrechte

Opferverbände und die Legitimation eugenischer Gewalt in der frühen Bundesrepublik

(Autor)

Buch | Hardcover
515 Seiten
2026
Campus (Verlag)
978-3-593-52208-1 (ISBN)
CHF 62,95 inkl. MwSt
  • Noch nicht erschienen (ca. Februar 2026)
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Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs forderten Überlebende individuell und ab 1950 kollektiv die Anerkennung der Zwangssterilisationen und »Euthanasie« als NS-spezifisches Unrecht. Ihre Entschädigungsansprüche begründeten sie mit der Verletzung ihrer Menschenrechte. Diese Studie untersucht, wie Überlebende nach Anerkennung strebten und wie dies mithilfe der Konstruktion der »Erbkranken« abgewehrt wurde. Anhand der ersten Opferverbände und unter Berücksichtigung verfolgter Gehörloser zeigt Ulrika Mientus die Grenzen ihrer Handlungs- und Deutungsmacht in der Entschädigungsdiskussion, in der unterschiedliches Wissen über die Verbrechen und Betroffenen zirkulierte und um Durchsetzung konkurrierte. Indem sie die Betroffenen in den Fokus rückt, dekonstruiert sie hegemoniale Deutungsmuster und arbeitet Handlungsspielräume heraus. So wird deutlich, dass die verweigerte Anerkennung eine wiederholt getroffene, aber keineswegs alternativlose Entscheidung war. Das Buch leistet damit einen Beitrag zur Geschichte der nicht-anerkannten NS-Verfolgten in der frühen Bundesrepublik sowie zur Historisierung von Gewalt, Opferschaft und Menschenrechten nach 1945.

https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/

Ulrika Mientus ist Historikerin und Politikwissenschaftlerin. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt »Opferverbände und Anerkennungsdynamiken in Westdeutschland, 1945-1975« an der Universität Marburg und arbeitet als politische Bildnerin.

Inhalt
Einleitung ...........................................................11
Fragestellung und Gegenstand .....................................13
Forschungskontexte ..............................................17
Theoretischer Rahmen und methodische Bezüge ....................34
Quellen und Anmerkungen zur Sprache ............................39
Aufbau der Arbeit .................................................43
I. Weichenstellung: Ordnungsgemäße Gewalt und falsche Opfer (1945–1949)
Die »Erbgesundheit« der »Volksgemeinschaft« ..........................49
1. Betroffene ergreifen das Wort ......................................51
1.1 Individuelle Erzählungen über die unrechtmäßige Zwangssterilisation ...........................................52
1.2 Reaktionen auf die Betroffenen ................................68
2. Grundsteinlegung: Die Entnazifizierung der Zwangssterilisationen ...77
2.1 Ausdifferenzierung der Zwangssterilisierten ....................78
2.2 Schutz des beteiligten Personals ...............................104
3. Der (ab)wertende Blick auf die »Euthanasie«-Opfer ..................117
4. Die doppelte Nachgeschichte des GzVeN ............................133
4.1 Kontrolle weiblicher Sexualität und Reproduktion ...............134
4.2 Kontrolle »erbkranker« Körper durch ein neues Sterilisationsgesetz ...........................................149
Zwischenfazit I .......................................................161
II. Formierung: Erste Verbände und die Frage der Menschenrechte (1950–1954)
»Vollwertiges Menschsein« ............................................165
5. Der Zentralverband der Sterilisierten und Gesundheitsgeschädigten ..167
5.1 Vertretungsanspruch .........................................168
5.2 Gescheiterte Bemühungen um Anerkennung ....................179
5.3 Kollektives Engagement jenseits des Zentralverbands ............198
6. Die neue alte Entschädigungspolitik ................................213
6.1 Differenzierte Menschen(rechte) ...............................214
6.2 Keine Alternativlosigkeit: Der Stuttgarter Alleingang .............235
7. Der delegitimierende Expertenblick ................................253
Zwischenfazit II ......................................................279
III. Konsolidierung: Ein neuer Verband und konträre Opferkonstruktionen (1954–1970)
Eugenische Schreckbilder .............................................283
8. Der Bund der Opfer des Faschismus ................................285
8.1 Umstrittene Gründung und begrenzte Handlungsmacht .........286
8.2 Entschädigungsengagement mit exzeptionellen Opferbildern ....309
8.3 Individuelle, chancenlose Anerkennungsversuche ...............337
9. Die Entschädigungsfrage wird brisanter ............................351
9.1 Politischer Handlungsdruck und ministerialer Widerstand .......351
9.2 Eine schleppende und erfolglose Suche .........................372
10. Die Persistenz eugenischen Denkens ...............................401
11. »Vollwertige Menschen«?! Gehörlose in der westdeutschen Gesellschaft 433
Zwischenfazit III .....................................................455
Schluss
Das uneingelöste Versprechen gleicher Menschenrechte .................461
Die Handlungs- und Deutungsmacht der Opfer(verbände) ...........462
»Erbkrank« und »minderwertig« als zentrale Aushandlungskategorien 466
Gewaltlegitimation in einer sich demokratisierenden Gesellschaft .....470
Anhang
Abkürzungen ........................................................479
Abbildungen .........................................................481
Quellen und Literatur .................................................483
Archivgut ........................................................483
Gedruckte Quellen ................................................485
Periodika ........................................................488
Interview ........................................................489
Literatur .........................................................489
Dank ................................................................513

Erscheint lt. Verlag 26.2.2026
Reihe/Serie Zeitgeschichte ; 5
Verlagsort Weinheim
Sprache deutsch
Maße 153 x 235 mm
Themenwelt Geschichte Allgemeine Geschichte 1918 bis 1945
Studium Querschnittsbereiche Geschichte / Ethik der Medizin
Schlagworte Anerkennung • Behinderte • Bundesrepublik Deutschland • Disability History • Euthanasie • Gehörlose • Geschichte • Nationalsozialismus • NS • NS-Verfolgte • open access • Opfer • Überlebende • Zeitgeschichte • Zwangssterilisationen
ISBN-10 3-593-52208-X / 359352208X
ISBN-13 978-3-593-52208-1 / 9783593522081
Zustand Neuware
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