Europa 2130 (eBook)
270 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-1439-9 (ISBN)
Reinhard Schmelzer, geboren 1989 in Temeschburg, Rumänien. Im selben Jahr beginnt im Land die Revolution. Nachdem der Diktator Ceausescu von der Bevölkerung gestürzt und hingerichtet wurde, verlässt Reinhards Familie das Land und lebt seither in Mannheim. Nach Beendigung der Schule mit der mittleren Reife und zwei abgeschlossenen Berufsausbildungen arbeitet Reinhard Schmelzer in einem führenden Pharmakonzern, in dem er als Operator tätig ist.
Kapitel 1 - Der Nebeldistrikt
Ich sah die Hand vor Augen kaum als ich mit meinen Kameraden einen Teich durchstreifte. Das Wasser reichte bis zur Hüfte, weswegen wir unsere Maschinengewehre schultern mussten. “Scheiß Job, hätten wir nicht stattdessen den Gibraltar-Auftrag annehmen können?”, schimpfte Oger, der sich neben mir durchs Schilf kämpfte. “Ich weiß gar nicht was du hast. Das alles hat doch etwas von Schulausflug”, warf Fuchs ein. Die junge Frau war für ihre Anfang 20 verdammt hartnäckig und angesichts ihrer Fähigkeiten konnte ich ihr durchaus glauben dass sie in ihrer Schulzeit tatsächlich Ausflüge in den Nebeldistrikt unternahm. Wir nannten sie Fuchs aufgrund ihrer roten Haare und ihres Scharfsinns und weil das der einzige Name war, unter dem wir sie kannten.
“Ach ich weiß nicht. Mit dem gelben ABC-Anzug fühl ich mich wie ein Quietscheentchen", warf ich ein. “Ich weiß ja nicht, was für einer Schule du warst, aber wenn so deine Kindheit ausgesehen hat, dann erklärt das so einiges”, mischte sich Krähe ein, der am unbeholfensten von uns wirkte und die größte Mühe hatte mitzuhalten. Egal wie plump unsere Unterhaltungen wirkten, sie waren wichtig damit wir uns nicht verloren, denn der Nebel war wie gesagt sehr dicht. “Wir müssten gleich an der Stelle sein, an der der Kontakt zum Team abbrach”, navigierte uns Schakal, mithilfe seiner Karte, die er in seinem ABC mit sich führte. Im Jahre 2130 war es gar nicht mehr so leicht analoge Karten zu bekommen und dazu waren sie auch verdammt teuer. Da unsere Navigation Aufgrund der Radioaktivität ständig ausfiel war sie aber eine große Hilfe. Mit dem Team meinte Schakal die Gruppe von Forschern, die im Distrikt verschwanden. Was die Verschwundenen an solch einem gottlosen Ort erforschten hat uns natürlich keiner gesagt. Ich ging aber sofort von Bodenschätzen aus. Als wir fast das Ufer erreicht hatten, schrie Fuchs auf: “Hör auf mit dem scheiß!”. Wir schauten sie alle irritiert an. Sie blickte wütend zu Krähe. “Wenn du mir noch mal an den Hintern fasst schieß ich dir die Eier weg!”, drohte sie ihm. “Ich hab gar nichts gemacht”, verteidigte er sich. “Ich hab eben deine Hand an meinem Hintern gespürt du Perverser”, beschuldigte sie ihn, während er abwehrend gestikulierte. “Meinst du vielleicht diese Hand”, mischte sich Oger ein, nachdem er einen abgetrennten Arm aus dem Wasser zog. “Da hätten wir schon mal Forscher Nummer eins”, schlussfolgerte ich. “Es lassen sich deutlich Bissspuren erkennen aber so wie der Oberarm aussieht wurde er ausgerissen. Es muss sich also um ein Tier handeln, dass um ein vielfaches stärker als ein Mensch ist”, kombinierte Oger, der sich mit Tieren bestens auskannte. Der ehemalige Jäger lief mit erhöhtem Tempo weiter in Richtung Ufer und wies uns an ihm zu folgen: “Erhöhte Schussbereitschaft, wir müssen schnellstens aus dem Teich raus. Sichert alle Flanken ab”. Das taten wir auch in Erwartung jeden Moment angegriffen zu werden und so kam es auch. Einige Meter zu unserer Rechten türmte sich eine riesige Gestalt auf, die uns gut ums Doppelte überragte. Ein Bär. Die lebten hier im menschenleeren Distrikt und erreichten durch die Radioaktivität auch eine beachtliche Größe. Bevor das wilde Tier eine Salve aus unseren Handfeuerwaffen kassierte tauchte es wieder ab. Die projektile flogen über seinen Kopf hinweg. “Verdammt schnell”, stellte Schakal fest während er den Lauf seiner Waffe nervös hin und her schwenkte. “Weitergehen in Formation! Rückseite und Flanken sichern!”, befahl Oger der sich an einem Felsen hochzog, um das Gelände besser überblicken zu können.
“Land in Sicht”, erkannte Fuchs. “Weiter! Nicht stehen bleiben!”, schrie ich. “Da hinten ist er!”, erkannte Krähe und setzte zum Schuss an, doch Oger war schneller und landete einen vermeintlichen Treffer, worauf das Tier wieder abtauchte. “Verschwendet nicht eure Munition”, hielt ich die Truppe zurück, als gerade alle das Feuer eröffnen wollten.
“Ahh!”, ertönte ein schmerzerfüllter Schrei, als sich dolchartige Reißzähne in Ogers Schultern verbissen und eine sensenartige Klaue sich durch seinen ABC schnitt und dabei seinen Bauch aufschlitzte. Sein Schrei verstummte, als er ins Wasser gezogen wurde, welches sich um ihn herum rot färbte.
Es waren scheinbar mehrere Bären und sie spielten mit uns.
“Ruhig bleiben, atmen”, redete ich zu mir selbst und schritt weiter voran, während ich die Lage analysierte. Unsere Angreifer waren schnell, stark und sehr intelligent. Von allen Richtungen, von denen sie uns hätten angreifen können, haben sie genau den Winkel gewählt, der für uns am schwierigsten war. Wenn meine Vermutung richtig war, dann würde das Ufer vor uns ein Hinterhalt sein, aber wenn wir im Wasser blieben, dann würden sie uns auch fertig machen.
Rücken an Rücken schritten wir voran. Das hatte den Vorteil, dass sie uns nicht überraschen konnten, jedoch den Nachteil, dass wir langsamer waren. Das Wasser wurde seichter und weitere Angriffe blieben vorerst aus. Hinter der Nebelwand, die uns umgab, waren lediglich knurrende Laute zu vernehmen.
Es hörte sich so an, als ob die Bestien sich unterhalten würden. Als wir das Ufer erreichten, stolperte Fuchs über etwas, dass sich bei näherem Hinsehen als Torso eines Toten entpuppte, eingekleidet im selben ABC-Anzug wie auch wir ihn trugen, daneben ein Sturmgewehr. “Scheinbar sind wir nicht die erste Rettungsmission, die hierher geschickt wurde”, kombinierte Krähe, während er den Leichnam untersuchte.
“Könnte doch auch einer der Forscher sein”, wandte Schakal ein. “Forscher mit militärischem Kaliba und Tattoos der schweizer Fremdenlegion?”, argumentierte Krähe. Der Anzug des Soldaten war aufgerissen und mit Bissen und Kratzspuren übersät, doch ein Kreuz mit einem Totenkopf-Emblem war noch erkennbar, welches für die besagte Diensteinheit stand.
“Hat seine Sauerstoffeinheit noch Druck?”, wollte ich wissen.
"Unbeschädigt, aber komplett leer, genau wie sein Magazin”, antwortete Krähe. “Vielleicht ist das deren Taktik, die treiben uns auf die Insel und warten lediglich bis uns der Sauerstoff ausgeht”, erkannte Fuchs was für ein Schicksal uns bevorstand. “Wir haben zirka noch für 30 Minuten Sauerstoff.
Wir sehen uns hier kurz um und dann machen wir uns auf den Rückweg, egal wie viele von diesen Bestien dort im Wasser schwimmen. "Wir haben keine andere Wahl”, wies ich die Anderen an. Die Insel, auf der wir uns befanden, war nicht besonders groß und viel gab es auch nicht zu sehen. Wie im kompletten Nebeldistrikt wuchs hier sehr wenig, da Sonnenstrahlen nur selten den Boden erreichten. Die landschaft war felsig, trist und karg. Vom Forschungsteam fehlte jede Spur und selbst wenn wir sie fanden, wären sie entweder erstickt, gefressen oder verstrahlt worden. Die Suche war also sinnlos. Wir entschlossen uns also die Suche abzubrechen und uns auf den Rückweg zu machen. Gerade als wir zum Ufer aufbrechen wollten, entdeckte Schakal eine Höhle unter einem Felsvorsprung. Er entschloss sich hinein zu leuchten, doch gerade als er im Begriff war seine Stirnlampe einzuschalten, schlug eine Tatze nach ihm, worauf sein Genick laut knackte und er zu Boden fiel. Gerade als die Kreatur aus der Dunkelheit heraus unseren Kameraden in die Höhle ziehen wollte, feuerten wir unsere Salven auf sie ab. Wütend zog der Bär sich zurück und stieß einen lauten Schrei aus, worauf wir von den anderen Bären umzingelt wurden. Wir waren nur noch zu dritt und ich zählte etwa acht Tiere plus den in der Höhle, neun. Ich schnappte mir Schakals Gewehr und stürmte feuernd in die Höhle. Fuchs und Krähe folgten mir und gaben mir währenddessen Rückendeckung, gegen die Bären die uns folgten. In der Höhle konnten sie uns nicht Komplett einkreisen, sondern nur von zwei Seiten. Ich vergaß völlig meine Stirnlampe einzuschalten und orientierte mich lediglich an dem Licht, welches durch die feuernden Gewehrläufe aufhellte. Ein schallendes Donnern hallte durch die Höhle.
Klauen und Zähne schnappten nach uns. Dann war es plötzlich still. “Haben wir sie alle erwischt?”, fragte Fuchs und schaltete ihre Lampe ein. Wir zählten insgesamt neun regungslose Bestienkadaver. “Ich hoffe es gibt nicht noch mehr von denen, ich hab nämlich keine Munition mehr”, gab Krähe zu bedenken. Unsere Munition war auch leer, wir hatten nur noch unsere Bajonette. Mit diesem wollte ich gerade sicherstellen, dass der Feind nicht mehr aufsteht, als der pelzige Körper zuckte. Ein kleiner Bär kam unter ihm hervor, der mich mit unschuldigen Augen ansah. Als wir das Feuer in die Höhle eröffneten, muss sich das vermeintliche Muttertier auf sein Junges gestürzt haben, um es vor unseren Kugeln zu schützen. Fuchs, deren Mutterinstinkt scheinbar geweckt wurde, hielt mich zurück. “Bitte tu ihm nichts. Es ist keine Gefahr für uns”, bat sie mich. “Er wird...
| Erscheint lt. Verlag | 7.1.2026 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| ISBN-10 | 3-6951-1439-8 / 3695114398 |
| ISBN-13 | 978-3-6951-1439-9 / 9783695114399 |
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