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Zucker und Krebs - die bittere Wahrheit -  Ernst Küsters

Zucker und Krebs - die bittere Wahrheit (eBook)

eBook Download: EPUB
2025 | 1. Auflage
278 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-8192-7119-9 (ISBN)
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7,99 inkl. MwSt
(CHF 7,80)
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Fast jeder zweite Krebstod ist durch falsche Ernährung bedingt und vermeidbar. Obwohl Zucker die meisten Erkrankungen verantwortet, wird er als Verursacher nur am Rande wahrgenommen. Dabei erkannte Warburg bereits vor 100 Jahren den maßlosen Zuckerbedarf des Krebses und den daran angepassten Stoffwechsel. Die Entdeckung der Onkogene in den 70er Jahren vernachlässigte diesen Zusammenhang. Das war fatal, denn heute wissen wir: Stoffwechsel und Genetik sind beim Krebs die beiden Seiten derselben Medaille. Der Zuckerabbau löst Mutationen aus und veranlasst Zellen, noch mehr Zucker aufzunehmen. Dadurch werden Krebs, Diabetes, Fettleibigkeit und Alzheimer gefördert. Durch gezielte Ernährung kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden. Neueste epigenetische Studien belegen: Wir sind den Mutationen und Krebs nicht hilflos ausgeliefert!

Dr. Ernst Küsters entwickelte von 1984 bis 2020 Krebsmedikamente in der Pharmaindustrie. Als Buchautor beschäftigt er sich mit der Frage, wie Krebs durch Ernährung vermieden und Krebstherapien durch Verwendung bekannter Wirkstoffe verbessert werden können.

1 DER RICHTUNGSSTREIT


„Es ist ein großer Unterschied zwischen etwas noch glauben und es wieder glauben. Noch glauben, daß der Mond auf die Pflanzen wirke, verrät Dummheit und Aberglaube, aber es wieder glauben zeigt von Philosophie und Nachdenken.“

Georg Christoph Lichtenberg

Anfang des 20. Jahrhunderts wird die Zoologische Station in Neapel zum Mekka für Wissenschaftler aus aller Welt. Unter den Gästen, die auf dem Gebiet der Meeresbiologie forschen, sind zwei Deutsche: der Biochemiker und Mediziner Otto Warburg, der in der Zeit von 1908 bis 1914 fünfmal in Neapel forschte, sowie der Mediziner und Biologe Theodor Boveri, der zwischen 1888 bis 1914 die Forschungsstation neunmal besuchte. Die Entdeckungen der beiden Wissenschaftler – sie arbeiteten unabhängig voneinander mit Seeigeleiern – werden zu Sternstunden in der Biochemie und in der Krebsforschung. Sie sind die Grundlage für einen Richtungsstreit, der bis in die heutige Zeit reicht und in der Frage mündet: Ist Krebs eine Stoffwechselkrankheit oder genetisch bedingt?

In seinen frühen Arbeiten mit befruchteten Seeigeleiern stellt Warburg fest, dass diese im Augenblick der Befruchtung die Sauerstoffatmung um das sechsfache steigern. Da Krebszellen sich ebenfalls durch ein schnelles Wachstum auszeichnen, erwartet Warburg einen ähnlichen Anstieg des Sauerstoffverbrauchs, wenn aus einer gesunden Zelle eine Krebszelle wird. Zu seiner Überraschung findet dieser Prozess nicht statt. Im Gegenteil, die Krebszellen benötigen praktisch keinen Sauerstoff. Auf der Suche nach einer Erklärung für dieses Phänomen entdeckt Warburg 1924 den nach ihm benannten Effekt, wonach Krebszellen das Zuckerabbauprodukt Pyruvat anders verwerten als gesunde Zellen.1 Während gesunde Zellen durch Atmung Pyruvat in den Mitochondrien sehr energiegewinnend zu Kohlendioxid und Wasser umsetzen, findet dieser Prozess in Krebszellen nicht statt, selbst wenn ausreichend Sauerstoff zur Verfügung steht. Stattdessen wird das Pyruvat ohne großen Energiegewinn zu Milchsäure vergoren. Warburg vermutet deshalb, dass die Mitochondrien in Krebszellen nicht mehr richtig funktionieren. Diese Vermutung wird fortan als Warburg-Hypothese bezeichnet und Krebs von vielen Wissenschaftlern als Stoffwechselkrankheit charakterisiert.

Boveri entdeckt 1901 bei seinen Versuchen mit Seeigeleiern, dass nur wenn der komplette Chromosomensatz weitergegeben wird, eine Vermehrung stattfindet. In seiner 1904 veröffentlichten „Chromosomentheorie der Vererbung“ spekuliert er als erster darüber, dass es sich bei Krebs um eine Krankheit handelt, bei der Chromosomen verändert oder anderweitig beschädigt sind. Jahrzehnte später wird sich etablieren, dass Krebs auf Mutationen in den Genen zurückgeführt werden kann.

Ist Krebs nun eine Stoffwechselkrankheit oder genetisch bedingt? Der vermeintliche Richtungsstreit war in den ersten Jahrzehnten zugunsten von Otto Warburg entschieden. Zum einen dürfte die Aura des Nobelpreisträgers hierzu beigetragen haben, zum anderen war es zur gleichen Zeit nicht möglich, experimentelle Untersuchungen zur Genetik durchzuführen.

Einer weiteren Sternstunde in der Krebsforschung, die allerdings auf eine falsche Fährte führte, dürfte es zu verdanken sein, dass man über die beiden Theorien nicht weiter nachdachte. Bereits im Jahre 1910 hatte der junge Peyton Rous aus Hühnersarkomen ein Virus isoliert, das, in gesunde Küken injiziert, Krebsgeschwulste auslöste. Das Virus wird später ihm zu Ehren Rous-Sarkom-Virus (RSV) genannt. Die Arbeit wurde zuerst wenig beachtet, da eine Viruserkrankung als ansteckend gilt, Krebs aber nicht. Jedoch waren viele Arbeitsgruppen in den 60er- und 70er-Jahren davon überzeugt, dass Krebs durch Viren verursacht wird.

Der Durchbruch erfolgte 1976, als Dominique Stehelin, Harald Varmus, Michael Bishop und Peter Vogt bewiesen, dass die DNA des Rous-Sarkom-Virus auch in (fast allen) gesunden Zellen vorkommt und durch das Virus zum Onkogen umgewandelt wird.2 Varmus und Bishop erhielten 1989 dafür den Nobelpreis und vollzogen damit den Umschwung zur Molekularbiologie. Krebs als Folge von Veränderungen in der DNA eröffnete die Jagd auf Onkogene. Die Molekulargenetik wurde zum neuen Paradigma in der Krebsforschung und die Arbeiten Otto Warburgs zum Stoffwechsel in Krebszellen gerieten in Vergessenheit.

Es ist bis heute nicht nachvollziehbar, weshalb sich die Krebsforschung ab den 70er-Jahren ausschließlich auf die Seite der Molekulargenetik geschlagen hat. Der Warburg-Effekt ist nicht wegzudiskutieren und wurde überall in der Welt bestätigt. Der Wahrheit dürfte man sich nähern, wenn man sich mit der Person Warburgs beschäftigt.

Warburg ist bereits während des zweiten Weltkrieges als genialer Wissenschaftler international anerkannt. Viele Jahre zuvor als Dauerkandidat gehandelt, erhält er schließlich 1931 den Nobelpreis für die Entdeckung der Atmungsenzyme. Zehn Jahre später beabsichtigt das Nobelkomitee, ihn für seine Arbeiten zur Krebsforschung erneut auszuzeichnen. Man entschließt sich im letzten Augenblick jedoch anders, weil es deutschen Wissenschaftlern nicht erlaubt wird, die Auszeichnung entgegenzunehmen.

An seiner Person scheiden sich, trotz seiner anerkannten wissenschaftlichen Erfolge, die Geister. Für manche Zeitgenossen ist seine Arroganz und vernichtende Kritik nur schwer zu ertragen. Anderen wiederum war es suspekt, dass er als vermeintlich Homosexueller und Sohn eines Juden keinen Gedanken daran verschwendete, sich um seine Zukunft im Dritten Reich zu sorgen. War dies seiner Selbsthybris geschuldet oder wurde er wegen seiner Genialität selbst von Hitler, der Angst vor Krebs hatte, geschützt? Für beide Annahmen gibt es ausreichende Hinweise. Wie dem auch sei, man verachtete ihn oder verehrte ihn als wissenschaftlichen Gott. Bewunderer dürften sich auf jeden Fall in der Minderheit befunden haben. Die neue Idee, Krebs ausschließlich als genetisch bedingte Krankheit aufzufassen, bot somit die Möglichkeit, sich von Warburg zu distanzieren. „Menschlich“ nachvollziehbar – aber wissenschaftlich unhaltbar.

Ein Mann wie Warburg gab sich mit der Ablehnung nicht zufrieden. Auf der Nobelpreisträger-Tagung 1966 in Lindau wird er sehr deutlich und attackiert seine Gegner: „Sauerstoffgas, Energiespender in Pflanzen und Tieren, ist entthront bei Krebs und durch eine andere Form der Energiegewinnung, nämlich die Fermentation der Glukose, ersetzt. [...] Aber niemand kann heute behaupten, daß man nicht sagen kann, was Krebs ist und was seine primäre Ursache. Im Gegenteil, es gibt keine Krankheit, deren Ursache besser bekannt ist. Unwissenheit kann heute nicht länger als Entschuldigung dafür dienen, daß man nicht mehr für die Prävention tut. Daß die Prävention gegen Krebs kommen wird, daran gibt es keinen Zweifel, da die Menschen überleben wollen. Aber wie lange die Prävention versäumt wird, hängt davon ab, wie lange die Propheten des Agnostizismus fortfahren werden, die Anwendung der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Krebsforschung zu verhindern. In der Zwischenzeit müssen Millionen Menschen unnötigerweise am Krebs sterben.“ 3

Bemerkenswert an diesem Zitat ist die Mehrfachnennung der Prävention, der Warburg offensichtlich größere Chancen einräumt als der Heilung.

Aber seine Worte verhallten ungehört. Schlimmer noch, Warburg musste erneut erfahren, dass man ihn ignorierte und der Lächerlichkeit preisgab. So kommentierte beispielsweise das Magazin Der Spiegel die oben genannte Rede seinerzeit mit den Worten: „Längst haben Forscher in aller Welt erkannt, dass der verdiente Biochemiker bei seinen Arbeiten zur Krebsentstehung Ursache und Wirkung verwechselt hat – allein Warburg vermag das nicht einzusehen.“4

Und dann der Paukenschlag im Jahre 1980! In Amerika gelingt es Mark Spector aus der Arbeitsgruppe von Ephraim Racker in atemberaubender Geschwindigkeit zu beweisen, dass bei der Krebsentstehung der Stoffwechsel von Krebszellen und deren Genetik miteinander verknüpft sind. Jahre zuvor hatte Racker festgestellt, dass Krebszellen ungeheure Energiemengen benötigen, weil sie in den Mitochondrien ineffiziente Ionenpumpen enthalten. Mit einem Schlag ist Warburgs-Theorie wieder aktuell. Aber nur für kurze Zeit. Spector hatte in einer beispiellosen Weise, Experimente erfunden, Resultate gefälscht und Proben verfälscht. Das Lügengebäude stürzte in sich zusammen. Jedoch begrub es Warburgs Ideen für die nächsten Jahrzehnte gleich mit.

Die nächste Wiederbelebung erfolgte erst im Jahr 2006. Einer Forschergruppe aus Jena und Potsdam gelang es, das Krebswachstum in Mäusen mit einer bestimmten Form von Dickdarmkrebs, zu hemmen. Wie hatten sie das geschafft? Sie manipulierten die Versuchstiere so, dass diese vermehrt ein bestimmtes Protein in den Mitochondrien produzierten. Dadurch waren die Mitochondrien gezwungen, das Pyruvat mit Sauerstoff zu verwerten, mit dem Effekt, dass die Krebszellen ihr Wachstum einschränkten.5 In einem Kontrollexperiment stellte man fest, dass vermehrtes Tumorwachstum stattfand, wenn umgekehrt durch Behinderung der Proteinproduktion die Vergärung gefördert...

Erscheint lt. Verlag 3.7.2025
Sprache deutsch
Themenwelt Medizin / Pharmazie
ISBN-10 3-8192-7119-8 / 3819271198
ISBN-13 978-3-8192-7119-9 / 9783819271199
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