Die Gedichte
Hans Sahl wurde 1902 als Sohn eines jüdischen Industriellen in Dresden geboren, schrieb ab Mitte der 1920er Jahre Filmkritiken in berühmten Blättern und begann in dieser Zeit auch seine ersten Erzählungen zu verfassen. 1933 musste er fliehen – erst nach Frankreich, dann in die USA. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er Kulturkorrespondent erst der Zürcher Zeitung, dann der Süddeutschen Zeitung in New York. Er übersetzte Thornton Wilder, Tennessee Williams und Arthur Miller. Seit 1989 lebte der Autor in Tübingen, wo er 1993 starb. Bei Luchterhand sind zuletzt die ersten drei Bände seiner Werkausgabe („Memoiren eines Moralisten/ Das Exil im Exil“, „Die Gedichte“ und der Roman „Die Wenigen und die Vielen“) erschienen.
"Eines der bewegendsten Erinnerungsbücher des 20. Jahrhunderts." DIE ZEIT über "Memoiren eines Moralisten/ Das Exil im Exil"
"Eines der bewegendsten Erinnerungsbücher des 20. Jahrhunderts."
"Eines der schönsten und lebendigsten, boshaftesten und liebevollsten Erinnerungsbücher über deutsche Schriftsteller im Exil."
Wir sind die Letzten1933-1975Die wir ferner als die ungez ten Sterneunsere Kreise zogen auf entlegenen Planetenbahnen -O da nicht ungeh rtuns das Wort, das wir liebten, entgleite.Vielleicht zeugt irgendwoauf unzug lichem Gel enoch ein Fu bdruck, eine Narbe im Grasvon den Spuren derer, die hier gingenund eure Lieder sangen.Die LetztenWir sind die Letzten.Fragt uns aus.Wir sind zust ig.Wir tragen den Zettelkastenmit den Steckbriefen unserer Freundewie einen Bauchladen vor uns her.Forschungsinstitute bewerben sichum W herechnungen Verschollener,Museen bewahren die Stichworte unserer Agoniewie Reliquien unter Glas auf.Wir, die wir unsre Zeit vertr delten,aus begreiflichen Gr nden,sind zu Tr dlern des Unbegreiflichen geworden. Unser Schicksal steht unter Denkmalschutz. Unser bester Kunde ist das schlechte Gewissen der Nachwelt. Greift zu, bedient euch. Wir sind die Letzten. Fragt uns aus. Wir sind zust ig.1973MemoEin Mann, den manche f r weise hielten, erkl e, nach Auschwitz w kein Gedicht mehr m glich. Der weise Mann scheint keine hohe Meinung von Gedichten gehabt zu haben - als w n es Seelentr ster f r empfindsame Buchhalter oder bemalte Butzenscheiben, durch die man die Welt sieht. Wir glauben, da Gedichte berhaupt erst jetzt wieder m glich geworden sind, insofern n ich als nur im Gedicht sich sagen l , was sonstjeder Beschreibung spottet.Erinnerung an BerlinDa war es Sommer, und die Stadt war meinund bot sich an mit heftiger Geb e.Wild flatterte mein Haar von Autobusverdecken,auf denen rauchend man die Zweige streifte,mit t richten Gedanken spielend. Weltverbesserungspl n -vom Zoo her wehte Raubtierluft. Die erstenWadenstr mpfe. Das erste Barthaar, und inHauseing en die ersten Pollutionen. G terz gewie nasse Elephantenr cken. Im Romanischendie ersten Dichter. Worte schmeckend wieW rfelzucker. Die ersten Toten und anLitfa S en die ersten Ahnungen vomUntergang: Raubtierm en, die brennendzwischen H ern niedergingen, gefl gelteHy n, Krokodile mit Hoheitszeichen,Stacheldrahtchim n -Da war kein Sommer mehr, nur Knochenreste von Jahreszeiten, nur ein Abschiednehmen von ausgeleerten Gl rn, Zuschlagen von T ren und eine Blume aus Eis, geschenkt von einem blinden D-Zug-Fenster.1965BalladeSo kamen wir von den P en herunter in unsern erdfarbenen M eln. Hier und dort fehlte ein Mann, aber es k mmerte uns nicht, und wir a n von den Rationen und h rten nicht auf das Weinen der Frauen. Die Sonne stand schon ziemlich niedrig. Manchmal fing einer an, von besseren Tagen zu sprechen, dann schlugen wir ihn auf den Kopf, bis er stille wurde. Das Essen mundete uns noch immer, aber es hatte einen Beigeschmack von Armut und Gew hnung, und nichts wunderte uns mehr, nicht einmal unser eigner Zustand, der in der Tat ungew hnlich war. Als sie endlich zum Sammeln bliesen, standen nur wenige auf, um dem Ruf zu folgen, die meisten blieben im Grase liegen und taten, als ob sie tot w n. Oder waren sie es schon?1948An eine SchulklasseDen Sch lern von Butzbach gewidmetIhr, die Ihr geboren seid, um zu vergessen,was wi Ihr von den Tollheiten der Menschen? Die Wiese, auf die Ihr Euch legt, verr Euch nicht, wieviele von uns dort umkamen,die Hand, die Ihr sch ttelt, da es eine M rderhand sein k nnte, die Euren Gru nicht verdient.Unser Dasein ist f r Euch bereits Legende geworden,unser Leid ein Ger cht von gestern.Aber in den Liedern der Vertriebenenund im Rascheln des Windes,der ein verbranntes Buch aufbl ert,erz en wir Euch, was geschah,als der Hahn zum drittenmal kr e.Der KopfpreisSie haben einen Preis ausgesetzt auf meinen Kop
| Erscheint lt. Verlag | 15.6.2009 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Maße | 127 x 194 mm |
| Gewicht | 407 g |
| Themenwelt | Literatur ► Lyrik / Dramatik ► Lyrik / Gedichte |
| Schlagworte | Buch • Bücher • der Maulwurf • Dichte mich! • Lyrik/Gedichte • was bleibt • Weimarer Republik • Wir sind die Letzten |
| ISBN-10 | 3-630-87288-3 / 3630872883 |
| ISBN-13 | 978-3-630-87288-9 / 9783630872889 |
| Zustand | Neuware |
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