Vergossenes Herzblut (eBook)
318 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-5157-8 (ISBN)
Persönliche Daten: Uwe Knetsch Geburtsdatum: 08.07.1961 Geburtsort: Warstein Familienstand: verheiratet, ein Kind Berufspraxis 01.07.1978 - 23.06.1981 Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Automobilgewerbe 01.10.1981 - 30.09.1983 Wehrdienst Fernspähkompanie 100 in Braunschweig, Ausbildung zum Fallschirmjäger 01.10.1983 - 30.09.1989 Teiledienstleister 01.10.1989 - 30.09.1992 Verkaufsberater mit Ausbildung und Zertifizierung 01.10.1992 - 31.05.1994 Verkaufsleitung mit Ausbildung und Zertifizierung 01.06.1994 - 31.12.1994 Verkaufsberater Mercedes PKW mit Ausbildung in Stuttgart 01.01.1995 - Gesamtverkaufsleiter VW/VW NFZ/Audi Neu- und Gebrauchtwagen Teilnahme an den folgenden Ausbildungsstufen: Audi-Verkäuferweiterbildung in 6 Bausteinen Audi-Verkaufsleiterweiterbildung Intensivseminar Renditemanagement Personal- und Führungsmanagement Führungskommunikation Gebrauchtwagentraining, Recht im Gebrauchtwagenhandel Zahlreiche Produkt- und Regionaltrainings Autohaus Akademie, Werbung Marketing Verkaufssteuerung / Systematische Marktbearbeitung MMI Braunschweig Gebrauchtwagen-Management Teil I & II, MMI Braunschweig Teilnahme an allen Produkt- und Regionaltrainings der Hersteller VW/Audi Geschäftsführer AC
Ein neuer Lebensabschnitt beginnt – Leipzig ich komme
Im Sommer 1992 entstanden die ersten Kontakte zu einem bekannten westdeutschen Vertragshändler, der inzwischen in der Region Leipzig zahlreiche Zweigstellen eröffnet hatte. Auch hier befand man sich auf der Suche nach kompetenten Fachpersonal in den Bereichen Service und Vertrieb. Kundendienst und Verkaufsleiter, die im entstandenen Chaos seit Mauerfall wieder für Strukturen und Ordnung sorgen sollten.
Ich erhielt somit das Angebot für ca. 6 Monate die Verkaufsleitung im Autohaus Bayerischer Bahnhof zu übernehmen und anschließend nach meiner Rückkehr den Neu und Gebrauchtwagenvertrieb an einem der Standorte im Ruhrgebiet zu leiten. Eine interessante Aufgabe und Herausforderung, die darüber hinaus fürstlich entlohnt wurde.
Perspektiven sich in seinem Ausbildungsbetrieb weiterzuentwickeln, beruflich aufzusteigen und später einmal Führungsaufgaben zu übernehmen, diese Chance eröffnet sich nur in Einzelfällen.
Ist eine Stelle als Verkaufsleiter vakant, so greifen Inhaber und Geschäftsführer in der Regel auf externes Personal zurück.
Es gibt viele Gründe, die Arbeitnehmer dazu bewegen, sich beruflich umzuorientieren. Fehlende Herausforderungen, Alltagstrott oder mangelnde Karrieremöglichkeiten sind nur einige Gründe für eine berufliche Neuorientierung. Plötzlich schleicht sich immer wieder der Wunsch nach beruflicher Veränderung ins Bewusstsein. Wissbegier, Neugierde und Streben nach Weiterkommen sind nicht die schlechtesten Begleiter im Arbeitsleben.
Dennoch fällt es schwer, sich beruflich neu zu orientieren. Zu sicher ist etwa der derzeitige Arbeitsplatz.
Mein alter Arbeitgeber insbesondere mein Verkaufsleiter hatten in zahlreichen Gesprächen versucht mich von meinem Vorhaben abzubringen, im Unternehmen zu verbleiben und das lukrative Angebot auszuschlagen.
In den 14 Jahren meiner Beschäftigung war ich natürlich auch emotional gebunden und darüber hinaus hatte ich inzwischen geheiratet, eine Familie gegründet sowie eine Eigentumswohnung angeschafft.
Sicherlich existierten auch Bedenken und Zweifel aber der Wille zur Veränderung war bedeutend größer. Werde ich jemals wieder ein Angebot in dieser Größenordnung erhalten? Außerdem hatte ich die Zusage nach bereits 6 Monaten von Leipzig wieder in die Heimat zurückkehren zu können.
Im Besitz dieser Option hatte auch meine Frau keine Einwände und stimmte meinem Wunsch zu.
Weiterhin wollte Sie meinen beruflichen Aufstiegschancen nicht im Weg stehen, der Zeitraum einer Wochenendehe war schließlich überschaubar. Das sich diese Situation später völlig anders entwickeln sollte, konnte zum damaligen Zeitpunkt schließlich niemand voraussehen.
Im Alter von 31 Jahren, hochgradig motiviert und neugierig auf die bevorstehende Herausforderung trat ich im Oktober 1992 meine Reise in den Osten an. Unter Berücksichtigung des Verkehrsaufkommens, der zahlreichen Baustellen und immer wieder auftretenden Verkehrsunfälle waren die ersten 380 Kilometer ein wahres Abenteuer. Mein neuer Arbeitgeber hatte nicht nur in die Niederlassung neuer Autohäuser investiert, sondern befand sich damals bereits im Besitz zahlreicher Immobilien. Darunter auch ein Mehrfamilienhaus in der Delitzscher Straße in dem sich meine neue Dienstwohnung befand und unmittelbar in Nachbarschaft des Hauptbetriebs, dem Autohaus Leipzig.
Darüber hinaus führte man noch in der Eisenbahnstraße das „Autohaus Sachsenstolz“ sowie das „Autohaus Bayerischer Bahnhof“ im Dösner Weg. Weitere Filialen existierten in Eilenburg, Bad Lausick, Wurzen und Naumburg.
Unsere Inhaber hatten sich somit frühzeitig nach dem Mauerfall zur Goldgräberstimmung in den Osten aufgemacht und für sie wichtige erste Geschäftskontakte geknüpft. Stasi ist die Abkürzung für "Staatssicherheit". So nannten die Bürger/innen der DDR das Ministerium für Staatssicherheit.
Als es die DDR noch gab, hatte die Stasi zwei Aufgaben: Sie war Geheimdienst und Geheimpolizei der DDR. Als Geheimdienst musste sie Gefahren für die DDR im Ausland entdecken. Als Geheimpolizei überwachte sie die eigenen Bürger/innen und kontrollierte, was diese planten und taten. Dabei konnte die Stasi geltende Rechte missachten. Sie musste nur das tun, was die herrschende Partei SED von ihr verlangte.
Die Methoden der Stasi waren niederträchtig. Sie hörte Telefone ab, durchsuchte Wohnungen und schüchterte ihre Opfer ein. Die Stasi konnte Menschen auch einfach verhaften und im Gefängnis unter Druck setzen. Knapp 100.000 Mitarbeiter arbeiteten in der DDR einst hauptamtlich für die Stasi. Nach der Wende gelangten viele von ihnen zu einer neuen beruflichen Identität. Rund 17.000 frühere Beschäftigte des DDR Ministeriums für Staatssicherheit sollen im Öffentlichen Dienst ostdeutscher Landesverwaltungen geblieben sein trotz Prüfungen. Ihr Einfluss nach dem Mauerfall war nach wie vor unheimlich. Bereits Sonntagnachmittag in Leipzig angereist, bezog ich meine Dienstwohnung und recherchierte nach dem kürzesten Weg in Richtung meines neuen Arbeitsplatzes im Dösner Weg.
Der Bayerische Bahnhof in Leipzig liegt südöstlich der Leipziger Altstadt und südlich des Bayrischen Platzes. Der Bahnhof wurde 1842 von der SächsischBayerischen EisenbahnCompagnie in Betrieb genommen und galt bis zu seiner Schließung im Jahr 2001 als der älteste in Betrieb befindliche Kopfbahnhof Deutschlands.
Das Autohaus lag in einer Sackgasse und diente früher der Reparatur von Kleintransportern, dem Barkas B1000, der noch bis 1991 produziert wurde.
Mit 42 PS und einer Maximalgeschwindigkeit von 100 km/h rollte 1961 der erste B1000 vom Band. Dieser hatte nun den Westfahrzeugen Platz gemacht und geriet recht schnell in die Vergessenheit.
Ganz Leipzig schien eine Baustelle zu sein, überall wurden Straßen auf und Häuser abgerissen. Straßenschilder die dringend für die Orientierung erforderlich waren, verschwanden zunächst ohne Ersatz.
Navigationssysteme oder Smartphones wurden noch nicht angeboten oder waren aufgrund der hohen Anschaffungskosten unerschwinglich. Eine grobe Beschreibung sowie eine Stadtkarte hatte ich mir beschafft, nun hoffte ich am Montagmorgen ohne große Probleme den Bayerischen Bahnhof zeitnah zu erreichen.
Meine erste Nacht in der neuen Dienstwohnung verlief, obwohl die Anreise anstrengend war, recht unruhig. Zum einen, weil ich in fremden Betten zu Beginn grundsätzlich nicht direkt Einschlafen kann, zum anderen meine Anspannung und Neugierde auf meinen ersten Arbeitstag riesig erschien. Aus heutiger Sicht benötigt man ca. 20 Autominuten, um den Dösner Weg zu erreichen, wir befinden uns jedoch im Oktober 1992. Die bereits genannten Baustellen wurden mir am heutigen Morgen zum Verhängnis. Die Ausschilderung der Umleitungen hat leider noch kein Westniveau, d. h. aus einer normalen Wegstrecke wurde eine Stadtreise. Pünktlichkeit ist ein Ausdruck des Respekts gegenüber anderen und somit hatte ich ausreichend Zeit eingeplant.
Das ich jedoch über eine Stunde innerhalb von Leipzig unterwegs war, um meine neue Arbeitsstätte zu erreichen, war weiß Gott nicht vorgesehen. Im Autohaus erwartete mich bereits mein neuer Vorgesetzter und Geschäftsführer Herr Günther Schulze.
Wie ich aus späteren Gesprächen von ihm erfuhr, so hatte man ihm bereits vor der Wende übel mitgespielt. Tochter und Schwiegersohn hatten in Leipzig Medizin studiert und waren vor Ort in der Charité als Ärzte tätig.
Obwohl Herr Schulze zum damaligen Zeitpunkt als stellvertretender Generaldirektor bei den TAKRAF Werken beschäftigt war, hatte er trotz des hohen Drucks von einer Mitgliedschaft innerhalb der Partei (SED) immer Abstand genommen. TAKRAF ist die Abkürzung für Tagebau Ausrüstungen, Krane und Förderanlagen und bezeichnete ein Kombinat der DDR. Zu ihm gehörten fast alle volkseigenen Betriebe der Branche, ebenso Zulieferbetriebe, kombinatseigene technische Forschungseinrichtungen, Projektierungsbüros, Rüstungsbetriebe und andere.
Der VEB Verlade und Transportanlagenbau zählte bereits Ende des 19. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Unternehmen jener Zeit. Ihr Spezialgebiet waren SeilbahnKonstruktionen.
Zu DDRZeiten wurde der VEB VTA zum Stammsitz des TAKRAF Großbetriebs. Das Kombinat aus verschiedenen volkseigenen Betrieben beschäftigte insgesamt 26.000 Mitarbeiter.
Dies nur zur Vorgeschichte von Günther Schulze, eine absolute Persönlichkeit und bedeutende Führungskraft. Da seine Tochter und sein Schwiegersohn noch vor dem Mauerfall in den Westen flüchteten, wurde aufgrund des Vorfalls ein Exempel statuiert.
Das SEDPolitbüro sorgte umgehend für seine Entlassung vom Amt und einer Degradierung. Herrn Schulze war durchaus bewusst, dass die erfolgreich verlaufenden Fluchtpläne zu Repressalien führen werden. Dennoch unterstütze er seine Tochter praktisch über Nacht aus der DDR zu flüchten und ermutigte Sie zu diesem waghalsigen Schritt, der eine langzeitige Trennung zur Folge hatte. Eine gute Führungskraft zeichnet sich durch eine Vielzahl von Kompetenzen aus....
| Erscheint lt. Verlag | 29.12.2025 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Biografien / Erfahrungsberichte |
| ISBN-10 | 3-6951-5157-9 / 3695151579 |
| ISBN-13 | 978-3-6951-5157-8 / 9783695151578 |
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