Gendermedizin: Warum Frauen eine andere Medizin brauchen (eBook)
280 Seiten
Scorpio Verlag
978-3-95803-251-4 (ISBN)
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Vera Regitz-Zagrosek gilt als Pionierin der geschlechtersensiblen Medizin in Deutschland. Seit 2007 ist sie Direktorin des Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin an der Berliner Charité. Zurzeit ist sie Gastprofessorin der Universität Zürich. Dr. med. Stefanie Schmid-Altringer ist seit 1999 als freiberufliche Wissenschaftsjournalistin und Buchautorin tätig. Mit dem Themenschwerpunkt Gesundheit produziert sie als Autorin und Regisseurin zahlreiche TV-Dokumentationen und Bücher.
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Vera Regitz-Zagrosek gilt als Pionierin der geschlechtersensiblen Medizin in Deutschland. Seit 2007 ist sie Direktorin des Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin an der Berliner Charité. Zurzeit ist sie Gastprofessorin der Universität Zürich. Dr. med. Stefanie Schmid-Altringer ist seit 1999 als freiberufliche Wissenschaftsjournalistin und Buchautorin tätig. Mit dem Themenschwerpunkt Gesundheit produziert sie als Autorin und Regisseurin zahlreiche TV-Dokumentationen und Bücher.
Das können Sie für sich tun
Entdecken Sie also den Schatz Ihrer Lebenserfahrungen und betrachten Sie ihn mit ganz neuem Fokus: nüchtern und lösungsorientiert die belastenden Erfahrungen und mit wachem Blick die Vorteile und Ressourcen, welche in jeder Ihrer Lebenserfahrung als Frau stecken!
Schluss mit der Baustelle »Frau«
Die folgenden beiden Beispiele stehen für zahlreiche wissenschaftliche Studien und Berichte, die deutlich machen, welche Auswirkungen das Gefühl von Frauen haben kann, nicht perfekt, gesund oder schön genug zu sein. Dabei gibt es in der Regel keine vernünftigen Gründe dafür, sich selbst als lebende Dauerbaustelle zu betrachten. Gehen Sie andere Gesundheitswege: Push up your life!
Nahrungsergänzungsmittel – Jeder dritte Erwachsene nimmt nach Angaben des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR) regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel – dazu gehören Vitamine, Mineralien und Spurenelemente. In der Europäischen Union gilt Deutschland mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro, die innerhalb eines Jahres für Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben werden, als einer der größten Absatzmärkte, Tendenz steigend. Und wer sind die Hauptabnehmer? Frauen über 35 Jahren mit höherem Bildungsstatus, die ohnehin gesünder leben und häufig keinen Mangel haben. Machen Sie sich klar, dass die meisten Vitalstoffe sehr viel effektiver wirken, wenn sie als Nahrungsmittel gegessen statt geschluckt werden. Einen ungesunden Lebensstil können sie nämlich nicht ausgleichen, und oft werden die Risiken unterschätzt.17
Gebärmutterentfernungen – Sogar aus medizinischer Sicht sind zu viele Frauen davon betroffen! Die Entfernung der Gebärmutter18 gehört zu den häufigsten gynäkologischen Eingriffen, ist aber längst nicht immer nötig. Jeder sechsten Frau zwischen 18 und 79 Jahren wurde in Deutschland nach offiziellen Angaben die Gebärmutter entfernt. Am häufigsten wird der Eingriff bei relativ jungen Frauen zwischen 40 und 49 Jahren vorgenommen. Die Entscheidung für eine Operation hat aber oft nichts mit einer dringenden Indikation zu tun (etwa bei einem bösartigen Tumor), sie wird nicht selten auch bei gutartigen Myomen getroffen. Oft wird wegen Blutungsstörungen, Schmerzen und einzelnen Myomen operiert, die hormonell oder durch eine operative Aushöhlung des jeweiligen Myoms in den meisten Fällen behandelbar wären. Eine entscheidende Rolle spielt der soziale Status und leider zu oft, wie gut oder schlecht die Frauen beraten werden. Angesichts der Tatsache, dass jede fünfte Totaloperation überflüssig ist und dass bei jeder Operation Komplikationen wie Verletzungen von Nerven, Gefäßen oder Organen vorkommen können, wäre es viel sinnvoller, die Frauen bei leichteren Beschwerden über alternative Therapien aufzuklären. Das Spektrum an Möglichkeiten ist heute größer, als viele Patientinnen und manche Ärzt*innen meinen. Besonders wichtig ist dabei laut Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann-Stiftung, darauf zu achten, wo Sie wohnen. Klingt merkwürdig? Stimmt aber! Es gibt regionale Unterschiede, ab wann zu einer Operation der Gebärmutter geraten wird (siehe Grafik rechts). Die Bundesregierung hat deshalb beschlossen, dass jede ärztliche Beratung zur Operation auf die Möglichkeit einer kostenfreien Zweitmeinung hinweisen muss. Machen Sie Gebrauch davon!
Jeden Monat neu – nutzen Sie diese Chance
Fangen wir am Anfang an. Was haben Sie als Mädchen über die monatliche Blutung gedacht, haben Sie sich darauf gefreut? Vorfreude kommt bei den meisten Mädchen nur insofern auf, als sie endlich dazugehören wollen. An sich fürchten sich viele Mädchen vor diesem unbekannten Ereignis in ihrem Leben, denn sie stellen sich – überliefert von der Mutter, Schwester, Freundin oder aus Medien – endlose, furchtbare Schmerzen, Blutseen und haufenweise Schokolade vor, die im Stil amerikanischer Serien während der Menstruation Trost spenden soll. Diese Vorstellung gleicht einem Horrorszenario und führt zu einer verzerrten Wahrnehmung, wenn es dann so weit ist. Entspanntes Frausein findet aber nur mit dem eigenen Körper statt, nicht gegen ihn. Deshalb muss in der Pubertät oft erst ein Zugang ermöglicht oder gefunden werden, damit eine junge Frau das neue Leben mit Zyklus und die oft zunächst mit Scham besetzten sichtbaren Zeichen ihrer körperliche Veränderung in ihr Bild von sich selbst integrieren kann.
Gebärmutterentfernungen
Quelle: Statistisches Bundesamt (DRG_OPSvier, Stat_Bev_EA), eigene Berechnung und Darstellung (IGES 2014).
Die Zahl der Gebärmutterentfernungen hat seit 2010 zwar abgenommen. Andererseits kommt dieser operative Eingriff in einigen Bundesländern häufiger zum Einsatz. Im Saarland und in Thüringen bei 43 Prozent aller Frauen, in Hamburg bei nur knapp über 25 Prozent! Warum?
Der erste Besuch bei einer Frauenärzt*in kostet Überwindung, völlig klar. »Muss ich mich da ausziehen?«, ist eine berechtigte Sorge von Mädchen in einer Phase großer Schamgefühle, in der sogar die eigene Mutter manchmal nicht mehr ins Bad darf. Optimal wäre, wenn bei diesem Erstkontakt mit der Frauenheilkunde nicht der strenge medizinische Blick die Oberhand bekäme. Seit einigen Jahren bieten manche Praxen für Frauenheilkunde spezielle Mädchensprechstunden an, und vor allem jüngere Ärztinnen gehen anders auf die Bedürfnisse von jungen Frauen und Mädchen ein, als das früher der Fall war.
Aber selbst als erwachsene Frau erleben Sie Ihr zyklisches Leben bis zur Menopause abhängig davon, welche Meinung in der Gesellschaft vorherrscht und wie Ihr medizinisches Gegenüber im konkreten Fall reagiert oder behandelt. Die negative Bewertung des weiblichen Zyklus und der Menstruation ist allerdings nicht neu, sie hat Tradition. Anfangs galt der »Ausgleich der Säfte« durch die Menstruation als gesundheitsförderlich. Mit der Aufklärung aber bekam das monatliche Bluten mehr und mehr das Etikett des Unreinen oder sogar Gefährlichen, weshalb eine Frau dann zum Beispiel vom Kochen oder auch vom ehelichen Pflichtsex freigestellt war. Diese Pause hatte für die Frauen damals Vorteile, dennoch bleibt die Verteufelung falsch und macht uns Frauen den eigenen Körper suspekt. Und heute?
Als nach dem Krieg Damenbinden zum Wegwerfen in Serie gingen und der erste Tampon auf den deutschen Markt kam – man nannte ihn O.B., also »ohne Binde« –, veränderte sich das Verhältnis zur Menstruation noch mal. Frauen waren in dieser Zeit »unpässlich«, versuchten aber diesen Umstand möglichst zu vertuschen. Die Zeiten, in denen sie während der monatlichen Blutung Pause machten, waren vorbei. Trotz aller Fortschrittlichkeit blieb die negative Bewertung tief verankert. Bis Wissenschaftler 1958 offiziell Entwarnung gaben, glaubte man immer noch, dass Menstruationsblut giftig sei. So viel zum aufgeklärten 20. Jahrhundert.19
Diese gesellschaftlichen Zerrbilder, die sich sogar in der Medizin finden, prägen uns möglicherweise immer noch. Viele Frauen kennen heute das Prämenstruelle Syndrom (PMS) als Krankheit und Problem, wissen aber sehr wenig darüber, welche Entwicklungschancen die Menstruation für Frauen bereithalten kann. Wer damit zu kämpfen hat, soll im schlechtesten Fall die Zähne zusammenbeißen oder eine »Ibu«, also das Schmerzmittel Ibuprofen, schlucken. Werden die Schmerzen unerträglich, bleibt die Antibabypille als Alternative. Aber ist das immer die beste Lösung? Viel zu selten erhalten Frauen Tipps zu naturheilkundlichen Maßnahmen oder werden nach eventuellem Stress oder psychischer Belastung gefragt.
Obwohl schon unsere Großmütter wussten, dass alles zwei Seiten hat, fehlen in der Medizin sehr oft die positiven Seiten, auch wenn es hierzu jede Menge Hilfreiches zu sagen gäbe. Denken Sie jetzt an eine Wiederkehr von Menstruationstassen, Flower Power und Esoterik, weibliche Urkraft und Co.? Das kann, muss aber nicht sein. Die folgenden zwei Denkanstöße können Ihnen helfen, im Alltag umzudenken und diesen Part des Frauenlebens positiver zu erleben:
Pausenkultur – Wir wissen heute, dass Dauerstress Frauen krank macht. Unsere Muskeln und Gefäße funktionieren am besten mit abwechselnder Anspannung und Entspannung – unsere Psyche auch. Das ständige Ankämpfen gegen das Bedürfnis nach Entspannung strengt enorm an, das Pulsieren zwischen Spannung und Entspannung lädt dagegen die Batterien immer wieder auf und setzt Kräfte frei. Wenn Sie die verschiedenen Phasen im Zyklus akzeptieren, kann das helfen, den Stecker Ihrer Daueranspannung zu ziehen und sich kraftvoller zu fühlen. Das Leben mit dem Zyklus lehrt Sie, dass Sie jeden Monat aufs Neue für einige Zeit powern können, leistungsfähig und lustvoll...
| Erscheint lt. Verlag | 6.3.2020 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Medizin / Pharmazie ► Naturheilkunde |
| Schlagworte | Biologische Unterschiede • Diagnostik • Forschung • Frauengesundheit • Gendermedizin • Geschlechtersensible Medizin • Geschlechtsspezifische Medizin • Herzerkrankungen • Herzinfarkt • Krankheit • Krankheiten • Krankheitssymptome • Lebenswirklichkeit • Lebenswirklichkeiten • Medikament • Medikamente • Medikamentenverträglichkeit • Osteoporose • Prävention • Rheuma • Risikofaktoren • Schulmedizin • Therapie • Vorsorge |
| ISBN-10 | 3-95803-251-6 / 3958032516 |
| ISBN-13 | 978-3-95803-251-4 / 9783958032514 |
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