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Grüße vom Einst ans Jetzt -  Margrit Kumm-Flade

Grüße vom Einst ans Jetzt (eBook)

Geschichten aus dem außergewöhnlichen Leben meiner Familie
eBook Download: EPUB
2026 | 1. Auflage
500 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-8366-1 (ISBN)
Systemvoraussetzungen
12,99 inkl. MwSt
(CHF 12,65)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
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Dieses Buch gewährt einen sehr persönlichen Einblick in das Leben der Großeltern und vor allem der Eltern der Autorin. Sowohl die Eltern als auch die Großeltern waren in turbulenten Zeiten als Heilsarmeeoffiziere tätig. Dies allein machte ihr Leben in mancher Hinsicht außergewöhnlich. Sie wurden immer wieder mit unterschiedlichen Aufgaben betraut und damit oft auch an einen neuen Wohnsitz versetzt. Die Grüße, in denen sie von sich oder andere über sie berichten, beziehen sich auf Briefe, Postkarten, Zeitungsartikel und Buchauszüge sowie etliches persönlich Erlebtes. Sie entstammen einem Zeitraum, der etwa 25 Jahre vor dem 1. Weltkrieg beginnt und im Jahr 2007 endet. Die Autorin geht davon aus, dass das in der Vergangenheit Erlebte auch eine Ermutigung für die Gegenwart sein kann.

Margrit Kumm-Flade ist die älteste Tochter von Ursula und Walter Flade. Wie andere Kinder von Heilsarmeeoffizieren war sie eingebunden in unterschiedliche Aktivitäten innerhalb der Heilsarmee und musste in ihrer Kindheit mehrere Ortswechsel mitmachen, wenn ihre Eltern auf einen neuen Posten versetzt wurden. So lebte sie u.a. in Lübeck, Berlin und schließlich in Hamburg in einer Wohnung nahe der Reeperbahn. Nach einer neuerlichen Versetzung der Eltern nach Köln blieb die nun Achtzehnjährige allein in Hamburg zurück, machte dort ihr Abitur und studierte an der Hamburger Universität Anglistik und Erziehungswissenschaften. Nach erfolgreicher Beendigung des Studiums arbeitete sie als Lehrerin zunächst in Hamburg und nach ihrer Heirat in Langenhagen (bei Hannover).

DIE AHNEN


„Erzählen Sie uns bitte ...“. Damit begann auch ein Interview, das mein Vater, Walter Flade kurz vor seinem 75. Geburtstag einem jüngeren Heilsarmeeoffizier39) geben sollte. Dieser wollte schwerpunktmäßig etwas über die „Wunder Gottes“ in Walters Leben erfahren. Bevor aber über Walter und später auch meine Mutter Ursula berichtet wird, soll zunächst der familiengeschichtliche Hintergrund ins Blickfeld rücken. Wer waren - soweit bekannt - die Ahnen? Wo, wann und wie lebten sie?

WALTERS AHNEN


CARL FERDINAND FLADE UND ANNA SOPHIE EMILIE


Carl Ferdinand Flade, geboren am 6. Juli 1864 in Dresden scheint ein ziemlich verantwortungsloser Bursche gewesen zu sein. Er übte zunächst seinen Beruf als Schmied aus, heiratete Anna Sophie Emilie Krause und zeugte mit ihr zwei Kinder – Martha, die am 27.12.1889 geboren wurde und Richard, der am 29.05.1891 zur Welt kam. Dann verließ er bald seine junge Familie, um einer Schauspielerin hinterher zu reisen. Doch schon bevor er sich zu diesem amourösen Abenteuer entschloss, hatte er manchen Kummer über seine Frau gebracht. Er liebte das Glückspiel und den Alkohol. Über viele Jahre hörte Anna Sophie Emilie nichts mehr von ihrem Mann. Sie musste ihre Kinder allein ernähren und erziehen. Alleinerziehende Mütter hatten nicht die staatlichen Hilfen und Chancen wie heute. Wenn sie nicht gerade Witwen waren, mussten sie außerdem oft erleben, dass man auf sie herabsah, da sie Kinder, aber keinen Mann an ihrer Seite hatten.

Als Richard 1915 heiratete, war auf seiner Heiratsurkunde vermerkt, dass er der Sohn des Schmieds Carl Ferdinand „nach Leben und Aufenthalt unbekannt“ und seiner Ehefrau Anna Sophie Emilie geb. Krause sei. Als Anna etwa drei bis vier Jahre später, also ein bis zwei Jahre nach dem 1. Weltkrieg noch immer nichts von ihrem Mann gehört hatte, wollte sie ihn für tot erklären lassen. Doch offenbar war er aus dem Krieg zurückgekehrt, wenn auch nicht zu ihr. Für sie war auf jeden Fall die Beziehung zu ihm schon lange zu Ende.

Von Carl Ferdinand sind noch drei Zusammentreffen mit seinem Sohn und auch seinem Enkel Walter bekannt. Als Carl ca. 63 Jahre alt war - zwischen Mai 1927 und Mai 1928 - suchte er seinen Sohn auf, um seinen Enkel kennenzulernen und ihm ein Spielzeugauto zu schenken. Sein Sohn ließ ihn aber nicht in die Wohnung, in der gerade auch Anna sich aufhielt. Sie hatte sich jeglichen Kontakt zu ihrem Mann verboten, wie ich im Jahre 2013 von ihrer Enkelin Hanne-Lore Naujoks erfuhr. Für Walter blieb dieses strikte, damalige Verhalten seines Vaters immer unbegreiflich, denn er kannte ihn als einen äußerst gütigen Menschen, der verzeihen und vergessen konnte. Vermutlich war es für Walter nicht vorstellbar, dass dies aus Loyalität seines Vaters zu dessen Mutter geschah.

Zwischen 1931 und 1932 reiste Carl Ferdinand bis nach Budapest, um dort Sohn und Enkel zu besuchen. Zu jener Zeit wohnte er in Leipzig und verdiente seinen Lebensunterhalt als Toilettenwärter am Leipziger Hauptbahnhof. Walter war zu der Zeit 15 bis 16 Jahre alt. Als er 1933 mit seinen Eltern in Leipzig lebte, suchte er seinen Großvater auf, der in der Rosenstraße wohnte und immer noch am Hauptbahnhof Toiletten putzte. Von Carl Ferdinand wissen wir nur noch, dass sein Vater auch Schmied war und aus Fraustadt [heute polnisch: Wschowa] in Westpreußen stammte. Kurz bevor Walter im Mai 1990 nach der Wende* und nach vielen Jahrzehnten das erste Mal wieder nach Leipzig fuhr, schrieb er an die Abteilung Meldewesen des Rats der Gemeinde Leipzig unter anderem, dass er seinen Großvater 1933 das letzte Mal gesehen habe und durch die Kriegsereignisse und die nachfolgenden Jahre den Kontakt mit ihm verloren habe. Er wolle im Amt vorsprechen, um eventuell zu erfahren, ob der Großvater noch einmal woanders hingezogen, wann und unter welchen Umständen er gestorben und wo er beerdigt worden sei. Man konnte ihm leider keine Auskunft geben. So blieb in unserer Ahnentafel hinter dem † bei Carl Ferdinand Flade eine Leerstelle.

Im Herbst 2015 habe ich den 1990 geschriebenen Brief meines Vaters an den Rat der Gemeinde Leipzig zum Anlass genommen, erneut dieselbe Frage zu stellen, diesmal an das Staatsarchiv Leipzig gerichtet, in das 1995 die Deutsche Zentralstelle für Genealogie als Abteilung eingegliedert wurde. In ihren Beständen konnte in den alten Registraturbüchern der Eintrag vom Todesdatum Carl Ferdinand Flades gefunden werden.44)

Es hätte meinen Vater sicherlich berührt, zu erfahren, dass sein Großvater zwei Monate nach seinem 70. Geburtstag starb und zwar genau am 18. Geburtstag von Walter am 7.9.1934, nur ca. ein Jahr, nachdem Walter ihn das letzte Mal getroffen hatte. Walter lebte zu der Zeit bereits mit seinen Eltern in Stettin.

Anna Sophie Emilie Krause wurde ebenfalls in Dresden geboren. Am 10.01.1865 kam sie als Kind von Emilie Sophie Krause geb. Gräfe und Friedrich August Krause zur Welt. Beide Eltern waren von Geburt Dresdener. Die Mutter lebte vom 14.08.1829 bis zum 06.07.1880, der Vater vom 22.05.1821 bis zum 19. 12. 1881. Anna Sophie Emilie war also 15 Jahre alt, als ihre Mutter 51-jährig starb. Als der Vater starb, war sie nur eineinhalb Jahre älter geworden. Ob Anna Geschwister hatte, ist nicht bekannt. Ihr Vater war von Beruf Töpfer, sie selbst verdiente sich später als Näherin das nötige Geld. Zusätzlich soll sie für andere Leute Wäsche gewaschen haben.

Wann sie geheiratet hat, habe ich nicht herausfinden können. Als sie ihr zweites Kind zur Welt brachte, nannte sie es Karl Ferdinand Richard, der aber im täglichen Umgang nur Richard genannt wurde. Möglicherweise war Anna des Namens Carl Ferdinand überdrüssig geworden. Dieser Richard Flade wurde in der Dresdener Frauenkirche getauft.

Anna Sophie Emilie Flade, geb. Krause, in Dresden

Die Heilsarmee, über die an späterer Stelle ausführlicher berichtet werden wird, kam nach Dresden. Ihre ersten Gottesdienste dort fanden ab Mai 1894 statt. Als offizielles Eröffnungsdatum der Heilsarmee in Dresden wird der 30. Januar 1904 genannt.17) Anna Sophie Emilie entdeckte die Heilsarmee als ihre zukünftige Kirche. Auch ihre beiden Kinder fühlten sich in dieser christlichen Gemeinde wohl. Wann und durch welchen Anlass Anna den Weg in diese Freikirche fand, weiß heute niemand mehr. Bekannt ist hingegen, dass ihr Sohn Richard 1905 mit 14 Jahren bereits zur Heilsarmee ging. Für Anna blieb es nicht nur bei Gottesdienstbesuchen. Sie wusste, dass sie ein offizielles Mitglied dieser Gemeinde werden sollte. Hier sei kurz erwähnt, dass es damals üblich war, am Gnadenthron, auch Bußbank genannt, niedergekniet und gebetet zu haben bevor man seine Mitgliedschaft besiegeln konnte. Mit diesem Gang meist in einem öffentlichen Gottesdienst bezeugte man seinen Entschluss, das Angebot von Jesus Christus anzunehmen, das er durch seinen Opfertod geschaffen hat, um uns mit Gott zu versöhnen. So können wir Menschen eine lebendige Beziehung zu Gott pflegen und dürfen ihn Vater nennen.

Annas Enkelin Hanne-Lore berichtete, dass Anna nicht einsah, weshalb sie an der Bußbank beten sollte, um Heilsarmeemitglied zu werden. Sie war doch eine ganz entschiedene Christin, die sich schon lange mit Gott durch Jesus Christus verbunden wusste. Doch der damalige Leiter der Heilsarmeegemeinde in Dresden bestand darauf. Anna entschied, dass es nicht an der äußeren Form liegen sollte, dass sie keine Heilssoldatin* würde. Also betete sie an der Bußbank.

Man mag sich wohl fragen, weshalb Anna, die doch eine so gute Christin gewesen sein soll, nicht die Fähigkeit besaß, ihrem Ehemann zu begegnen, als sich damals die Möglichkeit bot. Da wir Annas Beweggründe nicht kennen, kann ich nur eine Erklärung vermuten. Sie mag gefürchtet haben, dass ihr Mann wieder bei ihr einziehen wollte und sich das ganze Elend auf Grund von Alkoholsucht und Glücksspielsucht wiederholen könnte. Die beiden waren ja nicht geschieden, sondern er war einfach für viele Jahre verschwunden gewesen. Eine Scheidung hätte Geld gekostet und war noch bis in die 1970er Jahre hinein meist eine üble Angelegenheit. Im damaligen Sprachgebrauch nannte man, was dort vor Gericht geschah schmutzige Wäsche waschen. Alle möglichen Vergehen in der Ehe mussten unter Umständen offengelegt werden und es kam zu offiziellen Schuldzuweisungen. Außerdem galt damals geschieden zu sein auch als ein Makel im Ansehen einer Person.

Anna hat ihren Mann um circa 6 ½ Jahre überlebt. An späterer Stelle wird noch einmal kurz über sie berichtet werden.

FRIEDRICH EIGEN UND HEINRIETTE


Walters Großeltern mütterlicherseits wurden beide in Ostpreußen geboren: Friedrich Eigen in Pagelienen [heute: Perelesnoje], Kreis Insterburg, welches zu seiner Zeit zum Gebiet Königsberg gehörte und Heinriette Frommholz in Prußischken [spätere Bezeichnungen: Prusischken, Preußendorf und heute Brjanskoje], einem kleinen Ort der ebenfalls im Gebiet von Königsberg lag und nicht weit entfernt von Pagelienen war. Beide Geburtsorte gehören heute zu Russland.

Von...

Erscheint lt. Verlag 6.1.2026
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Biografien / Erfahrungsberichte
ISBN-10 3-6951-8366-7 / 3695183667
ISBN-13 978-3-6951-8366-1 / 9783695183661
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