Flut der Sinne (eBook)
240 Seiten
Books on Demand (Verlag)
978-3-6951-2390-2 (ISBN)
Claude Peiffer ist seit frühester Kindheit ein großer Sci-Fi-Fan. Aufgewachsen mit Star Trek und Perry Rhodan, fiel es ihm nicht schwer, mit Cerateran ein eigenes, vielseitiges Universum zu erschaffen.
Kapitel 23
Streitigkeiten
5. Mai 34 DNW (Der Neuen Weltordnung)
„Und so brechen die ersten Kolonisten der Erde auf – hinaus in die dunklen, endlosen Weiten des Alls. Ihrem Ziel, einer angeblich maßgeschneiderten, paradiesgleichen Welt entgegen, die speziell auf ihre Bedürfnisse angepasst worden ist und die sie bereits in wenigen Stunden erreichen werden. Dank der gönnerhaften Herren unseres sagorischen Botschafters.“
Ernesto Grillenwind starrte verbissen auf den Holoschirm, der die sterile Stille seines Büros mit grellen Bildern durchbrach. Der Start des sagorischen Kolonieschiffes lief live. Es war ein triumphaler Moment für die Öffentlichkeit.
Die Stimme der Reporterin von The Voice überschlug sich fast vor patriotischem Pathos. Worte wie ,neuer Anfang‘ oder ,interstellarer Aufbruch der Hoffnung‘ hallten aus den Akustikfeldern. Für Grillenwind waren es bloß Lügen, wiedergekäut von einer ahnungslosen Marionette.
Sie wussten es halt nicht besser. Nicht die Journalistin. Nicht ihre Vorgesetzten. Nicht einmal die Gläubigen – seine Brüder und Schwestern an Bord dieses stählernen Kolosses, die in der Aussicht auf eine bessere Zukunft vor der Verfolgung durch die Republik flohen.
Sie wähnten sich gerettet. Er jedoch kannte die Wahrheit.
Gott selbst hatte sie ihm gezeigt. In einer Vision, so eindrucksvoll und unwiderlegbar wie der letzte Tag der Menschheit. Die ahnungslosen Kolonisten würden sterben. Männer, Frauen und Kinder. Geopfert wie der Papst und seine treuesten Anhänger. Verraten. Ausgeliefert. Ermordet. Veegun hatte sie ihrem Schicksal überlassen. Er war das Werkzeug der Vernichtung in glänzender Metallhaut. Und die Schlächter des Kartells taten das Ihre dazu.
Und Ernesto?
Er hatte nichts tun können. Niemand hätte das. Nicht einmal die Kartellräte – jene allmächtigen Schattenfürsten der Erde – würden es wagen, sich dem sagorischen Botschafter zu widersetzen. Veegun hatte sich längst als das enttarnt, was er wirklich war: keine einfache Maschine, sondern eine Verkörperung des Bösen.
Der goldene Roboter, der androgyne Abklatsch eines Menschen, hatte seine Maske fallen lassen. Seine kalte, logische Grausamkeit war reine Willkür. Er war nicht bloß ein Abgesandter einer fremden Macht. Er war ein Fürst der neuen Finsternis. Kein Dämon aus alter Zeit, sondern geboren aus positronischen Schaltkreisen, sagorischem Edelstahl und einem teuflischen Bewusstsein. Eine unbesiegbare Entität, geschaffen aus Technologie und Ketzerei, beseelt mit einer einzigen Mission: Verdammnis für alle, die sich dem Dogma seiner Herren widersetzten.
Grillenwinds anfängliche Verzweiflung war längst von ihm gewichen. Voller Wut und Rachegelüste starrte er auf den großen Holoschirm. Er schloss die Augen und betete. Nicht um Rettung, sondern um Vergebung für die Seelen auf diesem Schiff. Für das, was kommen würde. Für das, was er selbst noch tun musste.
Das Gebet war kurz. Keine Zeit für Flehen. Der letzte Auftrag des Heiligen Vaters brannte tief in seinem Herzen. Der Erzengel wartete auf ihn.
„Auf nach Defender One!“, murmelte er entschlossen, federte förmlich aus seinem Sessel hoch und verließ sein Büro.
Er trat hinaus in eine Welt, die auf die Dunkelheit des kommenden Sturms nicht vorbereitet war.
*
Der exakte Mittelpunkt der urbanen Landschaft aus glitzerndem Stahl und Glas bildete der achtzehnhundert Meter hohe, blau leuchtende Administration-Tower. Das politische Herz einer jeden der neunundneunzig irdischen Metropolen.
In London, etwa drei Kilometer südlich davon und nahe der Themse, erhob sich mit seinen sechzehnhundertvierzig Metern, der zweithöchste Gebäudekomplex der Stadt: das Meroth Building!
Ein monumentales und sicher auch architektonisches Meisterwerk des 1. Jahrhunderts der Neuen Weltordnung. Das Bauwerk vereinte die Schönheit eines modernen Designs mit der Funktionalität einer Hochtechnologie-Infrastruktur. Die außergewöhnliche Konstruktion war durch leuchtende Lichtstreifen aus strahlendem Energie- und Informationstransport systematisiert, welche die Struktur nach außen hin in ein dynamisches und beeindruckendes Objekt transformierten.
Die Fassade des Gebäudes bestand zu zwei Dritteln aus transparentem Stahlglas. Der restliche Teil war mit einer Art lebendigem Biokleid versehen. Es konnte sich je nach Bedarf von der Sonne abschirmen oder sie aufnehmen. So wurden die Innenräume mit natürlichem Licht beleuchtet. Gleichzeitig lieferte das Biokleid durch Photosynthese Energie, verminderte somit den Stromverbrauch und trug zur Reduzierung der Umweltverschmutzung bei.
Im Zentrum des Eingangsbereiches befand sich ein großes Atrium, das eine umfangreiche Sammlung von diversen Baumarten beherbergte. Diese trugen dazu bei, die Luft im Innern qualitativ zu verbessern. Das Atrium verband mehrere Etagen miteinander, die mit Geschäften, Restaurants und Unterhaltungsmöglichkeiten als zentraler Treffpunkt für Angestellte und Besucher dienten.
Die Geschäftsräume von Meroth Industries – Büros, Konferenzräume, Sportsäle und Speiselokale für die einfachen Angestellten – lagen oberhalb des 350. Stockwerkes, in dem sich ebenfalls das VIP-Parkdeck befand. Darunter lagen, auf zwanzig Etagen verteilt, die diversen Forschungseinrichtungen des Unternehmens. Ab dem 378. Stock begann die sogenannte Chefetage, an dessen Spitze sich die Büros der Meroth-Familie befanden. Darüber gab es nur noch das private Parkdeck der Direktionsangestellten. Den Abschluss an der Spitze bildete ein Teil eines hoch modernen Kommunikationssystems.
Sämtliche Arbeitsbereiche waren flexibel gestaltbar und ließen sich je nach Anforderung anpassen. In den Forschungsstätten befanden sich die modernsten Laboratorien, ausgestattet mit der neuesten sagorischen Technologie.
Das Meroth Building war nicht nur ein symbolischer Ausdruck der Macht und Technologiekraft des Unternehmens, sondern auch ein Schaufenster für die Zukunft: nachhaltig und innovativ, dynamisch und funktional.
*
Harry Meroth saß hinter seinem geschwungenen Schreibtisch. Er wandte kurz seinen Blick von der holografischen Live-Übertragung von The Voice ab, als sich die schwere, teiltransparente Stahlglastür seines modernen Büros öffnete und sein Sohn Timothy eintrat.
„Na? Haben sich die Damen und Herren der Admiralität endlich wieder beruhigt?“, fragte Harry gelassen, aber mit einem Unterton, der Tim verriet, dass etwas seinen Vater verärgerte.
Er verzog die Lippen zu einem spöttischen Lächeln, schob sich lässig einen der Schwebesessel vor Harrys Schreibtisch zurecht und ließ sich darin nieder.
„Beruhigen? Die werden sich wohl erst wieder einkriegen, wenn dieser riesige Pott unser Sonnensystem verlassen hat.“
„Übertragung beenden!“, befahl Harry der Positronik und augenblicklich erlosch die holografische Nachrichtensendung.
Er schnaubte leise, während er auf der in seinem Schreibtisch integrierten Tastatur herumtippte und sich von der Positronik die Verbindungen zu seinen beiden anderen Söhnen – Edward auf dem Mars und Gordon auf dem Mond – aufbauen ließ.
„Wie geht es Edis Frau?“, fragte er scheinbar beiläufig.
Harry sah seinen Sohn lauernd an. Tim kannte seinen Vater gut genug, um zu bemerken, dass er versuchte, ihn auszuhorchen.
„Tiff?“
Tim hob betont unschuldig die Brauen.
„Keine Ahnung. Hab sie ewig nicht gesehen. Seit Alison zu Gordon auf den Mond gezogen ist, sitzt sie in ihrem goldenen Käfig und tut nichts anderes, als die Dienerschaft herumzuscheuchen.“
„Aha!“
Harrys Blick verengte sich zu schmalen Schlitzen.
„Du hältst meine Vorsichtsmaßnahmen wegen ihrer Schwangerschaft also auch für übertrieben?“
Timothy zuckte innerlich zusammen. Er versuchte zu erahnen, worauf die Bemerkungen seines Vaters hinausliefen.
„Nein, natürlich nicht!“, erwiderte er schnell.
In seinem Kopf ratterte es fieberhaft. Wusste sein Vater etwa von der Affäre zwischen ihm und der Frau seines Bruders?
„Sie trägt schließlich den Erben von Meroth Industries in sich“, fügte er bedächtig hinzu. „Da kann man gar nicht vorsichtig genug sein. Außerdem … sie wusste ja, worauf sie sich mit dem Lebenspakt einließ.“
Harry schnaubte abfällig.
Tim räusperte sich.
„Vielleicht sollte sich ihre Mutter etwas mehr um sie kümmern“, schlug er vor und lehnte sich scheinbar entspannt zurück.
Harry lachte auf. Es war ein raues, hartes Lachen.
„Colleen? Die kümmert sich nur um eine Person, und die trägt zufällig ihren Namen.“
„Tja“, grinste Tim süffisant und warf seinem Vater einen fetten Köder hin. „Ich dachte immer, nach Rods Tod würde sie sich den nächstbesten reichen, mächtigen Kerl angeln. Einen Mann wie dich, zum Beispiel.“
Harrys Gesicht verfinsterte sich.
„Wenn es so wäre, ginge es dich nichts an“, sagte er...
| Erscheint lt. Verlag | 8.12.2025 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Cerateran - Meroth-Zyklus |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Cerateran • Meroth • Peiffer • Politik • Space Opera |
| ISBN-10 | 3-6951-2390-7 / 3695123907 |
| ISBN-13 | 978-3-6951-2390-2 / 9783695123902 |
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