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Psychische Störungen in der Schwangerschaft. Kunsttheorie als kreative Psychotherapie? (eBook)

eBook Download: EPUB
2021 | 1. Auflage
80 Seiten
Social Plus (Verlag)
978-3-96355-156-7 (ISBN)
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Psychische Störungen sind in Deutschland ein aktuelles und viel diskutiertes Thema. Trotzdem sind die Forschungslage und die psychiatrische Versorgung immer noch unzureichend. Dies ist vor allem in der Schwangerschaft und Stillzeit eine besondere Herausforderung. Eine neue Behandlungsmethode ist die Kunsttherapie. Welche Arten von psychischen Störungen können in der Schwangerschaft und Peripartalzeit auftreten und wo liegt deren Ursache? Welche Möglichkeiten der psychiatrischen Versorgung sind dann besonders sinnvoll? Und inwieweit kann die Kunsttherapie als Psychotherapie von Vorteil sein? Die Autorin Sina Dorothee Blome klärt die wichtigsten Fragen zu psychischen Störungen in der Schwangerschaft und Peripartalzeit. Sie zeigt Behandlungsmöglichkeiten auf und vergleicht diese mit denen der klassischen Psychotherapie. Dabei geht Blome vor allem auf die Kunsttherapie ein, stellt Vor- und Nachteile dar und leitet Behandlungsempfehlungen ab. Aus dem Inhalt: -Depression; -kognitive Verhaltenstherapie; -Soziotherapie; -Psychopharmakotherapie; -Therapie-Resistenz

2 Hintergrund


 

„Frauen sind im Lauf[e] ihres Lebens zahlreichen Schwankungen ihres Sexualhormonspiegels unterworfen – etwa (…) während der Schwangerschaft und postpartal (…). In diesen Lebensphasen werden häufig auch Veränderungen des psychischen Befindens beobachtet.“ (Riecher-Rössler, 2015, S. 414).

 

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird daher zunächst auf Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit und diesbezüglich auf die hormonellen Veränderungen während dieser Phase eingegangen. Weitergehend wird der Bezug zu psychischen Störungen während der Peripartalzeit angeschnitten. Zudem wird ein grundlegendes Verständnis zu psychischen Störungen, deren Verlauf, Ursachen und Behandlung gegeben.

2.1 Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit


 

Die Schwangerschaft bedeutet eine enorme Veränderung im Leben einer Frau und geht, auch bei psychisch stabilen Frauen, mit physischen als auch psychischen Beschwerden einher. Zu den psychischen Symptomen gehören Ängste und Unsicherheiten, welche sich in der Regel aber in Vorfreude wandeln (Stoppard, 1998, S. 47). Als Ursache sind hier u.a. vergangene (traumatische) Erfahrungen sowie die Ausschüttung von schwangerschaftsassoziierten Hormonen, welche sich auf die Gefühlslage der Frau auswirken, zu nennen (Rohde & Dorn, 2007, S. 132-133). Zudem sind auch die körperlichen Wandlungen wie bspw. die Vergrößerung der Brust auf eine erhöhte Hormonproduktion während der Schwangerschaft zurückzuführen (Stoppard, 1998, S.96). Die Schwangerschaft, die postpartale Phase und auch die Stillzeit können demnach zu den körperlich endokrin[3] instabilen Lebensabschnitten gezählt werden (Birkhäuser, Kuhl, Hausmann & Alfermann, 2005, S. 32).

 

„Das endokrinologische System, das Immunsystem sowie das zentrale Nervensystem und die Psyche beeinflussen sich wechselseitig. Somit kann jede endokrine Störung zu körperlichen und psychischen Veränderungen führen (…). Hormone können als Bestandteil dieses Gleichgewichtes den Gesundheitszustand daher wesentlich beeinflussen.“ (Birkhäuser et al., 2005, S. 31). Die Aufgabe von Hormonen im Organismus, welche durch die endokrinen Drüsen gebildet werden, ist die gezielte Aktivierung von Gewebezellen zu präzisen Aufträgen.

Bereits eine sehr geringe Menge eines Hormons ist ausreichend, um einen Prozess in Bewegung zu setzen. Daher können schon kleinste Abweichungen in Anzahl oder Kombination verschiedener Hormone zu normwidrigen und schädlichen Reaktionen des Körpers führen (Dalton, 2003, S. 25). In der Schwangerschaft bspw. erfahren primär die Steroide ‚Östradiol‘ und ‚Progesteron‘ einen enormen Anstieg (Birkhäuser et al., 2005, S. 60). Während das Hormon Östrogen während der Schwangerschaft einen 20 bis 30-fachen Anstieg erfährt, kommt das Hormon Progesteron sogar auf die 50 bis 60-fache Ausschüttungsmenge im Vergleich zu nicht schwangeren Frauen (Stoppard, 1998, S. 96). Diese Sexualsteroide, welche zu der Gruppe der ‚Östrogene‘ und ‚Gestagene‘ gehören, existieren u.a. zusammen mit dem Schwangerschaftshormon ‚humanes Choriongonadotropin‘ (hCG) und der Hormongruppe der ‚Androgene‘ (Birkhäuser et al., 2005, S. 51). Das Hormon hCG existiert ausschließlich in der Schwangerschaft und dient hier der Entwicklung der Plazenta (Dalton, 2003, S. 29). Besonders aber den weiblichen Geschlechtshormonen ‚Östrogen‘ sowie ‚Gestagen‘ kommt eine besondere Bedeutung bzgl. der psychischen Gesundheit der Frau zu. Neben der Regulierung der Fortpflanzung haben diese auch einen beträchtlichen Einfluss auf das zentrale Nervensystem (ZNS) und damit auf die Psyche. Demzufolge können sich Hormonschwankungen auf das Verhalten und Denken der Frau auswirken. „Dabei stellt die jeweilige Prädisposition, die möglicherweise von der hormonalen Ausprägung des ZNS während der Fetalzeit abhängt, einen wichtigen Einflussfaktor dar.“ (Birkhäuser et al., 2005, S. 53-54). Eine sich während dieser Zeit in einem hohen Maße entwickelte Hormonsensitivität kann während des Zeitraumes zwischen der ersten und der letzten Menstruationsblutung einer Frau, in welchen auch die Peripartalzeit fällt, den Grundstein einer mentalen Instabilität darstellen. Diese ist dem Einfluss steigender und fallender Mengen von Östrogen und Progesteron unterworfen (Birkhäuser et al., 2005, S. 54). Östrogene nehmen für gewöhnlich schützende Charakteristika in Bezug auf neurologische und psychische Funktionalitäten des Menschen ein. So treten genannte Hormone in spezifischen Phasen des weiblichen Lebens mehr oder minder stark auf und beeinflussen in Folge dessen die Hirnaktivitäten der Frau (Riecher-Rössler, 2015, S. 414). Das Hormon Progesteron wirkt dabei ergänzend zum Hormon Östrogen (Birkhäuser et al., 2005, S. 54). Dieses kann einen beruhigenden Einfluss auf die schwangere Frau haben (Stoppard, 1998, S. 47). Neben den Sexualhormonen bestehen aber auch die, die Hormone nicht beeinflussenden, Metaboliten, welche die Vorgänge einiger Neurotransmitter steuern (Birkhäuser et al., 2005, S. 54). Um die Auswirkungen von Stress zu minimieren und somit einer krankhaften Reaktion von Körper und Psyche vorzubeugen, folgt jedem einzelnen Inkrafttreten eines neurochemischen Vorganges i.d.R. eine gegenwirkende und schützende Adaption des Organismus. Bei einem Ungleichgewicht dieser Funktion kann es zu einer psychischen Erkrankung der betroffenen Frau kommen (Birkhäuser et al., 2005, S. 54). Normalerweise aber gilt das Hormon Östrogen, hier vor allem Estradiol-17-ß, als Schutzmechanismus bzgl. psychischer Störungen. Man vermutet „unter anderem eine antipsychotische Wirkung, eine Verbesserung affektiver Symptome, die Reduktion aggressiven und suizidalen Verhaltens, eine stressprotektive Wirkung sowie eine Verbesserung kognitiver Funktionen“, eine Verminderung dieses Hormons würde demnach gegensätzliche Wirkungen hervorrufen (Bergemann & Riecher-Rössler, 2005; Riecher-Rössler & de Greyter, 2007; Riecher-Rössler, Kuhl & Bitzer, 2006, zitiert nach Riecher-Rössler, 2015, S. 415). Hier ist zu beachten, falls genanntes Hormon zur Therapie einer psychischen Störung eingesetzt werden soll, dass dieses nur in Komposition mit einem Gestagen Anwendung finden darf, um der Entstehung einer ‚Endometrium-hyperplasie‘[4] sowie eines ‚Endometriumkarzinoms‘[5] vorzubeugen. Dieses Vorhaben ist für die Ärztin / den Arzt jedoch kein anspruchsloses, da das ‚Gestagen‘ als Antagonist zum ‚Östrogen‘ auftritt und somit dessen wünschenswerte Wirkung bzgl. des mentalen Zustandes der Patientin hemmen kann (Bergemann & Riecher-Rössler, 2005, zitiert nach Riecher-Rössler, 2015, S. 422). Außerdem führt ein Hormonmangel, welcher eine unzureichende Entwicklung der Uterusschleimhaut zur Folge hat, nicht selten zu einer Fehlgeburt (Stoppard, 1998, S. 164). Die Fehlgeburt hat starke Auswirkungen auf die Psyche der Frau und kann zu starken depressiven Störungen führen. Grund hierfür ist neben dem Verlust des Fetus auch der plötzliche sowie starke Abfall der Hormone (Stoppard, 1998, S. 166).

 

Des Weiteren kann es nach der Entbindung zu depressiven Verstimmungen der Frau kommen, was jedoch nicht gleich auf eine depressive Störung verweisen muss. Sollte diese jedoch zwei Wochen überdauern, sollte möglichst zügig fachmännischer Rat hinzugezogen werden, um schwerwiegende Schäden vorzubeugen (Stoppard, 1998, S. 230). Dass nach der Geburt ein Stimmungstief zu beobachten ist, kann auch auf das Ausscheiden der Plazenta, welche während der Schwangerschaft zusätzlich für die Hormonproduktion zuständig ist, zurückgeführt werden. Ein rapider Abfall von Progesteron und Östrogen ist die Folge (Dalton, 2003, S. 33). Zudem gelten Frauen, welche während der Schwangerschaft positive oder negative Stimmungsveränderungen in einem sehr ausgeprägten Maß aufweisen, als Risikogruppe bzgl. postpartal auftretender psychischer Störungen (Rohde & Dorn, 2007, S. 133).

 

Häufig werden derartige Anzeichen einer psychischen Störung während der Peripartalzeit auf die natürlichen biologischen Prozesse während dieser herabgestuft und erfahren so zu geringe Beachtung. Bleibt die Störung während Schwangerschaft oder nach der Geburt also zu lange unentdeckt, kann sich diese chronifizieren, die Behandlung wird erschwert (Rohde, 2004, S. 25-26). Hier ist zudem zu beachten, dass eine psychische Störung, welche erst nach der Entbindung diagnostiziert wird, nicht zwangsläufig hier ihren Ursprung haben muss. Häufig sind die Anfänge der Erkrankung bereits während der Schwangerschaft zu verorten (Rohde, 2004, S. 71).

2.2 Psychische Störungen


 

Die Bedeutung, welche psychischen Störungen heutzutage beigemessen wird, hat in den letzten Jahrzehnten einen drastischen Anstieg erfahren. Dennoch kann nicht von einem allgemeinen Anstieg psychischer Störungen gesprochen werden, diese werden lediglich häufiger von Ärztinnen / Ärzten und / oder Patientinnen / Patienten als solche erkannt bzw. diagnostiziert und genießen zudem einen partiellen Rückgang der Stigmatisierung. So erkrankt jede zweite Person innerhalb ihres Lebens geringstenfalls an einer psychischen Störung. Zu den psychischen Störungen mit besonders hohem Aufkommen zählen Angststörungen, depressive Störungen, somatoforme Störungen, aber auch Suchterkrankungen. Zu den gegenüber diesen weniger häufig auftretenden, aber dafür weitaus komplexeren und weitreichenderen psychischen Störungen zählen Psychosen, bipolare Störungen, aber auch Essstörungen. Auffallend ist, dass bei allen...

Erscheint lt. Verlag 22.6.2021
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Geisteswissenschaften
Medizin / Pharmazie Medizinische Fachgebiete Psychiatrie / Psychotherapie
Schlagworte Depression • Kognitive Verhaltenstherapie • Kunsttherapie • Peripartalzeit • Psychische Erkrankungen • Psychopharmakotherapie • Psychotherapie • Schwangerschaft • Soziotherapie • Therapie-Resistenz
ISBN-10 3-96355-156-9 / 3963551569
ISBN-13 978-3-96355-156-7 / 9783963551567
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