Ultraschalldiagnostik Kopf-Hals (eBook)
Thieme (Verlag)
978-3-13-242485-2 (ISBN)
1 Geschichte der Ultraschalldiagnostik im Kopf-Hals-Bereich
W. Mann
Die Geschichte der Ultraschalldiagnostik im Kopf-Hals-Bereich ist weniger als 100 Jahre alt und basiert auf dem Pioniergeist und der engen Zusammenarbeit von Physikern und Medizinern ▶ [30] ▶ [62], die nach einer Methode suchten, nicht invasiv Strukturen im Körperinneren darzustellen. Ihren Ursprung nehmend von dem Echolotverfahren, aus der Materialprüfung und militärischen Applikationen, entstand in enger Kooperation zwischen medizintechnischen Firmen und Forschern verschiedenster medizinischer Fachrichtungen ein diagnostisches Verfahren, das aus der heutigen modernen Medizin nicht mehr wegzudenken ist ▶ [11] ▶ [23]. Dabei waren es vor allem die Gynäkologie, die Radiologie, die Neurologie und die Innere Medizin, die gerätebedingt eine Vorreiterfunktion innehatten ▶ [3] ▶ [4] ▶ [5] ▶ [13] ▶ [15] ▶ [16] ▶ [17] ▶ [28] ▶ [35] ▶ [42] ▶ [43] ▶ [58] ▶ [60] ▶ [72]. Mit zunehmender Verkleinerung der Schallköpfe und Erweiterung des Frequenzspektrums der zur Verfügung stehenden Ultraschallköpfe hielt diese Technik Einzug in heutzutage jede medizinische Fachdisziplin.
Während die Anfänge der medizinischen Anwendungen und Entwicklungen vor den 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts diesseits und jenseits des Atlantiks stattfanden, waren die ersten, anekdotischen Berichte über die diagnostische Anwendung von Ultraschall im Kopf-Hals-Bereich in den 1960er-Jahren des letzten Jahrhunderts in Deutschland und Japan zu finden ▶ [21] ▶ [37] ▶ [38] ▶ [39] ▶ [40]. Nach einer Dekade der Vergessenheit dauerte es bis Mitte der 1970er-Jahre, bis, bedingt durch die erneute intensivierte Kooperation zwischen Industrie und Medizin, der Versuch unternommen wurde, diese Technik auch in die Untersuchung des Kopf-Hals-Bereichs einzuführen ▶ [1] ▶ [9] ▶ [19] ▶ [24] ▶ [45]. Einer problemlosen Einführung des Verfahrens stand entgegen, dass vonseiten der Industrie nur Geräte zur Verfügung standen, die einen breiteren Markt in der Gynäkologie und der Inneren Medizin gefunden hatten. Hier galt es, tiefer liegende Strukturen des Körpers mit relativ niederfrequenten Schallköpfen darzustellen, die sich aber für die Abbildung oberflächennaher Strukturen bei teilweise schwierigen Ankopplungsverhältnissen nicht eigneten. Insofern war es nicht erstaunlich, dass zunächst das A-Mode-Verfahren mit seinen kleinen Schallköpfen sowohl in Deutschland und Österreich als auch in der Schweiz zum Einsatz kam, um danach in Skandinavien Einzug zu halten ▶ [46] ▶ [47] ▶ [48] ▶ [49] ▶ [51] ▶ [61] ▶ [64] ▶ [67] ▶ [71]. Einer universellen Verbreitung stand zunächst auch entgegen, dass dieses bildgebende Verfahren als solches von der akademischen Welt der Universitäten nicht als hehre Wissenschaft erachtet wurde, bis die erhebliche klinische Relevanz zunächst in anderen Fachgebieten, vor allem in der täglichen Praxis der Patientenversorgung, erkannt wurde und auch bei den Kopf-Hals-Disziplinen Anerkennung fand.
Es waren wiederum verschiedene Faktoren, die der Ultraschalldiagnostik im Kopf-Hals-Bereich ihren endgültigen Durchbruch ermöglichten. Neben technischen Weiterentwicklungen war dies die Gründung nationaler sowie internationaler interdisziplinärer Ultraschallgesellschaften, wie der Trinationalen Gesellschaft deutscher, österreichischer und schweizerischer Ultraschallanwender, der Europäischen Gesellschaft, der amerikanischen Gesellschaft AIUM (American Institute of Ultrasound in Medicine), und schließlich des Weltverbands. Unter diesem wissenschaftlichen Dach war damit der internationale Austausch der Anwender verschiedenster Fachgebiete plötzlich möglich. Während auf der internationalen Tagung der DEGUM (Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin) in Davos 1979 gerade 1 Vortrag zu dem Thema Ultraschall vor 15 Zuschauern gehalten wurde, waren es 2001 bei der entsprechenden Tagung bereits 30 Beiträge. Ein weiterer Meilenstein in der Verbreitung war der erste interdisziplinäre Kongress, der sich ausschließlich mit der Ultraschalldiagnostik im Kopf-Hals-Bereich beschäftigte und der 1983 in Freiburg mit 250 internationalen Teilnehmern aus allen Fachdisziplinen stattfand. Dem schloss sich 1984 die erste Monografie mit dem Titel „Ultraschall im Kopf-Hals-Bereich“ ▶ [50] an. Vorausgegangen war bereits eine Monografie von Lutz aus dem Jahr 1978 ▶ [44] über die Ultraschalldiagnostik in der Inneren Medizin. Während in den folgenden 1980er-Jahren nur einige Spezialisten, wie Bruneton in Frankreich ▶ [6], Jannert in Schweden ▶ [31], Revonta in Finnland ▶ [63], Mann in Deutschland ▶ [50] ▶ [53] und Gritzmann in Österreich ▶ [26] sowie Baatenburg de Jong ▶ [2] und Chodosh ▶ [7], sich intensiver mit der Thematik beschäftigten, war in den 1990er-Jahren eine explosionsartige Entwicklung publikatorischer Aktivität international zu beobachten, auf die im Weiteren noch eingegangen werden soll. In diesem Zeitraum erschienen weitere Monografien von Hell und Mitarbeitern ▶ [27] sowie von Mann, Welkoborsky und Maurer ▶ [56] zu diesem Thema.
Voraussetzung für die Etablierung eines Verfahrens in der täglichen Praxis waren aber eine systematische Ausbildung, die Aufnahme in den Ausbildungskatalog der entsprechenden Fachdisziplinen und die Codierung in einem Entgeltsystem für ärztliche Leistungen. Während zunächst ein Kurssystem nach Richtlinien der nationalen Ultraschallgesellschaften Basis für die Qualifikation zum Ultraschalluntersucher war und noch ist, erwarben einzelne Institutionen Qualifikationen, diese Untersuchungsmethode als Teil des Facharztkurrikulums vorzuhalten.
In diesem Zusammenhang sei mir ein persönlicher Exkurs erlaubt. Es war 1971, als ich das Privileg hatte, im Rahmen meiner chirurgischen Ausbildung am Medical College of Ohio in Toledo bei Prof. Freimanis, einem damals bekannten Radiologen und Ultraschaller, eine Rotation durchzuführen. Herr Prof. Freimanis hatte zwar keine Erfahrung in der Ultraschalldiagnostik im Kopf-Hals-Bereich, ermutigte mich aber, diesen Weg weiter zu verfolgen. Bei meiner Rückkehr nach Freiburg 1973 fand ich die Publikationen von Gilbricht und Heidelbach aus der Dresdener Klinik aus dem Jahre 1968 ▶ [21] und von Kitamura und Kanecko aus Japan aus dem Jahre 1965 ▶ [39]. Beide Autorengruppen untersuchten die Möglichkeit, Erkrankungen des Nasennebenhöhlensystems mittels A-Mode zu diagnostizieren. Zu der damaligen Zeit beschäftigten sich der Leiter der Freiburger Neurologischen Klinik Herr Prof. Jung und seine Mitarbeiter, die allesamt bekannte Spezialisten auf dem Gebiet des Ultraschalls wurden, intensiv mit den diagnostischen Möglichkeiten dieser Technik für das neurologische Fachgebiet. Die Unterstützung des dort tätigen Ingenieurs Herrn Dipl. Ing. Kapp ( ▶ Abb. 1.1) und der hergestellte Kontakt mit Herrn Dipl. Ing. Kretz von der Fa. Kretztechnik in Zipf in Österreich ( ▶ Abb. 1.2 und ▶ Abb. 1.3) und Herrn Dipl. Ing. Sanner von der Fa. ATMOS in Lenzkirch ( ▶ Abb. 1.4) bestätigten mich darin, den eingeschlagenen Weg fortzuführen und Mitte der 1970er-Jahre die ersten Vorträge und Publikationen zu veröffentlichen. Im Jahre 1992 führte ich erstmals beim amerikanischen Acadamy Meeting zusammen mit meinen Kollegen Amedee (New Orleans) und Gluckman (Cincinnati) den ersten Ultraschallkurs für Hals-Nasen-Ohren-Ärzte in den Vereinigten Staaten durch, der ähnlich bescheidene Resonanz wie der erste Vortrag auf dem DEGUM-Treffen in Davos 1979 fand. Aufgrund der mangelnden Resonanz wurde dieser Kurs in den Folgejahren nicht mehr angeboten. Die ersten Publikationen zusammen mit diesen Autoren in einer Fachzeitschrift in den USA erfolgten in den Jahren 1992–1994 ▶ [20] ▶ [22] ▶ [25] ▶ [54] ▶ [55], und es waren Protagonisten unseres Fachgebiets, wie Soffermann und Orloff, die sich nach Besuchen in Hongkong, Regensburg und Mainz in den USA für die Verbreitung dieser Methode in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde einsetzten. Sie zählen heute zu den ausgewiesenen Experten auf diesem Gebiet. Prof. Orloff führt seit Jahren zusammen mit Prof. Welkoborsky Ultraschallkurse durch, u.a. bei den jährlichen Kongressen der amerikanischen Academy, und veröffentlichte zusammen mit europäischen Kollegen, u.a. Jecker, Welkoborsky und Van Den Brekel, 2008 die erste US-amerikanische Monografie mit dem Titel „Head and Neck Ultrasonography“ ▶ [59]. Auf diese Weise schloss sich ein Kreis, der in Toledo (Ohio) begann und in San Francisco endet, wo Prof. Orloff zurzeit lehrt. Diese anekdotische und persönliche Geschichte...
| Erscheint lt. Verlag | 25.4.2018 |
|---|---|
| Verlagsort | Stuttgart |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Medizin / Pharmazie ► Medizinische Fachgebiete |
| Schlagworte | 3D-Sonografie • 3D-Sonographie • A-Mode • B-Mode • CEUS • DEGUM • DEGUM-Richtlinien • Elastografie • elastographie • Farb-Doppler • Farb-Doppler-Sonografie • Farb-Doppler-Sonographie • HNO • Interventioneller Ultraschall • Kontrastverstärkter Ultraschall • Kopf-Hals • Kopf-Hals-Bereich • Sonografie • Sonogramme • Sonographie • Ultraschall • Ultraschalldiagnostik • Ultraschall-Experten • Ultraschallkurse • Ultraschalluntersuchung |
| ISBN-10 | 3-13-242485-4 / 3132424854 |
| ISBN-13 | 978-3-13-242485-2 / 9783132424852 |
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