Der himmlische Funke (eBook)
500 Seiten
tredition (Verlag)
978-3-347-10830-1 (ISBN)
Cord Christian Troebst, Jahrgang 1933, ist Autor populärwissenschaftlicher Bücher und zahlreicher Beiträge in Zeitungen, Zeitschriften und Jahrbüchern. Sein bekanntestes Werk "Auf Wunder ist kein Verlass - die Kunst des Überlebens" erschien in mehreren Auflagen und einem Dutzend Übersetzungen. Als Auslandskorrespondent eines großen deutschen Verlages lebte Troebst zehn Jahre in den USA und berichtete vor allem über technologische Entwicklungen und die ersten Jahre der bemannten Weltraumfahrt. Später, als Reisejournalist, besuchte der in Bukarest geborene und in der Mandschurei aufgewachsene Sohn eines Journalisten mehr als 40 Länder - von Grönland bis zu den Galapagosinseln. Ziel waren dabei auch die Schauplätze seines neuen Buches "Der himmlische Funke". Darin schildert der Autor spannend und lebendig die faszinierende Geschichte der Nachrichtentechnik und ihrer Erfinder - von der Buschtrommel bis zur aktuellen Suche nach intelligenten Wesen im All.
Cord Christian Troebst, Jahrgang 1933, ist Autor populärwissenschaftlicher Bücher und zahlreicher Beiträge in Zeitungen, Zeitschriften und Jahrbüchern. Sein bekanntestes Werk "Auf Wunder ist kein Verlass - die Kunst des Überlebens" erschien in mehreren Auflagen und einem Dutzend Übersetzungen. Als Auslandskorrespondent eines großen deutschen Verlages lebte Troebst zehn Jahre in den USA und berichtete vor allem über technologische Entwicklungen und die ersten Jahre der bemannten Weltraumfahrt. Später, als Reisejournalist, besuchte der in Bukarest geborene und in der Mandschurei aufgewachsene Sohn eines Journalisten mehr als 40 Länder - von Grönland bis zu den Galapagosinseln. Ziel waren dabei auch die Schauplätze seines neuen Buches "Der himmlische Funke". Darin schildert der Autor spannend und lebendig die faszinierende Geschichte der Nachrichtentechnik und ihrer Erfinder - von der Buschtrommel bis zur aktuellen Suche nach intelligenten Wesen im All.
„DIE WELT IST VOLLENDET“
„Alle Bewohner der Erde würden zu einer intellektuellen Gemeinschaft vereint“
Alonzo Jackmann, Befürworter eines Transatlantikkabels im Jahr 1846
Am 7. August 1858 sind die Menschen an der Ostküste Nordamerikas außer Rand und Band. In Buffalo im Staat New York sprechen sie vom „stolzesten Tag, den die Stadt je erlebt hat.“ Buffalo hat damals 70.000 Einwohner. Gut ein Drittel davon sind Deutsche der ersten oder zweiten Generation. Aber Nationalitäten spielen an diesem Tag keine Rolle. Ein aus Bürgern der Stadt gebildetes Sonderkomitee hat dafür gesorgt, dass die wichtigsten Gebäude entlang der etwa einen Kilometer langen und 36 Meter breiten Mainstreet in hellstem Licht von Petroleumlampen und Gaslaternen erstrahlen. Hinter vielen Fenstern brennen Kerzen. Auch andere breite Straßen der Stadt, die sich fast alle nach New Yorker Vorbild im rechten Winkel schneiden, sind festlich geschmückt. Vom oberen Teil Buffalos bietet sich ein herrlicher Blick über den Erie-See, hinüber zum kanadischen Ufer. Dort flackern zahllose Freudenfeuer. Die Schiffe im Hafen sind illuminiert, alle haben geflaggt. Von den Feldern am Rand der Außenbezirke Buffalos sind Kanonen- und Böllerschüsse zu hören, dazu läuten die Glocken von den Kirchen St. Paul und St. John, von der katholischen Kathedrale und den übrigen 37 Gotteshäusern verschiedenster Konfessionen. Den ganzen Tag über hatten Blaskapellen auf den Straßen flotte Märsche gespielt, und die Menschen hatten sich gegenseitig zugewinkt und auf die Schulter geklopft. Selbst die Kranken im Stadt- und Marinehospital hatten aus den Fenstern geschaut, soweit sie nicht bettlägerig waren. Und im American Hotel hatte die politische Prominenz, vom Bürgermeister bis zum Gouverneur, Jubelreden gehalten. „What a day!“ „Was für ein Tag!“ hieß es immer wieder. Das Chicago Journal jubelte: „Die Welt ist vollendet, ihr Rückgrat ist gelegt!“ Und die Londoner Times kommentierte, die Sphäre der Menschheit habe „eine riesige Erweiterung“ erfahren, „der Atlantik ist trockengelegt und wir werden – wie in unseren Wünschen vereint – ein Land!“
Ähnlich überschwängliche Feiern spielen sich an jenem Samstag auch in anderen Städten der USA und Kanadas ab. In Cincinnati (Ohio), damals mit etwa 150.000 Einwohnern, von denen die Hälfte ebenfalls deutsche Einwanderer sind, erstrahlt das Telegrafenamt im Schein von 600 Lampen. Von der Kuppel des Gerichtsgebäudes in der Mainstreet flattern die Stars and Stripes, (damals erst mit 32 Sternen) und der britische Union Jack. Fahnen beider Nationen wehen auch von den acht dorischen Säulen des etwas zu protzig geratenen Portikus der Franklin- and Lafayette Bank. Selbst das unansehnliche Ufer am Ohio mit seinen schwimmenden Werften und Landungsbrücken hat an diesem Tag „etwas Rouge aufgelegt“, wie ein Augenzeuge berichtet. Aus dem kleinen Industrieort Rutland im Staat Vermont meldet ein Korrespondent der New York Times, es habe „am heutigen Abend einen gewaltigen Jubel gegeben, in Anerkennung des größten Ereignisses der Weltgeschichte.“ Es „läuteten alle Kirchenglocken, und überall brannten Freudenfeuer. Die wichtigsten Bauten, vom Bardwell und Franklin Hotel bis zu den Redaktionsgebäuden des Herald und des Courier waren erleuchtet.“ In Nashville im Bundesstaat Tennessee veranstalten die 15.000 Einwohner „ein gewaltiges Feuerwerk, begleitet von schwungvollen Reden“. Und in Providence, Rhode Island, damals erst 45.000 Einwohner stark, „läuteten die Kirchenglocken fast ohne Unterlass.“ Auf öffentlichen und privaten Gebäuden flatterten die Stars and Stripes, und „ein Salut von einhundert Kanonenschüssen donnerte über die Stadt.“
Der größte Jubel jedoch herrscht in der Hafenstadt Halifax im kanadischen Nova Scotia. „Jedes Stückchen Fahnentuch“, so berichtet ein Augenzeuge, „war in der Stadt gehisst worden.“ Bereits um vier Uhr nachmittags hatte man von der Festung am Hafen in ununterbrochener Folge Salutschüsse abgefeuert. „Auch die Männer der örtlichen Freiwilligen Artillerie und der Feuerwehr hatten sich an der friedlichen Kanonade beteiligt. Dann, am Abend, waren alle in einem großen Fackelzug durch die Stadt marschiert, vorweg der Bürgermeister. In den Fenstern zahlreicher Privathäuser stehen Petroleumlampen, die Fassaden sind mit Wimpeln und Girlanden geschmückt.“ Alle öffentlichen Gebäude erstrahlen im flackernden Licht der Gaslaternen. Vom Amtsgebäude des Gouverneurs und vom Sitz des anglikanischen Bischofs wehen Fahnen, ebenso vom Gebäude der Admiralität, vom Dalhouse-College, vom Militärhospital, selbst von der Kathedrale und den vier Episkopal-Kirchen, die es damals in der 30.000-Seelen Stadt gibt. Doch an diesem Abend sind es weit mehr Menschen, die an den Straßen stehen. Viele sind per Eisenbahn und Pferdewagen aus dem Umland angereist, um den Tag zu feiern. Und auch hier heißt es immer wieder: „What a Day!“
In den folgenden Tagen finden fast überall auf dem nordamerikanischen Kontinent ähnliche Feiern statt, die den ersten Jubel noch überbieten. Bewegt schreibt die New York Times am 18. August: „Bei keiner Gelegenheit seit Gründung unserer Stadt loderten allgemeine Begeisterung und Freude so stark auf wie gestern Abend. Einem Fremden muss es vorgekommen sein als feierten wir nach einem langen und schweren Krieg den Friedensschluss. Und jedermann schien über die Erregung seines Nächsten ebenso erstaunt zu sein wie über seine eigene.“ Der wochenlange Freudentaumel gipfelt schließlich in rauschenden Festen, die vom 1. September an in vielen Großstädten der USA stattfinden.
Was bloß war geschehen? Was veranlasste einen ganzen Kontinent zu solcher Begeisterung, wie sie über hundert Jahre später nicht einmal nach der ersten Landung eines Menschen auf dem Mond ausbrechen sollte? Das Chicago Journal fasste damals den Grund in einem einzigen Satz zusammen: „Die Welt hat endlich ein Rückgrat!“ Unter dieser Schlagzeile heißt es dann: „Die Welt ist [nun] vollendet. Ihr Rückgrat ist gelegt, und nun beginnt sie, zudenken!“ Ähnlich, aber auch ein wenig pathetisch äußert sich die New York Times. Unter der Zeile News of the Day schreibt das Blatt: „Es ist der größte Triumph, den diese edelste aller modernen Erfindungen erzielen kann. Was immer hiernach noch erreicht werden dürfte, wird lediglich nur noch eine Selbstverständlichkeit sein.“ Diese Erfindung ist „eine jener großen Leistungen jenseits der Grenzen unserer Seele…“
All der Jubel, all die Lobeshymnen galten der erfolgreichen Verlegung des ersten Seekabels zwischen Europa und den Vereinigten Staaten zur telegrafischen Übermittlung von Nachrichten. Erstmals in der Geschichte der Menschheit verband es „live“ die Alte und die Neue Welt miteinander. Es lief von der Insel Valentia an der Westküste Irlands über den Meeresboden bis nach Neufundland, und schloss damit die auf beiden Kontinenten bereits existierenden, landgestützten Telegrafennetze zusammen. Nordamerika und Europa sind nun nicht mehr nachrichtentechnisch voneinander getrennt. Informationen brauchen nun nicht mehr viele Tage oder gar Wochen, um von einem Kontinent zum anderen zu gelangen. In Minuten, ja in Sekunden würde man nun in Zukunft erfahren, was diesseits und jenseits des Atlantiks geschieht.
Man muss sich einmal klarmachen, was das – vor allem für die Bewohner Nordamerikas – bedeutet. Einen Großteil der Bevölkerung bilden Einwanderer aus Europa. Irgendwie ist die „Alte Welt“ noch ihre Heimat – aber die ist so weit weg! Da fühlt man sich schnell verloren, abgeschnitten von seinen Wurzeln, als Mensch ohne Vergangenheit. Deshalb durchströmt diese Menschen plötzlich ein ungeheures Glücksgefühl, hatten sie sich doch bis dahin trotz eines gesunden Selbstbewusstseins immer „ein wenig am Rande der Ereignisse“ gefühlt, und nicht selten „wie Schiffbrüchige auf einer Insel,“ so ein Zeitungsbericht. Nun aber sind sie plötzlich nicht mehr isoliert. Sie werden fast zeitgleich teilnehmen an den Ereignissen in Europa. Und manch einer, ob Laie oder Wissenschaftler, fragte sich dabei: wie hatten Menschen sich eigentlich bis dahin über größere Entfernungen verständigt?
„Im Anfang war das Wort“. So heißt es in 1:1 des Johannes-Evangeliums. Doch lassen wir mal die Bibel bei Seite. Fragen wir stattdessen: wie wurden Informationen in Urzeiten eigentlich verbreitet? Denn der Wunsch, sich einem anderen Menschen mitzuteilen, Neuheiten möglichst schnell zu erfahren und oft auch weiterzugeben ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. Zum einen befriedigt eine schnelle Nachrichtenübermittlung die...
| Erscheint lt. Verlag | 28.12.2020 |
|---|---|
| Verlagsort | Ahrensburg |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Sachbuch/Ratgeber ► Natur / Technik ► Naturwissenschaft |
| Mathematik / Informatik ► Mathematik | |
| Technik | |
| Schlagworte | Entwicklung der Kommunikation • Geschichte der Kommunikation • Kommunikation • Nachrichtentechnik • Technikgeschichte |
| ISBN-10 | 3-347-10830-2 / 3347108302 |
| ISBN-13 | 978-3-347-10830-1 / 9783347108301 |
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