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Ressourcen Integrativer Regulationsmedizin - Medizinische und Medizinnahe Salutogenese: Gesundung im Beziehungsraum zwischen Patient und Heilberufler - Heinz Spranger

Ressourcen Integrativer Regulationsmedizin - Medizinische und Medizinnahe Salutogenese: Gesundung im Beziehungsraum zwischen Patient und Heilberufler

(Autor)

Buch | Softcover
84 Seiten
2014 | Erstauflage
Diplomica (Verlag)
978-3-95850-516-2 (ISBN)
CHF 41,95 inkl. MwSt
Medizin und Medizinnahes fußen auf Pathogenese: Krankheiten werden behandelt und krankhafte Zustände gelindert. Medizinische Behandlung ist symptomatisch geordnet. Die bio-, psycho- und soziale Medizin nach der Mitte des letzten Jahrhunderts verfolgte hingegen einen anderen Ansatz: Psychosomatische Medizin gelangte aus Forschung und Entwicklung in die Hochschullehre.
Gesundung und Gesundheit wurden und werden heute nach den humanen Ressourcen der Menschen beurteilt. Die Integration von externen Gefährdungen, Verwundbarkeit und Widerstandsfähigkeit wird zur Grundlage der medizinischen und medizinnahen Sorge um Klienten und Patienten. Deren Fremd- und Selbstbild bestimmen die Position im funktionellen Beziehungsraum.
Das israelisch-amerikanische Konzept hat die (neologistische) Bezeichnung Salutogenese. Darin liegt also ein anderer Ideenansatz als bei der Pathogenese. In diesen Begriff sind medizinische und medizinnahe Neuordnungen integriert. Das daraus resultierende Gesundheitsverständnis gehört zur Regulationsmedizin.

Heinz Spranger, Univ.-Prof.a.D.Dr.med.dent.Dr.h.c.MAS MSc (health), wurde 1942 in Berlin geboren. Nach seinem Studium der Zahnmedizin promovierte und habilitierte er an der Freien Universität Berlin. Sein akademischer Weg ging über Tübingen, Frankfurt/M, Bochum und Witten/Herdecke in das Kolleg für Gesundheit und Entwicklung Graz/Schloss Seggau. In Lehre, Forschung und Entwicklung setzte er diverse Schwerpunkte mit Integrativer Medizin, medizinnaher Gesundheitswissenschaft und Regulationsbiologie. Nach zwölf Jahren Forschungsprogrammen der DFG, internationalen Gastprofessuren und vielen Ehrungen (Wissenschaft/Forschung/Entwicklung), Träger des Bundesverdienstkreuzes, ist er heute in ländlicher Gemeinschaftspraxis mit seiner Ehefrau für seine Patienten als Parodontologe und Schmerztherapeut tätig.

Textprobe:
Kapitel 7, MERKSÄTZE DER SALUTOGENESE:
Medizinische Wissenschaft, deren Erforschung und weitere Entwicklung, wurde Mitte des zweiten Jahrtausends maßgeblich von einer Sozialmedizin beeinflusst.
Der amerikanisch-jüdische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky führte im Jahre 1970 eine Untersuchung über die Adaption von Frauen verschiedener ethnischer Gruppen in Israel an das Klimakterium durch. Eine dieser Gruppen war in Mitteleuropa geboren und zur Zeit des nationalsozialistischen Regimes im Jugend- und frühen Erwachsenenalter. Antonovksy befragte diese anamnestisch. Er fand heraus, dass 29% der Frauen, die ein Konzentrationslager überlebt hatten, trotz des Gräuels der Lager über eine gute psychische Gesundheit verfügten. Diese Erfahrung brachte ihn dazu, das salutogenetische Modell zu formulieren.
Während sich die Medizin also der Frage widmet, warum Menschen krank werden, warum sie unter eine gegebene Krankheitskategorie fallen, setzt Antonovsky mit dem Neologismus Salutogenese einen völlig anderen Schwerpunkt.
Das Hauptkennzeichen der Salutogenese ist die direkte Frage nach den Entstehungs- und Erhaltungsbedingungen von Gesundheit (salus lat.: Unverletztheit, Heil, Glück; genesis griech.: Entstehung). Ihre Grundfragen lauten folglich: Warum bleiben Menschen trotz einer Vielzahl von Krankheit erregenden Risikokonstellationen, psychosozial irritierenden Belastungen und angesichts kritischer Lebensereignisse gesund? Warum befinden sie sich auf der positiven Seite des Gesundheits-Krankheits-Kontinuums oder warum bewegen sie sich auf den positiven Pol zu?
Hieran wird deutlich, dass Gesundheit und Krankheit aus salutogenetischem Blickwinkel nicht als einander ausschließende Zustände gesehen werden sondern als Endpunkte eines gemeinsamen Kontinuums. Die beiden Pole völlige Gesundheit und völlige Krankheit sind für den Menschen nicht zu erreichen. Jeder Mensch hat auch kranke Anteile, auch wenn er sich selbst als überwiegend gesund erlebt. Weiterhin lässt sich sagen, dass solange Menschen am Leben sind, Teile von ihnen noch gesund sein müssen. Deshalb muss man danach fragen, wie nahe bzw. weit entfernt der Mensch von den Endpunkten Gesundheit/Krankheit ist.
Ein weiterer Aspekt des salutogenetischen Ansatzes ist, dass das Grundprinzip menschlicher Existenz nicht auf einem Gleichgewichtszustand und Gesundheit beruht, sondern auf Ungleichgewicht und Krankheit. Antonovsky nutzt hierfür den Begriff der Entropie und meint damit die Tendenz menschlicher Organismen, ihre organisierten Strukturen zu verlieren, wobei negative Entropie die Ordnung wieder aufbauen vermag. Überträgt man dies nun auf den Gesundheitszustand, bedeutet dies, dass Gesundheit immer wieder aufgebaut werden muss und der Verlust von Gesundheit ein natürlicher und allgegenwärtiger Prozess ist.
Im Unterschied zur pathogenen Orientierung, die sich an schädigenden Lebensbedingungen und krankmachenden Faktoren (Risikofaktoren) festmacht , also davon ausgeht, dass Krankheiten durch Erreger ausgelöst werden, konzentriert sich die salutogenetische Forschung immer auf die abweichenden Fälle (z. B. Welche Raucher bekommen keinen Lungenkrebs?). Erkrankung wird eher unspezifisch gesehen. Im Zentrum der Betrachtung stehen die Faktoren, die zu einer Bewegung in Richtung auf das positive Ende des Kontinuums beitragen (Gesundheitsfaktoren). Indem danach gefragt wird, warum Menschen gesund bleiben, eröffnet dies, den ganzen Menschen mit seinen Eigenschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten, also seiner Geschichte, zu sehen, statt sein Augenmerk ausschließlich auf die Ätiologie einer bestimmten Krankheit zu richten.
Aus einer kritischen Sicht des Medizinnahen entwickelte sich das in wissenschaftlicher Form messbare Kohärenzgefühl (sense of coherence SOC).
Die Antwort auf die salutogenetische Frage liefert das Kohärenzgefühl. Antonovsky definiert dieses als eine globale Orientierung [...], die das Maß ausdrückt, in dem man ein durchdring

Sprache deutsch
Maße 153 x 222 mm
Gewicht 151 g
Themenwelt Medizin / Pharmazie Medizinische Fachgebiete Medizinethik
Schlagworte Regulationsmedizin • Salutogenese
ISBN-10 3-95850-516-3 / 3958505163
ISBN-13 978-3-95850-516-2 / 9783958505162
Zustand Neuware
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
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