Kira's Stunde Null (eBook)
566 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-67734-0 (ISBN)
Als dieser Vorfall meiner Tochter ihr bisheriges Leben geraubt hat, habe dieses Tagebuch angefangen, um selbst mit der Situation fertig zu werden. Später habe ich daran gedacht, dass unsere Erfahrungen vielleicht ähnlich Betroffenen helfen könnten, niemals die Hoffnung aufzugeben.
Als dieser Vorfall meiner Tochter ihr bisheriges Leben geraubt hat, habe dieses Tagebuch angefangen, um selbst mit der Situation fertig zu werden. Später habe ich daran gedacht, dass unsere Erfahrungen vielleicht ähnlich Betroffenen helfen könnten, niemals die Hoffnung aufzugeben.
Stunde 0 - Dienstag, 04. März 2014
ca. 18:00 Uhr - Anruf von Tim: Kira ist im Krankenhaus, die ist auf der Arbeit zusammengebrochen. Sie soll vom Krankenhaus in die Klinik gebracht werden. Ihr Kopf ist nicht in Ordnung. Mein erster Gedanke ist: Oh Mann, nicht schon wieder
ca. 18:10 Uhr - Ich rufe im Krankenhaus an: Was ist mit meiner Tochter? Im Grunde die gleiche Antwort wie von Tim: Sie ist vor 3 Sekunden in den Krankenwagen gekommen, der sie zur Klinik bringt.
ca. 18:15 Uhr - Anruf in der Klinik: Was ist mit meiner Tochter? Antwort: Sie ist auf dem Weg hierher.
ca. 18:30 Uhr - Simon und ich fahren los. Notaufnahme. Im Moment kann keiner was sagen. Ich höre wie die Frau in der Aufnahme nach Laborwerten von Frau E. fragt. Also ist Kira fast zeitgleich mit uns angekommen. Wir sollen in den großen Wartesaal gehen.
ca. 19:30 Uhr - Eine Ärztin kommt und erklärt uns was passiert ist. Ein Aneurysma im Kopf ist geplatzt. Eine Operation ist unumgänglich. Es gibt zwei Möglichkeiten:
1. Ein Coiling, dabei wird eine Titanspirale über die Adern aus der Leiste in das Aneurysma gebracht.
2. Klammern, das geht nur von außen und dabei muss die Schädeldecke geöffnet werden. Mir kommt ein sehr törichter Gedanke: Hoffentlich schneiden sie ihr nicht die Haare ab. Als wenn das nicht total egal wäre. Welche Operation durchgeführt wird, können sie erst sagen, wenn die die Bilder gesehen haben. Und es besteht Lebensgefahr. Mist
ca. 23:30 Uhr - Wir haben nichts mehr gehört und gehen wieder zur Notaufnahme, um nachzufragen. Sollen noch in dem kleinen Wartezimmer dort warten, wir werden gleich nach oben gebracht.
Tag 1 - Mittwoch, 05. März 2014
ca. 00:30 Uhr - Wir fahren zur Intensivstation und können sie sehen. Wir müssen draußen einen grünen Einmalkittel anziehen und uns die Hände desinfizieren. Dann klingeln und warten bis uns einer rein lässt. Trotz der verbalen Vorbereitung ist der Anblick ein Schock. Die Haare sind noch dran. Nur über der Stirn ist sie rasiert. Dort stecken 3 Sonden im Kopf. Eine misst den Hirndruck, eine zum Ablassen des Wundwassers und eine weiß ich nicht, frag ich noch mal nach. Ansonsten das ganze Programm: Beatmungsgerät, Magensonde, Blasenkatheter und gefühlte 100 Infusionsspritzen (gezählt habe ich 8). Laut Aussage der Stationsärztin wurde ein erfolgreiches Coiling durchgeführt. Sie wird ca.14 Tage in einem künstlichen Koma bleiben und Lebensgefahr besteht immer noch.
ca. 01:00 Uhr - Wir fahren nach Hause und rufen von unterwegs bei Tim und Heinz an.
ca. 01:30 Uhr - im Bett
ca. 03:00 Uhr - wach
ca. 05:00 Uhr - wach
06:00 Uhr - Ich bin aufgestanden und trotzdem ins Büro gefahren. Als ich erzähle, was passiert ist muss ich weinen und alle trösten mich. Meinen Termin um 15:00 Uhr hat ein Kollege übernommen. Mit meinem Chef habe ich besprochen, dass ich in nächster Zeit nur vormittags arbeiten werde. Heinz war mittags noch nicht angezogen und das Frühstücksgeschirr stand noch auf dem Tisch. Mit Tim haben wir abgemacht, dass wir ihn um 14:30 Uhr abholen.
Irgendwann am Vormittag klingelt mein Handy. Die Klinik! Oh nein Mein Herz bleibt fast stehen. Eine Schwester meldet sich und sagt sofort: Alles gut, alles gut. Ich werde gefragt, ob ich die Betreuung übernehmen möchte. JA KLAR!! WER SONST??
15:00 Uhr - Auf dem Weg vom Parkhaus zur Klinik klingelt mein Handy wieder. Diesmal ist es eine Frau aus dem Amtsgericht. Sie fragt auch, ob ich die Betreuung übernehmen würde und ob mir ein naher Familienangehöriger "in die Quere" kommen könnte. NEIN, WER DENN?! Ich bekomme telefonisch die vorläufige Betreuung über Aufenthalt, Behördengänge und Gesundheitsfragen. Über ihr Konto und Vermögen nicht.
Tim, Heinz und ich fahren nach oben. Simon ist erkältet und wollte lieber unten bleiben. Hoffentlich packt Tim den Anblick (wegen seiner Mutter, bei der war es vor ein paar Jahren ähnlich). Heinz weint die ganze Zeit. Wir dürfen immer nur zu zweit ins Zimmer. Tim bleibt ständig und wir wechseln uns ab. Der Pfleger erklärt uns die ganzen Geräte und Infusionsspritzen. Eine ist für den Blutdruck (der soll hoch sein), zwei sind Narkosemittel (die den Blutdruck senken), einmal Gerinnungsmittel, einmal Antibiotikum. Den Rest habe ich vergessen. Die Ärztin sagt das die Untersuchung am Morgen gezeigt hat, dass die Platinspirale richtig sitzt. Nur eine kleine Schlinge "hängt raus". Soll aber nicht schlimm sein.
16:15 Uhr - Heinz fährt nach unten zu Simon
16:30 Uhr - Tim und ich wollen auch gehen. Wir bekommen noch Ihre Kleidung und Wertsachen ausgehändigt. Tim macht einen Schritt vor die Tür, lässt die Tüte fallen und bleibt weinend stehen. Ich nehme ihn in den Arm und versuche ihn zu trösten.
21:00 Uhr - Ich bin todmüde und kann tatsächlich einigermaßen schlafen.
Tag 2 - Donnerstag, 06. März 2014
Ich gehe am Morgen wieder ins Büro. Heinz zieht sich erst wieder an, als ich zu Hause bin. Wir holen Tim wieder um 14:30 Uhr ab. Walter hat Geburtstag und Jan ist auch da. Er möchte gerne mitfahren. Hoffentlich geht das gut. Den hat das mit seiner Mutter noch härter getroffen. Wir bringen Ihr Duschgel, Creme, Deo und einen kleinen Stoffbeagle mit. Jan schafft es ca. 5 Minuten und kommt dann wieder raus. Auch er bleibt weinend stehen und ich versuche ihn zu trösten. Heinz geht danach rein. Jan möchte noch einmal. Er holt tief Luft und geht rein. Diesmal bleibt er etwas länger. Nach dem dritten Mal sagt er: Jetzt ist es genug, aber für mich war das wichtig. Kira hat zwei weitere Infusionsspritzen. Noch ein Narkotikum (ich kann mir schon denken warum: Kiras Körperkampf gegen Narkose) und einmal Insulin. Wegen erhöhter Temperatur (37,7°C) hat sie Novalgin bekommen.
Am Abend rufe ich bei der Rettungssanitäterin Frau Marie an, um mich zu bedanken. Sie kannte Kira von vorher. Sie sagt: Das ist mein Job.
Aber man kann ja trotzdem mal danke sagen!
Wahrscheinlich hat sie Kira das Leben gerettet!
Sie erzählt mir, dass sie an dem Tag Dienst hatte. Als der Rettungswagen in der Firma von Kira angekommen ist, hat sie sie erst nicht erkannt. "Sie war grün und blau und gelb im Gesicht. Erst als sie mir ihre Versichertenkarte gegeben hat, habe ich gesehen, wer sie ist. Sie musste sich ständig übergeben und hat im Wagen noch Durchfall bekommen. Alle haben auf den Noro- Virus getippt. Kira hat mir aber noch gesagt, dass sie sehr starke Kopfschmerzen hat. Ich habe dann zum Arzt gesagt, dass es dann eigentlich nicht der Virus sein kann, sondern mit ihrem Kopf etwas nicht stimmt. Dann wurde Kira wieder bewusstlos und wir haben sie "schutzintubiert". Sie hat immer noch gewürgt und es kam schon nichts mehr.“ In dem Krankenhaus hat dann auch der Arzt zum Glück richtig zugehört. Frau M. hat noch darum gebeten, mit zur Klinik fahren zu dürfen. Vielleicht haben Simon und ich sie dort sogar gesehen, aber wir kennen sie beide nicht.
Die bekommt von mir noch einen dicken Strauß Blumen!!!
Tag 3 - Freitag, 07. März 2014
Ich fahre wieder ins Büro. Irgendeiner sagt heute: Mütter funktionieren. (Oder war es Walter?) Und es stimmt, im Moment funktioniere ich. Heinz und Simon sind vormittags zum Einkaufen gefahren.
14:30 Uhr - Tim abholen. Diesmal fahre ich und Simon bleibt zu Hause. Tim sagt, dass Kiras Freundin Sandra gerne mitkommen möchte. Also holen wir sie noch ab. Auch sie ist nach dem ersten Anblick den Tränen nah. Wir wechseln uns wieder ab. Wir reden mit Kira und streicheln sie.
Tag 4 - Samstag, 08. März 2014
Ich habe meinen Frisörtermin doch nicht abgesagt. Es hilft Kira auch nicht, wenn ich nicht hingehe. Ich habe meinem Frisör alles erzählt. Er hat wegen seiner Schwester auch schon genug Krankenhaus Erfahrung gesammelt. Eine ehemalige Arbeitskollegin war auch da und hat mich gefragt, wie es mir geht (wie man halt so fragt). Ich sage: Schlecht, Kira liegt im Koma. Antwort von ihr: Wir können uns ja mal wieder treffen. - Ich: Nein, jetzt nicht. - Sie: Dann ruf ich dich mal an. - Ich: Nein, jetzt nicht.
Mein Frisör sagt später auch: Ich glaub, die hat überhaupt nicht geschnallt, was du ihr gesagt hast!
14:30 Uhr - Tim abgeholt. Heinz bleibt heute bei den beiden Hunden, um sie auszuführen. Ich habe noch einmal ausführlich die Ärztin befragt. Ich hatte mir extra einen Zettel geschrieben, damit ich nichts vergesse:
1. wie lange bleibt ein Coiling? - Immer
2. muss man es nochmal machen? - Nein
3. Was ist mit Medikamenten / Nachsorge? - in der ersten Zeit muss sie Gerinnungsmittel nehmen und wird zu einer Reha geschickt
4. Abstoßung /Allergie auf Titan? (Im Internet haben wir gelesen, dass man Platin nimmt) - es ist auch Platin und eine Allergie darauf ist nicht bekannt
5. wo war das Aneurysma? - Sie erklärt es mir anhand einer...
| Erscheint lt. Verlag | 30.9.2022 |
|---|---|
| Illustrationen | Sascha Riehl |
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Gesundheit / Leben / Psychologie ► Krankheiten / Heilverfahren |
| Medizin / Pharmazie ► Pflege | |
| Schlagworte | Gehirnblutung • Koma • Operationen • Rückkehr • Therapiezentrum |
| ISBN-10 | 3-347-67734-X / 334767734X |
| ISBN-13 | 978-3-347-67734-0 / 9783347677340 |
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