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Verbundenheit (eBook)

Das starke Gefühl, das uns glücklich und gesund macht
eBook Download: EPUB
2022 | 1. Auflage
240 Seiten
Scorpio Verlag
978-3-95803-486-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Verbundenheit -  Prof. Bettina M. Pause,  Shirley Michaela Seul
Systemvoraussetzungen
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Der Mensch ist ein soziales Wesen, benötigt den Kontakt zu anderen wie die Luft zum Atmen. Doch ein Drittel der Menschen in den Industrieländern leidet unter Einsamkeit. Wie gefährlich dieses Gefühl ist, zeigen mittlerweile zahlreiche Studien: Da Einsamkeit chronischen Stress auslöst, hat kein anderer Faktor so großen negativen Einfluss auf unsere Gesundheit und Lebensqualität. Soziale Beziehungen bereichern also nicht nur das Leben, sie verlängern es auch. Wenn die Bedrohung durch das Coronavirus langsam nachlässt, müssen wir teilweise neu lernen, unbeschwert mit anderen zusammen zu sein. Dafür braucht es Vertrauen, die Bereitschaft, sich auch körperlich wieder so nahe zu kommen, dass man den anderen riechen kann. Gerade Körpergerüche vermitteln uns auch heute noch eine Vielzahl an Informationen, es sind sogenannte Ehrlichkeitssignale. Ihre Bedeutung ist uns oft nicht bewusst, aber viele unserer Reaktionen basieren darauf. Prof. Pause beleuchtet die Heilsamkeit von körperlicher und seelischer Verbundenheit in ihren psychologischen, biologischen und evolutionstheoretischen Aspekten und führt uns dabei unterhaltsam in hoch komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge und Erkenntnisse aus der bisher noch relativ unbekannten Forschung der Sozialen Neurowissenschaften. Dort finden wir auch Lösungen für die drängenden Probleme der Zukunft, denn die Kraft, um durch schwierige Zeiten zu kommen, lässt sich nur aus einem achtsamen Miteinander schöpfen.

Prof. Bettina M. Pause ist eine international anerkannte Forscherin im Bereich Psychologie des Geruchs und der sozialen Kommunikation. Sie promovierte in Psychologie und leitet heute die Abteilung für Biologische und Sozialpsychologie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Laut 'Marquis Who's Who' gehört sie zu den Top 3 Prozent der Wissenschaftler weltweit über alle Disziplinen hinweg (Philosophie, Naturwissenschaften, Medizin etc.).

Prof. Bettina M. Pause ist eine international anerkannte Forscherin im Bereich Psychologie des Geruchs und der sozialen Kommunikation. Sie promovierte in Psychologie und leitet heute die Abteilung für Biologische und Sozialpsychologie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Laut "Marquis Who's Who" gehört sie zu den Top 3 Prozent der Wissenschaftler weltweit über alle Disziplinen hinweg (Philosophie, Naturwissenschaften, Medizin etc.).

Zauberhaft!


Als ich mit Anfang vierzig meine Professur für Biologische und Sozialpsychologie in Düsseldorf antrat, ging dieser Ortswechsel für mich mit überraschend viel Körperkontakt einher. Kaum hatte ich jemanden privat kennengelernt, wurde ich beim nächsten Treffen umarmt; Küsschen rechts in die Luft, Küsschen links in die Luft. Natürlich kannte ich die Sitten und Gebräuche jenseits meiner norddeutschen Heimat, wo man sich deutlich seltener umarmt, und wenn, dann betont herzlich: kurz und kräftig. Ob Düsseldorf oder München, diese für mich als Norddeutsche distanzlose Art der Begrüßung kam mir vor wie eine beiläufig vollzogene Körperfloskel. Nun gut, wenn die Gepflogenheiten hier so waren … Ich gewöhnte mich schnell daran.

Länger dauerte es, mich an das Befremden zu gewöhnen, das ich hervorrief, wenn ich Unbekannten in die Augen schaute. Ich war es gewohnt, in der Öffentlichkeit auch mit Fremden Blickkontakt zu suchen, für mich die direkte Art von Verbindung. Doch in Düsseldorf wie in vielen anderen Großstädten galt dies gemeinhin als aggressiv. Unvergessen ist mir eine Frau im Bus, die meinen freundlichen Blick mit einer ruppigen Bemerkung quittierte und von mir wissen wollte: »Was denken Sie sich dabei, mich so anzustarren?«

Starren? Ich hatte doch nur geschaut. Und gedacht hatte ich gar nichts, was ich nun nachholte, indem ich mir ziemlich viele Gedanken machte. Ich kam zu dem bekannten Schluss, dass man in größeren Städten gut beraten ist, Augenkontakt zu meiden, sich selbst sozusagen aus dem Verkehr zu ziehen, gar nicht da zu sein: unsichtbar. Denn die Folgen des Augenkontakts könnten übel sein. Jemand könnte sich provoziert fühlen, und das könnte mit einem blauen Auge enden. Also lieber gar nicht schauen und nicht Gefahr laufen, eine unheilvolle Verbindung einzugehen.

Doch wie wir es auch drehen und wenden: Wir müssen Verbindung eingehen. Ohne Verbindung können wir Menschen als soziale Wesen nicht leben.

Ja, auch nicht als biologische. Denn wir atmen. Alle atmen dieselbe Luft. Ein und aus. Durch unseren Atem sind wir verbunden, mal mehr, mal weniger intensiv. Je kälter die Luft, desto weniger Stoffe werden flüchtig, je wärmer die Luft, desto mehr. Wer wusste vor fünf Jahren schon genau, was es mit Aerosolen auf sich hat. Heute wissen wir es alle. In einem geheizten Raum, in dem wir uns mit anderen Menschen aufhalten, schwirren aber nicht nur mehr Aerosole herum, wir erhalten auch viel mehr menschliche Informationen über andere als in einem kalten Raum. Wir tauschen nämlich nicht bloß Viren aus, sondern vielzählige Statements darüber, wer wir sind, wie es uns geht und was wir zu tun beabsichtigen. So verraten wir in der Kommunikation über Körpergerüche, der Chemokommunikation, etwas über uns und erfahren gleichzeitig etwas über andere. Und das alles, ohne es bewusst zu merken. Wir sind miteinander verbunden … und haben meistens keine Ahnung davon.

Verbundenheit ist neben Essen, Trinken und Schlafen das wichtigste Grundbedürfnis des Menschen. Fehlt sie vollständig, das haben viele Studien gezeigt, werden Menschen dauerhaft traurig, geraten in eine schwere Depression, werden ernsthaft krank, auch krebs- und herzkrank, sind anfälliger für Diabetes und ernste psychische Störungen, Angsterkrankungen und Schizophrenie und werden früher dement. Nicht ohne Grund werden soziale Isolation als schwere Strafe und vollständige Isolation als Folter eingesetzt. Bei längerem Verlust der Verbundenheit ist die Wahrscheinlichkeit, vorzeitig zu sterben, um 50 Prozent erhöht.

Verbundenheit ist also etwas enorm Wichtiges. Und dennoch kümmern wir uns in der Regel nicht wirklich darum. Es ist so ähnlich wie in einem Aquarium. Das Wasser ist einfach da. Es geht so lange gut, bis es kippt. Bis die Fische mit den Bäuchen oben treiben. Dann wird es sicht- und riechbar: Da stimmt etwas nicht.

Wann haben Sie sich das letzte Mal mit einem Menschen oder etwas verbunden gefühlt? Verbundenheit kann auch bedeuten, Fan eines Fußballklubs zu sein, oder bei gemeinsamen Unternehmungen mit Fremden. Die soziale Welt ist der Dreh- und Angelpunkt unserer Existenz. Wir sind ständig damit beschäftigt herauszufinden, wie andere »drauf sind«, interpretieren ihr Verhalten, verbinden uns in gemeinsamen Sichtweisen, orientieren uns an wahrgenommenen Stimmungen, wollen dazugehören, manchmal um jeden Preis. Denn intuitiv wissen wir: Allein sind wir verloren. Nur im Verbund mit anderen sind wir lebensfähig. Gleichzeitig üben Einzelkämpfer, die angeblich völlig unabhängig sind, eine starke Faszination auf uns aus. Frei und ungebunden, individualistisch bis zur Egozentrik – doch in Wahrheit sind es arme Würstchen. So zu leben geht auch nicht lange gut und im Kino gerade mal knapp zwei Stunden.

Tatsache ist, dass unser Leben durch die Erfahrung von Verbundenheit erst sinnvoll wird: einer anderen Person oder Personengruppe in vertrauensvoller Beziehung zuzugehören. Verbundenheit ist neben dem Selbstwert und der persönlichen Freiheit ein hohes Gut. Weil Menschen das Wichtigste für Menschen sind, brauchen wir das Gefühl, verbunden zu sein.

Wir schauen uns an und lesen uns von den Augen ab, dass wir einer Meinung sind.

Wir fühlen uns aufgehoben im Zusammensein.

Wir wissen, was richtig und falsch ist, weil andere das genauso sehen.

Hast du das eben auch gespürt?

Ja, hab ich.

Schon mit einer Betrachtungsweise allein dazustehen, kann unendlich schmerzvoll sein. Man fühlt sich unverstanden, im Stich gelassen, isoliert … so beginnt manchmal der dornenvolle Pfad in die Depression. Die Geborgenheit in der Verbundenheit ist wichtiger als die Verbindung zum Computer. Auch wenn wir mutmaßen, ohne Smartphone wären wir verloren – in Wirklichkeit sind wir es ohne Menschen.

Wie wichtig Verbundenheit für die Lebensqualität ist, haben viele Menschen tatsächlich erst durch Covid-19 bemerkt. Man hat sich vorher nie Gedanken darüber gemacht, war selbstverständlich Teil einer Gemeinschaft. Niemand wäre auf die Idee gekommen, in zum gesellschaftlichen Klebstoff gehörenden Gesten Gefahren zu wittern, nun gut, außer ein paar Virologen. Man hat sich umarmt und Hände geschüttelt, man hat sich Küsschen auf die Wangen gehaucht und sich herzlich gedrückt.

Plötzlich war das nicht mehr möglich. Was vorher ein warmes schönes Gefühl machte, wurde nun zu einer potenziellen Todesdrohung. Der Mensch gegenüber war nicht mehr nur mein Freund, Verwandter, Bekannter, Nachbar, sondern jemand, der mich an die Beatmungsmaschine bringen kann. Also jemand, mit dem ich mich auf keinen Fall verbinden darf. Wenigstens nicht körperlich. Man kann ja trotzdem nah sein. Auch wenn man sich nicht sieht, nicht spürt, nicht riecht.

Tatsächlich?

Die Forschung sagt Nein. Und ganz tief drin wissen die meisten von uns, dass sie recht hat, auch wenn wir anfangs dachten, das kriegen wir schon hin. Ein paar Monate, dann ist alles wieder gut. Aus den Monaten der gekappten Verbindung sind Jahre geworden, und die Veränderungen sind noch nicht absehbar, zumal einige aktuelle Studien gravierende und langwierige Folgen ankündigen. Denn bei all unseren Maßnahmen haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht: die Seele. Menschen bestehen nicht nur aus einem Körper, wir sind beseelte Wesen. Seelen ohne Verbindung leiden, manchmal bis zum Suizid. Warum das so ist, werde ich auf den folgenden Seiten darlegen.

Seit mehr als 20 Jahren beschäftige ich mich mit der chemischen Kommunikation beim Menschen. Also mit jenen unbewussten Ausdrucksmöglichkeiten, die Nähe voraussetzen und die einen erheblichen Einfluss auf unsere physische und psychische Verfassung, auf unsere Gesundheit haben. Im Laufe meiner wissenschaftlichen Arbeit hat sich deutlich herauskristallisiert, dass die soziale Bindung eine Art Lebenselixier für uns Menschen ist. Sie hält uns am Leben, schützt uns vor Krankheit und macht uns froh. Wenn sie fehlt, wenn wir sozial isoliert sind und in die Einsamkeit abdriften, haben wir ein ebenso erhöhtes Risiko, schwer zu erkranken und früh zu sterben, als würden wir uns maßlos dem Nikotin und Alkohol zuwenden.

Anhand von Millionen von Datensätzen ist schon lange bekannt, wie wichtig Verbundenheit und wie desaströs Einsamkeit ist. Aus diesem Grund hat England vor einigen Jahren auch einen Einsamkeitsminister berufen.

Verbundenheit mit nahen Menschen, das kennen wir alle, macht uns ein warmes Gefühl, das Herz wird weit, alles scheint zu fließen. Ganz egal, von wem die Initiative ausgeht, findet sie Resonanz, dann strömt es. Ein lieber Mensch streichelt mir über die Hand, schaut mich an mit Zuneigung im Blick. Oder ich schaue, und mein Schauen wird erwidert; jemand hat mit einer Kleinigkeit an mich gedacht, oder ich habe an jemanden gedacht, auch mein Denken an ihn verbindet...

Erscheint lt. Verlag 7.10.2022
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Medizin / Pharmazie Naturheilkunde
Schlagworte Angst • Bedrohung durch das Coronavirus • Beziehungen • biologische Aspekte • Biowissenschaft • Botenstoffe des Immunsystems • Botenstoffe des Nervensystems • chronischer Stress • Dopamin • Ehrlichkeitssignale • Einsamkeit • Endorphine • evolutionstheoretische Aspekte • Gemeinschaft • Gesundheit • Glück • Heilsamkeit von körperlicher und seelischer Verbundenheit • Hormonsystem • Industrieländer • Kontakt • Kontaktbeschränkungen • Körpergeruch als Kommunikationsmittel • Körpergerüche • körperliche Intimität • Kraft der Beziehungen • Kraft der Freundschaft • Lebensqualität • Mensch • Minimalkontakte fördern • Nervensystem • Oxytocin • Partnerschaft • psychische Effekte • psychologische Aspekte • seelische Intimität • Social Distancing • Soziale Beziehungen • soziale Isolation • Soziale Nähe • Soziale Neurowissenschaften • Soziales Gehirn • soziales Wesen • Sozialphobie • Sozialpsychologie • Vertrauen
ISBN-10 3-95803-486-1 / 3958034861
ISBN-13 978-3-95803-486-0 / 9783958034860
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