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Wahlverwandt und ebenbürtig - Hazel Rosenstrauch

Wahlverwandt und ebenbürtig

Caroline und Wilhelm von Humboldt
Buch | Hardcover
320 Seiten
2009 | 1., Aufl.
Eichborn (Verlag)
978-3-8218-6207-1 (ISBN)
CHF 41,95 inkl. MwSt
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Das Wunder einer vernünftigen Liebe Verdanken wir das Ideal einer humanistischen Erziehung dem Alltag einer außergewöhnlichen Beziehung' Hazel Rosenstrauchs kritische und wissensgesättigte Annährung an ein Ehepaar, das seiner Zeit weit voraus war. Wilhelm von Humboldt: der große Reformer unseres Bildungswesens, der Diplomat, der Ästhet, der dem Wesen der Antike auf der Spur war, der Sprach-Philosoph, der Goethe- und Schiller-Freund. Seine Persönlichkeit ist nicht denkbar ohne seine Frau, Caroline von Dacheröden, Mutter seiner fünf Kinder, in den Hauptstädten Europas zu Hause: eine Partnerin, die ihm an Weltneugier, Bildung, Kunstsinn und an tätiger Humanität ebenbürtig war. Die beiden verband keine allzu leidenschaftliche Beziehung, doch eine Liebe "auf gleicher Höhe". Die "Individualitäten eines jeden Charakters... in einem so engen Verhältnis wie die Ehe respektiert zu sehen", schrieb sie ihm, "war das einzige, was ich bei dem Mann suchte, dem ich meine Hand geben wollte ..." Das entsprach seinem Wunsch "in dem engsten Verhältnis die höchste Freiheit zu behalten". Anhand unzähliger Briefe, die sich die beiden über Jahrzehnte geschrieben haben, zeichnet Hazel Rosenstrauch mit kritischer Sympathie das Bild einer selbstbewussten Frau, deren Begriff von Liebe und Partnerschaft weit in die Moderne vorauswies, und das ihres Gefährten, der - an ihrem freien Wesen gewachsen - zu einem der großen liberalen Geister unserer Geschichte wurde.

Hazel Rosenstrauch, geboren 1945 als Tochter jüdisch-kommunistischer Emigranten in England, wuchs in Wien auf. Sie versuchte zuerst in die USA, dann nach Kanada auszuwandern, und kam 'gerade rechtzeitig zur Studentenbewegung' nach Berlin. Sie blieb 23 Jahre in der BRD, lebte u.a. in Köln, München, Tübingen und immer wieder Berlin und studierte Germanistik und Soziologie, später Empirische Kulturwissenschaft. Ende 1988 Umzug nach Wien, bis zu seiner Einstellung war sie Redakteurin des 'Wiener Tagebuchs'. Seit 1997 wieder in Berlin, wo sie als Lehrbeauftragte an der Humboldt-Universität arbeitet und bei der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften die Zeitschrift 'Gegenworte' herausgibt. 2012 wurde sie mit dem Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik geehrt.

'"Die Kulturwissenschaftlerin Hazel Rosenstrauch ... hat ... mit ihrer Doppelbiografie des Ehepaars Caroline und Wilhelm von Humboldt eine Art Reiseführer in Europas Moderne geschrieben, für Angstlose, abenteuerlich gut, auf geradezu erholsame Weise geistreich, ein sehr politisches Buch, hinreißend gestaltet obendrein. Ein Buch über die Liebe, das den Sinn für geistige und politische Reisefreiheit weckt, für alle, die nicht dauernd bloß lesen." (Elisabeth von Thadden, Die Zeit, 25. Juni 2009)

"Rosenstrauchs Buch (ist) mehr als nur eine Facette im Familienalbum der großen preußischen Dynastie. Es ist eine sorgfältige und beeindruckende Studie über die Welt der Gefühle am Vorabend der Moderne.' (Edelgard Abenstein, Deutschlandradio Kultur, 15. Mai 2009) 'Fast erscheint es unglaublich: dass die Frauen-Gleichberechtigung nach einer Caroline von Humboldt noch derart lange warten musste. Diese Biografie ist gleichzeitig ein fesselndes Porträt der Zeit, in der die Humboldts ... lebten und kräftig mitmischten." (Beatrix Novy, NDR-Kultur, 5. Mai 2009)

"Buch der Woche ... Insgesamt hat Hazel Rosenstrauch in profunder Kenntnis der Materie ein Lebensbild geschrieben, das nicht nur der faszinierenden Personen wegen, denen sie sich widmet, fesselt." (Tilman Krause, Die Welt, 6. Juni 2009)

"Es ist das wichtigste Verdienst der neuen Darstellung von Hazel Rosenstrauch, dass sie dieses (überlieferte) Bild entschlossen modernisiert und dabei die Resultate eines Jahrhunderts der Humboldt-Forschung fürs Publikum nutzt ... So weit kann ein Buch über eine exemplarische Ehe führen, das eigentlich nur einen Wunsch übrig lässt: Man hätte gern noch viel mehr Zitate aus den Quellen darin gelesen." (Gustav Seibt, Süddeutsche Zeitung, 6./7. Juni 2009)

"Vorspiel: Ein modernes Paar Wilhelm von Humboldt gehört zu den Monumenten der deutschen und der preußischen Geschichte. Ist er berühmt, weil er die Berliner Universität gegründet und das deutsche Bildungsideal erfunden hat, das bis vor kurzem als Exportschlager galt' Ist er bis heute präsent, weil Absolventen humanistischer Gymnasien ihr Elitebewußtsein mit ihm in Verbindung bringen' Oder weil er als Dritter im Bunde der deutschen Klassiker gilt' Kennt man ihn heute vor allem als Bruder Alexander von Humboldts' Und welche Frau(en) stand(en) hinter ihm, als er diesen Ruhm erwarb' Wilhelm war ein Mann von Welt und eine Autorität auf dem Gebiet der Antike, er wird als früher Anthropologe und Vorläufer der Linguistik gefeiert. Der Titel "geistiger Urheber der Wiederherstellung Preußens, Deutschlands und Europas" eignet sich nicht mehr als Inschrift für ein Denkmal. Er hatte Witz, was seine Zeitgenossen bezeugen, aber in seinen Schriften hat sich das kaum niedergeschlagen. Auch seine besten Freunde fanden, daß er sich schwerfällig ausdrücke. Sein Engagement als 'Geheimer Staatsrat und Direktor der Sektion für Kultus und Unterricht' im preußischen Ministerium des Inneren dauerte nur 14 Monate, aber dieser Tätigkeit verdankt er seinen Ruf als wichtiger Reformer, der in einem Atemzug mit Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein und Staatskanzler Karl August - seit 1814 Fürst - von Hardenberg genannt wird. Er hat viel Schriftliches hinterlassen, nur wenig zu Lebzeiten veröffentlicht, er hat vieles angefangen, was er nicht zu Ende führte, und wurde doch schon zu Lebzeiten als überragender Kopf gerühmt. Vielleicht hat er seinen Platz im deutschen Gedächtnis, weil er ein Reformer in Worten und Taten war - ein Intellektueller, der praktisch gewirkt hat. Caroline, geborene von Dacheröd en, war wie ihr Mann ein starker Charakter, hoch gebildet und der Idee der - individuellen - Freiheit zugetan. Sie war, schreibt er, 'die lebendige Kraft', die auf ihn eingewirkt hat. Falls die Überlieferung ein korrektes Bild zeichnet, war sie Wilhelms Anker, ein Gegenüber, an dem er Begriffe und Gedanken, Moral und Gemüt am intimsten erprobt hat, das 'Du', das in Humboldts Sprachwissenschaft eine zentrale Rolle spielt: 'Im Menschen aber ist das Denken wesentlich an gesellschaftliches Daseyn gebunden, und der Mensch bedarf (...) zum blossen Denken eines dem Ich entsprechenden Du (...). Der Begriff erreicht seine Bestimmtheit und Klarheit erst durch das Zurückstrahlen aus einer fremden Denkkraft.' (GS VI, S. 160) Carolines weibliche Wärme und männliche Klugheit wird von Friederike Brun, einer dänischen Schriftstellerin, selbst sehr klug und stolz, beschrieben. Sie nennt die Mittdreißigerin "eine jener seltenen Frauen, auf deren Art Deutschland unter allen mir bekannten Nationen vielleicht einzig das Recht hat, stolz zu sein. Kenntnisreich in einem Grade, daß sie nur, für eine Gelehrte gehalten zu sein, wollen dürfte; einen Verstand besitzend, der die Region männlichen Ernstes und männlicher Umfassungskraft so erreicht, daß nur liebenswürdige Weiblichkeit es uns verbirgt, wie bedeutend die Eroberungen auf diesem streng von den Herren der Welt bestrittenen Boden seien; mit einem Sinn für das Höchste und Schönste in Poesie und Kunst begabt, wie ihn der Himmel nur seinen Lieblingen verleiht; dazu kommt eine Persönlichkeit, welche diese seltenen Gaben des Geistes ankündigend, solche mit dem gewinnendsten Ausdruck einer Herzensgüte vereinigt, welcher noch nie über das reiche Vermögen zugemutet ward.' (Haarbeck, Familie, S. 76) Beide Partner wuchsen in adeligen, begüterten F amilien auf. Das große Geld und ansehnlicher Grundbesitz kamen im Falle Humboldts von der - tüchtigen, eher kühlen - Mutter, die einer reichen hugenottischen Familie entstammte, eine schottische Großmutter und Spiegelfabrikanten zu ihren Vorfahren zählte. Sie hatte Geld und Güter aus ihrer ersten Ehe mitgebracht. Ihrem ersten Mann gehörten neben einem Haus in Berlin, Jägerstraße 21, die Güter Ringenwalde, Falkenberg und Tegel, letzteres - das Wilhelm erbte - etwa 185 Morgen groß, mit Akker- und Gartenland,iesen, einem Werder im Malchsee, einem Wirtshaus, einer Mühle und einem Weinberg. Über das Vermögen konnten Wilhelm und Alexander erst nach dem Tod der Mutter verfügen. Zu den Haupteinnahmequellen des Vaters Alexander Georg von Humboldt zählten der Holzhandel, die Pacht des Zahlenlottos und die Tabakregie. Als Trabanten, Amtsschreiber, Bürgermeister, Offiziere und Kammerherrn standen Wilhelms Vorfahren seit Anfang des 17. Jahrhunderts dem brandenburgischen und preußischen Hof nahe, angesehenes, oberesBürgertum. Der Adelstitel des Vaters, ein einfaches 'von', war noch frisch, erst 1738 verliehen. Den Freiherrntitel bekamen erst die Enkel 1875, was weder Wilhelm noch Alexander hinderte, ihn zu tragen. Carolines Stammbaum ist gewichtiger, sie entstammt einem "altthüringischen wehrhaften Geschlecht" mit einem Wappen, auf dem ein wilder Mann mit Keule abgebildet ist. Ihr Vater besaß mehrere Güter (samt Dörfern und dazugehörigen Bauern, um die sich Caroline, heißt es, rührend gekümmert habe) und ein repräsentatives Stadthaus in Erfurt ..."

Erscheint lt. Verlag 4.5.2009
Reihe/Serie Die Andere Bibliothek ; 292
Sprache deutsch
Gewicht 557 g
Einbandart gebunden
Themenwelt Literatur Klassiker / Moderne Klassiker
Schlagworte Doppelbiografie • Hardcover, Softcover / Belletristik/Hauptwerk vor 1945 • HC/Belletristik/Hauptwerk vor 1945 • Humanität • Humboldt, Caroline von • Humboldt, Wilhelm von • Humboldt, Wilhelm von; Biografien • Kunstsinn • Preussen, • Rom
ISBN-10 3-8218-6207-6 / 3821862076
ISBN-13 978-3-8218-6207-1 / 9783821862071
Zustand Neuware
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